Wörterbuchnetz
Netz-Navigator
 
 DWB stapfen (Bd. 17, Sp. 864)   DWB stapf (Bd. 17, Sp. 857)   DWB staffel (Bd. 17, Sp. 515) 
 stapfen, verb. fest auftretend schreiten.
I. verwandtschaft und form.
1) stapfen ist ein gemeinwestgerm. verbum: ags. stæppan, steppan gradi, cedere Bosworth-Toller 908bf., mittelengl. steppen Stratmann-Bradley 578a, neuengl. step, vgl. Skeat 595b; altfries. steppa, stappa schreiten, neuwestfries. stappen und stæppjen, wang. stap, saterl. stappa, nordfries. stape. Richthofen 1048a, vgl. ten Doornkaat Koolman 3, 302a; alts. *stappan (s. 2), mnd. mnl. holl. stappen; ahd. stephen, steffen gradi, ascendere. Graff 6, 655, daneben stápfôn 657; mhd. stapfen Lexer handwb. 2, 1140 f.
2) zu stapfen sind, auszer stapf, gebildet staffel und stufe. daneben liegt eine wurzelgestalt mit infigiertem nasal in stampfen, stampf, wozu weiterhin stempel und stumpf, s. diese. auch stapeln II wird man nicht davon trennen wollen, obwol die lautstufe des auslautenden labials schwierigkeit macht.auszerhalb des germ. gehört dazu gr. στέμβειν treten, durch stampfen erschüttern. darüber hinaus sind die beziehungen unsicher, weil nicht klar ist, ob das gr.-vorgerm. b auf ursprünglichem labial oder velar beruht. im letzteren falle könnte man lit. sténgti sich anstrengen (eigentlich sich stemmen?) vergleichen (vgl. jedoch stinken). im ersteren wären bildungen mit abweichender lautstufe heranzuziehen, einerseits slav. stopa tritt, spur, fuszsohle, stepenĭ stufe, Miklosich 321, andrerseits die unter stab (I, 2, sp. 329) behandelte wurzel *stabh- stebh-. vgl. Scherz-Oberlin 1558. Wachter 1587 f. Kluge6 376a. Franck nl. etymol. woordenb. 956 f. Fick3 3, 345. 41, 569. Zupitza d. germ. gutturale 28. Prellwitz gr. etymol. wb.2 432.
3) stapfen ist ursprünglich ein starkes verb; das präs. ist mit einem n-suffix gebildet, dessen n sich dem stammauslautenden p assimiliert und dadurch doppelconsonanz hervorgebracht hat; das prät. mit einfacher consonanz nach der 6. ablautsreihe. so ags. stæppan — stóp — stapen, mittelengl. stape(n), stepen — stōp, stap, step (?) — stapen; altfries. steppa, stappa — stop — stapen und noch neuwestfr. stappen — stoep; alts. nur das prät. stôp belegt. auch Hildebrandsl. 66 ist wol statt des überl. stoptū nach alts. weise stôpun zu lesen, vgl. denkm.3 2, 11. 20. — später ist die ungewöhnliche flexion durch neubildungen vom präs. aus beseitigt. so hat im mnl., wie bei fast allen verben dieser reihe mit stammschlieszender doppelconsonanz, übertritt in die reduplicierende conjugation stattgefunden: stappen — stiep, s. Franck mnl. gr. § 150. die neuern sprachen zeigen schwache flexion; so schon mnd. stappen — stappede Schiller-Lübben 4, 365b; jetzt auch holl. und engl.
4) im hd. ist von anfang an ausschlieszlich schwache flexion nachweisbar. und zwar ahd. zunächst nach der 1. classe: stephen, steffen, gradi, ascendere. Graff 6, 655 (die belege zumeist aus Notker; das prät. nur belegt in: ubirstafton, transierunt, obarstaphtun. 656), daneben vereinzelt stapfôn: sús sólt tu argumentando daranâh stápfôn. Notker 1, 192, 28 Piper (Boet. 3, 88, A 161), vgl. Weigand 2, 798. — mhd. findet sich stepfen nur noch ganz vereinzelt:

wan der mensche alleine ...
uʒ dinen wegen steppfet,
den du selbe hest geschepfet.
H. v. Langenstein Martina 158, 77.

sonst stets stapfen, prät. stapf(e)te; im mitteldeutschen dafür auch stappen (s. z. b. Braunschw. reimchron. 8058 unter II, 2, c). auffällig ist, dasz bei einem österr. dichter der reim begegnet:

[Bd. 17, Sp. 865]

darnach sach man staphen (A: stappen)
ritter und knappen.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 17786 Singer.

