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 DWB unangezerrt (Bd. 24, Sp. 149)   DWB zerzerren (Bd. 31, Sp. 804)   DWB unangezerrt (Bd. 24, Sp. 149) 
 unangezerrt, von anzerren irritare. vgl. DWB zerren, DWB zergen Heynatz antibarb. 2, 665; Adelung 4, 1687; Schmeller-Frommann 2, 1146; Kluge 505a; Falk-Torp 2, 1254; Weigand-Hirt 2, 1317; zaggern Bock (1759) s. v.; tergen Schiller-Lübben 4, 534b; Frischbier 2, 487a;

[Bd. 24, Sp. 150]
anzarren th. 1, 526: er will nichts mehr, als was ihm an seinem theil 'vom raube des lebens gleichsam durchs loos' zufällt, dies will er aber auch ungestört und unangezerret genieszen Herder 10, 129 anm.

 

 zerzerren, verb., auseinanderzerren; mhd., frühnhd. gut bezeugt, tritt danach zurück, reicht aber noch ins 19. jahrh., vgl. Cl. Brentano Godwi 2, 107; E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutsch. 4, 136; lex.: Diefenbach gl. 148b; 177a; 183c; 184b; 186b; 294c; n. gl. 135a; 138b; Frisius 424b, sehr oft; Schöpper 111a Sch.-K.; Stieler 2316; Frisch 2, 472a; Campe 5, 854a. dehnung des stammvocals im südalem. wie beim simplex (s. d. o. sp. 466): divello ... zerreiszen oder zerzeeren Frisius 434a, öft.; zerzeeren distrahere, concerpere Maaler 517b; (er) zerzeere (schweiz.) Wackernagel kirchenl. 4, 154a; zerzeren Steinhöwel de clar. mul. 56 D.; 1) gegenstände, a) kleider und andere zeugstoffe zerreiszen: (ein zorniger ehemann) zerzerret sin eigen gewant Berthold v. Regensburg 1, 466 Pf.; Lexer 3, 1095; oberschwäb. stadtrechte 1, 115; (sie) z. die schleyer und kleider von yhren leiben Luther 26, 646 W.; horum vix attigi penulam, tamen remanserunt ich hab inen den rock nit vast zerzerrt, mit mir z imbisz ze ssen, sy habend sich nit vast lassen bitten Frisius 970a, d. h. ich brauchte ihnen den rock nicht zu zerreiszen, um sie zu nöthigen, meiner einladung zu folgen;

wie hand sy das tischtch zerzert
H. R. Manuel weinsp. 1578 ndr.;

die segel er zerzert bei H. Fischer 6, 1158; b) andere dinge wie besitzungen, länder: z-t zerreis ich dein reich und gib es deim knechte (3. kön. 11, 11) erste bib. 5, 291; wer es sach, das ein hube were, da hüser uf stunden, und zurtzert weren in drü oder an vier gut (1460) weisth. 6, 388; daz du die himel zerzartest und daz du herab kœmest (Jes. 64, 1) altd. pred. 1, 156 Griesh. (s. zerreiszen I 2 b δ); ein land, städte, gebäude, plündern, verheeren, zerstören:

hat Constans Rom so gar zerzart,
das kain palast mer funden wardt
in Rom, er wer zerbrochen gar v. ein. waldbruder (1522) a 2b;

uberfielen gantz Galliam, zerzerreten alles mit feur, schwert und waffen grimmiglich H. Gholtz leb. bild. (1557) H 3b; wege aufreiszen: das man die (wege) nit

[Bd. 31, Sp. 805]
umbere (umpflüge) noch zerzerre (1460) urk. d. st. Heilbronn 2, 62; bücher zerreiszen: H. Fischer; 2) von menschen und thieren körper oder gliedmaszen zerreiszen, a) beim martyrium oder auf der folter und hinrichtung: Heinr. v. Neustadt gott. zuk. 6555 S.; Ulrich v. Eschenbach Alexander 9736; als wenn man einen menschen mit vier rossen zerzeerte oder zerrisse Frisius 432b; Stieler 2316; auf der folterbank zerdehnt und zerzert Vulpius Rinaldo3 2, 161; ferner vom teufel, menschen unter einander und von wilden thieren: der teufel gat umbe als ein brummender löw, sucht, wen er zerzerr und fresz Keisersberg hellisch löw a 2a; bilg. 26b; do wurdent sü bede besessen von den tüfeln, das sü sich selber zerzerretent und dtetent (Straszburg) chron. d. st. 8, 355; s. Ch. Schmidt els. wb. 439b;

