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 DWB klünseln (Bd. 11, Sp. 1300)   DWB klucken (Bd. 11, Sp. 1258)   DWB klucke (Bd. 11, Sp. 1258) 
 klünseln, klünzeln, schmeicheln, schön thun, ein merkwürdiges und schwieriges oberd. wort.
1) klünseln: wir prediger .. sollent uns also halten, das wir frei reden die warheit, und sollent niemants den kauzen streichen noch niemants klünszelen. Keisersberg sünden des munds 69a (in einer andern ausg. klüntzeln);

sieh wie er (Bethlen Gabor) kan so practicieren
und Teutschland mit der nas rumführen ...
schau wie kan er den Türken sein
als ein vasall klünseln so fein. flieg. blatt aus dem 30j. krieg bei
Scheible fl. bl. 41.


2) klünzeln, wie noch im Elsasz: wo dann Christus die freiheit vom gesatz leret, klünzlet er dem volk damit. S. Frank weltb. 98a, wol nicht schmeichelt, sondern sagt etwas das ihm wol thut, es kitzelt; der mit wilden ochsen und elephanten umbgehen will, der musz etliche farb, als rot und weisz meiden ... und weren derselbigen thiere noch vil mehr hieher zu zelen, mit den man seuberlich und glimpflich handelen musz, bis man die zaumrecht macht: so man nun also mit wilden thieren klünzeln musz, wie vil mehr will uns mit unsern männern zu thun gebüren. Fischart ehzuchtb. 625 Sch. dasselbe ist wol folg. glinzeln, aus rhein. mundart (i für ü?): diesem

[Bd. 11, Sp. 1301]
holden kostgänger ward mehr als einem papageien bei hofe geglinzelt. Gressets papperle, übers. von J. N. Götz 15.
3) auch einfaches klünzen und klunzen sind einzeln bezeugt. jenes in zuklünzen, das sich aus dem subst. ergibt: radler und zuklünzer (: münzer) bei Behaim Wiener 12, 8 von einem verschwörer, empörer, zuklünzer gleich zuflüsterer, ohrenbläser, zugleich wol der sich anschmeichelt (bei der menge), wie 10, 24 (44, 15) zuquinkler, 285, 18 zwinkler, sonst auch zudüttler adulator. und klunsen in einer nrh. hs. des Neidhart 68, 8 H. aus dem 14. jh., sin vil odes (f. œdeʒ) clunsen von einem der bäurischen gegner des dichters in bezug auf sein zudringliches höfschen (swenne er in ir schôʒ sich leit), sicher liebeln, schön thun.
4) dazu ein mhd. klunzern, obwol im sinne etwas anders, im Renner 12258 von einer launisch kränkelnden frau; sie ist spät und verstimmt aufgestanden und lamentiert im hause herum mit kleiner stimme, dasz sie die worte halbiu underzucket, bis sie ihr mann mit etwas ärgert, da fährt sie auf mit grôʒer stimme:

wolde got, wære iu als mir,
ich weiʒ ân zwîvel wol daʒ ir
vil mêre klunzert (f. klunzertet) denne ich tuon,

erbärmlich thätet mit kleiner stimme (vgl. DWB klucken 1, b). dazu stimmt noch bair. glunsel f., frau die immer in weinerlichem tone klagt Schm. 2, 94. schweiz. heiszt das aber eine klumse, klumsere, dazu klumsen lamentieren, auch langweilig, ermüdend erzählen (Stalder 2, 111), das danach ganz gleich nd. schweiz. klönen ist, wozu ich es sp. 1222 gestellt habe, wie schles. klinseln, tir. klinstern murrend klagen, klunstern brummen, summen Fromm. 6, 297, Schöpf 327, kärnt. glumsen, glumpsen dumpf tönen (glums m. dumpfer ton) Lexer 117, auch schwz. glumsen Stalder 1, 456.
5) das schön thun scheint da nach dem flüstern benannt, und flistran selbst bedeutete ahd. selbst fovere, blandiri, palpare, also völlig das 'buhlerische flistern' bei Kleist (3, 1804), das klunsen bei Neidhart. auch die gebrochene stimme, mit der eine frau klunzert, klingt diesem flüstern ähnlich, und das eig. gleichbed. kluckern von der henne heiszt selbst auch liebeln (sp. 1260).
6) die formen aber, klünseln und klünzeln, klumsen, erinnern an klunse mit seinen nebenformen klunze, klumse. beim lamentieren wie beim liebenden flistern und nahen schmeichelnden zuraunen macht man den mund kaum auf oder verzieht ihn, wurde er da als klunse bezeichnet? vgl. DWB klunse I, 1, d vom auge. in Kärnten besteht ein klunzen, den mund aufsperren, verblüfft dreinschauen, wie das. klunze spalt. Fromm. 3, 118. ebenso entlehnt ist ahd. 'chînit adrisit' Graff 4, 450 (dazu Diez 171) von chînan hiare, den mund wie einen spalt öffnen (s. sp. 455). ein flansen schmeicheln im 15. jh. (Dief. 14c) ist deutlich von mhd. vlans verzogener mund (s. DWB flans oben und das. altn. flens ignobiles blanditiae), im voc. 1482 heiszt es flinstern, vgl. bair. flenseln süszlich, zärtlich reden, wetter., mrh. flansen grinsend lächeln; auch das els. klünzeln ist schmeicheln mit mienen machen, anlächeln und süsz reden.
7) nahen anklang bietet auch kläuseln, klüseln schmeicheln (sp. 1038), wozu schweiz. glüseln raunen und blinzeln (Stalder 1, 454) stimmt wie hier 'flüstern' zu 'schmeicheln', klüstern lispeln Stalder 2, 112; s. auch klinkeln, knaunzen.

