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| DWB gezücht (Bd. 7, Sp. 7208) | DWB geziefer (Bd. 7, Sp. 7045) | DWB unthier (Bd. 24, Sp. 1938) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||
1) grundwort und präfigierte formen. a) das fem. zucht zu ziehen läszt den ganzen umfang seiner verwendungsmöglichkeiten erst in der mittelhochd. zeit (vgl. mhd. wb. 3, 937b—939b) belegen. erst hier sind nomina actionis mit der bedeutung ziehen, zerren, wie sie sonst das masc. zug aufweist, auch an der bildung mit dem t suffix bezeugt; so (mit doppelsinn?): er zogte in ungefuogedaz er vil lûte erschrê. die althochd. belege lassen nur die bedeutungsrichtung von nutrire, alere am subst. vortreten, und zwar in den beiden zielpunkten: aufzucht und erziehung. α) der letztere herrscht vor und wird auch in der gothischen bibel mit der bildung ustauhts angestrebt, die für griech. τέλος (ältere bibel und Röm. 10, 4: ende vgl. vollendet werden Lucas 1, 45) und noch deutlicher für καταρτισμὸς eintritt: πρὸς τὸν καταρισμὸν τῶν ἁγίων, du ustauhtai weihaize Eph. 4, 12 (zu der volendung der heiligen cod. Tepl., das die heiligen zugerichtet werden zum werck Luther; var.: gefügt, geschickt). dazu vgl.: Krist minnota thie sine ... op dâ waere manlîch zuht. β) die erste richtung, die an sich schon zu einer collectivbedeutung führt, ist in den ältesten glossen mehrfach vertreten: soboles zuht, propago, zuhhi, khind zuhi Hraban. Keron. glossen s. 1, 250; vgl. sobolem zuhes ebenda 230; nutrimenta zuhti Junische und Reichenauer glossen zu exod. 35, 14 s. 1, 285 (vgl. alimenta zuhtunga Tegernseer glossen zu Sedulius ebenda 2, 618); adultos gizogano, fetus zuhti [Bd. 7, Sp. 7209] Tegernseer glossen 11. jahrh. zu Vergil, Georgica 4, 162 s. 2, 643. literarisch ist diese bedeutung am subst. bei Otfrid ebenfalls einmal vertreten mit leichter lautlicher und flexivischer abweichung: thie hohun altfatera entont anan kuninga, ein habek hat genistet hoch daʒ von des edeln stammes zuht b) mit dem präfix sind substantivformen in der bedeutungsrichtung von erziehen nur vereinzelt belegt. auszer gezuchtheit, das sich im geleise von züchtigen (s. gezüchtigt) bewegt (s. u.), weist die althochd. glosse ungezuhti, ineruditionis ( 5, 616) hierher. aus späterer zeit vgl.: so trefflich disz gesichte (dieses mädchens) sîn schelclîch gezühteer in den berc getruoc. c) Luther, der schon in den ersten schriften das subst. mehrfach gebraucht (s. u.), führt es auch in die bibel an stellen ein, wo die übersetzer vor ihm drei verschiedene wortstämme heranzogen, um das lat. progenies viperarum von dem begriff des erzeugens oder gebärens aus zu treffen: ir ottern gezichte, wie kund ir gutes reden Matth. 12, 34 (natrono chnosles althochd. Matth. s. Hench 9; progenies viperarum, barn natrono Tatian 62, 10; geslecht der vippern cod. Tepl.; ebenso Beheim); desgl. otter gezichte Matth. 3, 7 (cunni natrono Tatian 13, 3); ir schlangen, jr ottern gezichte Matth. 23, 33 (serpentes, genimina viperarum, berd natruno Tatian 141, 28; natrono knosles althochd. Matth. Hench s. 29; slangen geslecht cod. Tepl.; geburt Beheim). den oberdeutschen nachdruckern war Luthers gezichte fremd, Petri erklärt es im glossar zu seiner ausgabe des neuen testam. durch geschlecht vgl. 6, 42; vgl. von Luther bis Lessing s. 87; [Bd. 7, Sp. 7210] zu den übrigen oberdeutschen bibelglossaren vgl. Freiburger diss. 1898 s. 120. die Züricher bibel von 1531 folgt Luther, aber mit anderer vocalfärbung: ir naater gezücht Matth. 12, 34. ähnlich Eck. in der verbindung ottergezücht hat Luthers prägung auch auszerhalb der bibelsprache aufnahme gefunden, so in den reformationsstreitschriften, vgl. sat. 1, 90. 378. 125. 517; in Kirchhofs wendunm., in Lindners schwankbuch, Ziglers Banise, bei u. a. vgl. theil 7 sp. 1385; s. auch unten sp. 7212. d) die buchungen stehen vielfach unter einflusz, namentlich vom 18. jahrh. ab. α) die vocabulare (s. Diefenbach) merken unter progenies, propago, soboles, proles, generatio nur bildungen wie kunne, slechte, kint, geburt u. a. an; auch die wörterbücher des 16. jahrh., die unserer sippe entgegenkommen, sind doch dem präfix gegenüber spröder, so gleich Dasypodius, der zucht unter progenies und proles bucht, vgl. lat. dtsch. N 7b und F f 5; desgl. im deutsch-lat. theil (nicht aber unter propago und soboles); die form mit präfix führt er einmal ein, aber in anderer schreibung, als Luther sie braucht: progenies, ein geschlecht, zucht, das geboren ist; tua progenies, das du geboren hast, dein gezucht N 7b. Stieler merkt nur das grundwort an, auch in verbindungen, die gerade Luthers gebrauch berühren: schlangenzucht, serpentum progenies u. a. 2628. ähnlich Steinbach und Frisch, der auch die vereinzelte collectivbildung bucht, aber auszerhalb des zusammenhanges mit zucht 2, 483c. neben einem eigenen excerpt stützt er sich auf Luthers ottergezücht, das auch bei Rädlein, im teutsch-engl. wb., bei (s. 1977) und Adelung, im Straszburger dict. und bei Schwan angeführt ist. β) in Luthers schreibung bucht Hulsius die form: gezichte razza, specie diction. teutsch. ital. (1605) 63. mit Henisch setzt sich der gerundete vocal in den wörterbüchern durch, die nur im auslaut schwanken: gezüchte, geberung, geburt, genimen, generatio 1612. 