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gruneln bis grünlich (Bd. 4, Sp. 546 bis 548)
 
  gruneln5 Belege, davon 3 im ‘Divan’; G-sche Umprägung eines mundartl Wortes1) als synästhet Ausdruck eines Heilungs-, Verwandlungs-, Erneuerungsvorgangs: nach (vom Regen) erfrischtem Grün, der Entstehung neuen (vegetabilen) Lebens dufteneine ahndungsvolle Betrachtung .. daß der Sommerstaub [Korr B27,383], den ein Gewitterregen aus der Atmosphäre niederschlägt, sogleich lebt und belebt, wie der g-de Geruch erquicklich andeutet B27,61,13 Nees 18.6.16Staub .. | Aber in dem heißen Süden | Ist er mir genugsam worden. | .. Heile mich, Gewitterregen, | Laß mich, daß es grunelt, riechen! [Und nur im Gewitterregen | Kann ich daß es grunelt riechen 6,372 Var] | Wenn jetzt alle Donner rollen | .. Wird der wilde Staub des Windes | Nach dem Boden hingefeuchtet. | Und sogleich entspringt ein Leben, | Schwillt ein heilig heimlich Wirken, | Und es grunelt und es grünet | In den irdischen Bezirken 6,26f Div Allleben 20u27151,1 Faust II 8266metaphor als seelische Belebung des erstarrten InnerenLaßt mich weinen! .. | In unendlicher Wüste. | .. Thränen beleben den Staub. | Schon grunelt’s 6,290 Vs 15 DivNachl

[Bd. 4, Sp. 547]


