| Netz-Navigator | ||||||||||||||||||||||||
| DWB gottmensch (Bd. 8, Sp. 1398) | DWB gottmenschlich (Bd. 8, Sp. 1400) | |||||||||||||||||||||||
1) als entsprechung des kirchensprachlichen θεάνθρωπος, θέανδρος in unmittelbarer oder mittelbarer beziehung auf Christus, gemäsz der dogmatischen lehre von den zwei naturen Christi. a) am häufigsten als prägnante benennung Christi, und so wohl schon in der ältesten bezeugung, wenn das wort hier als dat. sing. verstanden werden darf: daz er ouch selbe uns menschen hie en erde lêrte sînen willen mit sîner menscheit, diu nâch der gotheit alsô gänzlîchen geordent ist an aller heilekeit, als iz zimlich ist gotmenschen in einer persôn vereinet in: dt. myst. 1, 326 Pfeiffer. vgl. in getrennter schreibung: sieh, der bejac (gewinn) und der gottmensch schaute dem hohen Seraph ins antlitz s. w. (1854) 1, 176; 197 u. ö.; da geht im glanz, den engel nur tragen, der gottmensch schlieszt der höllen pforten auch ihnen hast du den gottmensch, wer kann dir, gottmensch, widerstehn? b) daneben' in appositioneller oder prädikativer bestimmung: eyn mensch sol eyn gtliche inbildunge von dem lieplichen menschen Jesu Christo leren haben als von dem gotts sune und von got-mensch und mensch-got dt. schr. 526 Bihlm.; Christus der gottmensch ein gott seye catech.-milch (1657) 5, 683; wo sich nur gelegenheit darbot, zeugte er vom gottmenschen Christus s. schr. (1835) 2, 232. in einer den gattungsbegriff gottmensch voraussetzenden anwendung: so bald er (der herr) aber kommen vnd gottmensch worden ist Tertullian, v. d. gedult (1546) c 4a; Seraph, ich (gott) steig hinunter, gott den messias zu richten, [Bd. 8, Sp. 1399] so namentlich in der verbindung mit dem unbestimmten artikel: die zwote person von diesem eindreifaltigen ... gotte ... war ... gott und mensch zugleich, ... ein menschgott, oder gottmensch und hiesz Jesus von Nazareth, der gesalbte ges. schr. (1843) 3, 161; das blut, das ihn erlöste, und aus dem pfuhle des verderbens zog, (war) nicht das opferblut eines vermeintlichen gottmenschen (Christi), sondern sein eigenes ges. schr. (1876) 9, 223. 2) als religionsgeschichtlicher begriff in verschiedenartigem zusammenhang, auszerhalb der christlichen anwendung, aber in gewisser entsprechung zu ihr: Tensio Dai Dsin ... fieng hierauf die dynastie der fünf halbgötter oder gottmenschen an v. d. nationalstolze (1758) 258; und ich, sprach der gottmensch Dewanahuscha oder Deonausch, ich bin der weltherrscher Dionysius antisymb. (1824) 2, 244; ein urvolk kann sich den urmenschen nur in der fülle menschlicher hoheit denken und hochbegabt vor allen nachkommen. und darum verehrten urvölker gar oft den als eins geglaubten urmenschen und volksvater und vergöttern ihn zum gottmenschen w. 2, 505 Euler; so dasz er (Herakles) als gottmensch zwischen sie (die menschheit) und die götter trat alte denkmäler (1849) 3, 109. ohne spezifische anwendung, als reiner gattungsbegriff der religionskunde: er (Kanne) hat ein buch über den gottmenschen fertig ges. br. (1858) 2, 348; angestrebt wird die idee des gottmenschen in mehreren religionen, da sie die beiden pole der gottanschauung (unendlichkeit im endlichen) verbindet religion u. magie (1927) 329. 3) seltener als auszeichnende benennung des menschen, in mehr oder weniger willkürlicher bestimmung. vereinzelt für den frommen, gottgemäsz lebenden menschen: dasz also der mensch ... hie auff erden ein gantzer vollkommener gottmensch, von innen und aussen ohne mängel sey apologia wid. Esaias Stiefel (1682) 90. mystisch gefärbt: alles, was gott in sich selber ist, das ist auch die (ihrer 'selbheit' abgestorbene) kreatur in ihrer begierde in ihm, ein gottengel und ein gottmensch, gott alles in allem, und auszer ihm nichts mehr s. w. 4, 452 Schiebler. in religiös unbestimmterer, mehr idealisierender bezeichnung eines besonderen menschentyps: es giebt pflanzenmenschen, thiermenschen und gottmenschen ... werden auf pflanzenmenschen, auf thiermenschen endlich gottmenschen kommen? w. 7-10, 338 H.; vgl. dazu gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 218; 348. auf den inneren menschen eingeschränkt: wiewol doch der menschgott auf der höhe immer einen gottmenschen und gott selber in seinem innern hat w. 32-36, 30 H. auch von einer groszen geschichtlichen persönlichkeit, in rein profanem sinne: nie zum gesang auf foderte so vorstrahlend ein gottmensch (wie Napoleon)
|
| |||||||||||||||||||||||
|
| |||||||||||||||||||||||
| © 2010 by Kompetenzzentrum für elektronische Erschließungs- und Publikationsverfahren in den Geisteswissenschaften an der Universität Trier Home | Impressum | Kontakt | ||||||||||||||||||||||||