1)) gezücht razza, prole, sobole, progenies ... race, pro geniture ... canaille s. DWB ottergezücht 386a; ge züchte, (t. de mépris) engeance, race, ottergezüchte nouv dict. allem. franc. (1762) 1, 342; gezücht, die brut, la race ... 1 (1783) 752a. 2)) gezüchte, a breeding, ofspring, issue, progeny, gene ration s. DWB zucht ... ottergezüchte teutsch-engl. wb. (1716) 778; gezüchte, gebroedzel (1719) 2, 98a (gezücht, gezicht 23, 134c). 3)) das gezücht ... plur. inus., ein im hochdeutschen selten gewordenes collectivum, die zucht, d. i. die jungen oder nachkommen eines lebendigen geschöpfes zu bezeichnen. es kommt nur noch zuweilen im verächtlichen verstande, so wie brut vor ... 2, 674; desgl. 2, 372 mit belegen aus Voss, Göthe, Wieland; vgl. auch Campe verdeutschungswb. unter 'race' s. 514. e) formen. α) Luthers mitteldeutsche schreibung gezichte gilt auch für Nigrinus regentenbuch, Hulsius und Weises erznarren, dazu vgl. gezicht in Kirchhofs wendunmut und bei Burkart Waldis u. a. (s. u.). der gerundete vokal, (vgl.gezucht bei Dasypodius u. a.) ist schon beim Hagenauer nachdrucker von Petris bibelglossar 1524 eingesetzt, (s. a. a. o. vgl. ottergezüchte bei Eiszleb. ritter s. 7) und bildet seitdem die regel. β) zum auslaut: 1)) neben gezichte vgl. DWB gezüchte Rinckhart, nouv. dict. (1762); Pfeffel, 6, 102 (s. aber gezücht 5, 213. 231); (im dativ) Praetorius, hat in der 1. ausgabe gezüchte, in der dritten gezücht; Schwan hat otterngezüchte, aber gezücht; vgl. auch von diesem gezüchte Shakespeareübers. 2, 214 gegen gezücht bei Wieland s. u. 2)) in der form gezicht haben die oberdeutschen bibelglossare fast alle das Luthersche gezichte übernommen (s. a. a. o.); dazu vgl. gezucht bei Dasypodius, desgl. päbst. reich; Hayneccius, Ryff u. a.; vgl. DWB gezücht Rädlein, Adelung, Wachter u. a. 2) die neuere entwicklung läszt in der beziehung auf thiere und pflanzen die bedeutung von nachkommenschaft, [Bd. 7, Sp. 7211] geschlecht weniger getrübt zur geltung kommen. aber schon hierdurch erfährt die verwendung für menschliche beziehungen eine werthminderung. geradezu in das gebiet des widrigen und bösen führt aber die immer fester werdende verbindung des subst. mit ottern, nattern, schlangen, die in der übertragung auf menschen wie in der rein sinnlichen verwendung ergiebig wird. im übertragenen gebrauch kennzeichnet sie nicht mehr die durch abstammung bedingte familienzugehörigkeit, vielmehr die gleichartigkeit in der neigung zum bösen. a) gezücht bezogen auf thiere und pflanzen. α) ohne wahrnehmbare anknüpfung an die verbindungen Luthers. 1)) die wilden schwein halten sich zusamen, doch lasset die mor kein frembdes denn jhr eigen gezucht mit ihr essen Ryff thierbuch Alberti Magni (1) A 3b; auf den landtagen hatte man über die ausrottung des grausamen wolfs verhandelt ... in den eichen von Grieshuus aber fand das gezüchte insonders seinen unterschlupf 6, 102; wolfsgezücht bei a. a. o. vgl. dagegen übertragen: waren flugs auff, belegten erstlich die mülen umb und umb ... und fiengen die wilde sau (den berüchtigten räuber) und die ires gezichts waren, einen mit dem andern wendunmuth (2, 167) 219 Oesterley; o dasz ich durch die ganze natur das horn des aufruhrs blasen könnte, luft, erde und meer wider das hyänen - gezücht ins treffen zu führen (räuber 1, 2) 2, 47. 2)) du willst die ehre meiner Diana beflecken; es würde ein sauberes gezüchte zum vorschein kommen, wenn ich dir nicht einhalt thäte Pfeffel (biographie eines pudels) pros. vers. 1, 178. dazu vgl. die übertragung: weiss gott, wie ungern ich mich zudränge, und wie fatal mir manches hunde gezücht ist, das mir zwischen die beine läuft und leckt und mit dem schwanze wedelt (an Göthe) br. 1, 230. 3)) wo man die meerschweingen, caninichen, eichhörngen, und ander solch gezichte in stuben und cammern hegt die drei ärgsten erznarren 167; und schreiend nach der stange sticht oder wollt ihr um die früchte 4)) glänzend laster! sodoms-früchte! geh' ich nach dem ew'gen regen in meinem baumfeld reute mich dann find ich wohl im garten frühe meinen ... greis β) ottern — nattern — und schlangengezücht mit ihrem verwandtenkreis in sinnlicher und übertragener richtung vgl. oben sp. 7210. 