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Goethe-Wörterbuch  ·  ·  · 
 
getrost bis Gevatterei (Bd. 4, Sp. 155 bis 157)
 
  getrostknapp 200 Belege, fast ausschließl in adv Verwendung
1 vertrauensvoll, zuversichtlich; mit versch (ineinander übergehenden) Nuancierungen
a hoffnungsvoll, guten Mutes, voll Zutrauen (auf günstige Fügung, Entwicklung); mehrf idWdg ‘g-en Mutes’, einmal ‘g. machen’ iSv mit Hoffnung, Vertrauen erfüllenHauptmann von Seebach .. welcher uns .. wegen des Unterkommens in Carlsbad angst machen wollte; wir fuhren aber g. dahin B29,254,13 Ottilie 1.8.18[Leonore:] Der Gärtner deckt g. das Winterhaus | Schon der Citronen und Orangen ab Tasso 35[iZshg der Ausg.l.H.] so wollen wir denn in das nächste halbe Jahr g-en Muthes, mit fortgesetztem Fleiß .. eintreten B44,44,19 Reichel 28.3.28B44,318,16 Kanzl Müller 22.9.28N3,233,21 FlH IV gegenüber herrscherlicher u göttl Macht, behördl Kompetenz; gegenüber geistiger Autorität einmal pejor iSv vertrauensselig, unkritisch[Faust zu den Heerführern:] Sparta soll euch

