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| DWB stapfen (Bd. 17, Sp. 864) | DWB vorstapeln (Bd. 26, Sp. 1651) | |||||||||||||||||||||||
I. verwandtschaft und form. 1) stapfen ist ein gemeinwestgerm. verbum: ags. stæppan, steppan gradi, cedere 908bf., mittelengl. steppen 578a, neuengl. step, vgl. 595b; altfries. steppa, stappa schreiten, neuwestfries. stappen und stæppjen, wang. stap, saterl. stappa, nordfries. stape. 1048a, vgl. 3, 302a; alts. *stappan (s. 2), mnd. mnl. holl. stappen; ahd. stephen, steffen gradi, ascendere. 6, 655, daneben stápfôn 657; mhd. stapfen handwb. 2, 1140 f. 2) zu stapfen sind, auszer stapf, gebildet staffel und stufe. daneben liegt eine wurzelgestalt mit infigiertem nasal in stampfen, stampf, wozu weiterhin stempel und stumpf, s. diese. auch stapeln II wird man nicht davon trennen wollen, obwol die lautstufe des auslautenden labials schwierigkeit macht. — auszerhalb des germ. gehört dazu gr. στέμβειν treten, durch stampfen erschüttern. darüber hinaus sind die beziehungen unsicher, weil nicht klar ist, ob das gr.-vorgerm. b auf ursprünglichem labial oder velar beruht. im letzteren falle könnte man lit. sténgti sich anstrengen (eigentlich sich stemmen?) vergleichen (vgl. jedoch stinken). im ersteren wären bildungen mit abweichender lautstufe heranzuziehen, einerseits slav. stopa tritt, spur, fuszsohle, stepenĭ stufe, 321, andrerseits die unter stab (I, 2, sp. 329) behandelte wurzel *stabh- stebh-. vgl. 1558. 1587 f. Kluge6 376a. nl. etymol. woordenb. 956 f. Fick3 3, 345. 41, 569. d. germ. gutturale 28. Prellwitz gr. etymol. wb.2 432. 3) stapfen ist ursprünglich ein starkes verb; das präs. ist mit einem n-suffix gebildet, dessen n sich dem stammauslautenden p assimiliert und dadurch doppelconsonanz hervorgebracht hat; das prät. mit einfacher consonanz nach der 6. ablautsreihe. so ags. stæppan — stóp — stapen, mittelengl. stape(n), stepen — stōp, stap, step (?) — stapen; altfries. steppa, stappa — stop — stapen und noch neuwestfr. stappen — stoep; alts. nur das prät. stôp belegt. auch Hildebrandsl. 66 ist wol statt des überl. stoptū nach alts. weise stôpun zu lesen, vgl. denkm.3 2, 11. 20. — später ist die ungewöhnliche flexion durch neubildungen vom präs. aus beseitigt. so hat im mnl., wie bei fast allen verben dieser reihe mit stammschlieszender doppelconsonanz, übertritt in die reduplicierende conjugation stattgefunden: stappen — stiep, s. mnl. gr. § 150. die neuern sprachen zeigen schwache flexion; so schon mnd. stappen — stappede 4, 365b; jetzt auch holl. und engl. 4) im hd. ist von anfang an ausschlieszlich schwache flexion nachweisbar. und zwar ahd. zunächst nach der 1. classe: stephen, steffen, gradi, ascendere. 6, 655 (die belege zumeist aus Notker; das prät. nur belegt in: ubirstafton, transierunt, obarstaphtun. 656), daneben vereinzelt stapfôn: sús sólt tu argumentando daranâh stápfôn. 1, 192, 28 Piper (Boet. 3, 88, A 161), vgl. 2, 798. — mhd. findet sich stepfen nur noch ganz vereinzelt: wan der mensche alleine ... [Bd. 17, Sp. 865] darnach sach man staphen (A: stappen) 5, a) im nhd. ist stapfen den wörterbüchern vor Schottel fremd. dieser bringt es in der nd.-mitteld. form, die auch in den folgenden neben der eigentlichen schriftsprachlichen steht: stappen pleno gradu incedere. 1421; stapfen, sive stappen, gestapft, et gestappt, pleno gradu incedere, vestigia imprimere. 2134; stapfen, stappen, verb. ... passeggiare, far passi, calcare cioè caminare con passo grande, fermo e sodo, pestando il suolo e stampando ben fermo le pedate. lat. gradi. dict. 2, 907c. seit Frisch als veraltet bezeichnet: stapfen, vestigia figere, gradi, mit starken, festen tritten gehen, auftretten, als die pferde mit beschlagenen hufen, ist meistens veraltet. 