1)) alszo haben die elenden schlangen getzichte (wie sie Christus nennet) meinem sermon von der pusz auch than (wider die bulle des Endchrists 1520) 6, 625; sterben wird schlangengezücht, und die teuschende pflanze [Bd. 7, Sp. 7212] trotz aller falschheit zischet noch die schlange. will die klapperschlange klappern? 2)) als heuchler, gleiszner gtonchte greber, das ist ein schendlicher betrug könnt ich ... feuer spein tief in eurer herzen falten, 3)) das römisch natergezicht wendunmut 435a; desgl. nattergezicht J. Nas examen (1581) 127; volkslied von 1546 s. Lilienkron volksl. 528 vgl. theil 7 sp. 428; dazu vgl. York, DWB der mann der alten militärischen schule, der eiferer wider das nattergezücht der reformer hist. u. polit. aufs. (1865) 137; 4)) das wurmgezücht; — still doch! — dasz sie nur alle in meinem pfuhl drunten zerstäubten! maler Fausts leben s. litt. denkm. 3, 19; ja man durfte sich schon vermessentlich verlauten lasʒen, der könig ... habe nun keine gewalt mehr über sie. darum dan auch dieses selbst-herrische rattengezücht des königreichs erbherren weren gekrönte majestät (1661) 83; mitunter zuckte er erschreckt zurück, aber es war nur das gezücht, das hier gelegen hatte; ein tausendfusz, eine kröte war über seine hand geschlüpft 5, 213; scharen ... von ... küchenschaben ... huschten über deck und wände ... das nachtgezücht rannte an uns empor 231; schwamm im hause nebst rattengezücht und zerstörendem wurmfrasz! durch lüge und verstellung auch hier nicht sicher in der königsburg b) gezücht vom teufel und von dämonen. α) ob sie wol sind der magd, unnd unehliche kinder. ia des teuffels getzichte: leiden sie doch nit die freien ehlichen kinder der mutter der kirchen Luther (urteil der theologen [1521] 9, 718; dasz wir nun den rabenäsern und teuffels gezüchte nicht alles mehr in rachen stecken müssen komödie vom studentenleben 27 Fabricius; dasz an diesem höllischen gezüchte nichts gutes müsse sein, kan man auch daraus abnehmen ... Prätorius catastrophe muhammetica L l 2b. verrätherin, sirene, höll'ngezücht! drachen rollen sich β) die zauberin mit ihrem gezücht, fühlst du, wie uns das umflicht, [Bd. 7, Sp. 7213] drunten, drunten ist's klar und licht, γ) übertragen: beschloss ich, einen harnisch unterm rock dein holdes auge soll nicht länger mehr o dann erstehet, blühend in lenzeskraft, c) auf den menschen, der in den bisherigen zeugnissen vielfach schon in übertragenen verwendungen getroffen war, zielt nun die hauptgruppe der belege unmittelbar. α) für die zusammenfassung der zu einem elternpaar gehörigen 1)) ist der ausdruck selten ganz ohne nebenbedeutung gebraucht: do keiner sich dem andern gleich 2)) mehrfach liegt der ausdruck minderer achtung in der bezeichnung: ein schulmeister — seine kinder — ein dorfschulze — einen ganzen leiterwagen von dem gezücht hat er kommen lassen (leichter sinn 5, 2) theatral. werke 5, 279; soll hier ich etwa durchbringen das geld mit den kindern und meiner gemalin, 3)) meist aber kommt — unter dem einflusz des biblischen gebrauchs — widerwille und abscheu zum ausdruck: 'mir von einem solchen strolch! der Katlenburg! β) ganz unter dem einflusz solcher vorstellungen steht die ungewöhnlich grosze gruppe der verwendungen, die nicht die familienzugehörigkeit, sondern allgemeiner die gleichartigkeit in der gesinnung oder im handeln kennzeichnet. für die bedeutungskraft des substantivs ist es kennzeichnend, dasz es gern ohne alle beiworte oder bestimmungen steht, eingeführt nur von mehr oder minder andeutenden pronominalformen, vgl. dazu auch gezücht [Bd. 7, Sp. 7214] neben gewürm als schimpfwort bei 23a und die zusammenstellung mit synonymen, s. u. 1)) das substantiv eingeführt durch pronominalformen: a)) niemand warlich kan euch vom wüten desz gottlosen wesens ... erretten, es sei dann dasz jr Machiavellum und seine policei, sein gezicht, und was irgend dem Machiavello anhanget ... gar ausgewurtzelt regentenbuch oder fürstenspiegel (1580) 18a. b)) nur mit einer gewissen härte lehnt man die pfuscherhaften anmaszungen ab, die bei dem gewissenlosesten verfahren, ein heiliges zu hülfe rufen ... auch fürchtet sich das gezücht vor mir, und probirt doch manchmal ein vidi zu erhaschen briefe 38, 178 (an Schultz); so habe ich auch neulich einen poetischen dilettanten bei mir gesehen, der mich zur verzweiflung gebracht hätte, wäre ich nicht in der stimmung gewesen ihn naturhistorisch zu betrachten, um mir