[Bd. 4, Sp. 156]
überthronen, | Der Königin verjährter Sitz. | .. Ihr sucht g. zu ihren Füßen | Bestätigung und Recht und Licht 151,1 Faust II 9480[Neoterpe:] Drum werf’ ich bittend mich an den Altar | .. Kniet nieder gleichfalls, allerliebste Kinder ihr, | Die ihr, zu mir gesellt, ein gleich Geschick, | Wie ich es hoffe, hier g. erwarten dürft 131,6 Paläophron Neoterpe 31Seine [Newtons] Schüler hörten nun auf, zu sehn und zu schließen, | Referirten g., was er auch sah und bewies 51,230 Xen 173(180)B22,387,21 Kirms 6.3.11491,34,8 Neudt relig-patriotKunst [Meyer/G] in förml Briefschlußwendung[es] geben die Notizen .. gute Hoffnung .. Wie wichtig mir in so bedeutender Zeit ähnliche Mittheilungen .. seyn müßten darf derjenige nicht betheuern, der sich in verehrender Anhänglichkeit g. unterzeichnet B47,198,20 Gersdorff 30.8.30 K‘in sich (selbst) g.’ iSv auf sich, seine Fähigkeiten vertrauend[Heldendichter üb das Jägerpaar:] G. in sich .. | Sie lächeln stolz, vertrauend ihren Kräften 16,221 Maskenz RomantPoesie 59N1,375,5 FlD Schlußwimperativisch in aufmunternder, ermutigender Absicht (teilw in Berührung mit b); auch als Zuruf (einmal in Doppelung); vereinzelt im Briefschluß[Graf zur Nichte:] Sein Sie g., gutes Kind! die Unschuld hat nichts zu fürchten! 17,162,23 Gr Coph II 5[Georg zu Lerse:] Nur g. und munter! und gelegentlich wacker zugeschlagen 131,286,14 Götz3 IVwenn die Noth in meinem Herzen der [Korr B50,213] grösst ist .. ruf ich dir zu: G.! G.! Ausgeduldet und es wird werden B2,274,1 Gfin Stolbg 3.8.[75]Deshalb denn .. in diesem Gänsespiel g. Vorwärts B48,42,25 Zelter 14.12.3017,201,14 GrCoph III 9B44,265,12 Meyer 10.8.28
b beherzt, furchtlos, unverzagt, entschlossenWarum stehen sie davor? | .. Kämen sie g. herein, | Würden wohl empfangen sein 4,141 Vs 3wir [G u die Vorhut der Verbündeten] .. fanden unterwegs einen alten Schirrmeister .. als das erste Opfer des Tags .. Wir ritten ganz g. weiter 33,68,18 Campin der Löwengrube scheute sich Daniel nicht; er blieb fest und g. 18,342,4 Nov[Eugenie zur Hofmstrn:] Jener | Gereizten Gottheit, die mich niederschmettert, | Will ich g. in’s Auge schauend stehn NatT 2582Faust I 1237B38,52,1 ChristLudw vHess 20.2.24131,177 EpilEssex 20 in der Fügung ‘dreist und g.’ iSv seiner selbst u seiner Sache sicher 48,190,16 MuR(467)
c froh(gemut), freudig, wohlgemut; mehrf auch neben ‘froh, munter, heiter’[Schüler:] was man schwarz auf weiß besitzt, | Kann man g. nach Hause tragen Faust I 1967Das Posthorn tönt, er wirft sich in den Wagen | Und läßt g. sich zu der Liebsten tragen 52,350 Das Tagebuch 184Ich hoffe er [der von einem Besuch bei G zurückgekehrte Ehemann] .. genießt nun der Früchte seines Anstrengens .. in einem g-en Bewußtseyn und froher Mittheilung B24,53,5 An? [Ende Nov? 13] KDichten ist ein Übermuth, | Niemand schelte mich! | Habt g. ein warmes Blut | Froh und frei wie ich 6,24 Derb u Tüchtig 3B6,5,3 ChStein 11.7.822,207 Krittler 9B33,186,9 Boisserée 1.9.20B20,353,5 Christiane 6.6.09
d getröstet, beruhigt[in Abänderung der Verse der ‘Dornb Inschrift’ WA I 4,338] Schmerzlich trat ich herein, g. entfern’ ich mich wieder, | Gönne dem Herren der Burg alles Erfreuliche Gott 4,126 Vs 1[der Geist von Hamlets Vater zu Wilh:] Ich .. scheide g., da meine Wünsche für dich .. erfüllt sind 23,124,2 Lj VII 916,175 Geheimnisse 1206,241 Vs 54 DivParse
e gelassen, innerlich ruhig, friedvoll[betr die Aufsätze von JFRochlitz] er schreitet ruhig g. in der Literatur seiner Tage daher 412, 116,15 Üb:Rochlitz,Tonkunstals er [Eduard] fragt, ob er sie [Ottilie] .. zurückfahren dürfe? bejaht sie’s mit einem g-en Neigen des Hauptes 20,390,17 Wv II 16[Frau auf dem Totenbett üb ihre Geldentwendungen] Ich .. wäre .. ohne es zu bekennen, g. der Ewigkeit entgegen gegangen AA41,27 Werth IB24,279,1 Kirms 18.5.14B25,227,15 Voigt [10.3.15?]B45,105,9 Loder 2.1.[29]
2 in abgeblaßter Bed iSv ruhig, ohne Bedenken, ohne weiteres; nur adv[Geiz:] Ein schönes Weib ist immer schön; | Und heute weil es mich nichts kostet, | So wollen wir g. sponsiren gehn 151,1 Faust II 5774Haben wir zur Literaturzeitung [JALZ] ein Generalregister zu erwarten? Oder können wir unser Exemplar g. binden lassen? B17,270,3 Eichstädt 30.3.05N1,XIX,9 Fl VorwB21,330,20 Eybenbg 22.6.10
GWB hochgetrostSyn zu 1 vertrauensvoll zuversichtlich zu 1b beherzt furchtlos unverzagt zu 1c freudig froh(gemut) fröhlich wohlgemut zu 1d beruhigen(beruhigt) trösten(getröstet) zu 1e friedvoll gelassen gleichmütig zu 2 ruhig unbedenklich

Katherina Mittendorf


 
  getrösten27 Belege, seit Mitte der 90er Jahre
1 veraltend für trösten[Herm zur Mutter:] Heute noch, ziehet sie [Dor] fort .. | Ach! und die Liebe der Mutter, sie selbst nicht getröstet [>tröstet] den Armen 50,400 HermDor IV 218 Var
2 refl: zuversichtl auf etw hoffen, vertrauen; meist mit Gen[Grimbart, der Dachs:] Aber wenigen Danks kann sich mein Oheim g. [Reinke de Vos: heft myn om weynich danckes dar aff], | So gerecht er auch sei ReinF I 167Dieser wackere Künstler [der Maler DCRead] darf sich .. gegenwärtig keiner vorzüglichen Aufmerksamkeit g., weil sein Talent im Widerspruche mit dem Tage steht B48,166,21 Murray [29.3.31] KGebraten oder gesotten! | .. Was ihr euch heute getröstet, | Ihr seid doch morgen geröstet 2,229 Sprichw 125Lassen Sie uns auf die Folge [eines Geschichtswerks] nicht zu lange warten und g. sich, daß die Anerkennung nicht säumen werde B36,172,23 Sartorius 26.9.22 KN51,312,2 EntoptFarb 4012,302 LöwenstuhlDrama 50B46,201,2 Grhzgin Louise 2.1.30 K in BriefschlußformelDer ich .. mich eines wohlwollenden Andenkens g. darf B37,124,14 Eckl 10.7.23
Syn zu 1 trösten zu 2 hoffen

