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 DWB scheiben (Bd. 14, Sp. 2391)   DWB scheibenfrau (Bd. 14, Sp. 2393) 
 scheiben, verb.
I. stark flectierend, sich wälzen, fortrollen, dann transitiv, rollend bewegen, treiben, schleudern, drehen, wenden; mit starker flexion im mhd.: schîbe, scheip, schiben, geschiben, die flexion ist mundartlich erhalten: scheiben, kugelförmig fortbewegen, über die axe drehen, ich habe geschiben Höfer 3, 75; ich bin geschiben Schm. 2, 355. schon früh begegnet übertritt in die schwache flexion: ahd. beskîbet sint, dispositi sunt Graff 6, 407 (geschiben sind in gleichem sinne, s. unten 2, b, β);

sît daʒ ich wart geschîbet
in schuld von kleinem guote. Reinfrid v. Braunschweig 12754;

dô vaht ich ein zerbrochen sip,
daʒ hefte ich zuo mit einer nat
und scheipte eʒ von mir ûf ein wis.
Suchenwirt 43, 8

(vgl. weiter unten II). das wort ist der neueren schriftsprache fremd (Campe bezeichnet es als landschaftlich), in Oberdeutschland aber lebendig geblieben, vor allem zur bezeichnung des kegelspieles. im md. fielen die präsentischen formen von schîben mit denen von schieben zusammen, sodasz bei der bedeutungsähnlichkeit zwischen beiden verben der untergang von schîben in diesem sprachgebiet sich leicht erklärt.
Gebrauch.
1) intransitiv, sich wälzend, rollend, fortbewegen, dann freier.
a) im eigentlichen sinne von gerundeten, kugel- oder scheibenförmigen körpern:

Gâwein nam die barten an sich
und stalte in mitten in den sal
und sluoc in, daʒ sam ein bal
daʒ houbet in dem sale scheip.
H. v. d. Türlin krone 13128;

von gerichteten, die in räder geflochten sind:

etlich vlacht man in ein rat
und lie si schîben hin ze tal
ab hôhen bergen in diu tal. quelle bei
Schmeller 2, 355.

von der kugel des glückes (s. scheibe 1, b) in verblasztem bilde:

die hêre gluckes schîbe
Marîen durch ir ôren scheip. erlösung 2677.


b) freier von anderer art der bewegung:

daʒ dirre waltswende
hinder dem satel dâ bleib
und nider zuo der erde scheip.
H. v. d. Türlin krone 18500,

dar an sich denn die lêrer
wol bekennen werden,
wie es darnach ûf erden
schîben oder gân sol. schausp. des mittelalters 1, 313.


2) transitiv, rollend, drehend fortbewegen.
a) gerundete körper, scheiben, kugeln fortbewegen, rollen, schleudern.
α) vom kegelspiel (s. DWB kegel 3, a, theil 5, sp. 384). schîben erscheint in dieser anwendung gewöhnlich ohne object: rotare, scheiben, kugeln Dief. 500c; volutum, volvo, vi, walgen, schieben,

[Bd. 14, Sp. 2392]
scheiben Aventin. werke 1, 426, 29 Lexer; man schol auch alle dise gesetzte übere spil versten umbe aller hande spil, mit poʒen, mit scheiben, mit würfeln oder wie man spilt. Nürnb. polizeiordn. 63; schîbegelt, einsatz beim kegeln Lexer mhd. handwörterbuch 2, 717;

die man siht spiln, scheiben, bôʒen.
Hugo v. Trimberg renner 6641

(vgl. die lebendige schilderung des spiels v. 11364—88); scheiben, kegel, kugel scheiben, in die kegel scheiben; sprichwörtlich: wer kegel scheiben will, musz aufsetzen auch. Schm. 2, 355; kegel scheiben Höfer 3, 75; hat sich ang'stellt, scheibt ein loch, gar war's! Raimund 1, 285 Glossy-Sauer.
β) in allgemeinerer anwendung: man sall ein radt dar schyvenn. quelle bei Schiller-Lübben 4, 106a; von einem drachen:

sîn wedel er ze samene scheip.
H. v. d. Türlin krone 13453;

scheib du mir disen (trunk) mit beiden henden unnd allen zänen zu: huy scheib, schalt, wie eins kerchelziehers fraw, die den arsz verrenckt. Fischart Garg. 97b.
γ) die vorstellung von der vom glück gerollten kugel scheint in mancherlei wendungen noch durch; zum theil zeigt daneben die vorstellung des spiels ihre einwirkung:

