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Geschmack bis Geschmacksdünkel (Bd. 4, Sp. 46 bis 51) | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Geschmack Geschmackhaftigkeit geschmackleer Geschmäckler Geschmäcklerpfaffenwesen geschmacklos Geschmacklosigkeit geschmackreich Geschmacksbedürfnis Geschmacksbildung Geschmacksdünkel Geschmackseigenschaft Geschmackseinheit Geschmackselement Geschmacksfabrikant Geschmacksfall Geschmacksfeld Geschmacksfreiheit Geschmacksgefühl Geschmacksgenosse Geschmacksgeruch Geschmackshaus Geschmacksinn Geschmack(s)kritik Geschmackskünstler Geschmackslehre Geschmackslust Geschmacksmäkelei Geschmacksneigung Geschmacksprobe Geschmacksregel Geschmacksrichter Geschmacksrichtung Geschmackssache Geschmacksungewißheit Geschmacksurteil Geschmackswechsel Geschmackswerk geschmackt geschmackverderblich Geschmackverderbnis geschmackvoll geschmackvoll-angemessen geschmackvoll-bedeutend geschmackvoll-zierlich Geschmeide geschmeidig Geschmeidigkeit Geschmeiß Geschmier Geschmuck geschnabelt Geschnarr Geschnatter Geschnitz geschnörkelt Geschöpf Geschöpfchen Geschöpfsast Geschoß geschossen geschraubt Geschrei Geschreibe Geschrille Geschütz Geschwad Geschwader geschwankig Geschwänz geschwänzt Geschwärme Geschwätz Geschwätzer geschwätzig Geschwätzigkeit geschweift geschweige geschweigen geschwind Geschwindigkeit Geschwindschreiber Geschwirre Geschwister Geschwisterbild Geschwisterkind Geschwisterkraft geschwisterlich geschwisterlos geschwistert Geschwisterteil geschworen Geschworene Geschwornengericht Geschwulst Geschwür Geschwürchen Gesechstschein gesegnen Geselle | 1 als (spezif) Eigenschaft von Naturprodukten, -erscheinungen u Substanzen, Aroma insbes von Speisen u Getränken, hier auch iSv Wohlgeschmack [Fischgericht in Torbole] keine eigentlichen Forellen .. der G. zwischen Forelle und Lachs, zart und trefflich 30,42,13 ItR~T1,184,5 v 13.9.86 Die Gartenfrüchte sind herrlich, besonders der Salat von Zartheit und G. wie eine Milch 31,125,17 ItR 151,1 Faust II 10922 uö als Merkmal bei physikal-chem Bestimmungen u Versuchen sowie in Übs antiker Wahrnehmungstheorien, hier mehrf Pl Die Elektricität .. Ihr säuerlicher Geruch und G. deutet auf etwas Materielles N11,210,9 AtomismDynamism N10,37,15 Granit N6,183,13 MetamPfl Nachtr [für: χυμός, sapor] N3,22,14 FlH I Aristot uö bildhaft-metaphor u im Wortspiel, auch iSv Würze dem Menschen, der solche große Gegenstände der Natur gesehen .. Er hat, wenn er diese Eindrücke zu bewahren .. weiß, gewiß einen Vorrath von Gewürz, womit er den unschmackhaften Theil des Lebens verbessern und seinem ganzen Wesen einen durchziehenden guten G. geben kann 19,272,28 BrSchweiz II Gesundbrunnen zu ***. | Seltsames Land! Hier haben die Flüsse G. und die Quellen, | Bei den Bewohnern allein hab’ ich noch keinen verspürt 51,220 Xen 108(140) [Schiller] [für: sapor] 7,13,27u29 DivNot 51,246 Xen 282(403) [G/Schiller] 2 der physiologische Geschmackssinn, die Geschmacksempfindung a allg, als mehr od minder entwickeltes Wahrnehmungsvermögen Galvanische Wirkungen .. afficiren allgemein das Auge als Licht, den G. als Säure N11,172,5 PhysikalWirkungen wie gut mir in der freyen Rhein- und Maynluft der echte deutsche