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dumm bis dumpfig (Bd. 2, Sp. 1288 bis 1292)
 
  dummetwa 200 Belege, häufig beim jg G; t- DjG31,405 Mitsch2 735 -mb 16,126 HSachsPoetSdg 114 mehrf subst
1 phys u an Vorstellungen des Physischen anknüpfend
a zur Charakterisierung einer Schwäche, Störung, Beeinträchtigung des körperl (-seel) Zustandes, der Lebensfunktionen: iSv dumpf, benommen, betäubtGestern Abend ist mir’s noch sehr d. worden. Ich habs Hufelanden gemeldet, und was eingenommen B3,127,11 ChStein 3.1.[77] [vglin der Schwachheit meiner Sinne B3,128,4f ebd]  [Wirt zu Söller:] Doch da gilt’s fleissig seyn, und nicht sich d. zu saufen DjG31,360 Mitsch2 40 = 9,43 Mitsch3 40[Schüler:] Mir wird von alle dem so d., | Als ging’ mir ein Mühlrad im Kopf herum Faust I 1946 ~ Urfaust 377[zu Platons ‘Phaidon’ in versch Übs u Bearb] Cebes sagt es könne wohl die Seele fortdauern, vielleicht aber in einem d-en schlaffenden Zustand1) 37,104,18 Ephem1,372 Christel 1 Var [dumpfen 1,18] DjG31,413 Mitsch2 873 = Mitsch1 521im Bild u metaphor von menschl Leben u Treiben iSv unlebendig, stockend, stagnierend, lahmUnd will auf der Erde | D. stille nichts stehn, | Will alles herumi | Didumi sich drehn2) 38,5 Concerto dramat 60[Hauptmann:] Wie habt ihr’s denn die Zeit getrieben? [Würzkrämer:] So bürgerlich. Eben leidlich d. 16,63 PaterBrey 115[Verhältnis zu Käthchen Schönkopf betr] nach einer ruhigen Woche .. Wir haben würcklich diese Woche in einem d-en Frieden gelebt B1,148,8 Behrisch 27.11.67
b iSv dumpfig, stickig, von Atmosphäre, Witterung (auch mit Einfluß auf Gemütszustand)Conseil. D-e Lufft drinne Tgb 1.2.79D. Wetter und Sinn Tgb 14.7.77
2 zur Charakterisierung von eingeschränkter, unentwickelter, gestörter od mangelnder geistiger Fähigkeit u von deren Ausdruck
a beschränkt, geistlos, stumpf, mehrf ‘d-er Kerl, Teufel’, auch subst ‘der, die D-e(n)’, selten von Gesicht, Aussehen, Zustand; öfter hyperbol, in Polemik u Satire, auch in parabol ZshgDa die d-en Eingeengten | Immerfort am stärksten pochten 6,99 Vs 5 DivUnmut[Alcest zum Wirt:] Sie sind ein d-er [t-er DjG31,405 Mitsch2 735] Kerl! .. Sie taugen | Zu nichts! DjG31,399 Mitsch1 383Unsere gute Vorsteherin .. sagte zu Ottilien