einmal von dem gezücht einen recht anschaulichen begriff zu machen briefe 14, 120; ist dem gezücht verdienst ein titel? c)) dieses gezüchte stand nicht unmittelbar im dienste eines staates, sondern wurde von gewissen ... condottieri ... angeworben 6, 1, 226; hier kommt ein anderer von diesem gezücht; ein dritter ihres gleichen ist nicht zu finden, es müszte denn der teufel selbst ein jude werden Wieland Shakespeare (kauffmann v. Venedig 3, 1 ebenso Eschenburg; another of the tribe, von seinem stamm Schlegel) 3, 75; können sie Schubarth bewegen, sich in jene händel nicht zu mischen, so werden sie das beste werk thun; jenes gezücht heisst legion, und die tendenz ist keineswegs ... moralisch briefe 36, 207 (der schreiber verstand gedicht und änderte nachträglich in gezücht — ein zeichen sowohl für die aussprache Göthes wie dafür, dasz dem schreiber unser subst. nicht geläufig war); gekleidet sind sie, wie sich nicht geziemt die strahlen des tags 2)) unter den nominalen begleitern, die die bedeutungskraft des substantivs steigern oder nach bestimmten richtungen ergänzen, sind vor allem genetive und attributive adjectiva reichlich entwickelt. die beiordnung von substantiven führt wenig zur zusammenstellung mit synonymen: dasz man sich der jesuiten losz machen möchte ... dasz solche gezücht und unkraut, nie in Teutschland kommen s. acta (1668) 1, 283a; die da sind nachsager, angaffer, witzhaftige schwätzer in zusammenkünften und büchern ... ausschreiber ... bänkelsänger, schemelrichter, und wer sonst noch dieses gelichters, geschmeisses und gezüchts sein mag (deutsche gelehrtenrepublik) 12, 59 (1817), vgl. dazu wb. deutscher synonymen 453, wo gezücht gegen gelichter, geschmeisz, geziefer, brut abgegrenzt und etwas zu eng auf ein durch herstammung und erzeugung begründetes sein eingeschränkt wird; vgl. auszerdem: die guten bürger, die durch eine gute regierung immer besser werden, treiben alles gesindel und gezücht der liederlichkeit ... schon aus eigenem interesse aus ihrer mitte reisen 5, 5. a)) genetivbestimmungen führen gern zu zusammensetzungen, doch sind solehe auch aus der beiordnung erwachsen, namentlich mit unselbständig gewordenen nominalformen: nation können wir sehr gut entbehren und [Bd. 7, Sp. 7215] alle seine welschen missgezüchte mit dazu 2, 2, 489; das stiefgezücht unserer tage wandert als deutschling hinaus und kehrt dann als welschling wieder heim 75; vgl. DWB ungezücht oben sp. 7211; vgl. andererseits der zöllner raubgezücht 2, 272: desgl. Phädra 4, 2, vgl. theil 8 sp. 231; s. auch Sanders erg. wb.; zur zusammensetzung mit genetiven vgl. blutraht oder halsgerichte ... darinnen sich die allergrsten feinde des königs (Karl II.) ... nebenst unterschiedlichen würgeistern aus dem aller verachtesten bubengezüchte ... befunden verschmähete, doch wieder erhöhete majestät (1661) s. 84; die hausznunnen bei euch seindt münch gezücht, darumb seind sie auch so nachredick ... Eberlin v. Günzberg (die andere getreue vermahnung an den rath von Ulm) 3, 36 neudruck, vgl. DWB mönchsgezücht (aus Thümmel) theil 6 sp. 2494; als aber jene ... sich in die burg zurückzogen, so erwachte das gezücht der demagogen; sie beriefen das volk, sie ermahnten es Dion fahren zu lassen (beil. z. 9. brief aus Sizilien) s. werke 9, 77: rückkehr des goldenen alters verheissen uns Gallia's weisen, ausgebreitet und grosz sind zwar die poetischen fluren: b)) die attributiven bestimmungen, die das subst. mit besonderer vorliebe begleiten, α)) übernehmen selten die function der genetivbestimmungen, die im substantiv zusammengefaszten persönlichkeiten nach ihrer abstammung oder thätigkeit zu kennzeichnen: die wahrheit ist mir lieb.doch räche die himmlische religion β)) auch andere charakterisierende attribute sind ganz vereinzelt: freudenmädchen ... gerade das leichte gezücht, was hier herumspringt, hat die meiste zeit und gelegenheit, die vornehme welt in ihren ... schwächen zu sehen reisen 406; wär' nicht dies klostervolk ein heuchlerisch gezücht, γ)) der hauptantheil fällt auf stimmungsäuszerungen und werthurtheile, die den im substantiv schon ruhenden bedeutungsgehalt ausschöpfen. dazu werden gelegentlich ironisierend auch rühmende beiworte herangezogen: Porphyr, ich bin so freuden voll [Bd. 7, Sp. 7216] 'blut' rief ... ein stämmiger gerber, indem er den sprechenden mit der lohbraunen faust am genick faszte ... verwünschtes edelgezücht ... willst du uns mit blutvergieszen drohen der dombaumeister v. Regensburg s. gartenlaube (1866) 561a. vgl. dagegen: des höchsten grim, gleich eines ofens hitz, wahnwitziges gezücht, falsch-hertziges geschlecht, oft hats mich, wenn um nichts und wieder nichts, doch darum ist das erdenvölkchen nicht, nun frag' ich, unerträgliches gezücht! schon bist du trunken, gelehrte, rechtsverständ'ge, hof und adel