Wein geschmeckt .. so vieles zugleich auf mich eindringende Gute, versetzten mich in eine Stimmung, welche jeden Sinn gleichmäßig erhöhte, und so mag denn der G. dabey auch gewonnen haben B25,121,13 ABrentano 28.12.14 422,431,35 SaxoGramm,Amlet 37,62,17 Arianne an Wetty [für: γεύσις, gustus] N3,13,5u8 FlH I Aristot uö ‘etw zum Anschauen und G. bringen’: etw präsentieren u kosten lassen B33,153,21 JFHSchlosser 12.8.20 b prägnant als Sensibilität für die Eigenart bzw die Köstlichkeit einer Speise, kennerhafter Genuß, id Vbdgn ‘mit G. speisen, essen, genießen’ u einmal metaphor idVbdg ‘den .. G. von etw haben’ Die Königin .. sagte: “Bringt es [Sauerkraut] dem Hackert, der versteht es. Es ist auf deutsche Art mit einem Fasan zubereitet. Die Italiäner essen es aus Höflichkeit, aber nicht mit G.” 46,252,18 Hackert Kochkunst [von der Reise in den Harz] Ich .. wünsche ihm [Hzg CarlAug] den Mitgenuss so eines Lebens, aber den rechten leckern G. davon kan er noch nicht haben B3,196,11 ChStein 9.12.[77] 151,1 Faust II 5167 46,244,24 Hackert 3 ästhetischer Sinn, Sensibilität für das ästhet Angemessene, überhaupt für das (sinnlich) Schöne, das Kultivierte od Schickliche, meist in der Kunst, gelegentl in verwandten Sparten od im gesellschaftl Verhalten; auch als geltende Norm od herrschende Richtung; wiederholt in Reflexion der Unschärfe des Begriffs (mehrf ‘was wir G. nennen’ uä) a metasprachl, in krit Reflexion üb den Wortgebrauch von frz ‘goût’ Die Franzosen gebrauchten zu Ende des 17ten Jahrhunderts das Wort G. noch nicht allein .. Sie sagten ein böser, ein guter G. und verstanden recht gut, was sie dadurch bezeichneten. Doch findet man schon in einer Anekdoten- und Spruchsammlung jener Zeit das gewagte Wort: “Die französischen Schriftsteller besitzen alles, nur keinen Geschmack” 45,172,4u6 RamNeffeAnm Geschmack mBez auf Diderots Kritik am zeitgenöss Mißbrauch des Worts 45,171,26 ebd b kategorial, in Abgrenzung von anderen menschl Anlagen u Vermögen, insbes als instinktive bzw subjektive Instanz; mehrf mBez auf theoret Untersuchungen üb seine Natur u Funktion [üb JGPurmann, Zufällige Gedanken üb die Bildung des Geschmacks in öffentl Schulen, 1770—1772] Die erste Abteilung beschäftigt sich mit einer philosophischen Untersuchung über den G. .. Er glaubt, daß der G. nicht bloß in der Empfindung bestehe, sondern auch Räsonnement erfordere. Wir glauben aber, daß er G. und Theorie d[er] s[chönen] W[issenschaften] u[nd] K[ünste] offenbar verwechsele; jener ist unsers Bedünkens nach bloß Empfindung, diese räsoniert BA17,238 FGA ZufälligeGedanken [G/Merck] Der G. ist nur der zarteste Theil des Characters. Er verhält sich zu ihm wie die Epiderm zur Schönheit 422, 420,13 Volksb histInh Schema daß unsere Prosodie in der größten Unsicherheit schwebt, wie denn meine einsichtigen, gelehrten .. Freunde die Entscheidung mancher Fragen dem Gefühl, dem G. anheim gaben, wodurch man denn doch aller Richtschnur ermangelte 30,248,12 ItR 422,442,28 Epoche d forciertTalente Schema 1812 N1,360,4 FlD Zugabe uö im hist Rückblick auf die Funktion des Geschmacks in Shaftesburys Ästhetik u seine philosoph Begründung in Kants ‘Kritik der Urteilskraft’ Bei diesem [Bd. 4, Sp. 47] c als mehr od