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| DWB schalkmonat (Bd. 14, Sp. 2083) | DWB schalten (Bd. 14, Sp. 2100) | |||||||||||||||||||||||
| I. Herkunft und form. mhd. schalten, md. schalden, ahd. scaltan 6, 484, alts. scaldan Heliand 2383. sichere bezüge in andern dialekten fehlen. vielleicht denominativ von schalte (s. d.), so dasz die ursprüngliche bedeutung wäre 'mit der ruderstange ein schiff fortbewegen', dann überhaupt im sinne von stoszen, fortstoszen, schieben und ähnl. schalten ist ahd. und mhd. reduplicierend: präteritum scialt, schielt, partic. präterit. gascaltan, gischaldon 6, 484, mhd. schielt. doch findet sich vereinzelt schon in mitteldeutschen quellen zunächst schwaches part. des prät.: der aller dinge hât gewalt, wande mich mîn êre hât verschalt (: gewalt). 380, 60. nur im frühen nhd. erscheinen noch spuren solcher conjugationsweise: wann jetz ist es zeit, daʒ es (das schiff) von land geschalten werd. schiff der penit. 103a; schielt man sie von dem rat. 1, 626; 3. sg. des präsens er schelt 1, 683 A (s. die stelle unten II, 1, a); aber seit dem 16. jahrh. dringt, wie bei falten, spalten, walten, die schwache form von norden her auch in oberdeutsche quellen vor: du ... schaltest chir. (1539) 31; sonder durch kecken muth allain II. Bedeutung. 1) die alte sinnliche bedeutung des stoszens, schiebens, ziehens, führens u. s. w., im ahd. und mhd. fast ausschlieszlich in den verschiedensten fügungen herrschend, ist im nhd. fast nur mundartlich erhalten, in der schriftsprache seit dem 16. jh. durch die übertragene bedeutung (s. nachher 2) mehr und mehr verdrängt. a) allgemein. meist mit näherer angabe des ausgangspunktes, des zieles, der art und weise oder der wirkung. α) unbildlich: ze rücke schielt er sînen schilt. und hieʒen vil unmêre [Bd. 14, Sp. 2101] der vieng dreu meuse mit vernunst, das schlosz Ryneck man behielt, β) bildlich, schon ahd.: uuanda sie ûfen dich schielten diu leid dero sie selben in uuandon. uuanda du scaltest sie ze rukke unde chêrest dich fone in. ps. 20, 12. 13. im mhd. und im übergang zum nhd. häufig gebraucht. transitiv, namentlich im sinne von wegtreiben, vertreiben: Saul derselbe was genant, von deme lebene man in schielt ich will mit Christo halten, zwar kamen sie recht an, weil ihrem starken trab und ist der ja für weisz zu halten, er sach wol wie sich von im schielt daʒ wiʒʒet, wer lernet guot behalten, alleʒ ubel von im schielt, b) gewöhnlich in engerer bedeutung von dem bewegen eines schiffes (s. schalte). α) schiff, nachen, flosz mit der schalte vom lande abstoszen: alts. ak gêng imu thô the gôdo ... dô er sîn schef vom stade schielt. ein groszes wasser-hausz, ein unbeweglichs schiff, β) das schiff mit der schalte, die an der spitze mit eisernen haken versehen war, an das land ziehen; dann allgemein landen: die schief sie do schielten [Bd. 14, Sp. 2102] ir segel sich die rihte hielt γ) mit der schalte das schiff über das wasser führen. zunächst im eigentlichen sinne das fortstoszen des fahrzeuges im gegensatz zur bewegung durch rudern betonend: wande sie rûeten unde schielden, mit einem aste schielt er in (das flosz) hantfest arbeitsamkeyt die sach man alle schalten o Rein, mit deynem hellen flusz δ) in besonderer wendung: gegen das wasser schalten, adverso flumine lembum subigere. 2, 160a. namentlich vom langsamen stromauffahren der fischer: der mon scheint gar hell, das er weitauf das wasser sehen mocht; in dem sicht er vier fischer in zweyen weydschiffen daher schalten, die wurffen ire garn gleich an dem hammar in das wasser. rollwagenb. 