| 1) verschiedenartig gedeutet wird die stellung zu dem verbreiteten ungeziefer (s. d.). a) Jacob Grimm erklärt ungeziefer als unthier: 'die ältere richtige schreibung war ungeziber (bei Burc. Waldis 184b), und es ist die verneinung von ziber, zeber althochd. zepar, angels. tiber, opferthier, altfr. toivre, atoivre' Reinhart Fuchs 54; vgl. auch mythologie 13 33. dazu vgl. hostia, cepar edho daʒ kote antfenki ist ende kotes pipot keronische glossen s. 1, 171; zepar sacrificium s. 5, 580; vgl. hwaêr is ðaet tiber ðaet dû torcht Gode tô ðâm brynegilde bringen þencest angels. genes. 22, 7 (ubi es victima?) u. a. s. 981c. so wird ein gegensatz gewonnen zwischen thieren, die zum opfer dargebracht werden können, und solchen, die durch miszgestalt oder unansehnlichkeit des wuchses davon ausgeschlossen sind. bildungen mit un, die hierzu stimmen, begegnen freilich erst in der mittelhochdeutschen zeit, einmal ungezibele (mhd. wb. 3, 873b); einmal ungezibere ( 2, 1892): vor der burc lît ein hac, den ist unkunt die edelkeit des grales, 22, 1087 (vgl. auch 1074) findet die ableitung von opferthier zu 'nobel und antik'. er weist aus fränkischem gebrauch zifer, gezifer als benennung für das federvieh nach (vgl. auch zeifelein [Grabfeldgau] junges huhn) und kann im fränkischen zifen, zifeln (im wachsthum zurückbleiben, vgl. zipun, ignavos glossen zu Prudentius s. 5, 578; arzibuta, residem [ovem morbo] ebenda) die grundlage nachweisen, auf der sich gerade der begriff des minderen wuchses entwickeln mochte. vgl. auch zib, zibele, lockruf für junges geflügel a. a. o.; vgl. auch: geziefer, junges federvieh, unnöthiges federvieh, auch (Meiningen) kaninchen, stallhasen [ 1, 49; 3, 52] beitr. z. Henneberg. idiot. 78; auch für das Schwäbische bucht Birlinger neben der übertragenen bedeutung (schwarm junger mädchen) und der von ungeziefer die zum obigen stimmende: geziefer ... geflügel des hauses wb. z. volksthüml. aus Schwaben 34. dazu vgl. aus dem österreich. jetzt ziffer, zifferig, kärglich ... kränklich, mager 651. diese auffassung wird auch dadurch gestützt, dasz unter den übertragungen, die hier gerade früh ansetzen, neben der frauenwelt (s. frauengeziefer unten) auch die jugend eine besondere rolle spielt; freilich mit der wendung ins böse s. bubengeziefer sp. 7048. aus solcher auffassung erklärt es sich auch leichter, wieso geziefer und ungeziefer [Bd. 7, Sp. 7046] in einer und derselben bedeutung zusammentreffen, denn diese thatsache steht fest, wenn auch zeitliche, landschaftliche und stilistische sonderneigungen, die auf grund der genaueren vergleichung von ungeziefer mit geziefer sicherer gefaszt werden, den gebrauch beider bildungen wieder gliedern (vgl. sp. 7047). jedenfalls konnte geziefer als sammelname für kleine lebewesen leicht die intensiv steigende partikel un an sich ziehen — namentlich zur bezeichnung von gröszeren thieren — (vgl. DWB unwetter, DWB unthier, ungewürme [ 2, 1890 ], auf die dtsch. literaturz. 1896 s. 492 verweist), während ihm die für ungeziefer entscheidende richtung auf lästige thiere nicht so wesentlich scheint, so früh sie auch bezeugt ist. wenn die entwicklung des sammelbegriffes geziefer auf dem umweg über ungeziefer gesucht wird, bleibt die unterdrückung des präfixes un zu rechtfertigen, wozu die berufung auf bestimmte compositionsformen (s. sp. 7048) doch nicht ganz ausreicht. b) beachtenswerth sind zeugnisse des 16. jahrh., die formen mit und ohne das präfix ge in diesen bedeutungskreis stellen. Chyträus bucht als niederdeutsche form zefer: insecta, ungezifer, geschmeisz, gewörm ... buprestes, ein giftig zefer, darvan de ossen odder köye sterven nomenclat. latino-saxonicus (1525) 377. 379; cantharis, goldtzefer, spanische fliege 379; brucus vel bruchus, ein zefer 380 (vgl.bruchus, DWB raup, hewschreck, käfer 179; cantharis, grüne käfer 202 u. a.). dazu stimmt (als sammelbegriff) das erste zeugnis für geziefer, das freilich aus spätererer und durch varianten bestrittener überlieferung gewonnen ist: nun schüttle sonder tadel c) während das 16., 17. und 18. jahrh. weitere zeugnisse stellen, bleiben die wörterbücher lange zurück. Steinbach führt geziefer vor ungeziefer, insecta an 2, 1090 (ebenda ziefere, frigutio als schlesisches wort); Frisch bucht ziefer als grundwort zu ungeziefer 2, 473; Adelung verweist von geziefer auf ungeziefer 2, 673. dazu vgl.: unser allgemein bekanntes ungeziefer setzt geziefer, so wie dieses ziefer voraus verdeutschwb. 