2, 320a; 'stapfen, ... im gehen fest auftreten, und in weiterm verstande, gehen, steigen, springen u. s. f. ein im hochdeutschen veraltetes, ehedem aber sehr gangbares wort. s. fuszstapfen, welches noch davon übrig ist. es ist eine onomatopöie des dumpfigen lautes, welcher mit dem festen auftreten im gehen und andern ähnlichen bewegungen verbunden ist, und musz als ein verwandter von staffel, stampfen, tupfen, tappen, stumpf, stufe angesehen werden.' Adelung. Campe giebt stapfen, stappen ohne bemerkung über gebrauchsbeschränkung. b) ganz anders gestaltet sich das bild nach den litteraturbelegen. hier findet sich stapfen noch in der ersten hälfte des 16. jahrh. (Keisersberg, W. Ryff), dann verschwindet es vollständig, um erst bei Wieland als bewuszte neuerung wieder aufzutauchen, vgl.: stapfen, einher stapfen, (Oberon) VI. 42. ein veraltetes aber mahlerisches wort, für stark und fest auftreten. 23, 342 ('glossarium über die im Oberon vorkommenden veralteten ... wörter'). bei autoren des 19. jahrh. ist es ganz geläufig. c) die bildung des umschriebenen prät. geschieht nach Adelung mit haben. dagegen unterscheidet Campe: '1) mit haben, im gehen fest auftreten. 2) mit sein, fest auftretend gehen'. 6) mundartlich nur in den nördlicheren gegenden, wo pp unverschoben geblieben ist (bair. stapfen bezeichnet Schmeller2 2, 774 als der älteren sprache angehörig). oberhess., dazu in der Wetterau das demin. stapfchen (schdabbche) 'hart auftreten'. 805; nordthür. (harz.) schtppen, langsam, fest auftretend gehen. 204. sprachsch. 233 (dazu das demin. stapfeln, s. das.). — allgemeiner verbreitet im nd.: stappen, gehen, so osnabr. 228; ostfries. 262a. 3, 302. brem. wb. 4, 1002f. 6, 337; ditmars. 425. 4, 187; preusz. 2, 363a. II. bedeutung, hier ist die grundvorstellung des festen, abgemessenen schreitens überall deutlich, doch treten daneben zeitweise abweichende nuancen hervor. 1) bedeutungen, die als grundlage von ableitungen angenommen werden müssen und in der alten sprache in spuren erkennbar sind. a) eine bedeutung 'steigen' scheint vorausgesetzt zu werden durch die ableitungen staffel (vgl. das. I, 5, sp. 5) und stufe. sie findet sich noch bei (prol. zu ps. 119): dáranah stéphet si an den dritten gradum. 2, 545, 24 Piper; án démo fúnftin sprózzen so nímet si martyres in hánt, unde stephet also fasto, daz si ioch andero ordines fide-. lium mit démo robore hôhor unde hohor sézzet. 546, 4, s. ferner 545, 21. 546, 26, und ebenso in der Wiener handschr. 3, 289, 30. 290, 1. 11. 28. 291, 11. so schon richtig 1588. (denselben bedeutungswandel weist steigen auf, s. das.) dieser sinn scheint noch nachzuklingen in folgender stelle: wenn du mit disen fssen der selen, das ist mit dinem willen ... gost, und stapffest uff die welt, ... so verunreynigest du ... dine sele ... wenn du aber mit dinem willen ... dich kerest z gott, ... und uff tugend, denn stapffest du, und gost uff z gott. bilgersch. (1512) 149af. (die stelle auch bei hist. wb. der els. mundart 337a). b) ähnlich liegt wol eine bedeutung 'springen' zu grunde der andern bildung staffel, m., heuschrecke, s. oben sp. 515, dazu das erste stapel und heustäffel, theil 4, 2, 1294. ebenso [Bd. 17, Sp. 866] ags. stapa und gærsstapa, locusta. 912a. stapfen, salire, saltare. 1588, der ferner darauf hinweist, dasz ps. 38, 1 uberstephen und uberspringen als synonyma zur wiedergabe von transilire gebraucht (souuer terrena delectamenta úberstephet, unde úbersprungen hábet). 2) in den mhd. belegen bezeichnet stapfen durchweg ein langsames reiten, wobei die gangart des pferdes auf den reiter übertragen wird. der überwiegend ritterliche charakter der litteratur bringt es mit sich, dasz diese specialisierung so im vordergrunde steht. vgl. d. rosz im altdeutschen s. 31. a) so wird stapfen mit rîten gleichgesetzt: (Tristan) staphet ouch des endes sâ dâ von Engelhart dô reit ... b) und zwar bezeichnet stapfen ein langsames reiten: er reit stætelîchen dan ... daʒ man von der stat des ersten schol er stapfen hin, c) stapfen ist geradezu technischer ausdruck für eine bestimmte art des reitens ('schritt', vgl. DWB stapf II, 1, c) und wird so andern arten