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 DWB kreiseln (Bd. 11, Sp. 2157)   DWB kreisen (Bd. 11, Sp. 2157)   PfWB Wolfs-aufspürer (Bd. 6, Sp. 1440) 
 kreiseln , turbinare Stieler (vgl. kräuseln sp. 2099 unten).
1,
a) sich wie ein kreisel drehn:

er trehet si gleich wi ain topf (brummkreisel),
das si umkraiselten do.
Fischart Garg. 34b (51 Sch.).


b) trans.: tollkühne menschen sollten mich in wirbeln kreiseln, willkürlich wie spreu im winde jagen können? Gutzkow ritter v. g. 9, 279.
c) absolut, mit dem kreisel spielen, den kreisel treiben.
2) angelehnt an kreis, kreisen.
a) in folg. sind die gedanken an kreis und kreisel schwerlich scharf geschieden:

wie weit der see dort kreiselt! (: säuselt)
ein sandart sprang empor.
Voss 1825 4, 16,

von den sich erweiternden ringen im wasser; das blut sprang reichlich hervor und mit der schlängelnd anspielenden welle vermischt folgte es gekreiseltem strome nach. Göthe 23, 236, was doch auch folg. sein könnte.
b) aber schon später mhd. kreiʒeln, rein zu kreis, mhd. kreiʒ gehörig: allerzierleichst sint die praunen überprâwe an den frawen, wenn si clain gekraiʒelt sint, reht als si ain mâler gepinselt hab. Megenberg 10, 28. Börne 2, 33 braucht kreiselung, umwandlung in einen kreis. vgl. DWB kreisen.
3) vermischt mit kräuseln crispare: eine luft, kaum stark genug um einen schmerlenbach zu kreiseln, spielte über die schillernde fläche des meeres. Thümmel 5, 47. selbst für frisieren: der gärtner der die linde zur stutzerin kreiseln könnte. Hippel 7, 143.

 

 kreisen , von kreis, circulari, in circum ferri. mhd. kreiʒen Renn. 222a, Mart. 264, 4, Diut. 2, 149, auch umbekreiʒen wb. 1, 878b, bekreiʒen j. Tit. 321, 4. 2219, 4, vgl. krîʒen unter kreis I, e sp. 2144. früher auch kraiszen (wie kraisz), z. b. Schiller krit. ausg. 4, 4.
1) trans., einen kreis oder kreise machen.
a) einen kreis kreiszen Michelsen rechtsd. aus Thür. 426; aber das kreiszen wird seiner vorlage nach als krîszen aufzufassen sein, s. unter kreis I, e.
b) kreisförmig gestalten, 'in orbem torquere' Stieler 947:

der klargekreiszte bach
khrystallte bis in grund.
A. Scultetus, Lessing 8, 290,

in kreisen bewegt, vgl. DWB kreiseln 3;

(der pfau) kreist rauschend den grünlichen schweif voll regenbögen.
Kleist frühl. 1754 s. 28.


c) kreisend machen, bilden u. ä.:

so kreiset denn, jahrtausend', euren tanz.
Arndt gedichte (1843) 486.


d) mit kreisen versehen, wie die schieszscheibe. Schm. 2, 394.
2) gewöhnlich intrans., wol erst im 18. jh. aufgekommen.
a) sich kreisförmig bewegen:

aber es zog im seitenpalast, von einsamen lampen
halb durchdämmert, ein kreisender gang sich hinüber zum richtsaal.
Klopstock Mess. 6, 239,

er hatte zuerst ein zirkelnder geschrieben (vgl. circulieren u. b), kreisen muszte inzwischen in gang gekommen sein;

ein weitumkreisendes heer. 8, 79 (hier schon 1756);

in weitkreisendem schwunge. 8, 121;

in kreisenden schwunges bewegung.
Göthe 41, 176.

[Bd. 11, Sp. 2158]

b) das blut kreist in den adern, 'circuliert':

durch seine adern kreiset frisch
und ungehemmt sein blut.
Bürger 4b;

die säfte durchs geäder kreisen.
Lenau Faust 13.

der becher kreist, 'geht im kreise herum', d. h. in der versammlung:

es kreiset beständig der köstliche wein.
Göthe 1, 197,

'geht im kreise herum', in der versammlung;

wenn der volle römer kreist.
Schiller 19b;

der becher kreist am tische.
Platen 1.


c) von wandernden menschen, vielleicht im anschlusse an kreis 9, landeskreis, gau:

wohnst du doch immer still umfriedet,
indes zu kreisen mich erfreut.
'ich harre, mich umkreist die zeit'.
Göthe 41, 134,

wie 'sich herum treiben', wandern (vgl. kreisfahrt);

ja, so weit sie wandernd kreiste,
fand sie elend überall.
Schiller 55b.