378; weil das daraus abgeleitete sammelwort, geziefer, da wo es noch jetzt gebräuchlich ist, eine sammlung solcher thierchen (insecten) ... bezeichnet ebenda; ich trage also darauf an: dasz man ziefer für ein einzelnes insect ... geziefer für mehre arten solcher insecten zusammengenommen, wieder gebräuchlich zu machen suchen möge ebenda. mundartlich hat schon Reinwald aus dem Hennebergischen geziefer an ziefer, junges haus-federvieh angelehnt und auf ziefen zurückgeführt, das er mit zeugen (geziefer-gezücht) zusammenstellt idiotikon s. 50; vgl. auch s. 78. ostmitteldeutsch wird geziefer von (s. 419) belegt; aus dem oberdeutschen vgl. auszer (s. o.): gezifer, ungeziefer, übertragen gesindel ... kann doch nur halbmundart sein schwäb. wb. 3, 644; zifer, ungeziefer, niederträchtige bande 2, 893. d) in bezug auf die formen ist zur quantität des vocals auf die ältere schreibung geziffer neben gezifer hinzuweisen. bemerkenswerth ist auch für den gebrauch der numeri, dasz der plural — namentlich in neuerer zeit — gemieden wird. bei indisch - chines. lustgarten 1, 37 begegnet die geziefer; dazu vgl.: aber doch hab' ich mich mit allen menschen, thieren und geziefern ganz gut vertragen können briefw. 2, 104. dagegen werden auch verbindungen wie allerhand geziefer ( 2, 82) und ähnliche wendungen, in denen die mehrzahl durch den zusammenhang immer wieder anschaulich gemacht wird (vgl. 2, 296), trotzdem im singular belassen. [Bd. 7, Sp. 7047] 2) sinnliche und übertragene verwendungen. a) innerhalb der sinnlichen verwendung zeigt sich deutlich, dasz bei geziefer — zum theil in bewusztem gegensatz zu ungeziefer — nicht nur lästige thiere, sondern auch angenehme und erfreuliche vorschweben: schönes geziefer. in zahlreichen fällen ist überhaupt an eine solche gliederung unter dem gesichtspunkt des angenehmen oder nützlichen gar nicht gedacht. diese letztere, bei der der einflusz von ungeziefer mit zu würdigen ist, beherrscht allerdings den neueren gebrauch mehr und mehr. α) buttervögelein, oder zwiefalter, wie man die buntgemahlte fliegen, und schöne geziefer, so den sommer durch auf zweigen, blumen, und kräutern herum spielen, und nicht anders, weder ein geflügeltes blümlein, durch die lufft flattern, nennet indischchines. lustgarten (1688) 1, 37; neben dem schönen geziefer und geblüme war auch des ungeziefers und der giftkräuter von jeher genug schriften an meine l. Deutschen 3, 141. β) er gehe hin zu den blumen und blättern: die können ihn lehren, dasz ohne zuvor vorhandenen idealischen saamen der sommer - vögel oder zwifalter und raupen, solches geziefer, aus blumen und laub erwachsen könne höllische Proteus (1695) 749; dazu ich ferner alles geziefer rechne, was ausser besamung desz männ- und fräulein, auch wol kan generieret werden indisch-chin. lustgarten 1, 121; vgl. luftgeziefer, blattgeziefer 1, 37; will man nur völker erkunden, wie man steine ausliest, pflanzen einlegt und geziefer sammelt, dann ist das hergebrachte genug 2, 2, 484; vgl. geziefern briefw. 2, 104; 'hätt' da was für dich, weil d' schon a freud' an solchenen geziefer hast' ... der kaplan rollte das blatt auf und fand einen jener käfer, die man, ihrer langen, schön geschwungenen fühler wegen, böcke nennt (dorfgänge 1. 'der einsam') 3, 178; motten und nachtschmetterlinge ... das unter diesem jagen und schlagen immer nur ängstlicher werdende geziefer schien sich zu verdoppeln und summte nur dichter und lauter als vorher um ihn herum (schach v. Wuthenau) I 3, 285. γ) bei der beziehung auf schlangen und gewürm wird bereits der begriff des lästigen, schädlichen überwiegen: daher die schlange, von den Aegyptern ... zu einem bildzeichen desz lebens und der artznei gebraucht worden: gleichwie sonst die alten dieses geziefer auch zum sinnbilde der vier elemente genommen lustige schaubühne (1697) 3, 42; dem geziefer der ottern und schlangen curiöse grillen (Chemnitz 1728) 274 s. a. a. o.; vgl. otterngezücht; war eine grube voller schlamm, ein unthier ... gar zu trutzig, δ) auf diesen begriff wird meist durch besondere bestimmungen neben dem subst. eigens hingewiesen, seltener ist er schon durch den zusammenhang zu gewinnen; immen, brynnen, und unnütz gezifer der khefer new. teutsch. geistl. u. weltl. liedlein 1 (München 1578), nr. 20. 1)) sie haben die frösche vor allem andern geziefer und ungeziefer der welt in ihren besondern schutz genommen 14, 128 (Abderiten 5, 2); in dem schrank hatte ich sehr sorgfältig wespennester, puppen, larven und anderes gezücht und geziefer einquartiert (die pfadfinderin) 2, 8, 68. 