unangezerrt, von anzerren irritare. vgl. DWB zerren, DWB zergen Heynatz antibarb. 2, 665; Adelung 4, 1687; Schmeller-Frommann 2, 1146; Kluge 505a; Falk-Torp 2, 1254; Weigand-Hirt 2, 1317; zaggern Bock (1759) s. v.; tergen Schiller-Lübben 4, 534b; Frischbier 2, 487a; [Bd. 24, Sp. 150] anzarren th. 1, 526: er will nichts mehr, als was ihm an seinem theil 'vom raube des lebens gleichsam durchs loos' zufällt, dies will er aber auch ungestört und unangezerret genieszen Herder 10, 129 anm. | | zerzerren, verb., auseinanderzerren; mhd., frühnhd. gut bezeugt, tritt danach zurück, reicht aber noch ins 19. jahrh., vgl. Cl. Brentano Godwi 2, 107; E. M. Arndt schr. f. u. an s. l. Deutsch. 4, 136; lex.: Diefenbach gl. 148b; 177a; 183c; 184b; 186b; 294c; n. gl. 135a; 138b; Frisius 424b, sehr oft; Schöpper 111a Sch.-K.; Stieler 2316; Frisch 2, 472a; Campe 5, 854a. dehnung des stammvocals im südalem. wie beim simplex (s. d. o. sp. 466): divello ... zerreiszen oder zerzeeren Frisius 434a, öft.; zerzeeren distrahere, concerpere Maaler 517b; (er) zerzeere (schweiz.) Wackernagel kirchenl. 4, 154a; zerzeren Steinhöwel de clar. mul. 56 D.; 1) gegenstände, a) kleider und andere zeugstoffe zerreiszen: (ein zorniger ehemann) zerzerret sin eigen gewant Berthold v. Regensburg 1, 466 Pf.; Lexer 3, 1095; oberschwäb. stadtrechte 1, 115; (sie) z. die schleyer und kleider von yhren leiben Luther 26, 646 W.; horum vix attigi penulam, tamen remanserunt ich hab inen den rock nit vast zerzerrt, mit mir z imbisz ze ssen, sy habend sich nit vast lassen bitten Frisius 970a, d. h. ich brauchte ihnen den rock nicht zu zerreiszen, um sie zu nöthigen, meiner einladung zu folgen; wie hand sy das tischtch zerzert H. R. Manuel weinsp. 1578 ndr.; die segel er zerzert bei H. Fischer 6, 1158; b) andere dinge wie besitzungen, länder: z-t zerreis ich dein reich und gib es deim knechte (3. kön. 11, 11) erste bib. 5, 291; wer es sach, das ein hube were, da hüser uf stunden, und zurtzert weren in drü oder an vier gut (1460) weisth. 6, 388; daz du die himel zerzartest und daz du herab kœmest (Jes. 64, 1) altd. pred. 1, 156 Griesh. (s. zerreiszen I 2 b δ); ein land, städte, gebäude, plündern, verheeren, zerstören: hat Constans Rom so gar zerzart, das kain palast mer funden wardt in Rom, er wer zerbrochen gar v. ein. waldbruder (1522) a 2b; uberfielen gantz Galliam, zerzerreten alles mit feur, schwert und waffen grimmiglich H. Gholtz leb. bild. (1557) H 3b; wege aufreiszen: das man die (wege) nit [Bd. 31, Sp. 805] umbere (umpflüge) noch zerzerre (1460) urk. d. st. Heilbronn 2, 62; bücher zerreiszen: H. Fischer; 2) von menschen und thieren körper oder gliedmaszen zerreiszen, a) beim martyrium oder auf der folter und hinrichtung: Heinr. v. Neustadt gott. zuk. 6555 S.; Ulrich v. Eschenbach Alexander 9736; als wenn man einen menschen mit vier rossen zerzeerte oder zerrisse Frisius 432b; Stieler 2316; auf der folterbank zerdehnt und zerzert Vulpius Rinaldo3 2, 161; ferner vom teufel, menschen unter einander und von wilden thieren: der teufel gat umbe als ein brummender löw, sucht, wen er zerzerr und fresz Keisersberg hellisch löw a 2a; bilg. 26b; do wurdent sü bede besessen von den tüfeln, das sü sich selber zerzerretent und dtetent (Straszburg) chron. d. st. 8, 355; s. Ch. Schmidt els. wb. 439b; drumb ihn die eltren nit hand geweert, hand d bären ire kind zerzeert schweiz. schausp. 