das glücksrad wirds wol scheiben,
dasz es wird alles gut. quelle bei
Schmeller 2, 355;

weniger deutlich in folgenden stellen:

ich wil im guot und êre
zuo schîben, al die wîle ich lebe.
Konr. v. Würzburg troj. krieg 3283;

das sy kuusch by im belib,
und das ims got zum besten schib. quelle bei
Schmeller 2, 356;

ich han grosz wunn und fröd gesehen
von mannen und von wiben,
und ist in kurtzer zit beschehen:
der tot tets anders schiben.
H. v. Montfort 144, 60 Wackernell;

chomm, aller glück gelücke,
und mir gelück zu scheib'.
Cl. Hätzlerin 1, 94, 35;

(ich will) lgen, wie ich's schibe.
N. Manuel 403, 379 Bächtold.


b) in freierer anwendung verschwindet allmählich die vorstellung der rollenden fortbewegung.
α) wenden, drehen (s. oben scheibeln 2): man sol dem kind (im mutterleib) die füsz zu dem haupt scheiben .. so das kind geschiben sei oder nit. quelle bei Schm. 2, 355; den mantel nach dem winde scheiben. ebenda;

als er die juden us dem tempel traib
und inan benk und scragen umb schaib. teufels netz 9794;

einen wagen scheiben, ihn umwenden. Schmid 455.
β) in verblaszter anwendung: scheiben, kommlich und sittlich an ein ort verrucken, permovere. Maaler 349a. übertragen:

mînes herzen künegin,
sorge von mir schîbe. minnes. 2, 370b Hagen;

die aftersprâche ûf in triben
und sîn êre hin schiben. pass. 458, 66 Köpke;

davon so gunn mir eren
an sel und och an lib,
und lasz dirs nieman weren:
all din hoffnung zuo got schib!
H. v. Montfort 42, 31 Wackernell;

nit trag dein trauren lange,
scheib dir ain leichten muot.
Cl. Hätzlerin 1, 118, 2.

ordnen, bestimmen zu etwas: und sunderlich sind etlich dar zuo geschiben und geordent die sölich sachen für sich nemen und dar ûf râtschlagen. eidgen. abschiede herausg. v. Segesser 150 (s. oben unter formalem).
3) reflexiv, im eigentlichen sinne sich rollend fortbewegen, sich wälzen, dann freier: das schwein das sich im kot umscheibt. quelle bei Schm. 2, 355; sich z einem schyben unnd mit jm gemeinschafft haben, ad aliquem se conferre. Maaler 368c;

sît eʒ sich hât alsô geschiben,
sô wil ich unerkant belîben. Alexius 142, 183 Maszmann;

als gunder sich dannen schiben
unt kom gen Laodiciam. 176;

er sach sô vil der wunder,
wie sich die himel hânt geschiben,
wie sie gânt obe und under,
plânêten sterre sunne und mân. meisterl. d. Kolmar. handschr. 123, 21;

dein dink daʒ ist gestalt also,
daʒ du jo reuwich muost beleiben,
welhen weg du dich wilt scheiben. ring 17d, 32;

[Bd. 14, Sp. 2393]

ich hab gedacht,
der slangen haubt, davon Johannes schreibet,
wie in der werlt kain pöser frucht
sich auff der erden scheibet.
O. v. Wolkenstein 110, 1, 10;

gesell, dich schier herwider zu mir scheib!
Cl. Hätzlerin 1, 1, 84;

liebe diern, schmuck dich nan
und scheib dich nach dem besten. narrenb. s. 172 Bobertag;

wilt du (Hagar) weiter bey mir bleiben,
so thu dich basz in handel scheiben.
Haberer Abrah. (1592) B 7a.


II. scheiben, in scheibenähnliche form bringen, runden (schwach flectierend): da sahe si das Servio Tulio dem kind also genannt, das im hof lag und schlief ein groszer flamm sich um das haupt erschin und scheibte. H. v. Mügeln Valerius Maximus 9b; so bald sichs (das salz) aber scheibet, und wirfft kleine weisze scheiblein auff. Mathesius Sar. 127a; als die khugel hoch, lang und gescheibet ist. quelle von 1591 bei Schm. 2, 358; gescheibte rüben, rundliche. ebenda.
III. bair. scheiben, spalten, vergleicht Schmeller a. a. o. mit altnord. skífa, skífaða.

 

 scheibenfrau, f. im nonnenkloster. quelle von 1392 bei Schm. 2, 357; wol diejenige, welche an der scheibe im sprechzimmer zu thun hat; s. DWB scheibe 4, d.