2)) o, wenn je ein mittel gegen die mücken und spinnen erfunden werden sollte, machen sie es doch ja gemeinnützig! denn wenn man oft in himmlischen entzückungen aufgefahren ist, erinnert einen das leidige geziefer, mit seinen stacheln und krabbligen füszen, gleich wieder an die sterblichkeit (triumpf der empfindsamkeit 2) 14, 19; [Bd. 7, Sp. 7048] lustiges fest, der schönheit blumen schenken! 3)) auch wohnen leider in einem lande oft in buntem gemisch leute von allerlei volk, wie auf der deutschen eiche mancherlei geziefer 2, 2, 485; als das wasser wieder war wasser geworden, kamen frösche ohne ende! das war die zweite plage. — item es kam geziefer aus dem staube (1832) 4, 57; und das geziefer (mäuse) füllte sich den wanst; wenn es mit dem fressen nicht mehr fort wollte, rollte es die schwänze auf und hielt ein schläfchen in den hohlgefressenen weizenbrötchen 2, 296; ich weisz nur, dasz allerhand geziefer auch auf diesem heiligen berge stach, bisz, kratzte, stahl und unaussprechlich frasz 2, 82; und jetzt sitzen alle, die mitgesponnen und nicht mitgesponnen haben, im netz und können sich anfallen wie geziefer (der schandfleck) 2, 116 da rennt das geziefer 4)) es hagelt fliegen, schnecken, spinnen, raupen, dornen, blätter ... meine tante ... ist in ohnmacht gefallen ... wir ... säubern sie von dem geziefer, von blatt und dornen (aus marsch u. geest) 2, 213. b) zu den übertragungen α) ist schon oben auf zusammensetzungen wie frauengeziefer und bubengeziefer hingewiesen worden, wie überhaupt die übertragungen zumeist in der form der composition hervortreten. aus dieser form könnte auch die für die deutung von geziefer aus ungeziefer fehlende erklärung der unterdrückung des präfixes un am ehesten gewonnen werden. 1)) es sind nun vier jahr, dasz mich mein vater an einen fremden ort schickte, da hatte ich mir vorgenommen, mit dem frauengezieffer recht bekand zu werden erznarren 169 neudr.; vgl. dazu: das frauenziefer all steckt strauszgen forne fr. 2)) zum bubengeziffer (s. sp. 7046) vgl. auch geziefer als schimpfwort für eine schar loser buben (Zwickau) s. ztschr. f. d. ma. 6, 214. dazu vgl.: hier sind die groszen lexica, die groszen krambuden der literatur ... nimm zuerst diesen knotigen prügel, womit der criticus alles junge geziefer auf der stelle breit zu schlagen pflegt (die vögel) 14, 97. β) im gegensatz zu diesen zusammensetzungen und viel mehr vom bedeutungsgehalt des ungeziefers erfüllt 1)) stehen andere composita: giftvolle blindschleich und goldhellen molch, 2)) auszerhalb der composition vgl.: tilgt aus dies rasende geziefer, fürsten,
| 'bau!' schreit er. 'was ist das hier?' I. mit un IV B. u. non negat, ut ita dicam, animalitatem, sed vitium eiusdem, nimirum ferociam et atrocitatem indicat 2385. 1) eigentlich. a) ein wildes, gefährliches, böses, schädliches widerwärtiges, seltsames u. dgl. thier: Lucidarius 10, 11 H.; gott hasset doch nit ein krot oder ein slang, das doch sint untier, wie möcht er dich (menschen) dann gehassen? bilgerschaft (1512) 29b; das (die ameise) ist ein cleines thierlin und tht doch vil schadens, gleich als ein wurm oder ein u., das beiszt und isset das hertzbletlin von der salbeien baum der seligkeit 23a; mit zangen wardendt sie (d. märtyrer) zerrissen, so fiel ihr (der natur) ein, er hat mit mir in der schandthat seht, wie ein unthier, sprüht er gift und flamme [Bd. 24, Sp. 1939] darfür das unthier, der höltzing, der wul oder der Hennicke wendunmuth 1, 295 Ö.; etliche von adel in Burgund stelten eine wolfsjacht in dem wald Ardenne genannt an und erlegten auch dieser unthier, wie solches die bauren nennen, bey zwölfe schauplatz lust- u. lehrreicher gesch. (1653) 2, 266; das u. (man nennet die schelmen nicht gern mit ihrem rechten namen) stellete sich, als ob es ihn wunder nehme gepflückte finken (1665) 12. oft von der allgemeinern bed. (a) nicht zu scheiden, z. b. schauplatz lust- u. lehrreicher gesch. 2, 269; politischer näscher (1678) 33; 261; zauberring 1, 54. fürs 18. jahrh. reichlich bezeugt ( [1741] 2, 371c; zeitschr. f. d. wortf. 10, 169; 505a), am längsten in Ost- u. Westpreuszen ( 2, 424b). e) scherzend von einem lästigen singvogel: haben sie doch die güte, den shawl dort ... über den käfig dieses unthiers zu werfen 3, 102. 2) von menschen. vgl. DWB thier 4 b. man rügt meist rohheit, grausamkeit, unmenschlichkeit, aber auch bisweilen blosz ungeschick, unfreundlichkeit, heuchelei, stutzerthum u. s. w., bei frauen unzüchtiges, kupplerisches wesen, zauberei, unmütterlichkeit, bei kindern unart, ungezogenheit; der bedeutungsbereich läszt sich in dieser hinsicht nicht erschöpfen. 