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 DWB gottmensch (Bd. 8, Sp. 1398)   DWB gottmenschlich (Bd. 8, Sp. 1400) 
 gottmensch, m. , als appositionelle verbindung zweier substantiva in der form des kopulativkompositums, vgl. Henzen wortbildung 39; 53; 83. schon mhd. und gelegentlich älternhd. bezeugt, häufig erst seit der mitte des 18. jhs.; in der umgekehrten wortfolge menschgott (s. d.), auch menschengott (s. d.) ungebräuchlicher. mit anderer bildungsweise und bedeutung gottesmensch (s. d.).
1) als entsprechung des kirchensprachlichen θεάνθρωπος, θέανδρος in unmittelbarer oder mittelbarer beziehung auf Christus, gemäsz der dogmatischen lehre von den zwei naturen Christi.
a) am häufigsten als prägnante benennung Christi, und so wohl schon in der ältesten bezeugung, wenn das wort hier als dat. sing. verstanden werden darf: daz er ouch selbe uns menschen hie en erde lêrte sînen willen mit sîner menscheit, diu nâch der gotheit alsô gänzlîchen geordent ist an aller heilekeit, als iz zimlich ist gotmenschen in einer persôn vereinet David v. Augsburg in: dt. myst. 1, 326 Pfeiffer. vgl. in getrennter schreibung:

sieh, der bejac (gewinn)
wart ir nach deme gruze:
got mensche, der vil suze Daniel 1616 Hübner.

neben dem dogmatischen akzent liegt auf dem wort der des gewichtig-feierlichen, so namentlich in und seit Klopstok s Messias:

und der gottmensch schaute dem hohen Seraph ins antlitz s. w. (1854) 1, 176; 197 u. ö.;

da geht im glanz, den engel nur tragen,
der gottmensch aus dem grabmal
Wieland w. 6, 96 Hempel;

der gottmensch schlieszt der höllen pforten
Göthe I 37, 9 W

für den benennenden charakter des wortes spricht die auffallend häufige verwendung unflektierter formen im dat. u. acc. sg.; sie geht über das beim simplex mensch (s. d. sp. 2021 unten) übliche weit hinaus:

auch ihnen hast du den gottmensch,
deinen erhabnen messias, gesandt. so wirst du nicht richten
Klopstock s. w. (1854) 1, 167; ebenso 173; 197;

Bodmer der Noah (1752) 342; was uns in den gesängen des Messias für den gottmensch mit heiliger bewunderung einnimmt Sturz schr. (1779) 1, 226. ebenso die häufige anrede: du zweiglein Isai ... gottmensch, Immanuel, wie wunderbar sind doch dein amt, person und nahme Schmolck s. trost- u. geistr. schr. (1740) 1, 373;

wer kann dir, gottmensch, widerstehn?
J. A. Schlegel verm. ged. (1787) 1, 136;

ja, dich, du heiliger gottmensch, haben sie auch getödtet! rief der mann zum kreuzbilde auf Rosegger schr. (1895) I 13, 9.
b) daneben' in appositioneller oder prädikativer bestimmung: eyn mensch sol eyn gtliche inbildunge von dem lieplichen menschen Jesu Christo leren haben als von dem gotts sune und von got-mensch und mensch-got Seuse dt. schr. 526 Bihlm.; Christus der gottmensch ein gott seye Dannhawer catech.-milch (1657) 5, 683; wo sich nur gelegenheit darbot, zeugte er vom gottmenschen Christus Jung-Stilling s. schr. (1835) 2, 232. in einer den gattungsbegriff gottmensch voraussetzenden anwendung: so bald er (der herr) aber kommen vnd gottmensch worden ist Hedio Tertullian, v. d. gedult (1546) c 4a;

Seraph, ich (gott) steig hinunter, gott den messias zu richten,
welcher zwischen mich und das menschengeschlecht sich gestellt hat,
dasteht, gottmensch ist und mein ganzes gericht erwartet
Klopstock s. w. (1854) 1, 164.