[Bd. 2, Sp. 1289]
.. wie kann man so d. aussehen, wenn man es nicht ist? 20,61,14 Wv I 5Die Schönheit hatte schöne Töchter, | Der Geist erzeugte d-e Söhne, | So war .. | Der Geist nicht ewig, doch das Schöne 3,190 Palinodien 2,198,250,26 Egm IVB49,409 Boisserée 11.1.32 K38,376,18 FGA EnglKupferst [G/Merck]20,262,8 Wv II 5
b unerfahren, ungebildet, unwissend, unreif, roh; bes von Jugendlichen, mehrf ‘d-er Junge, Bube’ u von sozial Niedrigstehenden, mehrf ‘d-es Volk’ uäDu Jugend .. | Jetzt lebst du noch ein wenig d., | Geh nur erst dieses Jahr herum, | So bist du weiter 4,93 Neujahrslied 10[Charon zu Mercurius:] Hercules hat dich im Anfall einer Hitze einen d-en Buben geheißen, der nie gescheidt werden würde 38,14,1 GöttHeldWieland[Dame üb Helena u Paris:] sie nimmt ihn in die Lehre; | In solchem Fall sind alle Männer d., | Er glaubt wohl auch daß er der erste wäre 151,1 Faust II 6522 .. Wir müssen den Pöbel betrügen, | Sieh nur wie ungeschickt wild .. wie d. er sich zeigt. | Ungeschickt scheint er und d., weil ihr ihn eben betrüget 1,458 VenEpigr 55 Var [wie ungeschickt .. wie wild .. | Ungeschickt und wild sind alle rohe Betrognen 1,321 Vs 278f] 16,104 Satyros 47738,447 HanswHochz PlpB45,115,5 Schultz 10.1.29 einmal mBez auf ältere Geschichtsepocheden sogenannten dunklen Jahrhunderten .. daß .. in denen Zeiten, die uns stumm und d. scheinen, ein lauter Chorgesang der Menschheit erscholl3) B20,25,12 Jacobi 7.3.08
c zeitweilig begriffsstutzig, verständnislos, zu klarer Einsicht nicht fähigGott weiß, ich binn so d., so erzdumm, daß ich gar nicht weiß wie d. ich binn. Meynst du denn, ich könnte mir einbilden daß du fort bist B1,118,2f Behrisch 16.10.67Die guten Studia die ich studiere machen mich auch manchmal d. Die Pandeckten haben mein Gedächtniß .. geplagt und ich habe .. nichts sonderlichs [Korr B50,204] behalten B1,117,3 Cornelia 14.10.67[Alcest:] ein Fall, wo man bei’m Denken nichts gewinnt; | Man wird nur tiefer d., je tiefer daß man sinnt 9,102 Mitsch3 830B1,145,7 Behrisch 20.11.67
d unklug, unüberlegt, ungeschickt in best Situationen, bei versch Tätigkeit; mehrf ‘(allzu)d-er Streich, d-e(n) Streich(e) machen’weil ich mich nicht um Lumperey kümmre nicht klatsche und solche Rapporteurs nicht halte, handle ich oft dum T1,74,27 v [Ende Dez] 78in Sachen die ich nicht verstehe, und es thut einer etwas das ich nicht begreife, so macht ers d., und greiffts ungeschickt an B4,292,16 ChStein 14.[9.80][Mittler:] Glaubt ihr, daß ich in der Welt bin, um Rath zu geben? Das ist das dümmste Handwerk das einer treiben kann 20,24,20 Wv I 238,77,28 ErwElm114,296 Faust I Plp auch von mündl u schriftl Äußerungen, Geistesprodukten uä, übergehend zum sachbezogenen Werturteil iSv abgeschmackt, fade; mehrf ‘d-es Zeug’, einmal in ähnl Bed ‘d-es Ding’[Einsiedler:] was ist euch Leids geschehn? | [Satyros:] D-e Frag’! Ihr könnt’s ja sehn 16,79 Satyros 61[Chor:] Es ist vorbei. [Meph:] Vorbei! ein d-es Wort 151,1 Faust II 11595Abends d-e Comödie Tgb 22.4.79mögtest du die Augen von den abscheulichen, d-en [abscheulich d-en 30,164,12 ItR] .. Gegenständen [auf Guido Renis Gemälden] abwenden T1,307,6 v 19.10.86 [für: goffo] 43,230,19 Cell II 4B3,168,8 Lavater [14.8.77]3,256 ZXen II 398u402B1,144,12 Behrisch [14.11.]67