Katherina Mittendorf


 
  Getümmel
1 ungeordnetes (geräuschvolles) Durcheinander(wogen); auch neben ‘Gedränge’, ‘Gewimmel’
a festliches, buntes Treiben; gelegentl iVbdg mit Attr wie ‘groß’, ‘wunderlich’; einmal im Bild[Faust:] Ich höre schon des Dorfs G., | Hier ist des Volkes wahrer Himmel Faust I 937[in Anspielung auf eine Begegnung während der Frankf Messe 1815] zu jener Zeit wo im G. angehörige Stimmen erkannt, im Gewimmel verbundene Freunde gefunden wurden B38,138,3 Marianne [9.5.]24[Ottilies Zs ‘Chaos’] Ist das Chaos doch, bei’m Himmel! | Wie ein Maskenball zu achten. | Welch ein wunderlich G.! | Allerlei verschiedne Trachten [fremdspr Beiträge]! 4,292 Vs 3[Reinke de Vos: grael] ReinF VII 22
b chaotisches Durcheinander, Tumult; auch mit Attr wie ‘wüst’, ‘wild’[Schweineschlachten] ein vielfacher Tumult in den .. Gewölben, welche mit dem entsetzlichsten, scharftönenden und grunzenden Zetergeschrei

[Bd. 4, Sp. 157]
erfüllt, die Ohren beleidigen, wie das Auge von dem wüsten G. im Innersten verletzt ist 48,170,26 TischbeinsZeichngnHermDor I 109491,113,8 Philostrat bezogen auf bildkünstlerische DarstellungHerr Delacroix .. ein Künstler .. dessen wilde Art .. das G. seiner Compositionen .. [man] keineswegs billigen will 412,233,25 LeGlobe AnmN3,375,7 FlH V [Meyer]in Gefecht, Schlacht[Selbiz:] Siehst du Gottfrieden? [Knecht:] Die drey schwarze Federn seh ich mitten im G. 39,101,10 Götz1 III~8,100 Götz2[Ares:] Aber ich mahne sie [die Menschen] auf .. der fernen | Schlachten G. erklingt vor ihren Ohren Achilleis 322151,1 Faust II 5895
2 in übertr Verwendungen
a für das äußerl (hohle, hektische) Treiben der Welt, des Lebens[aus Rom] Ich habe .. meine Zeit wohl benutzen können, und ohne mich in das G. der Welt einzulaßen, habe ich .. diejenigen Gegenstände .. betrachtet, die hier einzig sind B8,196,14 JFFritsch 20.2.87[betr Ankündigung des neuen Heftes von ‘Kunst u Altertum’] Es ist dieses in dem rauschenden G. der deutschen Tagesbewegung allerdings nothwendig B38,148,5 Cotta 30.5.24AA78,13 Werth II
b von GemütsvorgängenMitten im G. mancher Freuden, | Mancher Sorgen, mancher Herzensnoth, | Denk’ ich dein, o Lottchen 1,76 An Lottchen 1
c ‘tumultuarisches G.’, umschreibend für vulkanist Theoriein der Geognosie mäßig fortzufahren, bleibt dem stillen Betrachter unbenommen, der sich denn aber freylich, was geologische Betrachtungen betrifft, aus dem immer wachsenden, tumultuarischen, keineswegs naturgemäßen G. zu retten hat B48,219,4 AHerder 7.6.31
GWB Badegetümmel GWB Erdgetümmel GWB Festgetümmel GWB Kriegsgetümmel GWB Lustgetümmel GWB Maskengetümmel Menschen- Meß- Nach- Schlacht- Staub- Welt-Syn Gedränge Geschwärme Getreibe Gewühl Tumult zu 1 Gewimmel zu 2 Getriebe

Katherina Mittendorf


 
  getümmelreich [aus dem Gartenhaus] Soviel aus meinem stillen .. Thal .. Womit dir im lebenslustigen, g-en Berlin auch ein froher genußreicher Morgen gegönnt sey B46,18,16 Zelter 19.7.29