weniger entwickeltes, individuelles od kollektives ästhet Urteilsvermögen (insbes bei der Kunstrezeption), gelegentl auch prägnant als Geschmackssicherheit; häufig als Objekt kultivierender u normierender Einflußnahme, iVbdg mit Ausdrücken wie ‘(sich) bilden, reinigen, Verbesserung’ uä [Werner zu Wilh:] so kam ich z.E. mit großem Vergnügen aus dem Lustigen Schuster .. gewisse Personen .. die man für Kenner hält, spotteten über meinen schlechten G. und bewiesen mir ihr Recht der Länge nach 51,110,22 ThS II 2 [Wilh im Br an Werner:] Dazu kömmt .. das Bedürfniß, meinen Geist und G. auszubilden, damit ich nach und nach auch bei dem Genuß, den ich nicht entbehren kann, nur das Gute wirklich für gut und das Schöne für schön halte 22,152,9 Lj V 3 [intensive Zeichen- u Malstudien] auch brenne ich recht vor Leidenschaft mir alles zuzueignen, und ich fühle, daß sich mein G. reinigt, nach dem Maße wie meine Seele mehr Gegenstände faßt 32,84,24 ItR Die Deutschen .. von Originalität, Erfindung, Charackter, Einheit, und Ausführung eines Kunstwercks haben sie nicht den mindesten Begriff. Das heißt mit Einem Worte sie haben keinen G. B9,181,1 Reichardt 28.2.90 27,63,25 DuW 6 47,145,14 Samml 3 uö iZshg mit öffentl Bildungsbemühungen, vereinzelt (im literar Bereich) als sekundär gegenüber dem ‘Charakter’ daß Herr Purmann [in ‘Zufällige Gedanken üb die Bildung des Geschmacks in öffentl Schulen’, 1770—1772] sich bloß auf das eine Mittel der Bildung des G-s, die Lesung der Alten, eingeschränkt hat .. würden wir vorzüglich gewünscht haben, daß er .. aus Blick auf die Natur, den G. zu bilden, geraten BA17,240 FGA ZufälligeGedanken [G/Merck] Auf den Character des Volcks, nicht auf den G. ist zu wirken. | Der Character ohne G. fühlt das Tüchtige, die Base aller Vollendung | Der G. ohne Character hält sich am letzten der Behandl [ung], an der Oberfläche .. | Unsre Zeit hat G. aber keinen Character 422,419,7—14 Volksb histInh Schema [die Muse zum Theaterpublikum:] Empfangt das Schöne, fühlt zugleich das Gute, | .. So nach und nach erblühet, leise, leise, | Gefühl und Urtheil wirkend wechselweise; | In eurem Innern schlichtet sich der Streit, | Und der G. erzeugt Gerechtigkeit 131,124 ProlBln 1821 Vs 225 Anstalt, wo .. Herr Seeger treffliche Gypsabgüsse vorzüglicher antiker und moderner Sculpturen .. verkauft .. geeignet .. den G. zu läutern und auf das wahrhaft Schöne zu lenken 492,264,12 Gipsabgüsse 48,18,14u23 Preise 1800 47,367,27 ChalkogrGesDessau [G/Meyer] uö iVbdg mit ‘verderben’, ‘sinken’, ‘verfallen’ uä insbes in Kennzeichnung einer Epoche (zT in Berührung mit 3e) Französche Trauerspiele .. Wie das so regelmäsig zugeht, und dass sie einander ähnlich sind wie Schue .. Unser verdorbner G. aber, umnebelt dergestalt unsere Augen, dass wir fast eine neue Schöpfung nötig haben, uns aus dieser Finsternis zu entwickeln .. Und ich rufe Natur! Natur! nichts so Natur als Shakespeares Menschen 37,133,10 ShakespTag Brustbild eines Jünglings .. die Arbeit ist mehr von guter Manier als vorzüglicher Kunst und Geist .. aus einer Zeit .. die dem Verfall des G-s nahe war Trunz/Loos 185 Sammlg antiker geschnSteine 1807 [G/Meyer] B12,49,27 Schleusner 22.2.97 491,291,20 Üb:Giotto,LaCena [G/Meyer] uö d speziell als kreatives Vermögen des Künstlers zu kunstgemäßer, auch: das kultivierte sinnl Empfinden befriedigender Gestaltung, gelegentl objektiviert als Qualität eines Werks; überwiegend in der bildKunst u (seltener) der Literatur; prägnant als (intuitiv) sicherer Geschmack u vereinzelt ‘der gute G.’ [betr von künstlerischer Souveränität zeugende Unstimmigkeiten in Leonardos ‘Abendmahl’] wenn wir das Original vor uns hätten, würden wir darüber nicht queruliren; der unendliche G. (daß wir dieses unbestimmte Wort hier in entschiedenem Sinne brauchen), den Leonard besaß, wüßte hier dem Zuschauer schon durch zu helfen 492,18,26 Relief Phigalia Über dieses nimmt man bei Hackert eine beständige Thätigkeit des guten G-s oder wenn man will des Schönheitssinnes wahr .. man wird schwerlich ein Beispiel finden, daß er den Standpunct ungünstig gewählt, oder den .. Gegenständen eine solche Lage und Beleuchtung gegeben, daß der mahlerische Effect wesentlich dadurch gefährdet würde 46,350,7 HackertNachtr [Meyer] [Gemälde von Memling] Etwas natürliches in der Handlung, mit Gefühl und unbewustem G. 342,34,13 KuA RheinMain Plp eine höchst glückliche Erfindung und eine dem Gedanken ganz gemäße, bequeme und leichte Ausführung. Wenn wir jenes einem glücklichen Naturell zuschreiben, so sehen wir in diesem einen durch vieles Nachdenken geübten G. [Bd. 4, Sp. 48] e als propagiertes od herrschendes (u bekämpftes) Kunstideal, verbindl Maßstab mit je unterschiedl, oft nicht (direkt) genannten Kriterien; mehrf im Kontext von G-s klassizist Kunsttheorie (als Orientierung an der antiken bildKunst bzw der ital Hochrenaissance), auch allgemeiner als Norm des Kultivierten, Regulativ des Naturalistischen; oft in personifizierenden Fügungen, häufig ‘der gute G.’, auch ‘der wahre G.’, ‘reiner G.’ Sonst leide ich viel der Kunst wegen .. kann ich mich nicht enthalten den guten G. zu predigen .. lernt man doch immer dabey, und sollte man auch nur .. erfahren, dass weitausgebreitete Gelehrsamkeit, tiefdenckende spitzfündige Weisheit, fliegender Witz und gründliche Schulwissenschafften, mit dem Guten G-e sehr heterogen sind B1,181,28 u 182,6 Oeser 24.11.68 [betr wohl letzte Arbeiten am Römischen Haus] Es will kein Mensch die gesetzgebende Gewalt des guten G-s anerkennen und weil er freylich nur durch Individuen spricht .. so verliert man sich in einer Breite .. des Zweifels, leugnet die Regel weil man sie nicht .. einsieht .. Die ewige Lüge von Verbindung der Natur und Kunst macht alle Menschen irre B11,69,27 Meyer 20./22.5.96 die Werke des ältern Stils .. hatten [bis ca 1790] .. keinen Einfluß auf die Ausübung der Kunst; niemand betrachtete sie als Muster, oder wähnte durch Nachahmung derselben den wahren G. zu erjagen 491,29,20 Neudt relig-patriotKunst [Meyer/G] Judas [in der Kopie von Marco] .. das Profil ausgezackt, nicht übertrieben, keineswegs häßliche Bildung; wie denn der gute G., in der Nähe so reiner und redlicher Menschen kein eigentliches Ungeheuer dulden könnte 491,239,18 Bossi,Leonardo Abendmahl 46,298,10 Hackert 47,303,40 ÜbDilettantism Schema 1799 [Schiller/G] uö iZshg mit öffentl Bildungsinitiativen, auch als (erreichtes od anzustrebendes) Geschmacksniveau einer