e zur Charakterisierung von unschickl Betragen: unverschämt, frechDa stieß er an ein Mädchen an | Mit seinem Ellenbogen; | Die frische Dirne .. sagte: nun das find’ ich d.! | .. Seid nicht so ungezogen Faust I 961
f albern, verrückt, närrisch, toll; von Person u Lebensweise, Empfindung uä; auch hyperbolSchleppt hinter sich .. | Alle Narren .. | All zu witzig und all zu dumb [allzudumb Var] 16,126 HSachsPoetSdg 114Mich wundert .. nicht mehr daß Fürsten meist so toll, d., und albern sind B5,73,16 ChStein 10.3.81Begleitet von Berischen mit gescheuten Bemerckungen d. ausgedrückt et vice versa Tgb 14.5.78d-e Träume von langen Leuten, Federhüten, Tobackspfeifen B1,105,9 Behrisch [13.10.67]38,51 HanswHochz 115B2,240,6 Fahlmer [6.3.75]
g ohne Vernunft; von Tieren u ihrem Verhalten, auch im Bild u metaphor (im Hinblick auf Personen)Nur Hunger schärft den Geist der subalternen Wesen | Ein sattes Thier ist gräßlich d. 14,303 Faust I Plp[Wirt zu Söller:] Es kennt die ganze Welt den Wirth zum schwarzen Bären; | Es ist kein d-er Bär, und konservirt sein Fell DjG31,360 Mitsch2 37 ~ 9,43 Mitsch3 37d-er [grand] Hund, der ich bin! 45,25,22 RamNeffe39,122,6 Götz1 IV
3 zur Charakterisierung objektiver Vorgänge, Erscheinungen, Zustände uä (auch damit zusammenhängender Gegenstände): fatal, lästig, ärgerlich, läppisch; mehrf ‘etw ist, geht d.’ uäBehrisch .. ist endlich seine d-e Stelle loß geworden B1,115,20 Cornelia [13.]10.67Ich binn nur aus Laune heiter .. und kann .. wetten daß morgen ein d-er Abendwind Regenwolcken heraufbringen wird B1,116,28 ebd 14.10.67Ich habe .. einen d-en Auftritt gehabt, über einen d-en Zahnstocher, das nicht der Mühe wehrt war B1,118,19f Behrisch 16.10.67Wir sind jung .. das ist schön; wir werden älter werden, das ist d. 27,31,27 DuW 6[Meph:] Aus dem Palast in’s enge Haus, | So d. läuft es am Ende doch hinaus 151,1 Faust II 11530DjG31,377 Mitsch2 358 = Mitsch1 303,276 ZXen III 674B3,17,16 Herder [15.1.76]B3,177,24 ChStein 15.9.77
GWB erzdumm GWB hundedummSyn zu 1 a betäuben(betäubt) bewußtlos dumpf stocken(s-d) stumpf zu 1 b dumpfig zu 2 a, b, d einfältig zu 2 a und f dämisch zu 2 a beschränken(beschränkt) borniert dumpf eingeschränkt geistlos stumpf zu 2 b, d, f und 3 albern närrisch zu 2 b, d, f töricht, törig zu 2 b kindisch roh unerfahren ungebildet unreif unwissend zu 2 d und g unvernünftig zu 2 d eselmäßig ungeschickt unklug unüberlegt unverständig unvorsichtig zu 2 e dreist frech unartig unfertig ungezogen unverschämt zu 2 f blödsinnig toll unsinnig verrückt zu 3 ärgerlich fatal lästigvgl zu 2 d abgeschmackt absurd fade geschmacklos läppisch schal
1) vgl MMendelssohn, Phädon od üb die Unsterblichkeit der Seele, 1767: “im Schwindel, in einer Ohnmacht, oder im Schlafe”
2) andere Deutung JA7,326: “nur eine dazwischengeworfene Interjektion, vielleicht besser “dum” zu schreiben.”
3) G wendet sich gegen Jacobis Charakteristik des MA, vgl HABr3,545f