kaum läszt sich das in einer mitteld. quelle des 15. jahrh. belegte staben (: graben) hierher ziehen, vgl. das. 4, a, sp. 367.
5,
a) im nhd. ist stapfen den wörterbüchern vor Schottel fremd. dieser bringt es in der nd.-mitteld. form, die auch in den folgenden neben der eigentlichen schriftsprachlichen steht: stappen pleno gradu incedere. Schottel 1421; stapfen, sive stappen, gestapft, et gestappt, pleno gradu incedere, vestigia imprimere. Stieler 2134; stapfen, stappen, verb. ... passeggiare, far passi, calcare cioè caminare con passo grande, fermo e sodo, pestando il suolo e stampando ben fermo le pedate. lat. gradi. Kramer dict. 2, 907c. seit Frisch als veraltet bezeichnet: stapfen, vestigia figere, gradi, mit starken, festen tritten gehen, auftretten, als die pferde mit beschlagenen hufen, ist meistens veraltet. 2, 320a; 'stapfen, ... im gehen fest auftreten, und in weiterm verstande, gehen, steigen, springen u. s. f. ein im hochdeutschen veraltetes, ehedem aber sehr gangbares wort. s. fuszstapfen, welches noch davon übrig ist. es ist eine onomatopöie des dumpfigen lautes, welcher mit dem festen auftreten im gehen und andern ähnlichen bewegungen verbunden ist, und musz als ein verwandter von staffel, stampfen, tupfen, tappen, stumpf, stufe angesehen werden.' Adelung. Campe giebt stapfen, stappen ohne bemerkung über gebrauchsbeschränkung.
b) ganz anders gestaltet sich das bild nach den litteraturbelegen. hier findet sich stapfen noch in der ersten hälfte des 16. jahrh. (Keisersberg, W. Ryff), dann verschwindet es vollständig, um erst bei Wieland als bewuszte neuerung wieder aufzutauchen, vgl.: stapfen, einher stapfen, (Oberon) VI. 42. ein veraltetes aber mahlerisches wort, für stark und fest auftreten. Wieland 23, 342 ('glossarium über die im Oberon vorkommenden veralteten ... wörter'). bei autoren des 19. jahrh. ist es ganz geläufig.
c) die bildung des umschriebenen prät. geschieht nach Adelung mit haben. dagegen unterscheidet Campe: '1) mit haben, im gehen fest auftreten. 2) mit sein, fest auftretend gehen'.
6) mundartlich nur in den nördlicheren gegenden, wo pp unverschoben geblieben ist (bair. stapfen bezeichnet Schmeller2 2, 774 als der älteren sprache angehörig). oberhess., dazu in der Wetterau das demin. stapfchen (schdabbche) 'hart auftreten'. Crecelius 805; nordthür. (harz.) schtppen, langsam, fest auftretend gehen. Liesenberg 204. Hertel sprachsch. 233 (dazu das demin. stapfeln, s. das.). — allgemeiner verbreitet im nd.: stappen, gehen, so osnabr. Strodtmann 228; ostfries. Stürenburg 262a. ten Doornkaat Koolman 3, 302. brem. wb. 4, 1002f. 6, 337; ditmars. Richey 425. Schütze 4, 187; preusz. Frischbier 2, 363a.
II. bedeutung, hier ist die grundvorstellung des festen, abgemessenen schreitens überall deutlich, doch treten daneben zeitweise abweichende nuancen hervor.
1) bedeutungen, die als grundlage von ableitungen angenommen werden müssen und in der alten sprache in spuren erkennbar sind.
a) eine bedeutung 'steigen' scheint vorausgesetzt zu werden durch die ableitungen staffel (vgl. das. I, 5, sp. 5) und stufe. sie findet sich noch bei Notker (prol. zu ps. 119): dáranah stéphet si an den dritten gradum. 2, 545, 24 Piper; án démo fúnftin sprózzen so nímet si martyres in hánt, unde stephet also fasto, daz si ioch andero ordines fide-. lium mit démo robore hôhor unde hohor sézzet. 546, 4, s. ferner 545, 21. 546, 26, und ebenso in der Wiener handschr. 3, 289, 30. 290, 1. 11. 28. 291, 11. so schon richtig Wachter 1588. (denselben bedeutungswandel weist steigen auf, s. das.) dieser sinn scheint noch nachzuklingen in folgender stelle: wenn du mit disen fssen der selen, das ist mit dinem willen ... gost, und stapffest uff die welt, ... so verunreynigest du ... dine sele ... wenn du aber mit dinem willen ... dich kerest z gott, ... und uff tugend, denn stapffest du, und gost uff z gott. Keisersberg bilgersch. (1512) 149af. (die stelle auch bei Ch. Schmidt hist. wb. der els. mundart 337a).
b) ähnlich liegt wol eine bedeutung 'springen' zu grunde der andern bildung staffel, m., heuschrecke, s. oben sp. 515, dazu das erste stapel und heustäffel, theil 4, 2, 1294. ebenso

[Bd. 17, Sp. 866]
ags. stapa und gærsstapa, locusta. Bosworth-Toller 912a. stapfen, salire, saltare. Wachter 1588, der ferner darauf hinweist, dasz Notker ps. 38, 1 uberstephen und uberspringen als synonyma zur wiedergabe von transilire gebraucht (souuer terrena delectamenta úberstephet, unde úbersprungen hábet).
2) in den mhd. belegen bezeichnet stapfen durchweg ein langsames reiten, wobei die gangart des pferdes auf den reiter übertragen wird. der überwiegend ritterliche charakter der litteratur bringt es mit sich, dasz diese specialisierung so im vordergrunde steht. vgl. Pfeiffer d. rosz im altdeutschen s. 31.
a) so wird stapfen mit rîten gleichgesetzt:

(Tristan) staphet ouch des endes sâ
und reit unlange ... Trist. 8970;

dâ von Engelhart dô reit ...
und kam dar für in einer naht
gestapfet an den burcgraben. Engelh. 4229.


b) und zwar bezeichnet stapfen ein langsames reiten:

er reit stætelîchen dan ...
er stapfet sanfte: im was niht gâch. Wig. 527 (vgl. dazu
Schm.2 2, 774);

daʒ man von der stat
müeʒlichen solde staphen.
Ottokar reimchron. 15923;

des ersten schol er stapfen hin,
darnach bald.
Wittenweiler ring 50b, 1.


c) stapfen ist geradezu technischer ausdruck für eine bestimmte art des reitens ('schritt', vgl. DWB stapf II, 1, c) und wird so andern arten gegenübergestellt:

stapfen, zelten unde drabn
ûf den hof begunde vil der diet.
Wolfram Willeh. 138, 24;

stappen, zelden unte draben
was uf dhen hopf. Braunschw. reimchron. 8058;

staphen und niht draven
begunde er zwâr.
Ottokar reimchron. 55582.

so auch stapfens rîten, im schritt (gewöhnlicher stapfes, s. unter stapf):

pey den selben stunden
sahen sy pey seytten
staphens an sy reytten
wol sechtzig tausent was ir schar.
Heinr. v. Neustadt Apoll. 7742 Singer.

in diesem sinne ist stapfen (wie auch stapf) noch im 16. jahrh. üblich: nach solcher vierfachiger underscheidung der pferdt, sindt auch viererlei art des ganngs der pferdt, als rennen traben, der gemein gang und stapffen. W. Ryff thierb. (1545) C 3b; also gehet auch das pferdt den gemeinen gang, so wir staplen (l. stapfen) genent haben. ebenda.
d) mhd. stapfen hat wol überall den sinn einer ortsbewegung; daher meistens in verbindung mit richtungs adverbien und präpositionalen ausdrücken, z. b.:

do staphete gen dem walde dan
der edel sigehafte man.
Rudolf v. Ems Willeh. 11453.

besonders stapfen an einen und ähnlich, angreifen:

nu hin, ir strites vænr!
stapft an die losen zagen!
Johann v. Würzburg Wilh. v. Österr. 8055.

so auch gestapfet komen, wofür seltner:

diu her, von den ir habt vernomen,
wâren staphunde komen
zeinander sô nâhen.
Ottokar reimchron. 16142 (vgl. vorher:

daʒ her mit menlichen siten
über den berc kom geriten. 15986).