1, 94 Bächtold; noch modern dialektisch: ich möcht mich zerrisz und zerzerr ich möchte vergehen Reinwald 1, 200; b) das äuszere des körpers, haut, haar und kleidung, zerreiszen, zerzausen, zerkratzen: Rud. v. Ems weltchron. 7272; Haupts zs. 6, 183; das angesicht z. oder zerkratzen Frisius 194b; das haar z., zerreyszen 1187a; kroch ... durch ... dornhecken, zerrisz und zerzert sich fast übel Wickram 2, 55 B.; reciprok: ir woltet gern die leut verhetzen, dasz sie sich umb den rmisch gtzen ein wenig ropften und zerzerten Fischart nachtrab 1067 K.; dichterisch anschaulich: mir lufft und windt zerzerren di zhr und seufftzer mein Spee trutznachtigall (1649) 66; Göthe 15, 1, 271 W.; c) körpertheile und das körperinnere, wie das herz in bildlichem ausdruck: sundir do di vursten dise wort irhorten, do wurden ire herze mit grozer anchst zuzcerrit Königsberger apost. 5, 33 Z.; s. auch unt. zerschneiden 4 a; Weckherlin ged. 2, 166 F.; den leib von krankheiten: Fischart Ismenius 385 H.; (fieber) haben ... mich erschrecklich zerzerrt Görres ges. br. 1, 275; wie zerren 2 b auch das maul z. d. h. aufsperren und verziehen: Frisius 1163a; 451a; 933b; das maul aber blieb auffgespert, wie sies zuvor aus spott zerzert Rollenhagen froschmeuseler (1595) O o 1a; Fischart Eul. 1536 H.; sich mit groszen reden z. (grosze worte machen): 10536 H.; vgl. (hohlspiegel,) welche ein gesicht krumm und ... zerzerret vorstellen Lohenstein Arm. 2, 1482a (obd. zer- für ver-: Heynatz antibarb. 2, 665; doch auch ähnlich: die fatalen zerzerrten und verschrnkten wortfgungen Bürger 177b Bohtz); und mine hut ist verderret, geruntzelt und zuzerret (von runzeln verzerrt) Hiob 2420 K.; d) abgeschwächt jemanden oder jemandes meinungen zerpflücken, arg mitnehmen, durchhecheln, herunterreiszen: hat Nerva ... mit einer langen oration den Domitianum auffs allerschendtlichest ... zerzerret H. Gholtz leb. bild. (1557) C 1b; s. zerreiszen I 2 a β; dasz ein offentlicher verlumbder ... die leuthe durch abschneidung der ehre zerzerre Lehman floril. (1662) 4, 127; meinungen: allg. d. bibl. anh. 53/86, 1793; 3) unter noch stärkerer zurückdrängung des begriffs zerreiszen gewinnt z. die bedeutung hin und her zerren, ziehen: die, vorn und hinden angeschirrt, ein wagen, mitten im dreck verirrt, zerzerren grausam her und hin Hayneccius Hans Pfriem 35 ndr.; er zerzerrt seine halskrause (obd.) Heynatz antib. 2, 665; sodann vgl. für 'ziehen' thür. zerren (s. d. 2 e); — andere zss. s. unter DWB zerren. — hierzu zerzerrung, f.: hin- und herzyehung ut distractio mentis z. voc. predicant. (1486) H 7a; Stieler 2316; zrzerrung der bein und glider C. Hedio chron. germ. D 3b; weil sie (die abhandlungen) mir ... unter äuszerer und innerer z. nicht besser gerathen wollten (1838) Lehrs an Hermann 1, 258. — | | unangezerrt, von anzerren irritare. vgl. DWB zerren, DWB zergen Heynatz antibarb. 2, 665; Adelung 4, 1687; Schmeller-Frommann 2, 1146; Kluge 505a; Falk-Torp 2, 1254; Weigand-Hirt 2, 1317; zaggern Bock (1759) s. v.; tergen Schiller-Lübben 4, 534b; Frischbier 2, 487a; [Bd. 24, Sp. 150] anzarren th. 1, 526: er will nichts mehr, als was ihm an seinem theil 'vom raube des lebens gleichsam durchs loos' zufällt, dies will er aber auch ungestört und unangezerret genieszen Herder 10, 129 anm. |