'ein lasterhafter, wilder, auch wohl ein jeder unnützer, untauglicher mensch; am häufigsten im gemeinen leben' Adelung. in den mundarten in vielfacher schattierung, sowohl ernsthaft als spöttelnd und schalkhaft; z. b. roher plumper mensch: bist ein u., es gibt kein gröszeres in den erbsen zu einem, der mit stärke und zorn prahlt schwäb. wb. 6, 261; der N. is a wahrs u. d. h. ein roher, unbändiger mensch Wiener dialekt 177; syn. mit bollecker (frecher kerl, der andre auslacht els. wb. 2, 36b) westerw. 285; eine mürrische, unfreundliche person ebda; unmensch Eupen 131b; ungeschickter mensch 187b. für bestie verd. wb. (1813) 150a. a) von männern: wel ein untier man an dir sehi d. schr. 450, 6 B.; Mars, du grausames u.! friedejauchzendes Teutschland (1653) 226; dieses u. (der oberste der räuber) durchreisete unterschiedliche landschaften, welche er mit rauben, morden, brennen erfüllete oriental. reise anhang 32; will ich doch lieber todt seyn, als dasz ich bey einem solchen unthiere (grausamen u. harten ehemann) meine tägliche noth ausstehen soll d. klügsten leute (1675) 353; mein u. (böser ehemann) ehe eines weibes (1735) 228; dieses greuliche u. 96; 230; Arm. 1, 167a; Banise 121; daher müssen bey zusamlaufendem pövel ... marcktdiener bestellt seyn, damit mord und schlägereyen vorgebaut werde, die solche zancksüchtige unthier bald einführen georgica (1682) 1, 52; dieses sey gnug von diesem u., dem pabst Höllenbrand ketzerhist. (1699) 336a; wer zu viel sauft, wird zu einem u. ital. d. wb. (1741) 1, 3b; ein atheist ist eine brut der hölle ... kurz, es ist ein u., das schon lebendig bey dem satan in der hölle brennt 2, 74 M.; lebt dieses u. (Lomellino) noch? 3, 138 G.; das gemästete u. (ein kunsthändler) erzähl. u. novellen (1822) 1, 96; u. von einem lahmen flickschneider erz. schr. 4, 147; jene gigantische redensart gegen dieses u.: eure gravität, eure eminenz (1907) 1, 111; wenn nur nicht jede bestie von u., die auf zwei beinen geht und nase, auge und maul am richtigen flecke hat, sofort dächte, sie sei ein mensch Horacker (1876) 104; im wortspiel mit unmensch: ein arges, ehebrecherisches geschlecht, das weder u. noch unmensch, sondern ein ungeheuer ist 4, 69 Roth- W.; ich bin kein unmensch und kein u. Abu Telfan (1870) 2, 166. komisch: was vor ein u. und abscheuliches monstrum müszte ich doch sein, wenn ... erz. schr. 15, 113; und das alte u., sein schwiegervater, der general R., der sehr viel geld hat und nichts ausgiebt briefe an schwester u. schwager 24; wann wir (stutzer) uns hören nennen, was wir sind für unthier [Bd. 24, Sp. 1940] v. ostländ. lorbeerhayn (1657) 150; die grosze brüderschaft der gehörnten unthiere (hahnreie) der polit. freiersmann (1668) 114; von einem alten manne, der ein junges mädchen geheiratet volksl. 599; meine töchter! traut nur keinem geh, unthier, deine wuth soll mich vom recht nicht leiten 3) von gegenständen: ein wüstes u. ist die see 2, 146; er ... stehe allein dem drohenden u. (der unbekannten groszstadt) ... gegenüber hungerpastor 2, 65. im räthsel vom schiff 11, 354 G. 4) von abstracten vorstellungen: ein abschückhlich u., die hoffart chron. 1, 79; ich mag dieses u., dieses göldene kalb, welches mein vater also heilig anbetet, nicht haben der unsichtbare Charmion (1697) 310, das laster belustigungen 7, 489, der pennalismus pennalwesen (1747) 120, die sünde J. J. Moser bei antibarb. 2, 538, der krieg oden 2, 84, 24 M.-P., die unvergänglichkeit 26, 431 S.; das reiszende u. des luxus 34, 23 H.; das rachentflammte u. (des todes nacht) 2, 327 Schm.; hunger, du u., lasz vom nagen ab 16, 334 B.; das schicksal 1, 453; jetzt ist das u. die tendenz Gutzkow (1872 ff.) 5, 273; das ungeheuer starrer satzung 324 B. II. mit un IV D (un intensivum). 1) von thieren: ein sehr groszes thier Kärnten 61; groszes, mächtiges, auszerordentliches thier 3, 468a; so hob sich der breite rücken eines dankbaren untiers (des delphins) unter ihm (Arion) hervor 4, 77 M.; die scharfsichtigen Indianer erspähen oft eins dieser untiere (eine art katzenfisch, bis zu 50 kg schwer) Gordon Mac Creagh Weiszwasser u. Schwarzwasser, übersetzt von Rickmers (1928) 122; in halbmundart: dieser hund is ein undiert von eine karnalje (eine grosze k.) vorstadtgesch. 174. wegen seiner stärke vom zuchtthier Lechrain 492; 1, 618 (mit euphemismus erklärt): haltung des unthiers den pfarrern (Augsburg 1684) verboten 1, 97; veraltet. 2) von menschlichen wesen: allein David wuste, wo das u. (der riese Goliath) am übelsten verwahret war d. klügsten leute (1675) 40; von einem riesen Doolin 4, 32. [Bd. 24, Sp. 1941] 3) von gegenständen: kein berg kan sich so hoch in luft und wolken strecken,
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