3) stapfen gilt ursprünglich vom schreiten des fuszgängers und so in der alten sprache durchweg. nur im mhd. tritt diese bedeutung ganz zurück und begegnet nur in freierem und weniger deutlichem gebrauche, s. die belege unter 5. dagegen ist sie im nhd. wieder die ausschlieszliche, s. die erklärungen der wörterbücher, oben I, 5, a. ebenso in den litteraturbelegen, die mit Wieland beginnen.
a) stapfen bezeichnet eine besondere art des gehens und steht so neben synonymen verben: ein jugendlicher pfifferari schritt voran, ... neben ihm stapfte ein sonnenverbrannter hirte der campagna. Hausrath pater Maternus 20. stapfen ist ein langsames und schwerfälliges gehen; die charakteristische besonderheit ist, dasz man den

[Bd. 17, Sp. 867]
fusz fest und schwer aufsetzt, sodasz ein dumpfer laut entsteht (Adelung unter I, 5, a):

o gott, da kommt jemand und stapft
und stapft, dasz man durch's donnerwetter es
vernimmt!
Grabbe 2, 113 Grisebach (don Juan u. Faust 4, 4);

mit dumpfem klange
stapft' er davon.
Wolff der landsknecht v. Cochem s. 187.

stapfen gilt auch von dem mühsamen schreiten in lockerem oder aufgeweichtem und zähem boden, morast, ackerland u. s. w.: der sand ist heisz und bei jedem schritt versinkt der fusz bis über die knöchel, ... aber die füsze stapfen muthig in dem weichen boden. Freytag 1, 26. zuweilen wird die länge der schritte hervorgehoben: dann kam er mit langen schritten quer übers feld gestapft. Frenssen Jörn Uhl 128. auch im schnee, s. Freytag unter c). hierbei ist auch das hochheben der füsze charakteristisch, vgl. DWB stapeln II, 1. in andern fällen überwiegt die vorstellung eines unbeholfenen und tastenden ganges, so von rückwärts gehenden: an die zwanzig kräftige jünglinge ... zogen das seil an, um die drei teufel im triumphe rücklings über den schauplatz zu schleppen ... immer rückwärts hopsend und stapfend, durften sie keinen augenblick stille stehen. Keller 7, 171. von blinden, übertragen:

du stapfest noch geleich als ein blinder. minnefalkner 152.


b) gern in verbindung mit ortsadverbien; so einherstapfen in jenem ersten belege aus Wieland 22, 270 (Oberon 6, 42), s. theil 3, 202; fortstapfen (theil 4, 1, 34):

ich nickte lächelnd: 'es passirt!'
und stapfte fort in eine schluft.
A. v. Droste-Hülshoff 1, 218;

schon stapft er durch das zimmer fort,
nicht ganz so trübe, als er kam. 2, 76.

ferner:

noch seh' ich dich im hauch des winterbrodems
herstapfen, wie den irren haidegeist. 1, 205;

in derselben (geistesabwesenheit) passirt es dem liebenswürdigen, dasz er, obwol neben mir spazierend, plötzlich weit voraus, ja sogar in blumenbeete und zuckerschoten hineinstiefelirt, bis er seine unschuldige verhedderung gewahr wird, wenn er ins stolpern geräth, aber nur, um mit desto gröszerer grandezza und todtenernsthaftigkeit weiterzustapfen. Goltz jugendl. 2, 307; auf dem saumpfad ... wallte eine waffenlose schaar ... barfüszig stapften sie vorwärts. Freytag ahnen 1, 364 (2, c. 4); noch einmal den cylinder lüftend, stapfte er geschäftig die treppe wieder hinab. Storm 5, 87; damit stapfte sie kräftig die treppe hinunter. Heyse kinder der welt 1, 79.
c) zuweilen mit accusativ der wirkung: dann blieb das gespann zuweilen in einer schneewehe stecken, der fuhrmann stieg ab, stapfte den pferden eine bahn. Freytag 1, 77; die vier bürger hielten sich auf dem ziemlich breiten fuszwege, den die zahlreichen gäste des Wieseckeschen lokals nach dem Prenzlauer thore hin in dem dicht liegenden schnee gestapft hatten. Fontane vor dem sturm 3, 22.
d) der begriff der fortbewegung tritt manchmal zurück. so gilt es vom tanzen: auf der dorfstrasze tanzten im staube die kleinen kinder den ringelreigen, ... sie stapften barbeinig im sande und sangen. Freytag 8, 11 (ahnen 1, 1, c. 1); wer die tänzerinnen, die schmeichelnden mädchen aus Alexandrien, geschaut, dem dünkt das stapfen der bauern im grase wie marsch der gänse. 62 (c. 4). in andern fällen bedeutet es auch nur das feste auftreten, das abwechselnde aufsetzen der füsze (wie sonst stampfen), so von einem pferde, s. Freytag unter 4. diese bedeutung wird vielfach als die ursprüngliche angesehen, vgl. z. b.: stapfen, stappen, calcare, vestigia figere; hodie dicimus stampfen ... stapfen, stappen, dicitur etiam de gradientibus, scandentibus et saltantibus, quia calcantibus similes sunt, et vestigia motus sui in pulvere relinquunt. Wachter 1587. doch wird diese auffassung durch die sprachlichen thatsachen nicht gestützt; vielmehr scheint hier eine neubildung, wol unter einflusz von stampfen vorzuliegen.
4) von thieren wird stapfen in neuerer sprache nur vereinzelt gesagt. vom rosz, früher als bezeichnung des schrittgangs, s. 2, c; jetzt im sinne 3, d: während das rosz deiner

[Bd. 17, Sp. 868]
königin über meinem gewande stapft. Freytag 8, 177 (ahnen 1, 1, c. 10; weiter oben: sein huf stampfte auf dem linnengewand). — von einem vogel in scherzhafter übertragung: aus einem der seitengänge kam ein purpurfarbener storch gravitätisch, wie ein haushofmeister, hervorgeschritten, ... und stapfte dann als führer vor uns her. Gaudy werke 13, 29. — ursprünglich auch vom springen der heuschrecke, s. 1, b; vgl. noch die nd. (oldenb.) redensart: he stappt as 'n pogg (frosch) in 'n maanenschien. Firmenich 1, 232, 12.
5) in übertragenem gebrauche ist stapfen selten und in neuerer zeit ganz unüblich. mhd. (hier ohne die vorstellung des reitens) von gange einer predigt:

swenne si mit sô gitâner rede
sô verre staphent ûʒ dem wege
unt si die läien angrîffent.
Heinr. v. Melk priesterleben 164.

s. ferner minnef. 152 unter 3, a, Keisersberg unter 1, a. bei Wieland vom lebenswandel: da wir uns nun einmal begegnen sollten, warum wollten wir nicht, so lange als möglich, munter und traulich mit einander fort stapfen? 39, 272 (Hipparchia an Krates 26, schon bei Campe angeführt).
6) stapfen für steppen (Steinbach 2, 683), s. dieses.