Katherina Mittendorf


 
  Getümmelwoge gedenke deines Freundes im stillen Parke .. indessen du in Prachtherrlichkeit, Trommelrausch und G. der Königstadt [Berlin] dich umtreibst und umgetrieben wirst B44,102,3 Zelter 21.5.28

Katherina Mittendorf


 
  getupft mit Tupfen versehen, gesprenkelt[Meph üb die Sommersprossen der Blondine:] Schade! so ein leuchtend Schätzchen, | Im Mai g. wie eure Pantherkätzchen 151,1 Faust II 6324
Syn gesprenkelt gestupselt

Katherina Mittendorf


 
  geübts üben

Katherina Mittendorf


 
  Geum botan, Gattung aus der Familie der Rosengewächse: Nelkenwurz N13,180,16 Morph Plp

Katherina Mittendorf


 
  Gevatterabgekürzt ‘Gev.’ Tgb 25.8.77
1 Taufpate; öfter idWdgn ‘G. stehen’, ‘zu G. bitten’; vereinzelt im Bild[ich] halt .. mir aus dem nächsten [Sohn] den Nahmen Wolfgang zu geben, da ihr doch mehr G-n nehmt — und ich — wohl all eure Kinder aus der Taufe heben möchte B2,160,5 Kestner 11.5.[74]Ottilie hatte bey Madame Rehbein G. gestanden Tgb 4.9.26Wielands Frau hat eine Tochter gebohren, er hat die schöne Gräfinn [Brühl] nicht zu G. gebeten B7,239,18 ChStein 9./10.7.86[G plant Herausgabe seiner morphol Schriften] Was das organische Kindlein betrifft, so wollen wir erst seine Geburt abwarten und uns dann nach einem freundlichen G. umsehen B19,443,3 Eichstädt 31.10.07[für: compare] 44,107,16 Cell III 8B35,140,10 Zelter 14.10.21
2 der Pate im Verhältnis zu den Eltern des Kindes (wie auch diese zu ihm)[Märten:] Herr G.! [Richter:] Bin ich einmal wieder G.? [Röse:] Seid ihr nicht mein Pathe? 17,299,27f Bürggeneral 12ein Bildhauer, Namens Tribolo, mein G. [compare], ich hatte ihm einen Sohn aus der Taufe gehoben 43,217,18 Cell II 426,134,21 DuW 3
3 erweitert für Verwandter, Nachbar, naher Bekannter; mehrf idVbdg ‘Vettern und G-n’; öfter im Umgang von Handwerkern, Leuten aus dem Volke, bes in vertraul Anrede (einmal auch ‘G. Tropf’)[Götz, bei sich:] Schickt ihr [Fürsten] nur euern gefälligen Weislingen herum zu Vettern und G-n, laßt mich anschwärzen 8,9,12 Götz2 I[Vater zu Niklas:] Lauf’ nur zu Susen, ich will zum G. hinauf 12,101,17 Fischerin[Vater:] mit dem G. Maurer, mit dem Vetter Zimmermann ist schon Abrede genommen 131, 44,17 Was wir bringen [1802] 3Grüß euch Gott, G. Garnträger! .. Dank euch Gott, G. Geschirrfasser! 251,120,18u20 Wj III 58,248,3 Egm IV[für: compare] 43,93,12u14 Cell I 6 mit leicht abwertender NuanceRecht aber soll vorzüglich heißen | Was ich und meine G-n preisen 3,253 ZXen II 353
→ Mit-Syn zu 1 Gevattersmann Pate Taufzeuge zu 3 Bruder Vetter

Katherina Mittendorf


 
  Gevatterbriefauch Getrennt- u Bindestrichschr; einmal Gevattern- Schreiben mit der Bitte um Übernahme einer PatenschaftUnd als ich dieß vermelde [Geburt des Enkels Walther] darf ich hoffen, daß Ihr Haus einen Gevatter-Brief freundlich ansehen wird B29,139,8 Schlosser 10.4.1820,300,3 Wv II 8Tgb 1.10.20DjG31,340 Mitsch 406

Katherina Mittendorf


 
  Gevatterei pejor für Vetternwirtschaftdie in Städten unerträgliche G. ist hier [auf dem Lande] wenigstens an ihrem einfachsten Ursprung 35,143,7 TuJ 1802

Katherina Mittendorf