120, 18 Kurz. ε) bildlich: die mit reinem gemuote c) die ursprüngliche bedeutung des stoszens, treibens, bewegens ist zu dem begriff thätig sein, sich beschäftigen, verblaszt, wenn nicht eine weiterentwicklung zum technischen 'spinnen' anzunehmen ist: o lieb sanct Catharina werd, fern von der heimath d) im übergang von der eigentlichen zur übertragenen bedeutung, unserm 'kräftig auftreten' ähnelnd: sende dem mann ein geschosz hin, e) einschieben, einschalten (s. theil 3, sp. 266). im eigentlichen sinne nur mhd. gebraucht, ein tuch in eine wunde schalten, wie heute charpie zur stillung des blutes und besseren heilung (beleg oben II, 1, a, α). in neuerer sprache nur im übertragenen sinne von der berichtigung der zeitrechnung, des kalenders durch einschalten von schaltjahren, -monaten, -tagen (s. dort). 1393; schalten, einschalten, einschieben, als im calender, intercalare. 2, 160a; Julius Cäsar hat schon (tage in den kalender) geschaltet und wir müssen immer noch schalten. (1819) 5, 57. 2) an die stelle der veraltenden eigentlichen bedeutung tritt im nhd. das übertragene lenken, leiten, walten, über personen oder sachen verfügen, herr derselben sein. wie lat. gubernare aus dem schalten, lenken des schiffes (II, 1, b) entwickelt, beim frühsten gebrauche noch häufig mit starker betonung der allgemeinen begriffe des bewegens und vorwärts treibens. namentlich in gehobener sprache angewendet. a) transitiv, mit accusativ der sache oder der person. α) fördern, vorwärtsbringen: [Bd. 14, Sp. 2103] die (jesuiten) schweren müssen einen eid, die hände, die du dir zu dienen, und mein leben β) lenken, beherrschen: fürwar, es ist versaumpt an dir: b) intransitiv, lenken, regieren, gewalt haben. α) absolut: laszt frechgesinnte tyrannei dann schalten die welt, die drauszen sich vermiszt, (dasz) nicht die rektorfalten β) mit näherer bestimmung, die oft einen tadel ausspricht, ähnlich wie bei 'wirtschaften'; mit bezeichnung des gegenstandes und der art des schaltens: denn sie (die freier) schalten mit gar unbändiger frechheit. als der pabst mit der höll' und des himmels schlüsseln nach willkühr will's aber einer anders halten, denn wo sie heilig walten, so hausen die octoberweste! ist's nicht genug, dasz mein gesprochnes wort das haus darin ich schalte, mein vater, welch gestirn hat über dir gewaltet! ihre (der mutter) sorge wacht nicht mehr, was ich, die arme, die beraubte, noch besasz, jenseits des zuges frug die alte, c) formelhaft verbunden erscheinen schalten und walten, in älterer sprache vereinzelt in umgekehrter stellung. α) als wunschformel: wolan, das walt sie und schalt sie der dahinten, es wird alles wol von statten gehen. Garg. 146b. β) häufig wie oben (s. 2, b, β) in der bedeutung des leicht miszbräuchlichen, unbeschränkten verfügens über personen und sachen. zunächst wie unter 2, a, α transitiv gebraucht: bekümmer dich deszhalben nicht mehr und lasz es die vier ochsen da vornen schalten und walten. Garg. 103b. dann ausschlieszlich intransitiv mit ähnlichen näheren bestimmungen wie oben unter 2, b, β: sintemal wir ja keine pachtbauern auch niemandes leibeigen sein, das wir mit dem unserigen nicht solten ehrlicher weise unseres gefallens walten und schalten. wahrhafte beschreib. des landes Preuszen (1599) 175; wie ihr euer gewerb' von euern eltern überkommen habt, so laszt ihr auch das regiment über euch schalten und walten, wie es kann und mag .. der könig, der die provinzen durch gut glück zusammen [Bd. 14, Sp. 2104] besitzt, darf doch nicht drin schalten und walten. 8, 201. 202; der mensch begehrt alles an sich zu reiszen, um nur nach belieben damit schalten und walten zu können. 20, 19; seyd ihr denn hier in meines vaters waldungen, dasz ihr schalten und walten könnt, wie ihr wollt? Siegwart 1, 257; ewr. excellenz schalten und walten im lande, das ist meine stube. kabale u. liebe 2, 6; lasz mich indessen hier schalten und walten. dram. spiele 2, 338; sie schalten und walten mit dem ihrigen nach belieben. 3, 182. d) substantivierter infinitiv: will der feder zartes walten, durch alle schöpfungsreiche geht mein schalten. was selbst er nur mit halben kräften e) veraltet vom verhältnis des gläubigers zum schuldner: ich hab mit ihm zu schalten und zu walten, in aere meo est. 2, 160a, wol aus schuldknechtschaft, einlager zu erklären.
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