Christa Dill


 
  dummelns tummeln

Christa Dill


 
  Dummheit
a zu dumm 2 a: Beschränktheit, Geistlosigkeit, Stumpfheit; auch personifiziert, einmal als allegor GestaltDas Menschenpack fürchtet sich vor nichts mehr, als vor dem Verstande; vor der D. sollten sie sich fürchten .. jener ist unbequem .. diese ist .. verderblich 23,23,19 Lj VII 3[linke Sp:] Die D., weibliche Gestalt. [rechte Sp:] Man hat eine gewöhnliche hübsche Maske genommen, deren geistloses Ansehen wohl

[Bd. 2, Sp. 1290]
am besten die D. ausdrückt B16,155,21u24 NMeyer 12.12.023,281 ZXen III 752
b zu dumm 2 b: Unwissenheit, Unbildung, Unreifedu sollst in einem .. Jahre das vernünftigste .. Mädgen .. seyn. Denn unter uns, draussen bei euch residirt die D. ganz feste noch B1,110,4 Cornelia [12.]10.67[Soest üb den neuen Prediger:] Der .. sagte, wie sie uns bisher hätten bei der Nase herumgeführt, uns in der D. erhalten, und wie wir mehr Erleuchtung haben könnten 8,181,1 Egm Idie neue Bürgerschule .. Das Gebäude bewirkt schon selbst Cultur .. Die rohsten Kinder .. sind .. aller düstern D. entrückt und sie können einer heitern Thätigkeit .. entgegen gehen B41,94,16 CarlAug 20.7.26 K [für: sottise] 45,99,2 RamNeffe131,166 Prol 6.10.94 Vs 33
c zu dumm 2 d: Unklugheit, Unvorsichtigkeit, meist als Verhalten, Tun, auch für Äußerung, Produkt (iSv Abgeschmacktheit); gelegentl PlWie viele Menschen .. die man der Bosheit anklagt, indessen daß man nur sich der D. [sottise] anklagen sollte 45,99,12 RamNeffeDiarreh die Nacht durch .. Rhabarber! D.! Tgb 19.7.76Concert Händels Messias. D-en darüber von der quinze Parthie [dh der vorherrschenden Partei der Musikkundigen1)] Tgb 7.1.81Du liebes Schicksal, das du so manche D. begünstigt und verewigt hast, warum ließest du dieses Werk [die Carità von Palladio] nicht zu Stande kommen! 30,111,1 ItR ~ T1,293,25 v 11.10.86B3,227,6 ChStein [28.5.78]Gespr Eckerm 18.1.25
d zu dumm 2 f: Narrheit, Unsinn, Tollheit, auch als Tun; nur hyperbolfangen die guten Studia mit Macht an, ich habe jetzo eben soviel D. im Kopfe als ich brauche um fleisig zu seyn B1,122,21 Behrisch 17.10.6753,346 Vs 24 Epist 2[Brander:] du bringst ja nichts herbei, | Nicht eine D., keine Sauerei. | [Frosch, ihm Wein über den Kopf gießend:] Da hast du beides! Faust I 2078 ~ Urfaust 450 [für: bêtise] 45,72,28 RamNeffe
Syn zu a Beschränktheit Borniertheit Dumpfsinn Stumpfheit zu b Roheit Unerfahrenheit Unwissenheit zu c und d Narrheit Torheit Verrücktheit zu c Abgeschmacktheit Blödsinn Eselei Unklugheit Unvernunft Unverstand Unvorsichtigkeit zu d Tollheit Unsinnvgl Sottise
1) vgl Düntzer, G-s Tagebücher der sechs ersten Weim Jahre, 1889,213