Gesellschaft, Gemeinschaft Begrüße diese Stadt [Weimar], | Die alles Gute pflegt .. wo der G. | Die dumpfe Dummheit längst vertrieb 131,166 Prol 6.10.94 Vs 32 Anfängern gleich bei den ersten Versuchen einen reinen G. einzuprägen und ihre Schritte zu den Werken der Natur und der Griechen zu erleichtern, seien die besten Werke Raphaels geeignet 48,130,17 Üb:Mannlich,Zeichenb B37,30,4 Bülow 27.4.23 K uö in einschränkenden, (selbst)krit u polem Äußerungen, meist gegen die (unreflektiert übernommene, rigide angewandte) Geschmacksdoktrin der Aufklärung; auch charakterisiert als ‘falsch’, ‘(allzu) ekel’ uä, einmal ‘der sogenannte gute G.’ In der Dichtkunst hatte er [Behrisch] dasjenige, was man G. nannte, ein gewisses allgemeines Urtheil über das Gute und Schlechte, das Mittelmäßige und Zulässige; doch war sein Urtheil mehr tadelnd 27,132,27 DuW 7 Als ich das erstemal nach dem [Straßburger] Münster ging, hatt’ ich den Kopf voll allgemeiner Erkenntniß guten G-s. Auf Hörensagen ehrt’ ich die Harmonie der Massen, die Reinheit der Formen, war ein abgesagter Feind der verworrenen Willkürlichkeiten gothischer Verzierungen 37,144,16 Von dtBaukunst 1773 Auf, meine Herren! trompeten Sie mir alle edle Seelen, aus dem Elysium, des sogenanndten guten G-s, wo sie schlaftruncken, in langweiliger Dämmerung halb sind, halb nicht sind 37,135,1 ShakespTag [zu den Musen des Theaters] Auch das Gefolg, das um euch sich ergießt, | Dem der G. die Thüren ekel schließt, | Das leichte, tolle, scheckige Geschlecht, | Es kam zu Hauf, und immer kam es recht 16,138 MiedingsTod 150 Wir ergötzten uns als genießende Menschen an der Größe und der Pracht [des Petersdoms], ohne durch allzu eklen und zu verständigen G. uns dießmal irre machen zu lassen, und unterdrückten jedes schärfere Urtheil. Wir erfreuten uns des Erfreulichen 30,221,20 ItR~B8,64,1 Weim Freunde 22.11.86 B(32,492,5u7) Knebel? [März 90] K 45,172,2 RamNeffeAnm Geschmack uö metonym für (klassische, klassizist) Kunstwerke u für schöne Literatur (od allg: Nahrung für geistige u ästhet Bedürfnisse) In Berlin ist nunmehr eine so große Masse guten G-s, daß der falsche Noth haben wird, sich irgend hervorzuthun 492,134,7 Üb:Klöden,Progr Gewerbeschulprüfg [Dank für Wielands ‘Sokrates Mainomenos’] Vergnügen .. in dieser Franckfurter Hungersnoth des guten G-s .. wenn man ein neues Buch geschwind in die Hände kriegt B1,229,6 Reich 20.2.70 Gespr(He1,516) Falk [24.6.]92 f eine bestimmte, mehr od weniger ausgeprägte ästhetische, auch allgemein geistige Richtung od Mode α vorherrschende Tendenz meist in einer Gruppe, Nation od Epoche; vereinzelt ‘herrschender G.’, einmal ‘jd ist in einem best G.’ dort [bei der Münchner Oper] sind sie im moralischen G. .. der schlimmste für den [Bd. 4, Sp. 49] β (Mach-)Art, Stil, Manier; fast ausschließl mit näherer Bestimmung, häufig ‘in/im .. G.’ [Oeser] ein abgesagter Feind des Schnörkel- und Muschelwesens und des ganzen barocken G-s 27,154,19 DuW 8 [Gartenkunst] Nachgeäffter englischer G. .. Chinesischer G. 47,311,15u17 Üb Dilettantism Schema 1799 [Schiller/G] [Beaum:] fällt er [Clavigo] auf den Gedanken, der Stadt Madrid das seiner Nation noch unbekannte Vergnügen einer Wochenschrift im G. [genre] des Englischen Zuschauers zu geben 11,66,21 Clav II daß .. hier [bei dem Tempel zu Pozzuoli] noch viel zu thun bleibe .. genaue Untersuchung der noch umherliegenden Trümmer, kennerhafte Beurtheilung des G-s daran N10,196,26 ArchitNathistProbl 46,303,8 Hackert T1,257,4 v 3.10.86 uö g dem allgemeinen Ideal des Gefälligen, Kultivierten, Diskreten entsprechender Sinn (bzw das Geschick dazu), auch als geltende gesellschaftl Norm α in der materiellen Lebenskultur, bes in der Mode, in Gebrauchskünsten, dekorativen Arrangements uä; vereinzelt auch in der wiss Darstellung; mehrf neben od iUz ‘Pracht’ uä Ferner verlange ich daß du .. den Putz mit G. wohl verstehest B1,109,16 Cornelia [12.]10.67 Eben so [wie die Gräfin] hatte die Baronesse das Mögliche gethan, um sich mit Pracht und G. anzukleiden 21,321,3 Lj III 12 Eine gewisse Verwegenheit der Farben und des Schnitts seiner [des ‘Junkers’] Kleidung war durch natürlichen G. gedämpft 24,158,17 Wj I 9 [Theater-]Decorateur .. der .. unsere kleinen Räume in’s Gränzenlose zu erweitern .. und durch G. und Zierlichkeit höchst angenehm zu machen wußte 36,101,8 TuJ 1815 das Werk [eine wiss Edition] .. ist .. mit Gründlichkeit und gutem G. ohne prunkende Gelehrsamkeit verfaßt B27,42,21 Voigt 2.6.16 24,294,15 Wj II 4 B25,135,13 Nicolovius [7.1.15] K B39,114,14 CarlAug 14.2.25 uö β im gesellschaftl u zwischenmenschl Umgang, auch speziell iSv Takt, Delikatesse, feine Lebensart u öfter als Merkmal des gebildeten Menschen (od einer Nation), mehrf ‘ein Mann, Personen von, voll G.’ G. = Euphemism. | Cultur der Sprache und Styl besteht in Ausbildung des Euphemismus. | Deutsche Derbheit diesem entgegen. | Nothwendig diplomatische und Weltausbildung 422,392 Plp Herrn Bendel .. den wir, wenn wir es nicht für unanständig und ein Wortspiel dem guten G-e ungenießbar hielten, kurz und gut Herr Bengel nennen .. würden 51,250,20 ThS III 10 war es mir höchst erfreulich, dieses Geschäft [Archivierung der Korrespondenz von Hzgin Anna Amalia] in Ihren Händen zu wissen, das ebensowohl mit Einsicht und Treue als mit Vorsicht und G. zu behandeln ist B44,219,2 Kanzl Müller [24.7.28] K Vier männliche Silhouetten .. 1. Reine Erkenntnißkraft ohne hohen Scharf- und Tiefsinn. Viel feine Beurtheilung, G., gefällige Sprache 37,344,13 PhysiognFragm Oeser war hier. Ich lerne ihn erst recht kennen. Ein Mann voll G. und Geist und stiller Künstler und Weltmanns Klugheit B6,98,11 Knebel 21.11.82 28,57,1 DuW 11 27,240,19 DuW 9 uö h (sicherer) Blick für weibl Schönheit (bei der Wahl einer Frau) [Egm zum Sekretär:] Du zeigst einen guten G. Sie ist hübsch 8,214,3 Egm II HermDor IX 79 B19,164,5 ChStein 21.7.06 4 Neigung zu, Gefallen an etw; gelegentl im Spiel bzw (bei kulinar Genüssen) in Berührung mit der sinnl Bed (2) a (für jdn typische) Vorliebe, Lust auf etw; öfter ‘nach jds G.’, vereinzelt ‘etw ist, bleibt jds G.’ u ‘G. für, zu etw’ [Neffe:] Laster, die mir natürlich .. die nach dem G. [goût] meiner Beschützer sind 45,63,21 RamNeffe Man liebt seine Freunde .. aber einem flüchtigen G-e .. irgend einer Grille genug zu thun sind wir .. zu bequem B16,211,20 Eybenbg 4.4.03 [Schüler:] Ein starkes Bier, ein beizender Toback, | Und eine Magd im Putz das ist nun mein G. Faust I 831 