1) vgl DWb 4.1.6 s v ‘grüneln, gruneln’, Sp 938

Armin Giese


 
  grünen100 Belege, auch ‘G-des’; überwiegend im literar Werk, öfter in reihenden Vbdgn wie ‘g. und blühen’, ‘g. und wachsen’, ‘g., blühen, fruchten’ uä
1 grün werden: grüne Triebe, Blätter bekommen, sprießen, keimen (als Zeichen frisch erwachenden Lebens, eines Neubeginns nach Erstarrung, Leblosigkeit, Kälte), gelegentl mit verlebendigenden Charakterisierungen, in Anbindung an subjektive Empfindungen, Seelenlagen, mit metonym Bezug bei Sammel- u Ganzheitsbegriffen (Frühling, Mai, Erde ua); auch ‘es grünt’, ‘g. machen’Ottilie fand nun [im Frühling] im Garten die Frucht ihres Vorsehens: alles keimte, grünte und blühte zur rechten Zeit 20,304,5 Wv II 9[Faust:] Als die Natur sich in sich selbst gegründet, | Da hat sie rein den Erdball abgeründet, | .. und Berg an Berg gereiht; | Die Hügel dann bequem hinabgebildet, | Mit sanftem Zug sie in das Thal gemildet. | Da grünt’s und wächst’s 151,1 Faust II 10103Frühling, | .. Süß voll Blüthen zu sehn die neulebendigen Zweige, | Dann das g-de Laub locken mit sehnendem Blick 1,310 Vs 76 VenEpigr 13Der Frühling grünte zeitig, blühte froh | Narziss’ und Tulpe, dann die Rose so 4,5 Der Grfstin Alexandra 1Der Regen .. macht Gras und Gartenkräuter g. [grün 30,233,16 ItR] B8,78,20 ChStein 8.12.86B28,63,17 Boisserée 17.4.172,175 Der Wandrer 11218,248,1 Märchen1,312 Vs 113 VenEpigr 22491,76,13 Philostrat alliterierend 6,27 Div Alleben 27 [Zit s v gruneln]  bezogen auf die Farbe von Pflanzentrieben: grüne Färbung gewinnen N52,159,4 Fl Plpvom Wasser, iSv lebendig, fruchtbar werdenNun alles sich mit göttlichem Erkühnen | Zu übertreffen strebt; | Das Wasser will, das unfruchtbare, g. | Und jedes Stäubchen lebt 3,78 Weltseele 23in vergleichendem Bezug, im Bild u (bibl-variierten) GleichnisWeimar, das von vielen Freuden | Wie ein Frühlingsbäumchen grünt 4,288 Vs 2[der Herr üb Faust:] Wenn er mir jetzt auch nur verworren dient, | So werd’ ich ihn bald in die Klarheit führen. | Weiß doch der Gärtner, wenn das Bäumchen grünt, | Daß Blüth’ und Frucht die künft’gen Jahre zieren Faust I 310[Montan zu Wilh:] seh’ ich dich an, wie einen Wanderstab, der die wunderliche Eigenschaft hat in jeder Ecke zu g., wo man ihn hinstellt, nirgends aber Wurzel zu fassen [vgl 4.Mos,17] 24,55,28 Wj I 4Manchmal sieht unser Schicksal aus wie ein Fruchtbaum im Winter. Wer sollte .. wohl denken, daß diese starren Äste .. im nächsten Frühjahr wieder g., blühen, sodann Früchte tragen könnten 24,228,3 Wj I 12B36,151,14 Boisserée 6.9.22B35,197,19 FSStein 2.12.21 K
2 in erweiterter Bed
a wachsen, gedeihen; auch in symbolhaften, übergreifenden ZshgnSo singt er [der verratene Geliebte] in der Winterstunde, | Wo nicht ein armes Hälmchen grünt 1,194 Der Müllerin Verrat 74Hast du [Muse] ein Lorbeerreis mir bestimmt, so laß es am Zweige | Weiter g., und gib einst es dem Würdigern hin 1,293 HermDor Eleg 20Künstlern auch der Lorbeer grünt, | Wenn sie freudig ihn verdient 4,139 Auf den Pinsel 5Dieses erlasse .. an demselben Puncte [in Jena] wo vor soviel Jahren alles zusammen nur Ein Untergang war .. Indessen g. die alten Linden noch ganz herrlich, welche jenem Schlachtgetümmel und Bränden ruhig zusahen B35,140,12 Zelter 14.10.2152,199 Das Segel steigt 16 Var[Zit s v blühen] 2,69 Wandrers Sturmlied 69 zugl bildl (in Berührung mit b)Epheu und ein zärtlich Gemüth | Heftet sich an und grünt und blüht 2,238 Sprichw 344umfassend, als Ausdruck waltender NaturgesetzlichkeitDie Welt in allen Zonen grünt und blüht | Nach ewigen beweglichen Gesetzen 4,250 An Trauertagen 5
b metaphor für gedeihliche, beglückende (innere u äußere) EntwicklungenEs ist hier [in Eisenach] unter den Menschen ein mehr geniesender Geist als bey uns, die Verdammniß daß wir des Landes Marck verzehren lässt keinen Seegen der Behaglichkeit g. B5,295,24 ChStein 3.4.[82][Faust:] Vom Eise befreit sind Strom und Bäche | Durch des Frühlings holden belebenden Blick; | Im Thale grünet Hoffnungs- Glück Faust I 905Möge alles zu Ew. Königlichen Hoheit Beyfall und Vergnügen immerfort g. und blühen B37,24,17 CarlAug 20.4.234,45 An Gfin Einsiedel 6
3 grün sein
a in vollem Flor, üppigem Wachstum stehen, mit dichtem Pflanzengrün bedeckt sein; auch in symbolhaften, übergreifenden Zshgn, einmal ‘immer g-d’, mehrf ‘g-der Raum, Platz, Anger’ ua (in Evokation des locus amoenus)[Chor der Elfen mBez auf Faust:] Du wirst gesunden; | .. Thäler g., Hügel schwellen, | Buschen sich zu Schatten-Ruh 151,1 Faust II 4654Pfingsten, das liebliche Fest, war gekommen; es grünten und blühten | Feld und Wald ReinF I 1Und so immer im Anblick der jenaischen Kalkberge, welche dieses Jahr bey feuchtem Wetter höher hinauf als gewöhnlich g. B28,189,10 Sartorius 20.7.17 [Korr Monroy 167][mBez auf die Dornburger Anlage] die bedeutenden Zwischenräume .. architektonisch auf das schicklichste verschränkt .. indessen ich zugleich die sämmtlichen über einander zurückweichenden Localitäten auf das vollkommenste g. und blühen sah B44,207,21 Beulwitz [18.7.28]Unser Bette grünt [Septuaginta: σύσκιος; Vulgata: floridus; Luther: grünet] 37,302,16 Hohelied12,112,22 Fischerin [Herder, Volkslieder]31,92,3 ItR24,239,7 Wj II 152,415 Die Sonne leuchtet 21,80 Zwischen Weizen 10 in Korrespondenz mit ‘braunen’(sd)Die Wiese grünt, gehörnte Heerde braunt 4,55 Am feuchten Fels 5
b von einem Smaragd: in grüner Farbe leuchten[Lynceus zu Helena:] Nun der Smaragd allein verdient | Daß er an deinem Herzen grünt 151,1 Faust II 9308
c im Bild u metaphor iSv in lebendiger Kraft, Entwicklung, Wirksamkeit stehenhier in diesem Hain, wo ringsum die Namen meiner Geliebten g., schneid’ ich den deinigen in eine .. Buche 37,140,18 Von dtBaukunst 1773[Heldendichter:] Was eure hohen Väter, ihr nach ihnen | An uns gethan, es soll für ewig g.! 16,227 Maskenz RomantPoesie 216[für: βόσκων] 412,39,23 Eurip,Phaethon VersuchB43,112,4 Zelter 11.3.27
4 grün machen[Einwirkung farbiger Beleuchtung auf Pflanzen] Blauroth | entwärmt | entzündet | desoxidirt | grünet N52,164,27 Fl Plp an- auf- be- entgegen- er- fort- herauf- über- um- Blumengrünen frischgrünend immergrünend tiefgrünend
Syn zu 1 ausschlagen sprießen sprossen zu 2 gedeihen wachsen zu 2b blühen

