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 DWB spat (Bd. 16, Sp. 1969)   PfWB Spittel2 (Bd. 6, Sp. 298)   DWB spettel (Bd. 16, Sp. 2194) 
 spat, m. (I) eine pferdekrankheit.
1) formales.
a) spat ist ein auf das deutsche beschränktes wort unbekannten ursprungs, s. Weigand 2, 752. die etymologischen anknüpfungsversuche von Adelung (an spitze oder spannen), ten Doornkaat Koolman 3, 268 (= nl. spat, engl. spot, fleck), Höfler krankheitsnamenb. 659b (zum folgenden spat, das schon im vocal abweicht, oder zu mlat. spathus equus castratus, spado eunuche u. s. w.) sind abzuweisen. mhd. spat, m. f., s. mhd. wb. 2, 2, 489a, auch mnl. spat, n. Schiller-Lübben 4, 306b. nl. spat ist nach Franck 930 (der spat, spritz[fleck], davon trennt) aus dem hd. entlehnt. dasselbe gilt vielleicht auch von dem nd. worte, wenigstens scheint der mangel der verschiebung gegen gemeinsames erbgut zu sprechen; doch ist das bei dem fehlen beweisender flectierter formen nicht sicher. nd. d scheint vorzuliegen in ostfries. spad, spadd, spadde, sparr(e) neben spat(h), spatt, s. ten Doornkaat Koolman 3, 268a. sonst lautet die heutige nd. form nur spat brem. wb. 4, 938. Schambach 203a, spatt Dähnert 445b. Mi 84a. Woeste 249a. entlehnt scheinen ferner dän. spat, schwed. spatt; dagegen hat das engl. spavin, mittelengl. spaveyne aus altfranz. esparvain, s. Skeat 578. Diez4 302.
b) das geschlecht ist im allgemeinen masc., daneben im hd. vereinzelt das fem.:

o mensch, nicht hinkch an einer spat
deʒ christenleichen glauben.
Suchenwirt 44, 34.

so auch nhd. (?), s. d. dagegen mnd. dat spath in einem belege bei Schiller-Lübben a. a. o. auch hd.: fur daʒ spat nim ein messer und schnid daʒ spat auf cräuczweis. quelle bei Schm. 2, 689. (neund. das masc. ausdrücklich bezeugt bei Schambach und Woeste.)
c) der vocal ist im mhd. kurz (vgl. J. Grimm ged. auf Friedrich I. s. 10, anm.), ebenso im nd. (s. a) und den nord. sprachen. auch im ältern nhd. herrscht durchaus die form spatt, n. morbus equi

