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Griesgeschiebe bis Griffelspiel (Bd. 4, Sp. 473 bis 474)
 
 * Griesgeschiebe für (epochentypische) Sand-, Kiesablagerungen als Reste u Zeugen einer binnenländischen europäischen Hochflut1)[Auszug aus GChFüchsels ‘Entwurf zu der ältesten Erd- u Menschengeschichte .. ’, 1773] L. [Zeitraum] Tuffstein, G. N13,414,2 Min Geol Plp

1) vgl GChFüchsel, Entwurf .. , 1773,46

Armin Giese


 
  griesgram verdrießlich, verdrossen, mißmutig u melancholisch; sprachreflexiv in alliterierender Reihung 151,1 Faust II 7096
Syn grämlich griesgrämig *griesgrämisch griesgrämlich mürrisch sauertöpfisch übellaunig verdrießlich

Armin Giese


 
  Griesgram
a verdrossener Alter, Melancholiker[Thales mBez auf Nereus:] Doch hat er einen harten Kopf, | Der widerwärtige Sauertopf. | Das ganze menschliche Geschlecht | Macht’s ihm, dem G. [Poltrer Var], nimmer recht 151,1 Faust II 8087Mich freut es, daß du mit unserm G. [FAWolf] näher zu leben kamst B37,136,12 Zelter 24.7.23B21,132,19 Knebel 11.11.09
b als TypusEr [Äon], als alter G., keineswegs erbaut von so viel Neuerungen des Tages 16,238,12 Maskenz 1818 Progr
c als allegor Charaktermaske
1) eines pessimist Greises2), in Begleitung Paläophrons in ‘Paläophron u Neoterpe’[Paläophron:] Das Ernste kommt euch eben wild und düster vor, | .. Dagegen fühlet dieser Mann nur allzugut, | Daß in der Welt nur wenig zur Befriedigung | Des weisen Mannes eigentlich gereichen kann. | G riesgram wird er daher genannt .. und scheint gewiß zu sein, | Daß das Gewölb des Himmels nächstens brechen wird 131,10 PaläophronNeoterpe 151B31,59,15 Gf Brühl 14.1.19
Syn Grillenfänger Murrkopf Sauertopf
1) vgl FfA I 6 Abb 3
2) von G dem Temperament des ‘Melancholikers’ zugeordnet, vgl das nicht abgesandte Briefkonzept in B16,441

Armin Giese


 
  griesgrämigauch -ich wie griesgram[in Zurückweisung negativer Reaktionen nach Schauspielerlesung der ‘Wanderjahre’] auch auf jene g-en [griesgrämiche eigenh <griesgrämische Schreiberhand] Pädagogen keineswegs zu achten ist B35,95,8 PAWolff 23.9.21N3,132,12 FlH III
Syn griesgram(sd)

Armin Giese


 
 * griesgrämischnur korr Schreiberhand bzw Gespr wie griesgram, griesgrämig B35,332 PAWolff 23.9.21 K[>griesgrämig B35,95,8 R] Gespr Kanzl Müller 7.7.25
Syn griesgram(sd)

Armin Giese


 
  griesgrämlich [für: austère] 422,483,11 Übs:LeGlobe
Syn griesgram(sd)

Armin Giese


 
  Griesholzin der Vorlage (ChEWünsch) -ieß- Lignum nephriticum, blaues Sandelholz
1); im Zshg opt Versuche mit (farblich veränderlicher) Griesholztinktur N52,342,20 Fl Plp [nach Wünsch]
Syn fustic Guilandina(G. Linnaei) Holz(nephritisches H.) Lignum(L. nephriticum)
1) vgl Pierer2 13,61; OMothes, Illustrirtes Bau-Lexikon 2, 1875,489

Armin Giese


 
  Griffeinmal -f
1 das Zugreifen
a das konkrete Zupacken[Prometh zu Phileros:] An diesem G. der starken Faust | Empfinde, wie erst Übelthat den Menschen faßt Pand 431er [Herakles] .. faßt die Schlangen mit geschicktem G. 491,113,13 Philostrat
b das Aneignen, die geistige Inbesitznahme[Meph:] Das freie Meer befreit den Geist, | Wer weiß da was Besinnen heißt! | Da fördert nur ein rascher G., | Man fängt den Fisch, man fängt ein Schiff 151,1 Faust II 11179Inzwischen geschehen kühnere G-e in die tiefere Menschheit .. Nachstehende Productionen: Faust,die Puppenspiele .. sind in diesem Sinne zu beurtheilen 35,4,25 TuJ 1769—7548,67,25 Kunstausstellg 1803
2 der (künstlerisch-technische) Zugriff, die Methode, individuelle od standardisierte (charakteristische) Weise der Behandlung; ‘G-e und Kniffe’ abwertend für Winkelzüge, unerlaubte Manöver, Tricks, einmal im Bild[mBez auf eine ernste Erkrankung G-s] der hocherfahrne Leibarzt [JCStark], im Praktischen von sicherm G., bot alles auf 35,89,12 TuJ 1801Dem Rhythmus nach gehts [Ged ‘Das Segel steigt!’] wohl