Armin Giese


 
  Grünerde
a Kieselerde mit großem Anteil an Eisenoxid, Kali, Ton- u Talkerde (teils Seladonit, teils Glaukonit) N13,419,21 Ausz aus Brocchi,FassaN13,420,4 ebd‘G. Brentanico’[recte: Brentonico im Veronesischen; vgl Prescher Nr 519] B29,75,9 Odeleben 6.3.18 Kals Malfarbe N13,391,25 MinGeol Plp
b wohl für Grünstein (sd) N(GOETHE8,302) Min

[Bd. 4, Sp. 548]
Geol Plp

Armin Giese


 
  grünfärbend grünmachend, wachsen, gedeihen lassend (innerhalb des Bildes der Hoffnung)[Antiope:] ein stiller Keim friedlicher Hofnung hebt wie durch gelokerte Erde sich empor, und blikt bescheiden nach dem g-en Lichte 11,388,3 Elp1 I 6~11,31 Elp2 699 [G/Riemer]

Armin Giese


 
  Grünfuß wohl für das grünfüßige Teichhuhn (vgl s v Fulica) A(Knittermeyer 4) Quittung 4. 10.09

Armin Giese


 
  grüngekrönt mit grünen Pflanzen bewachsen (als Zeichen immer sich erneuernden Lebens)die mächtige Ruine [des alten Schlosses] als ein g-er Gipfel 18,327,21 Nov

Armin Giese


 
  grüngelbauch Bindestrichschr u ‘das G.’
1 für ein zum Grünen tendierendes Gelb, nicht näher bestimmte Farbstufe zw Grün u Gelb[iZshg mit Versuchen an gelbroten Tulpen] Mit Ammoniak behandelt .. G. N52,151,4 FlD PlpN4,461,24 FlH PlpLA II 10A, 51 M3.9,9 Farbversuche mit Pflanzen Tab
2 in genauerer Differenzierung als Farbstufe zw Gelbgrün u Gelb N1,243,23 FlD 611 [Zit s v gelbgrün]

Armin Giese


 
  grüngesenkt von Wiesen iSv grün u abfallend[Faust angesichts des Sonnenaufgangs im Gebirge:] Jetzt zu der Alpe g-en Wiesen | Wird neuer Glanz und Deutlichkeit gespendet 151,1 Faust II 4699