gegenübergestellt: stapfen, zelten unde drabn stappen, zelden unte draben staphen und niht draven pey den selben stunden d) mhd. stapfen hat wol überall den sinn einer ortsbewegung; daher meistens in verbindung mit richtungs adverbien und präpositionalen ausdrücken, z. b.: do staphete gen dem walde dan nu hin, ir strites vænr! diu her, von den ir habt vernomen, daʒ her mit menlichen siten 3) stapfen gilt ursprünglich vom schreiten des fuszgängers und so in der alten sprache durchweg. nur im mhd. tritt diese bedeutung ganz zurück und begegnet nur in freierem und weniger deutlichem gebrauche, s. die belege unter 5. dagegen ist sie im nhd. wieder die ausschlieszliche, s. die erklärungen der wörterbücher, oben I, 5, a. ebenso in den litteraturbelegen, die mit Wieland beginnen. a) stapfen bezeichnet eine besondere art des gehens und steht so neben synonymen verben: ein jugendlicher pfifferari schritt voran, ... neben ihm stapfte ein sonnenverbrannter hirte der campagna. pater Maternus 20. stapfen ist ein langsames und schwerfälliges gehen; die charakteristische besonderheit ist, dasz man den [Bd. 17, Sp. 867] fusz fest und schwer aufsetzt, sodasz ein dumpfer laut entsteht (Adelung unter I, 5, a): o gott, da kommt jemand und stapft mit dumpfem klange du stapfest noch geleich als ein blinder. minnefalkner 152. b) gern in verbindung mit ortsadverbien; so einherstapfen in jenem ersten belege aus 22, 270 (Oberon 6, 42), s. theil 3, 202; fortstapfen (theil 4, 1, 34): ich nickte lächelnd: 'es passirt!' schon stapft er durch das zimmer fort, noch seh' ich dich im hauch des winterbrodems c) zuweilen mit accusativ der wirkung: dann blieb das gespann zuweilen in einer schneewehe stecken, der fuhrmann stieg ab, stapfte den pferden eine bahn. 1, 77; die vier bürger hielten sich auf dem ziemlich breiten fuszwege, den die zahlreichen gäste des Wieseckeschen lokals nach dem Prenzlauer thore hin in dem dicht liegenden schnee gestapft hatten. vor dem sturm 3, 22. d) der begriff der fortbewegung tritt manchmal zurück. so gilt es vom tanzen: auf der dorfstrasze tanzten im staube die kleinen kinder den ringelreigen, ... sie stapften barbeinig im sande und sangen. 8, 11 (ahnen 1, 1, c. 1); wer die tänzerinnen, die schmeichelnden mädchen aus Alexandrien, geschaut, dem dünkt das stapfen der bauern im grase wie marsch der gänse. 62 (c. 4). in andern fällen bedeutet es auch nur das feste auftreten, das abwechselnde aufsetzen der füsze (wie sonst stampfen), so von einem pferde, s. unter 4. diese bedeutung wird vielfach als die ursprüngliche angesehen, vgl. z. b.: stapfen, stappen, calcare, vestigia figere; hodie dicimus stampfen ... stapfen, stappen, dicitur etiam de gradientibus, scandentibus et saltantibus, quia calcantibus similes sunt, et vestigia motus sui in pulvere relinquunt. 1587. doch wird diese auffassung durch die sprachlichen thatsachen nicht gestützt; vielmehr scheint hier eine neubildung, wol unter einflusz von stampfen vorzuliegen. 4) von thieren wird stapfen in neuerer sprache nur vereinzelt gesagt. vom rosz, früher als bezeichnung des schrittgangs, s. 2, c; jetzt im sinne 3, d: während das rosz deiner [Bd. 17, Sp. 868] königin über meinem gewande stapft. 8, 177 (ahnen 1, 1, c. 10; weiter oben: sein huf stampfte auf dem linnengewand). — von einem vogel in scherzhafter übertragung: aus einem der seitengänge kam ein purpurfarbener storch gravitätisch, wie ein haushofmeister, hervorgeschritten, ... und stapfte dann als führer vor uns her. werke 13, 29. — ursprünglich auch vom springen der heuschrecke, s. 1, b; vgl. noch die nd. (oldenb.) redensart: he stappt as 'n pogg (frosch) in 'n maanenschien. 1, 232, 12. 5) in übertragenem gebrauche ist stapfen selten und in neuerer zeit ganz unüblich. mhd. (hier ohne die vorstellung des reitens) von gange einer predigt: swenne si mit sô gitâner rede 6) stapfen für steppen ( 2, 683), s. dieses.
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