 

 stapf, stapfe(n),m., stapfe,f. vestigium.
I. formelles.
1) eine westgerm. nominalbildung zu dem verb stapfen, s. das. über weitere verwandtschaft. ags. stæpe, stepe (plur. stæpas, stapas, stepe), m. schritt, stufe, basis. Bosworth-Toller 908b, mittelengl. steppe, neuengl. step schritt, stufe, fuszspur, vgl. Skeat 595b; altfries. stap (plur. stapen) Richthofen 1044b; nl. (mnl. und holl.) stap, m. schritt, fuszspur, vgl. Franck 956, mnd. stappe (nur 1 glosse) Schiller - Lübben 4, 365b; ahd. staph und (gewöhnlich) stapho passus, gressus, incessus, ascensus, gradus. vestigium. Graff 6, 656 f.; mhd. stapfe, m. f., selten stapf, m. Lexer handwb. 2, 1140. vgl. Wachter 1587. Fick3 3, 345. Weigand 2, 797 f. Kluge6 376a. (über -stapp als 2. theil von namen, besonders mittelfränk. Siegestappus 1191, Sistappus 1200, Sigestapp im 13. jahrh., s. Müllenhoff zeugn. u. exc. 26, 4, zeitschr. f. d. alterth. 12, 358.)
2) im ags. und afries. weist das wort ein einfaches p auf, dagegen erscheint im mittelengl. pp, und dieses herrscht im deutschen durchaus. dem nd.-nl. pp entspricht natürlich hd. pf. dafür ahd. vereinzelt ff: forakântemu staffin previo gradu. Murb. hymn. 20, 3, 3, was sich als alter wechsel

[Bd. 17, Sp. 858]
auffassen läszt, s. Kauffmann bei Paul - Braune beitr. 15, 524 f. solches staffe findet sich selten auch noch im mhd. und nhd., s. oben sp. 515. (beim mönch v. Heilsbronn, s. gr. 566 ist allerdings staffeln überliefert, aber der reim auf schaffen verlangt staffen.) — im nördlichen mitteld. bleibt pp erhalten (s. pf. Wernher unter 3); dies findet sich sogar in der (bair.) übers. der 'plumen der tügent' v. Arigo (handschr. v. 1468): (der löwe) sich von dan hebt und mit seinem zagel seine stappen prichte (bringt in ordnung, ebnet), das der jager nicht gesechen müge, wo er hin aus sey. zeitschr. f. d. phil. 28, 462, vgl. Drescher Arigo (1900) s. 169.
3) das wort ist zunächst und allgemein starkes masc., und zwar im ags. deutlich i-stamm. die starke bildung ist im nd.-nl. geblieben. dagegen überwiegt im hd. von anfang an die schwache form stapfo. doch begegnet daneben noch starke bildung; so bringt Graff 6, 656 f. zahlreiche belege für den acc. sing. staph und den dat. plur. steiphim, stephin, stepfen; weitere s. unten II, 2, a. die pluralformen weisen umlaut auf, stimmen also zum ags. mit dieser verschiedenen stammbildung ist in der regel eine differenzierung der bedeutung verbunden. starkes stapf gilt im sinne 'schritt' (und hier ausnahmslos, s. unten II, 1); dagegen steht stapfo, -e in den bedeutungen 'stufe' und 'fuszspur'. (daher sind im mhd. wb. 2, 2, 555b f. und bei Lexer handwb. 2, 1140 stapf und stapfe in gesonderten artikeln behandelt.) indessen gilt die unterscheidung nicht ohne ausnahmen; insbesondere findet sich spätahd. mehrfach staph für 'stufe', s. unten II, 2, a, und selbst für 'vestigium' scheint starke form vorzukommen:

nû bin ich kumin an den rechtin stap
propter quadrigas Aminadap.
pf. Wernher 4 schîven 37 Köhn, vgl. die anm. s. 87.

später ist bei der apokope des auslautenden e oft nicht zu entscheiden, welche form vorliegt (s. z. b. Seuse unter II, 2, b). — im nhd. hat Hulsius teutsch-ital. (1618): stapff (= tritt, s. II, 1, also der regel nach stark, aber auch fuszstapff, pedata, orma, segno lasciato da piedi, traccie. 237b), Wachter 1587 giebt in allen bedeutungen stapf, stapp; auch Kramer dict. 2, 907c hat stapf, aber plur. stapfen, also schwach; stapfe bei Stieler 2134, s. unten; bei Steinbach 2, 683 aber stapfen, und diese form ist jetzt die übliche, soweit überhaupt noch das masc. gebraucht wird.vgl. weiter fuszstapfe, theil 4, 1, 1044 f.
4) neben dem masc. taucht im nhd. das fem. auf, und zwar vereinzelt schon mhd. (in besondern bedeutungen), s. Lexer handwb. 2, 1140 und unten II, 2, c. im ältern nhd. herrscht dagegen durchaus das masc., so ausdrücklich angegeben in den genannten wörterbüchern und noch bei Wieland deutlich (s. unten II, 3, b). das fem. bietet von wörterbüchern erst Campe, von litterarischen quellen C. F. Meyer (II, 3, d). doch ist zu beachten, dasz stapfe meist in den pluralformen vorkommt, die das geschlecht nicht erkennen lassen. (die fszstapffen bei Maaler, s. theil 4, 1, 1044.)
5) das einfache stapfe ist jedoch im nhd. überhaupt nicht sehr häufig und wird meistens durch die deutlichere zusammensetzung fuszstapfe ersetzt, s. das. die ältesten wörterbücher verzeichnen jenes gar nicht (Dasypodius, Maaler, Hulsius 1616; über Hulsius 1618 s. oben 3 und unten II, 1); auch Stieler und Steinbach bilden ihre beispiele durchweg mit fuszstapfe, und Frisch 2, 320b kennt nur noch dieses: stapf ist noch übrig im wort fusz-stapf, vestigium, signum pedum calcando expressum. Adelung läszt dementsprechend stapfe ganz aus, und erst Campe giebt es wieder (fem., s. 4) als ein veraltetes, aber von guten schriftstellern wieder erneuertes wort. das wird durch die litteraturbelege bestätigt. diese finden sich im 16. jahrh. ganz vereinzelt (bei W. Ryff 1545 und Fischart Garg., s. II, 1, c) und fehlen dann bis 1720 ganz. der beleg aus Oest, s. unten II, 3, d, erregt noch den spott von Schönaich ästh. in e. nusz s. 339 Köster. stapfe kommt dann hie und da bei autoren der klassischen zeit vor (Wieland, Stolberg, Kosegarten,für Göthe und Schiller fehlen zeugnisse) und wird erst im 19. jahrh. wieder allgemeiner üblich. (vgl. die ganz ähnliche gebrauchsgeschichte von stapfen, s. das. I, 5). — auch in mundarten ist das wort im allgemeinen erloschen, bei Schm.2 2, 774 wird stapf,