die sonst gewöhnliche Accomodation [bei Übersetzungen] .. wo man seinem Volke alles Mitzutheilende so nach G. und Gaumen zurichten und anrichten mußte, um einigermaßen dem Fremden Eingang zu verschaffen 412,282,3 SerbGed [Reineke:] Fische gibt es .. die heißen .. | .. Pullus und Gallus .. | Das sind Fische nach meinem G. [van mynen dyngen] ReinF VI 230 [für: goût] 45,115,21 RamNeffe 27,183,27 DuW 8 ReinF III 49 Var uö die generellen (wesensbedingten, lebensbestimmenden) Präferenzen einer Person, auch einer Gruppe Was konnte das sein, das meinen G. und meine Sinnesart so änderte, daß ich im zwei und zwanzigsten Jahre .. kein Vergnügen an Dingen fand, die Leute von diesem Alter unschuldig belustigen können 22,291,6 Lj VI Schöne Seele [Neffe:] Eure [der Philosophen] Art von Ehre verlangt eine gewisse romanenhafte Wendung des Geistes, die wir nicht haben, eine sonderbare Seele, einen eigenen G. [goût] 45,56,23 RamNeffe 11,132,24 Stella I uö b Gefallen, Vergnügen an etw; meist in festen Verb-Vbdgn [Fabrice:] Es thut mir gar wohl wieder so zu lieben und .. geliebt zu werden! Es ist doch eine Sache woran man nie den G. verliert 9,133,22 Geschw uö ‘einer Sache (einen) G. abgewinnen’, ‘(einen .. ) G. finden, kriegen an etw’: den Reiz einer Sache entdecken, etw genießen, goutieren; auch mBez auf Eßbares, einmal im Bild Mein Sohn .. seine tägliche Unterhaltung deutet unablässig auf Ihren Unterricht, wodurch er dem Alterthum G. und Sinn abgewonnen B32,199,6 Riemer 19.3.20 K Lobgesang auf Maria .. Auch diesem [Gedicht] läßt sich vielleicht ein G. abgewinnen 40,345,5 Üb:Wunderhorn ein Fäßchen Caviar .. Sollten Sie .. diese wunderliche Speise nicht selbst lieben, so finden wohl Ihre Gäste G. daran B11,33,16 ChKalb [16.2.96] “Warum magst du gewisse Schriften nicht lesen?” | Das ist [Bd. 4, Sp. 50] → GWB Abgeschmack GWB Beigeschmack GWB Halbgeschmack GWB Kirchengeschmack GWB Kunstgeschmack GWB Künstlergeschmack GWB Lieblingsgeschmack Un- Volks- Vor- Wohl- Zeit- abgeschmackt Syn zu 1u2 Schmack zu 2a Geschmacksinn zu 3b Schönheitsgefühl Schönheitssinn zu 3c Gefühl Kunsturteil zu 3d Anstand Kunstgefühl Schönheitssinn zu 3e Kunstsinn Schönheitsprinzip zu 3f Gusto Mode zu 3fα Geschmacksrichtung zu 3fβ Anstand Genre Manier Stil Weise zu 3gβ Anstand Delikatesse Takt zu 4 Belieben Gefallen Lust Neigung Vergnügen Vorliebe 1) vgl die Artikel ‘Geschmack’ in HistWbPhilos 3 u HistWbRhetorik 3 sowie ebd den Artikel ‘Geschmacksurteil’ 2) vgl hierzu auch GvMolnár, G-s Kantstudien, 1994 3) vgl Meyer an G, 19.3.96: “das Werk von den allerley Geschmäcken” (Briefw G/Meyer, SchrGG32,214) 1) kräftiger, ausgeprägter (Wohl-)Geschmack Trüffeln .. sie haben einen durchdringenden Geruch, woran sich denn ihre G. schließen mag B32,80,1 Nees 22.10.19 1) im DWb nur die Adj ‘geschmackhaft’ u ‘geschmackhaftig’ belegt 1), hier speziell für Verfechter höfisch überfeinerter (am frz Klassizismus orientierter) ästhetischer Normen u Tadler des ‘gotischen’ Stils [Anrede an den Baumeister des Straßb Münsters] Dem schwachen G. wird’s immer schwindeln an deinem Coloß .. ganze Seelen werden dich erkennen 37,140,11 Von dt Baukunst 1773 1) vgl die Belege im DWb
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