[Bd. 4, Sp. 474]
auf Thäers Gesang, doch möchte der wichtigere Gehalt auch einen ernstern G. sich verdienen B41,156,18 Zelter 15.9.26[betr Vertonung von ‘Jery u Bätely’] diese Keuschheit, die Sicherheit mit wenigem viel hervorzubringen und mit einem einzigen veränderten G. mehr zu thun als wenn andre sich in weitläufigen Orgeleien den Zügel schiessen lassen B4,169,24 Kayser 20.1.80Indessen muß man nicht versäumen, Ruder und Segel und sonstige G-e des Handwerks zu benutzen, um über die Welle des Augenblicks wegzukommen B49,61,27 Reinhard 7.9.31DjG33,389,4 RAnw [8.9.73]251,10,7 Wj II 8N51,375,26 Fl Nachtr [Hegel]
3 für das Spielen, das Anschlagen eines Akkords auf einem SaiteninstrumentDer Alte [Harfner] .. that einige G-e auf der Harfe, und begann sein Lied 21,204,10 Lj II 11~52,62,17 ThS IV 1224,372,27 Wj II 7251,148,25 Wj III 6
4 gegenständl für den (aufwendig gearbeiteten) Handgriff einer Hieb- od Stichwaffe, das Heft eines Messers[Elp in Erwartung eines Schlachtschwerts:] Sein Grif ist köstlich mit einem goldnen Drachenhals geziert 11,375,30 Elp1 I 2~11,12 Elp2 211 [G/Riemer][mBez auf Philines Pudermesser] der G. von eingelegtem Stahl zeigte die freundlichen Worte: Gedenkt mein 21,147,12 Lj II 421,10,23 Lj I 2~51,19,11 ThS I 69,185 RomJul 255
GWB Degengriff GWB Faustgriff GWB Handgriff GWB Händegriff GWB Kunstgriff Messer- Tür-Syn zu 2 Handhabe zu 4 1Heft