[Bd. 17, Sp. 859]
stapfen ausdrücklich als der ältern sprache angehörig gekennzeichnet; nur in der Schweiz ist es, mit wechselnder stammbildung, in einer bestimmten bedeutung lebendig geblieben, s. unten II, 2, c.im nd. ist stap wol nie recht üblich gewesen und so fehlt es auch in den meisten idiotiken. doch sagt man in der Altmark 'zuweilen noch' stapp (und staff?) für fuszstapfen, s. Danneil 208a, und ostfries. scheint stap(p) in verschiedenen bedeutungen üblich zu sein (unter holl. einflusse?), s. Stürenburg 261b. ten Doornkaat Koolman 3, 300b.
6) stapfe tritt also nhd. (und wol schon mhd.) hinter fuszstapfe zurück. da nun hier das s des ausl. und das des anl. in der gesprochenen sprache zusammenflieszen muszten und fusz als erstes glied deutlich war, während stapfe als zweites weniger klar empfunden wurde, so lag die abtrennung fusz-tapfe nahe. wirklich ist die schreibung fus(z)tapfe seit dem 15. jahrh. (voc. v. 1470, decam. u. s. w.) häufig genug, s. theil 4, 1, 1050 ff. bei weiterer verdunkelung der bildung konnte dann hieraus ein grundwort tapfe erschlossen werden, das in der that vereinzelt vorkommt, s. das., theil 11, 134 (Göthe 57, 49); besonders deutlich: doch fand ich von ihm weder tapfe noch stapfe. Rückert (1882) 11, 456 (31. mak.; Rückert ist in zweifel über die abtrennung, s. mak. 19, 10, s. 370, die stelle auch unter fuszstapfe 1). so auch in neuern mundarten, besonders mitteld. tappe, s. DWB tapp 2 und tappe 2, theil 11, 139 f.; für Handschuhsheim bezeugt Lenz 67b, dasz stapfe fehlt, dafür fúustapə, m., auch blosz tapə. — im 4. theil wird (unter fuszstapfe 1 und -tapfe 1, a, sp. 1045. 1050) angenommen, dasz fusz-tapfe nicht aus -stapfe entstanden, sondern eine selbständige parallelbildung sei. diese ansicht ist aus folgenden gründen abzuweisen: a) die ältere sprache kennt nur fuoʒstapfe; fus(z)tapfe kommt erst spät im 15. jahrh. vor und ist auf rein lautlichem wege vollkommen verständlich, beweist also nichts für die ableitung; b) das einfache tapfe kommt so spät und selten vor, dasz es einer nachträglichen rückbildung aus dem compositum sehr verdächtig ist; ein einfaches tapfe in dem verlangten sinne entbehrt auch aller wahrscheinlichkeit, da das verb tappen niemals mit pf erscheint und offenbar von tappe, f. gebildet ist, s. theil 11, 140 ff., dieses aber mhd. tâpe lautet und 'pfote, tatze' bedeutet, also weder in form noch in bedeutung sich zu fusz(s)tapfe schickt.
II. bedeutung.
1) tritt, schritt.
a) dies scheint die älteste und ursprüngliche bedeutung, die das wort als verbalabstractum zu stapfen erweist. sie herrscht im ags. wie im späteren engl., im fries. und im nl., vgl.: stap, stip, gradus, passus, vestigium. Kilian 2, 630a. aus dem nl. ist sie wol ins ostfries. eingedrungen: stapp, schritt, tritt. Stürenburg 261b; hê deid sükke grote stappen. ten Doornkaat Koolman 3, 300b. sonst ist sie im nd. nicht nachzuweisen.
b) im hd. erscheint diese bedeutung in fester verbindung mit der alten starken bildung; so giebt Graff 6, 656 f.: a. s. staph passum, ascensum; d. pl. stephin passibus, stepfen incessibus. (doch auch: passus scritamal edho stapho, gloss. Ker., scritamali vel stapheo [casus?]. ahd. glossen 1, 253, 1.) weitere belege: quippe sescuplo fatigabat ascensum. uuánda hálbes téiles mêr, dánne éin tonus sî, lángta dén stápf. qui, s. ascensus, tonus ac dimidius habebatur. ánderhálb tonus uuás ter skríg. Notker Mart. Cap. 152 (2, 38, s. 123 Graff, 1, 831, 24 Piper); da an warn si halz, daʒ si den rehtin wech niht giengin. do rihte der gotis sun ir stepphe ... z dem wêge der himilischen heimôde. spec. eccl. s. 10.
c) mhd. kommt stapf mehrfach im adverbialen gen. vor als bezeichnung einer gangart der pferde ('im schritt reiten'):

der künic Poydwîʒ von Raabs,
weder stapfes noch drabs
kom er gevarn in den strît:
er fuor rehte als man dâ gît
den orsen wunden mit den sporn (also galopp).
Wolfram Willeh. 390, 10;

hin riten sie
den tzwein, doch nur stapphes, tzu. Ludw. kreuzf. 5140.