[Bd. 16, Sp. 1970]
ita dictus. Schottel 1418. so noch in den belegen aus Hohberg und Hagedorn, s. unten. nicht beweisend ist die schreibung spat, m. [da spannen, tendere] difetto d'un cavallo causato da spasimo e contrattione de' nervi de' piedi, posto. den spat haben. Kramer dict. 2, 851a; spat, der, à spannen, morbus et vitium equorum est, spasmus, nervorum contractio in pedibus, vitiatae suffragines, seu flexurae posteriorum crurum. Stieler 2071; spat, m. ein mangel der pferde. Frisch 2, 293c. dagegen zeigt die seit Adelung herrschende schreibung spath die vollzogene vocaldehnung an. (litteraturbelege aus Voss, Immermann, Hebbel s. unten.) neuerdings läszt man das etymologisch unberechtigte h wieder fort. (mundartlich spat in Würzburg, s. Sartorius 116.)
d) im ältern nhd. findet sich zuweilen schwache flexion, so deutlich den spatten neben der spatt: für den spatten. Seuter roszartzn. 297; dasz der spatt erwarmet. 298; hat ein rosz spatten, so leg es nider auff die seiten da der spatten ist, unnd ... netz den spatten mit kaltem wasser. ebenda; schmirbe den spaten alle tage zwaymal darmit ... so lang, dasz du sihest dasz der spat hinweg ist. 299; schür das haar ab auff dem spatt ... bind safft unnd kraut auff den spatten ... spalt den spatt entzway mit einem guten messer. ebenda; der spatt kommt auch an den hintern beinen, nahend bey den elenbogen, inwendig bey dem geäder, wird eine harte beulen, davon hinckt ein rosz ... thue ihm die haut creutzweisz auf dem spatten auf ... item scheer ihm das haar auf dem spatt hinweg ... bind ihm safft und kraut auf den spatten sechs tage ... item nimm venedische seiffen ... und legs über den spatten, elenbogen und bein-gewächse. Hohberg 2, 218b. ferner begegnet der (jetzt ganz ungebräuchliche) plural die spatten: es tragen sich offt kranckheiten oder mängel zu an einem rosz, als da seind spatten, elenbogen, laist, uberbein, allerley gallen. Seuter 67; die spatten widerfahren einem rosz an den hindern schenckeln, innwendig desz bains nahend bey den ellenbogen bey dem geäder, wird ein harte beulen, darvon hinckt ein pferd gar fast. 298; die spatten sind eine kalte, harte und dichte geschwulst oder beule, einer halben nussen, oder auch wol etwan eines eyes grosz. haben jhren ursprung ausz den kalten feuchtigkeiten, so ein wenig unter dem bein, so hinden an dem hindern knie hinausz, und in die höhe raget, an der jnnwendigen seyten gegen dem andern hindern schenckel zu, uber den beinlin desz gleychs, unfern von der grossen blutader, die fontanell genannt, zusammen lauffen, zwischen denselbigen häutlin, mäusen und beinen: und werden endlich ... so hart wie ein gummi, unnd fast gar zu einem bein. Uffenbach neues roszb. (1603) 2, 262. doch scheint daneben auch spatten als fem. sing. vorzukommen: thue jhm die haut ob der spatten creutzweisz auff .. oder schneid jhm die spatten creutzweisz auff. Seuter 298. daher kann man in den meisten fällen bei die spatten in zweifel sein, obwol der plur. gröszere wahrscheinlichkeit hat: nimb brantenwein, das weisz von zway oder mehr ayern, ... und dem gaul auff die spatten gebunden: sonst magstu auch wol die spatten mit brantenwein dörren. 299. neben der spat: so eyn pferd spätig ist, oder die spaten hat, so soll man ... mit feur uber den spat die länge, die quere fahren. Sebiz feldb. (1579) 158. s. auch unter spatig.
e) im bair. auch spatz, spàz, s. Schm. 2, 692 (d).
2) bedeutung.
a) eine krankheit der pferde, da sich an der innern seite des sprung- oder fesselgelenks (kniegelenks der hinterbeine) knoten wie überbeine bilden, knorpelgeschwulst, entzündung des kniegelenks mit schalenartiger ablagerung von knochensubstanz, sowie die dadurch bewirkte muskellähmung und steifheit des ganges, s. Jablonski 733a (spatt). öconom. lex.2 2753 f. Eggers 2, 941 f. Adelung. Nemnich (im wb., spat, spatt, spath). Krünitz 145, 521 ff. ten Doornkaat Koolman 3, 268a. Höfler d. krankheitsnamenb. 661b f. belege: biszweilen werden die pferde hinden am schenckel am knöchel gar dicke, recht am knochen, das nennen die ärzte den spath. Coler hausb. (1680) 371b; sein pferd hüftlahm, ... geplagt von mundfäule, krank an der räude, voller windgallen, elend am spath. Voss Shakesp. 3, 391 (die gezähmte keiferin 3, 2); der prinz. es sei! pferde! Kilian. meine eignen, meine eignen! und gejagt, dasz sie den spath kriegen! Hebbel 1, 488 Werner (diamant 5, 3, lesart);

lüg, dû wær mir ie unmær,
var in einen rostûschær,
wart mîn an der selben stat.
flôʒ gallen, beinwahs unde spat
gebt eʒ alleʒ hin für guot. Seifr. Helbl. 7, 746;