Armin Giese


 
  Grünhaus Gewächshaus B38,137,8 Marianne [9.5.]24
Syn Gewächshaus

Armin Giese


 
  Grünigkeitpl
a frisches Gemüse, Grünzeug, Salat[Paul:] Ich trage Braten. [Bärbchen:] Ich G-en 131,148 NachspIffland,Hagestolzen 259 [Peucer/G]
b allgemein für Grünpflanzen, Gewächse B32,80,18 Nees 22.10.19
Syn zu a Gemüse

Armin Giese


 
  grünlich-cht LA I 11,22,39 u 23,6 MinGeol Plp [JCWVoigt]; auch subst ‘G.’, daneben die substantivische Form ‘das G-e’ (zT Kleinschr)
1 für einen sich dem Grün nähernden, ins Grüne spielenden Farbton
a als Farbe frisch dem Boden entsprossener Pflanzenteile, von Mineralien u Gesteinen (Jaspis, Granit, Marmor, Quarz ua), von Glas, Papier, von tierischen Organen, im Schatten liegenden Körperpartien (Inkarnat auf Gemälden)bei .. Pflanzen, welche doppelte Cotyledonen haben .. werden sie [die unteren Kotyledonen] emporgehoben und färben sich gleich dem Stiel, der über die Erde hervorragt, g. [<grün] N7,22,8 Morph Vorarb 3Braunrother Jaspis .. g-er 31,316,16 ItR PlpSorgsam brachte die Mutter des klaren herrlichen Weines, | In geschliffener Flasche auf blankem zinnernem Runde, | Mit den g-en Römern, den echten Bechern des Rheinweins HermDor I 168die Gefälligkeit .. mir zwey Buch von dem g-en, bräunlichen englischen Papier anzuschaffen B33,236,21 Weigel 20.9.20[Organe des Froschweibchens] ein kleineres System von runden kleinen Eierförmigen Theilen gleichsam ein secundärer Eierstock, sieht g. aus N6,403,8 Eingeweide dFroschesN3,360,2 FlH V [Meyer]N13,277,24 An Freunde dGeognosie PlpN1,146,8u10 FlD 349 uö  
b als physiolog bedingte (von der Komplementärfarbe Rot hervorgerufene) Farberscheinung, als durch trübe Mittel erzeugter Farbton, als Refraktionsphänomen, chemisches FarbphänomenHat man lange durch eine gemeine grüne, oder sogenannte Conservationsbrille gesehn, und nimmt sie nun ab, so sieht das weiße Papier eines Buchs röthlich aus, so wie es g. aussieht, wenn man lange durch rothe Brillen gesehen hat N4,200,8 FlH VI [Franklin]Verrückt man [durch den Kalkspat] ein gelbes Bildchen auf blauem Grund, so zeigen sich die Schattenbilder g. N51,240,27 EntoptFarbder obere blaue Saum [des Spektrums] wird in einen g-en verwandelt N2,97,22 FlP 161Nickel in Salpeter S[äure]. grünlich N52,108,4 Fl PlpN1,254,21 FlD 641
2 als Nuance anderer, Mischungsergebnis unreiner Farben, insbes eines ‘beschmutzten’ GelbsEs [das Grüne] entsteht vor uns vorzüglich im atomistischen Sinne und zwar völlig rein, wenn wir Gelb und Blau zusammenbringen; allein auch schon ein unreines beschmutztes Gelb bringt uns den Eindruck des G-en hervor .. Ein unvollkommnes Gelb, wie das Schwefelgelb, gibt uns den Eindruck von einem G-en N1,218,12u16 FlD 538B.B. Lauge [Berlinerblau-Lauge] sieht etwas gelblich vielmehr g. aus .. Trüblich, gelblich ins g. [Veränderung von Wismut durch die Lauge] | Noch mehr ins g. [Veränderung von Nickel] N52,111,9 u 112,14u15 Fl PlpN52,150,10 Fl Plp

Armin Giese