in diesem sinne ist stapf noch im 16. jahrh. üblich: den pasz gahn, den mittelpasz, den trosz, den tritt, den

[Bd. 17, Sp. 860]
schritt, den trab, den trott, ... den treischlag, den stapff (lernt ein pferd). Garg. s. 203 neudr., vgl. DWB stapfen II, 2, c.
d) nhd.: stapff, tritt, passo. Hulsius (1618) 237b; stapf, m. stapfen, plur. passo sodo, fermo e grave. ... einen stapf thun auf die erde, far' un passo sulla terra con lasciarvi come impresso il piè. Kramer dict. 2, 907c, vgl. auch Wachter 1587. belege aus der ältern litteratur fehlen. in neuerer zeit begegnet stapf vereinzelt als ausdruck für einen einzelnen, groszen und schweren schritt (vielleicht neubildung vom verb aus): das herz klopfte ihm so, dasz er statt mit einem forschen satz über den graben zu springen, ... mit einem langen und sehr ungeschickten stapf hinüberschritt. Frenssen Jörn Uhl s. 148. — den übergang von hier zu 3 bezeichnet eine ausdrucksweise wie: das erschreckende dirnchen entrann .., den pfad ihrer flucht mit rollenden früchten bestreuend. Ascanio, der seine traube in der hand hielt, hob hinter den flüchtigen stapfen noch zwei andere auf. C. F. Meyer novellen 2, 58.
e) bei dem gewöhnlichen schwachen stapfe scheint diese (ohnehin seltne) bedeutung nicht vorzukommen, ebenso im allgemeinen nicht bei der zusammensetzung fuszstapfe. ganz vereinzelt begegnet fustapfen für 'schritte' bei Alberus widder Jörg Witzeln mammeluken K 6a und M 6a, s. DWB fusztapfe 3, theil 4, 1, 1052.
f) die bedeutung 'schritt' geht leicht in die eines längenmaszes über, so besonders ags. stæpe, s. Bosworth-Toller 903b (I, b); nl. stap, spatium duorum pedum. Kilian 2, 630a; vereinzelt auch ahd. (a. s. staph) s. Graff 6, 656. vgl.: stapf, stapp, quatenus est verbale a stapfen gradi, significat (1.) actionem gradiendi et pedum vicissitudinem [so ags.], (2.) spatium inter duos pedes diductos. Wachter 1587. (vgl. auch oberlausitz. es ist kein stappen bahne. Anton 13, 6.)
2) das, worauf man tritt.
a) gewöhnlich 'gradus', also synonym mit den aus derselben wurzel gebildeten wörtern staffel und stufe, vgl. diese. auch diese bedeutung ist im engl. (s. I, 1) und im nl. (s. oben Kilian) vorhanden (auch ostfries., s. Stürenburg 261b); im ahd. steht in diesem sinne die starke und die schwache form, letztere z. b. Murb. hymn. 20, 3, 3, s. oben I, 2; belege für erstere: der einlifte staph dera diemuoti. denkm. nr. 86 C, 6d, 4 (3 1, 285, vgl. die krit. anm.); (de psalmis graduum.) einin uuisen iuden fragota man, uone uuiu dise salmen giheizin uurten sanc dera fimfcehen stephe. Notker ps., Wiener handschr. 176b (s. 246 Heinzel-Scherer, 3, 288, 24 Piper); uffen den perc uuorhta er eina uffart, an dera uuaren finfcehen stephe, daz die uuerhlute manmente (bequem) uf unde nidir gen mahtin. unde uuanda er sih firuuanta daz er daz uuerh folfrumen scolte, so liebsangota er sa demo selben uuerche, ih meino den fimfcehen stephin, mit samo manigemo salmen. ebenda (289, 3. 7); der sehsto stafp. 177b (290, 15); der zuelfte stapf. 177d (290, 32); an demo drittecehenten staphe. ebenda (291, 4); des fimfcehenten staphis sanc. 178a (291, 12). dagegen in der Windberger psalmenversion: daz sanch dere staphene, canticum graduum. Schm.2 2, 774 (12. jahrh.).
b) im mhd. hat sich in der bedeutung 'stufe' die schwache bildung festgesetzt. so im 14.—15. jahrh. nicht selten, zunächst eigentlich:

acht stapfen liecht gevar
giengen zu der sewle dar,
di waren hoch und prait.
Heinr. v. Neustadt Apollon. 12004 Singer;

Candor gie die stapfen an. 12008;

do er den vierden staphen dratt. 12010;

er gie die stiegen frolich an ...
an dem sibenden staphen
er pegunde den atem schophen ...
und viel nider auff den grat
der di sechsten statt hatt. 12813;

die stapfen vor allen crämen sollen nit verrer geraichen dann die strebpfeiler raichen. Münch. stadtb., s. Schm.2 2, 774; und wasen umb und umb hültzin stapfen über die gaszen. d. städtechron. 5, 147, 1 (B. Zink chron. v. Augsb. zu 1418); als man die stapfen hinauf gat von der strasze. 319, 10 (desgl., s. auch 75a, anm.); der bapst, und alle cardinäl und bischofe giengen mit ... dem kaiser Friderich, bis für sant Peters münster und auch alle stapfen ab. 22, 325, 22 (quelle v. 1452, daneben stapfel, s. das.); do gieng Esopus vier stapfen hin uff zu dem bild. Steinhöwel

[Bd. 17, Sp. 861]
Esop s. 61 Österley (vorher: dar zuo man ain stiegen uff gan muost); ascende gradus quatuor. ... das ist in tütsch: gang uff fier stapfen. 62. so auch:

ob dû gotes sun nû bist,
sô stîge von des krûzes staphen!
J. v. Frankenstein kreuziger 9421.