 

 klucken , gleich glucken.
1) von vögeln.
a) glocire, klucken als die bruthennen. voc. opt. Lpz. 1501 M 3a, gemma Cöln 1507 (Dief. 265c), klucken gracillare Dief. 267c (md., rhein.). schon mhd. mit schwankendem anlaut, glucken und klucken (s. b):

wan als ein voller krupfei (hahn),
der gât ûf einem tenne,
und als ein volkrüpfiu henne
diu niht mêre glucken mac,
alsô giengens als den tac,
diu hûsfrouwe und er,
hôchbrogende in dem hûse entwer. Kolocz. cod. 164.

klucken neben glucken geben noch Schottel 1346, Rädlein 547a (das hun klucket, questa gallina chiocca), Steinbach u. a. die tenuis herscht in nd. klucken (brem. wb. u. a.), nl. klokken, dän. klukke, schw. klokka, klukka u. ä. Rietz 329b, ags. cloccan, engl. cluck, auch clutch Halliwell 258b, schott. clock, cluck.

[Bd. 11, Sp. 1259]

b) übertragen von menschen, hauptsächlich frauen:

noch habent die frouwen einen site ...
sô sie verslâfent etewenne,
daʒ si gênt kluckend über den tenne
durch den tac als ein bruothenne,
aleine (obgleich) ein man doch wol bekenne (merkt)
daʒ eʒ ein goukelklucken sî u. s. w. Renner 142a v. 12243,

dasz sie erbärmlich thun, nur halblaut und kläglich reden, gleich einer henne die legen will; s. dazu DWB kluck 1 und schweiz. glugghenne von einer reizbaren person (Tobler 226a). ebenso span. clueco gluckend, und alterschwach, kränkelnd, ital. chioccio, wie chiocciare glucken und kränkeln, sich klagen, auch engl. als adj. cluck slightly unwell Halliwell 258a, wie man von einem kränkelnden sagt er hat den pips, er pimpelt.
c) bemerkenswert ist die übereinstimmung der sprachen in der auffassung dieses naturlautes, doch ist auch hier urverwandtschaft nicht zu verkennen trotz der mangelnden verschiebung (vgl. sp. 3): gr. κλώζω (fut. κλώξω), lat. glocire; in den rom. sprachen gilt aber auch meist die tenuis: it. chiocciare, chioccare, span. clocar, cloquear, älter frz. clocloquer ('kluck kluck' machen, jetzt glousser), prov. clouchà, wal. clocëì (s. Diez 99), es wird wol auch lat. clocire gegeben haben. auch lett. klukstét, litt. klugěti, kluksěti. etwas abweichend slav., sloven. kvokati, poln. kwokać u. s. w. s. auch DWB klucke.
d) auch vom raben einmal, von milderen tönen: raben versammeln sich .. gleich als wolten sie spielen, fliehend lang in der luft, darzu ein wenig schreiend oder kluckend. Colerus cal. (im hausb. 1640) 128. vgl. unter kluchzen 2.
2) von flüssigkeiten die durch eine enge gehen.
a) eine flüssigkeit, die aus einer flasche mit engem halse geht, kluckt, s. z. b. einklucken, auch klocken 1 (sp. 1221), bair. kluckezen (s. DWB kluckzen). daher heiszt ein solches glas kluckglas, engster, bombylius Chytraeus c. 91 (glückelglas Alberus), nl. klockglas Kil., vgl. kolkerglas.
b) daher auch vom klange des schluckens (schlucken selbst klingt verwandt, vgl. sp. 1018): klucken, gargarisare. Schottel 1346; dat kind treckt (zieht), datt man so kluckt, dasz es nur so kluckt, von säuglingen. Danneil 106b. auch mit persönlichem subj.: se mag wol ins (einmal) klucken, liebt den trunk. brem. wb. 2, 812.
c) ob diesz klucken mit dem vorigen wirklich eins ist, bleibt näher zu prüfen, wenn sich ältere formen finden. die töne sind sich ähnlich und oft gleich oder ähnlich bezeichnet, nl. klocken von beiden bei Kil., ebenso dän. klukke (auch kluckend trinken); schwed. klukka vom zweiten Rietz 330a (glukka 202a), ebenso schott. glock, glog (vom ersten clock). man sehe auch klunken.
d) auch keltisch, gael. glug (vgl.glogag a bubble of water), kymr. clogorennu to bubble. und slavisch, klokotati κοχλάζειν, bullire Miklosich 290a, slov. klokotulja bombylius (s.kluckglas unter 2, a), niederwend. klokasch, kwokasch, hastig schlucken, 'glucken' Zwahr 156, böhm. klokati gurgeln, prudeln.
e) wol auch klucken gleich schlucksen, s.glugger unter klocken 2, und klucksen, kluchzen.

 

 klucke, f. bruthenne, glucke Rädlein 547a, span. clueca, rhät. cluća, it. chioccia, wal. clocë: das zehende hôn (huhn) soll man geben und nit ee dan wan die kluck von den jungen geet und sich ir nümmer annimpt. Mones zeitschr. f. gesch. des Oberrheins 3, 408, vom jahre 1404;

(ich hab) die kluck gesatzt, die küchl erzogen.
Rollenhagen froschm. Q 8a;

mit seinem ganzen vermögen, welches er (der hausierer) vor sich, der soldate neben sich, ein bettelmann hinter sich (im sacke) und eine klücke unter sich, wie die schnecke über sich trug. Praetorius Katzenveit (1692) 91, der umlaut wie vorhin klück m. neben kluck. vgl. DWB kluckhenne.