[Bd. 8, Sp. 1399]
so namentlich in der verbindung mit dem unbestimmten artikel: die zwote person von diesem eindreifaltigen ... gotte ... war ... gott und mensch zugleich, ... ein menschgott, oder gottmensch und hiesz Jesus von Nazareth, der gesalbte M. Mendelssohn ges. schr. (1843) 3, 161; das blut, das ihn erlöste, und aus dem pfuhle des verderbens zog, (war) nicht das opferblut eines vermeintlichen gottmenschen (Christi), sondern sein eigenes D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 9, 223.
2) als religionsgeschichtlicher begriff in verschiedenartigem zusammenhang, auszerhalb der christlichen anwendung, aber in gewisser entsprechung zu ihr: Tensio Dai Dsin ... fieng hierauf die dynastie der fünf halbgötter oder gottmenschen an Zimmermann v. d. nationalstolze (1758) 258; und ich, sprach der gottmensch Dewanahuscha oder Deonausch, ich bin der weltherrscher Dionysius J. H. Voss antisymb. (1824) 2, 244; ein urvolk kann sich den urmenschen nur in der fülle menschlicher hoheit denken und hochbegabt vor allen nachkommen. und darum verehrten urvölker gar oft den als eins geglaubten urmenschen und volksvater und vergöttern ihn zum gottmenschen Fr. L. Jahn w. 2, 505 Euler; so dasz er (Herakles) als gottmensch zwischen sie (die menschheit) und die götter trat Welcker alte denkmäler (1849) 3, 109. ohne spezifische anwendung, als reiner gattungsbegriff der religionskunde: er (Kanne) hat ein buch über den gottmenschen fertig Görres ges. br. (1858) 2, 348; angestrebt wird die idee des gottmenschen in mehreren religionen, da sie die beiden pole der gottanschauung (unendlichkeit im endlichen) verbindet Beth religion u. magie (1927) 329.
3) seltener als auszeichnende benennung des menschen, in mehr oder weniger willkürlicher bestimmung. vereinzelt für den frommen, gottgemäsz lebenden menschen: dasz also der mensch ... hie auff erden ein gantzer vollkommener gottmensch, von innen und aussen ohne mängel sey Jac. Böhme apologia wid. Esaias Stiefel (1682) 90. mystisch gefärbt: alles, was gott in sich selber ist, das ist auch die (ihrer 'selbheit' abgestorbene) kreatur in ihrer begierde in ihm, ein gottengel und ein gottmensch, gott alles in allem, und auszer ihm nichts mehr Jac. Böhme s. w. 4, 452 Schiebler. in religiös unbestimmterer, mehr idealisierender bezeichnung eines besonderen menschentyps: es giebt pflanzenmenschen, thiermenschen und gottmenschen ... werden auf pflanzenmenschen, auf thiermenschen endlich gottmenschen kommen? Jean Paul w. 7-10, 338 H.; vgl. dazu Gervinus gesch. d. dt. dichtung (1853) 5, 218; 348. auf den inneren menschen eingeschränkt: wiewol doch der menschgott auf der höhe immer einen gottmenschen und gott selber in seinem innern hat Jean Paul w. 32-36, 30 H. auch von einer groszen geschichtlichen persönlichkeit, in rein profanem sinne:

nie zum gesang auf foderte so vorstrahlend ein gottmensch (wie Napoleon)
Baggesen poet. w. (1836) 2, 98.

ungewöhnlich für den menschen überhaupt als ein gottähnliches wesen: die erde ist nicht blosz erdkörper, sondern weltkörper, daher der mensch nicht blosz erdmensch, sondern gottmensch A. Jung charaktere (1848) 1, 152. —

 

 gottmenschlich, adj., meist in der beziehung auf person und werk Christi, s. DWB gottmensch 1: und wird also ... actio theandrica, ein gottmenschliches, und menschgöttliches werck Dannhawer catech.-milch (1657) 5, 734; denke ... an den groszen mitler, der dir diese welt als ein verdienst seiner gottmenschlichen hoheit zur unverfluchten wohnung ausgekauft hat br., die neueste litt. betr. 19 (1764) 121; die eine lehre setzte auseinander, dasz Christus 'der menschgewordene sohn gottes' gewesen sei, dessen die in sünde verfallene menschheit bedurfte; die andere entwickelte, was er in dieser gottmenschlichen persönlichkeit für uns gethan habe und noch thue D. Fr. Strausz ges. schr. (1876) 3, 3; 'wachet mit mir' — Adrian mochte im werke (dr. Fausti weheklag) wohl das wort gottmenschlicher not ins einsam mannlichere und stolze, in das 'schlafet ruhig und laszt euch nichts anfechten' seines Faustus wenden Th. Mann Faustus (1948) 776. soviel wie 'gottähnlich, gottgleich', entsprechend gottmensch 3: auch der grosze mann musz mensch bleiben, selbst wenn er gottmenschliche thaten gethan hat Fr. L. Jahn w. 1, 285 Euler.