bildlich (s. auch unter a): sihstu es reht an, so ist kein creaturli so kleines, es si dir ein stapf, got z nehen. Seuse 455, 19 Bihlmeyer (kaum mit dem herausgeber als 'vestigium' zu fassen). — im nhd. scheint diese bedeutung erloschen. kein wörterbuch verzeichnet sie und für keine mundart ist sie bezeugt. nur in Davos bedeutet stapfa, f., auszer der nachstehenden verwendung, auch 'fuszstapfe, z. b. welche in's eis, fels . zum klimmen eingehauen' Bühler 1, 155, was doch wol hierher zu ziehen ist; und eine ähnliche bedeutung scheint auch in folgender stelle vorzuliegen: kommst du mit? ich weisz stapfen an dem felsen empor. C. F. Meyer nov. 2, 383.
c) in der Schweiz eine einrichtung zum übersteigen eines zaunes oder einer hecke. so schon im 15. (?) jahrh., vgl. Lexer handwb. 2, 1140 (für gew. mhd. stigele): daʒ zwô stapfen gân sont uber Uolrich Ortwins wisen, und sol die ain stapf sîn ûf dem graben u. s. w. St. Galler stadtb., s. ebenda. (die stelle ist zugleich der früheste beleg für das fem.) ebenso in den heutigen mundarten, 'stück eines zaunes mit querstaken, worüber man steigt', mit wechselnden formen, der stapf in Luzern, Zug, Uri, daneben die stapfete ebenda und in Zürich, im Berner Oberland die stapfe, im Wallis der stapfen. Stalder 2, 392; auch appenzell. stapfeta, f. 'die zaunstufen, welche das schreiten über einen zaun erleichtern und eine gitterthüre vertreten'. Tobler 405a; in Davos stapfa, f. 'staffel, vermittelst welcher man über einen zaun steigen kann'. Bühler 1, 155.
d) die bedeutung 'steigbügel' ist im deutschen selbst nicht nachgewiesen; sie scheint aber gefordert zu werden durch das offenbar daher entlehnte ital. (und rhätorom.) staffa, s. Diez4 403. im mittellat. ist stapha, staffa schon zu 1170—7 bezeugt, s. Du Cange 7, 571cf., auch stapia 583a. eine weiterbildung zu staffa ist staffetta, das auch im franz. und span. (als estafette bezw. estafeta) vorhanden ist, s. Diez a. a. o., und als staf(f)ette wiederum ins deutsche übernommen ist, s. dieses, sp. 529f.aus dem deutschen auch aserb. stapĭ stegreif Miklosich 320a ?
3) fuszspur, vestigium.
a) diese bedeutung tritt in der ältern sprache auffällig zurück. im ags. ist sie gar nicht bezeugt, später im engl. vorhanden, aber nicht vorherrschend; im nl. gilt sie neben 1, vgl. das. (Kilian), und so auch ostfries.; im nd. liegt sie vor in dem einzigen beleg, den Schiller-Lübben 4, 365b anführt (vgl. das auch nicht häufige vôtstappe, m. 5, 516bf.): calcaneus ... stappe, eyn vod stappe. Dief. nov. gloss. 65b; neund. bei Danneil, s. I, 5. für das ahd. bringt Graff nur 1 beleg, wo überdies die beziehung zweifelhaft ist (ahd. glossen 2, 668, 71: plantis staphun. Tegernseer glosse des 11. jahrh. zu Verg. Aen. 11, 573). auch mhd. tritt diese bedeutung noch sehr zurück hinter 2 (bei Lexer nur 3 belege), dagegen ist sie im nhd. die vorherrschende, ja in der gewöhnlichen sprache die alleinherrschende geworden. (allerdings ist auch in diesem sinne die zusammensetzung fuszstapfe, diemit éiner ausnahme, s. 1, enur so vorkommt, viel üblicher, s. oben I, 5.) stapfe, der, plur. stapfen, etiam fuszstapf, et fuszstapfen, der, vestigium. Stieler 2134; stapf, ... it. pedata, pista, orma, traccia, vestigio. fuszstapf, idem. Kramer dict. 2, 907c; stapfen (der) vestigium, nota. Steinbach 2, 683; die stapfe, 'die spur, der abdruck des fuszes auf dem boden beim gehen'. Campe. in hd. mundarten nirgends bezeugt.
b) im eigentlichen sinne, von menschen: diese wege und stapfen führen im geisterlicht der firne durch ein beirrendes netz verstrickter thäler. C. F. Meyer nov. 2, 293; die stapfen des linken fuszes sind länglich, ungleichmäszig, schleifend. P. Lindau spitzen 175 (vgl.: dasz ein besonderer gang wohl solche fuszstapfen zurückgelassen haben könne. 189);

flosz ein flusz aus seinen stapfen.
Freiligrath5 6, 13 (Hiawatha 1).

gern in verbalen fügungen: die stapfen von jemand kennen, conoscere le orme, pedate etc. di uno. Kramer dict. 2, 907c;

[Bd. 17, Sp. 862]

nun seh' ich dich schon lang' am meergestad' ...
umlauschen Aias zelte, sehe dich
aus frischgetretnen stapfen prüfen, ob
er drinnen oder drauszen sei.
Stolberg 14, 167 (Soph. Aias v. 6).

besonders in eines seine stapfen ò fuszstapfen tretten, pestare, premere, calcare le orme, tenere le orme, le pedate di uno. Kramer dict. 2, 907c; sie ... ging eine weile nachdenklich neben ihm, während der gravitätische knabe ... sorgsam in die zierlichen stapfen trat, die seine herrin dem boden eindrückte. Heyse kinder der welt 1, 190; mein könig lustwandelte eines tages in seinen gärten, ... und ich ging nach meiner gewohnheit von ferne in seinen stapfen. C. F. Meyer d. heilige 164; die vom wirbel zur zehe in eisen gehüllten höflinge schlenderten mit gleichgültiger miene und hochfahrender geberde in den erlauchten stapfen (Karls d. gr.). novellen 2, 272. auch freier, von nachfolge im bildlichen sinne (vgl. Campe):

herr, lasz mich nimmermehr
auf böses beispiel sehn,
vielmehr mit aller treu
in Christi stapfen gehn! hannov. gesangb. 369, 3 (
J. Fr. Starck 1680—1756);

dort, wo bewundert ward Fouqué und wer in dessen stapfen trat.
Platen 292b (romant. Oed. 3).

seltneres: daneben empfahl sie mir auch, besonders als ein treffliches mittel ihm die Phöbis zu erleiden, ich sollte auf ihre fuszstapfen acht geben, und so wie Phöbis den fusz zurückgezogen hätte, sollte ich den stapfen mit dem meinigen auslöschen, so dasz mein rechter fusz auf den stapfen ihres linken, und umgekehrt mein linker auf ihren rechten zu stehen käme. Wieland Luk. 3, 358;

wir wollten endlich nach Jerusalem,
das heilge grab des auferstandnen sehn,
die stapfen küssen seiner süszen füsze.
Tieck 1, 44.