drumb ihn die eltren nit hand geweert,
hand d bären ire kind zerzeert schweiz. schausp. 1, 94 Bächtold;

noch modern dialektisch: ich möcht mich zerrisz und zerzerr ich möchte vergehen Reinwald 1, 200; b) das äuszere des körpers, haut, haar und kleidung, zerreiszen, zerzausen, zerkratzen: Rud. v. Ems weltchron. 7272; Haupts zs. 6, 183; das angesicht z. oder zerkratzen Frisius 194b; das haar z., zerreyszen 1187a; kroch ... durch ... dornhecken, zerrisz und zerzert sich fast übel Wickram 2, 55 B.; reciprok:

ir woltet gern die leut verhetzen,
dasz sie sich umb den rmisch gtzen
ein wenig ropften und zerzerten
Fischart nachtrab 1067 K.;

dichterisch anschaulich:

mir lufft und windt zerzerren
di zhr und seufftzer mein
Spee trutznachtigall (1649) 66;

Göthe 15, 1, 271 W.; c) körpertheile und das körperinnere, wie das herz in bildlichem ausdruck: sundir do di vursten dise wort irhorten, do wurden ire herze mit grozer anchst zuzcerrit Königsberger apost. 5, 33 Z.; s. auch unt. zerschneiden 4 a; Weckherlin ged. 2, 166 F.; den leib von krankheiten: Fischart Ismenius 385 H.; (fieber) haben ... mich erschrecklich zerzerrt Görres ges. br. 1, 275; wie zerren 2 b auch das maul z. d. h. aufsperren und verziehen: Frisius 1163a; 451a; 933b;

das maul aber blieb auffgespert,
wie sies zuvor aus spott zerzert
Rollenhagen froschmeuseler (1595) O o 1a;

Fischart Eul. 1536 H.; sich mit groszen reden z. (grosze worte machen): 10536 H.; vgl. (hohlspiegel,) welche ein gesicht krumm und ... zerzerret vorstellen Lohenstein Arm. 2, 1482a (obd. zer- für ver-: Heynatz antibarb. 2, 665; doch auch ähnlich: die fatalen zerzerrten und verschrnkten wortfgungen Bürger 177b Bohtz);

und mine hut ist verderret,
geruntzelt und zuzerret (von runzeln verzerrt) Hiob 2420 K.;

d) abgeschwächt jemanden oder jemandes meinungen zerpflücken, arg mitnehmen, durchhecheln, herunterreiszen: hat Nerva ... mit einer langen oration den Domitianum auffs allerschendtlichest ... zerzerret H. Gholtz leb. bild. (1557) C 1b; s. zerreiszen I 2 a β; dasz ein offentlicher verlumbder ... die leuthe durch abschneidung der ehre zerzerre Lehman floril. (1662) 4, 127; meinungen: allg. d. bibl. anh. 53/86, 1793; 3) unter noch stärkerer zurückdrängung des begriffs zerreiszen gewinnt z. die bedeutung hin und her zerren, ziehen:

die, vorn und hinden angeschirrt,
ein wagen, mitten im dreck verirrt,
zerzerren grausam her und hin
Hayneccius Hans Pfriem 35 ndr.;

er zerzerrt seine halskrause (obd.) Heynatz antib. 2, 665; sodann vgl. für 'ziehen' thür. zerren (s. d. 2 e); — andere zss. s. unter DWB zerren. — hierzu zerzerrung, f.: hin- und herzyehung ut distractio mentis z. voc. predicant. (1486) H 7a; Stieler 2316; zrzerrung der bein und glider C. Hedio chron. germ. D 3b; weil sie (die abhandlungen) mir ... unter äuszerer und innerer z. nicht besser gerathen wollten (1838) Lehrs an Hermann 1, 258. —

 

 unangezerrt, von anzerren irritare. vgl. DWB zerren, DWB zergen Heynatz antibarb. 2, 665; Adelung 4, 1687; Schmeller-Frommann 2, 1146; Kluge 505a; Falk-Torp 2, 1254; Weigand-Hirt 2, 1317; zaggern Bock (1759) s. v.; tergen Schiller-Lübben 4, 534b; Frischbier 2, 487a;

[Bd. 24, Sp. 150]
anzarren th. 1, 526: er will nichts mehr, als was ihm an seinem theil 'vom raube des lebens gleichsam durchs loos' zufällt, dies will er aber auch ungestört und unangezerret genieszen Herder 10, 129 anm.