[Bd. 16, Sp. 1971]

ich kann den kranken hülf ertheilen,
spatt, kropf, geschwulst, und alles heilen.
Hagedorn 2, 22 (der wolf und das pferd);

jene drei erwähnten dinge,
waffenschaden, damenuntreu,
spath am schlachtrosz, sind die einz'gen,
die mit recht in trübsal dürfen
stürzen einen tapfern degen.
Immermann 12, 70 Hempel (Tulif. 2, 704).

scherzhaft: hat ein recht ruhiges brot bei mir, der Pamphilius: er halt aber aus, wie ein russisches pferd. jetzt lauft er schon 2000 jahr' und hat noch g'sunde huf'; er kriegt keinen spat, keine steingallen. Raimund 1, 121 (diam. des geisterk. 1, 14).
b) spat wird gewöhnlich nur von pferden gesagt, seltener von ochsen (so Adelung und Campe), oder von schweinen: biszweilen kompts den säuen in die beine, dasz sie nicht gehen können, sondern zittern gar wenn sie gehen. das nennen die säuhirt den spat: aber andere sagen, es sey nicht der spat, denn derselbe sey eine pferdskranckheit. Coler hausb. (1680) 467a. in bezug auf einen hirsch, in der fabel:

do sach he wol, dat om nichein
let nutte was wen sine bein,
de ome duchten alto kleine
unde weren doch van lemede reine
beide ane spat unde ane leist. Gerh. v. Minden 26, 25 Seelmann.


c) über die verschiedenen arten, meist durch zusammensetzung ausgedrückt, vgl. besonders Höfler d. krankheitsnamenb. 660a. blosze nebenform zu spat wird gespat sein, s. das. und theil 4, 1, 4138. (nach Höfler 'die öfters wiederkehrenden lähmungszustände infolge v. spat beim pferde'.) — der eigentliche spat, der sich oberhalb befindet; befindet er sich in der mitte, so heiszt er korb oder schale (auch hasenspat, -hacke, -kurbe Höfler), unterhalb ochsenspat (vgl. theil 7, 1138 und unten), innerhalb hahnenspat (auch hahnentritt, zuckbein, wegen der krampfhaften zuckenden bewegungen des hinterbeins, vgl. auch theil 4, 2, 169 und Höfler a. a. o.). ferner wird der eigentliche, harte spat, als beinspat (theil 1, 1388. Adelung. Höfler) oder knochenspat (Höfler) unterschieden von dem unechten weichen spat, blutspat, einer weichen geschwulst, nicht aus knochensubstanz, sondern ein krampfaderknoten. Höfler (vgl. theil 2, 192), gallenspat, geschwulst aus eingekapselter galle Höfler (vgl. theil 4, 1, 1192), ochsenspat ('eine balgartige, spatähnliche auskapselung am sprunggelenk des pferdefuszes, der dadurch dem ochsenknie ähnlich wird', auch blutspat. Höfler), wasserspat, weiche geschwulst infolge vermehrten gelenkwassers. Höfler, trockener spat, 'esparvin sec, gewächs an den kniekehlen' (also für spat überhaupt?). Jacobsson 7, 385a. ferner unsichtbarer spat, der sich erst allmählich in der gelenkkapsel bildet und lange zeit noch keine sichtbaren erhabenheiten bewirkt, aber schon hinken des pferdes verursacht. Höfler.
d) mundartlich wird spat in freier übertragung auf menschen angewandt, so südhannov. scherzhaft für podagra. Schambach 203a; ganz allgemein für ungesundes aussehen bei Schm. 2, 689.
e) in der mhd. poesie oft in bildlicher verwendung, vgl. Suchenwirt unter 1, b.