d) vom fluge gewisser vögel u. ä.: der raubvogel kreist in den lüften, 'zieht seine kreise';

die lerche senkte sich
tiefkreisend auf ihr nest im weizenschlag.
Kosegarten poes. 1, 94;

die johanniswürmchen kreisen
emsig leuchtend übern weg.
Eichendorf ged. 398;

und dem schmetterling scherze
sei um das licht sein kreisen erlaubt.
Rückert 350.

bildlich: poesie schwingt sich auf und kreist in den lüften, prosa wandelt still und gerade ihren gang. J. Grimm in der Leipz. literaturzeitung 1812 sp. 501.
e) von der bewegung der himmelskörper: die planeten kreisen um die sonne; kreisende doppelsterne, die sich um einander drehn. Humboldt kosmos 1, xii;

zwei sterne kreisen nicht in éiner sphäre. Shaksp. Heinrich IV. 1. th. 5, 4;

kommt, fromme brüder, betet des höchsten wunder an,
die sieben himmel kreisen in seinem wunderbann.
Rückert 338.


f) diesz übertragen auf das leben und die entwickelung des lebendigen überhaupt (vgl. kreis II, 11, b so):

warst du ein reines feuerwesen ...
das sich in kreisender bewegung
ewig zurück in sich selbst ergosz?
Schubart (1825) 1, 322;

aus geist entstand die welt, und gehet auf in geist,
geist ist der grund, aus dem, in den zurück sie kreist.
Rückert w. d. brahm. 1, 14;

und ob alles in ewigem wechsel kreist,
es beharret im wechsel ein ruhiger geist.
Schiller 88a,

darfst du dich in der mitte dieser ewig lebendigen ordnung (des sternenhimmels) auch nur denken, sobald sich nicht gleichfalls in dir ein herrlich bewegtes um einen reinen mittelpunct kreisend hervorthut? Göthe 21, 181. zuweilen mischt es sich mit kreiszen, s. d. zuletzt.
g) von der zeit, den jahren, mit gedanken an Homers περιπλόμενοι ἐνιαυτοί u. ä.:

in stetem wechsel kreiset
die flügelschnelle zeit.
Voss im sylvesterlied;

der stern hat mir verheiszen,
dasz bei des himmels drehn
und bei der jahre kreiszen
er nie will untergehn.
Rückert 239.


3) zuweilen so sich kreisen, 'sich bewegen' im kreise: der staub kreiste sich in wilden wirbeln vor ihnen. Miller Siegwart 3, 789, vgl. DWB kräusen 2, b;

des groszen weltalls, das um dich sich kreist.
Chamisso 4, 186;

ist der mensch ans grosze rad gekettet,
das sich um sich selber kreist.
Tiedge.


4) beim jäger, schon mhd. kreiʒen:

sie birsent unde beiʒent,
dur mangen walt si kreiʒent. Martina 127, 16.

bei Adelung auch kreizen, wie kreiz für kreis, s. d. I, c.
a) intrans., 'den kreisweg gehen' Adelung (er hat das wort nur in dieser bed.), genauer wol eig. 'den kreis, d. i. jagdbezirk begehn' (s. kreis 9, f). so z. b. bildlich vom wolfe: der wolf kreiszt nicht, dasz er mücken fange. Simrock sprichw. 11795a. vgl. kreiser.

[Bd. 11, Sp. 2159]

b) aber auch trans., wie bekreisen, einkreisen (s. d.): wenn man vorhero sauen gekreiset hat, so zieht man mit dem hunde auf der fährte hinein. Döbel 1, 108a; die iltisse auszumachen und zu kreisen. 2, 156; jedoch ist der luchs, weil er, wenn er sich einmal gestecket, eher und fester als der wolf hält, auch eher zu kreisen, d. i. zu umziehen. Heppe jagdlust 1, 350; den luchsen wird der meiste abbruch im winter gethan, da man sie bei dem schnee einkreist und sodann mit .. wolfs- und rehgarnen .. einstellet. das.; wann im winter schnee liegt, so kann man den baummarder ausmachen, wo man aber die bäume in einem ziemlichen umfange kreisen musz, weil er wie das eichhörnchen von einem baume zum andern springt. 1, 428. hierher henneb. auskreisen (auskressen) erspähen Fromm. 3, 139 ?
5) bergm. das erz kreisen, klein schlagen, 'kleinen'. Chemnitzer bergwerkslex. (1734) 342, wo auch kleisen angegeben ist; das kann freilich nicht hieher gehören. Adelung vergleicht engl. crush, frz. écraser, schwed. krossa zerreiben, s. dazu DWB kraspeln 3, b. c.

 

 -aufspürer m.: 'zum Aufspüren und Fangen von Wölfen angestellte Person'. a. 1713: »Am 17. März 1713 wurde vom Oberamt mitgeteilt, daß Adolf Weißenauer zum Wolfsaufspürer angenommen worden. Das Raubzeug hatte in den Kriegsjahren wieder stark überhand genommen« [Küchler 552]; vgl. PfWB Wolfsjäger. —