Armin Giese


 
  Griffel
A das Arbeitsgerät (als Instrument künstlerischen Schaffens)
1 das Schreibutensil
a Stift aus Schiefer od anderen Materialien zur (schnellen) Fixierung von Schreib-, Rechen-, vereinzelt auch zeichnerischen Handlungen, auch als sinnbildl Attribut des Apostels Matthäus; ‘mit eisernem G.’ (nach Hiob 19,24) metonym für die Handhabung, die Art u Weise, den Stil einer Kritik[G bei Korrekturen eines fingierten Liebesbriefs] ich .. probirte .. auf der großen, fast den ganzen Tisch einnehmenden Schieferplatte, mit einem G., der stets im Fenster lag, weil man auf dieser Steinfläche oft rechnete, sich mancherlei notirte, ja die Gehenden und Kommenden sich sogar Notizen dadurch mittheilten 26,269,14 DuW 5[Faust zu Meph vor Vertragsschluß:] Was willst du böser Geist von mir? | Erz, Marmor, Pergament, Papier? | Soll ich mit G., Meißel, Feder schreiben? Faust I 1732[mBez auf den Anfangsunterricht in der Weim Zeichenschule] der Gedanke .. Schiefertafeln und G. für die Anfänger einzuführen .. alsdann .. Bleistift und .. Farbe Euph9,659 Zeichenschule inWeimMatthäus, der Evangelist .. ein Täfelchen in der Linken, einen G. in der Rechten 492,94,4 Christus nebst 12 alt-u neutest FigGespr(He1,664) FSchlegel [vor 10.3.97]251,34,21 Wj II 10
b für ein Schreibgerät allgemein, speziell für den Stift, die Feder des Schriftstellers, auch metonym für den Künstler, seine Arbeit, die Handhabung, die Ausdrucksarten, Möglichkeiten der Artikulation, ‘kritischer G.’ für die Art u Weise, den Stil einer Kritik[Eugenie, eine Brieftasche hervorziehend:] Und nun geschwind zum Pergament, zum G.! NatT 942Pinsel und G. im Lorbeerkranze
1) 53,216,9 Bilder am Hause G-sWill des G-s [der Feder 4,139,15] zartes Walten, | Und des Pinsels muthig Schalten | Sich dem reinen Sinn bequemen, | Darfst du froh den Lorbeer nehmen 52,98 Will der Feder 15 VarWas mein leichter G. entwirft, ist leicht zu verlöschen, | Und viel tiefer präget sich nicht der Eindruck der Lettern 1,298 Vs 22 Epist I[G in Rom] Man müßte mit tausend G-n schreiben, was soll hier eine Feder! 30,207,4 ItRB10,111,16 Wieland 26.9.936,201 Div Ja, in der Schenke 10
2 das Instrument zum Zeichnen od Skizzieren, seltener auch für den Stichel zum Gravieren, Ziselieren, auch für den Greif- u Stechzirkel u die Gesetzmäßigkeit seines Maßes, als Instrument u Attribut der Astronomie; in Fremdtext ‘des G-s Ruhm’ metonym für das künstlerische Werk (u dessen Ruhm)[mBez auf G-s frühe Versuche in der bildenden Kunst] die Bemühung Naturgegenstände nicht nur mit Worten, sondern auch mit G. und Pinsel, ohne eigentliche Technik, nachzuahmen 28,158,7 DuW 12Zeichnet man eine Figur auf roth zu brennenden Thon, so füllt man das Körperliche mit schwarzer Farbe aus; umreißt man eine Figur mit dem G. auf weichen Thon, so nimmt man den Grund weg B43,28,6 Zelter 17.8.27Der Künstler drückt seine Gesinnung mit dem G. aus, das Genie stellt eine neue Schöpfung in die Mitte 48,13,6 Preise 1800[Tag mBez auf die Astronomie:] Die zeichnet rein den Gang der Sphäre, | Ihr G. regelt Nacht und Tag 16,303 Maskenz 1818 Epil 938B49,100,2 Zelter 4.10.31Gespr Eckerm 18.1.25N3,76,24 FlH II [Meyer] erot konnotiert (zugl) als Instrument geschlechtl Zeugungskraft2)Mein Mädchen .. | Ach, wie du ruhtest neben mir, | Und schmachtetest mich an, | Und mir’s vom Aug’ durch’s Herz hindurch | Zum G. schmachtete! 2,180 Künstlers Morgenlied 56
B botan, als Teilelement des Gynaeceums, des weibl Teils der Blüte: stielförmiger Fortsatz des Fruchtknotens, auch als Entwicklungsstufe, im Verhältnis zum BlattBildung des G-s [Überschr] .. Wir betrachten zuvörderst den G. von der Frucht abgesondert .. Wir bemerken .. daß der G. auf eben der Stufe des Wachsthums stehe, wo wir die Staubgefäße gefunden haben. Wir konnten nämlich beobachten, daß die Staubgefäße durch eine Zusammenziehung hervorgebracht werden; die G. sind oft in demselbigen Falle, und wir sehen sie, wenn auch nicht immer mit den Staubgefäßen von gleichem Maße, doch nur um weniges länger oder kürzer gebildet N6,60,1u9u14 u 61,2 MetamPfl Titel u 68fRückschreitend zeigt uns die Natur öfters den Fall, daß sie die G. und Narben wieder in Blumenblätter verwandelt; z._B. füllt sich der Ranunculus asiaticus dadurch, daß sich die Narben und Pistille des Fruchtbehälters zu wahren Kronenblättern umbilden N6,62,14 MetamPfl 72Wir finden den G. sehr oft aus mehreren einzelnen G-n zusammengewachsen, und die Theile, aus denen er bestehet, lassen sie kaum am Ende, wo sie nicht einmal immer getrennt sind, erkennen N6,61,17f MetamPfl 70N6,82,19 MetamPfl 105
Syn zu B stylus
1) vgl Abb MA131,130
2) vgl HRVaget, Eros u Apoll, Ein Versuch zu ‘Künstlers Morgenlied’. JbDSG XXX, 1986,210f

Armin Giese


 
  Griffelchen ‘spitzes G.’ für philolog Spitzfindigkeit, Pedanterie; in freier Adaption des Attributs des ‘Eidechsentöters’ von Praxiteles
1) 422,239,13 MuR(984)

1) s Plinius, Naturalis historia, XXXIV,19,179f

Armin Giese


 
  GriffelspielBindestrichschr umschreibend für Federzeichnung 3,135 Gar manches artig 2

[Bd. 4, Sp. 475]

Armin Giese