 

   Spittel2 m.:
1. 'schmaler, spitz zulaufender Stoffeinsatz, Zwickel', bes. an Kleidungsstücken, Säcken, Spiddel (bidəl) [Thielen 105 Krämer Gal 204], Speddel (będəl, będl) [RO-Feilbg (PfId. 134) Schmitt Billh. 92], Spirrl (birl) [KU-Frohnf Körbn, Christmann Kaulb 79], Sperrl (berl) [Christmann Kaulb 79], Spell (bęl) [ KU-Jettb RO-Mannw]; vgl. PfWB Speidel; Zs. PfWB Sackspittel. —
2. 'dreieckiges kleines Ackerstück', Spell [ RO-Duchr/O'hs]. — Mhd. spidel, spëdel 'Splitter, Fetzen', mit Speidel und nhd. Speil entfernt verwandt mit spitz (Kluge-Seebold22 684). — RhWB Rhein. VIII 294 Spedel; Hess.-Nass. III 667 Spettel; Frankf. V 2957 Spettel, 2968 Spittel; DWB DWb. X, I 2194/95 Spettel, 2073 Speidel.

 

 spettel ,
1) m. n. kleines stück zeug, fetzen, lappen. in der form spedel schon mhd. belegt:

waʒ si spedele iergen vant,
di hb si uf also zu hant. Elisab. 7015;

iegelicheʒ sneit ein stucke, ...
daʒ einen spedel ab ir roc. 9352;

(ein mönch hatte) drü spettel aneinander geneget, eins waz wisz, daz ander waz swartz, daz dirte waz rot. Straszb. quelle des 15. jahrh. bei Ch. Schmidt histor. wb. 332a. ganz vereinzelt in neuerer litt.; in freierer anwendung: solche bemerkungen würden sich leicht machen lassen, wenn man grosze bedeutende

[Bd. 16, Sp. 2195]
sammlungen vor sich hätte. lustiger aber sind sie, wenn wir sie aus unsern spetteln hervorlocken. Göthe br. 21, 66 (an H. Meyer d. 15. sept. 1809, auch bei Riemer br. von u. an Göthe s. 86). in neuern mundarten, besonders fränkisch: der spätel, spettel, spittel, keil oder zwickel von leinwand oder tuch. Schm. 2, 690; rhein. spettel, spittel, spirrl 'viereckiger zwickel, keil von linnen oder tuch, in die ärmel und beinfugen der gewandstücke gesetzt'. Kehrein 1, 382; ebenso henneb. spätel Reinwald 1, 152, spêtel Spiess 236, hier auch für ein ackerstück von ähnlicher form. hier scheint das wort speidel vorzuliegen, s. sp. 2073. andrerseits scheint auch ein ganz vereinzelt vorkommendes spatt verwandt, s. unter DWB spat II, 1, a, sp. 1971. vgl. schwäb. spatt, spacht, m. splitter; spättle, n., spötter, m. tuchabfall. Schmid 498; schweiz. das spätli, stück, das der ferse des strumpfes untergelegt wird. Tobler 376b. vgl. spettlein. schles. spetling, spaetlich. Weinhold 92a (erklärt wie bei Kehrein). s. noch spittel.
2) tirol. spetl, spettl, n. lamm. Schm. 2, 690. Schöpf 687 (Pinzgau). schon in einem weisthum des 15. jahrh. (um 1440) belegt: item wer ain chytz oder spetl nit gehaben mag, für dy czway hawpt gibt man VII creutzer. ... item zü hünrenn, zu ayrn und zu spetl hat man riedlechen, die hüner, ayr und spetl gen Ratenburg tragen sullen fur ir vogtey, und zu hünrenn, ayrn und zu spetln sol dy herschafft ainen aygen chnecht haben. Grimm weisth. 3, 731, auch tirol. weisth. 1, 144, 3. 11—13. monum. boica 2, 433 f., vgl. Schm. a. a. o. damit stellt Grimm gesch. der deutschen spr. 1, 35 ein schweiz. spech ('spetti?') zusammen, das sich in einem Züricher weisthum des 14. jahrh. findet, s. Grimm weisth. 1, 5.