c) von thieren: hirsch- etc. stapfen, piste di cervo etc. Kramer dict. 2, 907c; sprichwörtlich: an den stapfen kann man sehen, ob ein pferd oder fuchs gegangen ist. Wander 4, 777. so schon mhd.:

als er des wurmes staphenalsô bluotic vant. Ortnit 585.

nhd. (s. auch Arigo unter I, 2): wenn es (das pferd) mit dem forderen fusz fürschreittet, das alsbald der hinder fsz inn denselben stapffen volge, ausz wellichem es den vorderen fusz auffgehaben hat. W. Ryff thierb. (1545) C 3b (vgl. DWB stapfen, verb. II, 2, c); so ein tragend mutterpferdt auff ein spr oder stapffen eines wolffs kompt, soll sie sehr ergrimmen. E 1b; er (der schnee) verbarg die fährten der wölfe und die stapfen der raubvögel. Freytag 11, 3 (ahnen 4, c. 1);

gern nistet, gerne singt der hänfling dort,
und kleine stapfen prägen leicht den boden.
Kosegarten rhaps. 3, 66.


d) übertragen: die grausamen stapfen des krieges lagen überall. Storm 3, 213; überall, wohin ich darin (in meinem leben) zurückblicke, sehe ich nichts als thörichte larven, hohlheit, neid und nichtigkeit ... nirgends eine reinliche stapfe, wo erinnerung den fusz hinsetzen könnte, ohne ihn zu beschmutzen! C. F. Meyer Ang. Borgia 153;

so zeigt die wollust sich in viele moden,
und anders steht ihr pelz, und anders seide,
doch überall wirst du die stapfen finden. (
J. H. Oest) brem. ged. (1721) 24 (vgl. oben I, 5);

wir wollen seinen (des königs) dünnen, schmutz'gen mantel
mit unsern reinen ehren nicht verbrämen,
noch folgen seinem fusz, der stapfen bluts,
wo er nur wandelt, nachläszt. Shakesp. 1, 55 (kön. Joh. 4, 3).


4) abweichende bedeutungen, deren ursprung sich nicht feststellen läszt, finden sich hier und da.
a) auch sal nymandt bei der nacht auf der gasse ader in der stappe mit wuschen (fackeln) gehen. statuten der st. Frankenhausen v. 1564 bei Michelsen rechtsdenkm. aus Thüringen (1863) s. 484 (in der anm. erklärt: 'ein lokal des salzwerks, der platz, auf welchem die sölden liegen'); sal kein pfenner feuerwergk aus der stappen tragen lassen. 486 (dazu die anm.: 'der platz des salzwerks. stappenleute sind dort die unmittelbar mit dem sieden des salzes beschäftigten').
b) stuhlbein: hinter- und vorderstapfen nennt der stuhlmacher die hintern und vordern füsze des stuhls, vgl. Brosenius

[Bd. 17, Sp. 863]
technologie (Leipzig 1806) 2, 12. vgl. DWB staffel III, 2, sp. 523.
c) ähnlich mnd. stappe. m. schindel (im wappen), s. Schiller-Lübben 4, 365b (1).
d) ostfries. stappe, stapp, demin. stappke 'hölzernes, eimerförmiges gefäsz mit einer längern daube (staff, — vgl. DWB stab II, 3, b, sp. 333), die als handhabe dient; nds. stappen; nordfr. staab melkeimer'. Stürenburg 261b. ten Doornkaat Koolman 3, 301b. stappen für butter schon mnd. Schiller-Lübben 4, 365b (2, Bremer stat. v. 1489 und fries.; dazu stappenmaker böttcher, küfner. ebenda). brem. 'stappen, nom. melk-stappen, ein kleiner milchkübel mit einer empor stehenden handhabe, wobey er mit einer hand kann getragen werden, in welchen die kühe gemelket werden. im ditmarsischen bedeutet diesz wort die kleineren gefässe, in welche die milch, nachdem sie von den kühen gekommen, zum ramen gegossen wird. id. ditm. vielleicht ist diesz wort von staf, faszdaube. von einem, der seine wohlthaten ... selbst wieder verdirbt, sagt man im sprüchwort: he maakt idt as de ko, de enen stappen vull melk gift, un em mit dem vote wedder um stot.' brem. wb. 4, 1002; ditm. stappen (= holst. settjens), s. auch Richey 425. Schütze 4, 188).
e) daher auch bezeichnung eines maszes (vgl. I, 1, f). der 4. theil eines gröszern gemäszes; so mnd. Schiller-Lübben 4, 363b. 365b (Bremer stat. v. 1489, vgl. d); ostfries. Stürenburg 262a ( oderscheffel, 4 kroos). ten Doornkaat Koolman 3, 301b ('früher', 4 krug oderscheffel).
f) ostfries. stappe, stap 'eine falle zum fangen von ratten, iltis u. ähnlichen thieren'. ten Doornkaat Koolman 3, 302a; westfäl. stappen, m. falle für füchse u. dergl. Woeste 253b. so schon: zu dem wird den eingesessenen verpotten, das nemants hasen, antvogel, velthonder scheite, oder sonst heimlich in stappen oder panden fange. weisth. 3, 132, 9 (aus Bakenfeld), vgl. Schiller-Lübben 4, 365b.

 

 staffel, stäffel, m. heuschrecke, nominalbildung zum verb stapfen. das einfache wort findet sich nur ahd.: de locusta i. stafel. Steinmeyer-Sievers ahd. gl. 2, 8, 44. Graff 6, 657, und mnd.: stapele, locustae; stapel, welsche housprinck, cicada. Schiller-Lübben 4, 363b. sonst stets in der zusammensetzung heustaffel, s. das., th. 4, 2, 1294, ahd. houuistaphel, -stavol, houstaphil, heuuistaffol, huostafil, hoistaffel, hestafel (daneben houuistapho, -staffo). Graff 6, 657, mhd. höustaffel, -stüffel mhd. wb. 2, 2, 556b. die belege wol durchweg aus der Schweiz, wo das wort noch heute lebt: heustaffel (plur. -stäffel) und -stäffel. Tobler 266b, heustüffel Hunziker 129: am ende werde man noch erdflöh, käfer und heustüffel zusammenlesen müssen, wenn man fleisch haben wolle. Gotthelf Uli der knecht s. 7 Vetter (nach der anm. bernisch, dafür früher das ostschweiz. heustöffel).