Christa Dill


 
  Dummkopfin Jugendbr -Kopf
a beschränkter, geistloser, stumpfer Menschwas unterscheidet den D. vom geistreichen Menschen, als daß dieser das .. Gehörige der Gegenwart .. eigenthümlich ergreift und mit Leichtigkeit ausdrückt, als daß jene .. sich mit schon gestempelten hergebrachten Phrasen .. behelfen müssen 19,215,24 BrSchweiz Iwie viele Talente und Genies bleiben durch Verhältnisse unentwickelt und zurückgehalten, wie viel Dummköpfe dagegen durch Verhältnisse, Erziehung und Künstelei in die Höhe auf Katheder usw. gehoben Gespr(He2,1028) Boisserée 2.8.15B1,5,7u21 Ysenburg 2.6.64
b unklug, unvorsichtig handelnder Menschsobald man in Gesellschaft, nimmt man vom Herzen den Schlüssel ab, und steckt ihn in die Tasche — die, welche ihn stecken lassen, das sind Dummköpfe Gespr(He1,96) Lavater 26.6.74
Syn Narr Tor zu a Duns Esel Gimpel Ochsenkopf Plattkopf Rindskopf Spatzenkopf Tropf zu b bête

Christa Dill


 
 
Dummrich sprechender Figurenname aus dem PersVerz zu ‘Hanswursts Hochzeit’ 38,442 HanswHochz Plp [Dummerich DjG35,189,24]

Christa Dill


 
  dummsinnig iSv unvernünftig, unbesonnendass ich eifersüchtig und d. bin wie ein kleiner Junge wenn Sie andern freundlich begegnen B4,314,2 ChStein 13.10.80

Christa Dill


 
 
dumpfÜb 100 Belege. Dem von EBoucke, Wort u Bedeutung in G-s Sprache, 1901,156 im Anschluß an RMMeyer, Archiv 96, 1896,2—7, konstatierten individuellen Bedeutungswandel: frühe negative Verwendung, dann zw 1776 u 1780 Gebrauch “im positiven Sinne eines träumerischen Zustandes, einer keimenden Stille, eines dunklen Dranges, der zur Klarheit strebt”, danach “nur noch die Bedeutung ‘thöricht, stumpf, dumm’”, widersprechen die (auch von Boucke selbst beschriebenen) Belegverhältnisse. Die negative Bed (B 2) ist auch zeitgleich mit der positiven (B 1 a) belegt.
A in gefühlsbetonter Beschreibung sinnl Eindrücke: dunkel, gedämpft, öfter mit den Stimmungswerten drohend, unheimlich, trauervoll
1 von Klängen: tief, hohl, dunkel tönenddie erste Schaufel [auf den Sarg] hinunter schollerte und die ängstliche Lade einen d-en Ton wiedergab, und d-er und immer d-er AA147,11f Werth1 IIEben schlug die d-e Geisterstunde 1,222 Braut vKorinth 92[Phorkyas:] Fühlt ihr nicht ein d-es Wettern? | Hört nur die Trompete schmettern, | Das Verderben ist nicht weit 151,1 Faust II 9423[Iph zu Orest:] O wenn vergoss’nen Mutterblutes Stimme | Zur Höll’ hinab mit d-en Tönen ruft Iph2 1165[Faust:] Und wenn der Sturm im Walde braus’t und knarrt, | Die Riesenfichte stürzend Nachbaräste | Und Nachbarstämme quetschend nieder streift, | Und ihrem Fall d. hohl der Hügel donnert Faust I 3231 ~ Faust Fragm 1903Iph2 14Schaubühne 36,14 Regeln fSchausp 1803 [G/Wolff] iSv undeutlich 23,295,24 Lj VIII 10zugl iSv einschläfernd, betäubend[Mörder zu Adelh:] Rache Geister halten der Hülfe die Ohren zu und summen ihr Gewissen [? < Gehirn] mit einem d-en Schlaflied nieder 39,429 Götz1 V Var
2 von der Luft, bes in Höhlen u höhlenähnl Räumen, mehrf metaphor erweitert
a muffig, modrig, feucht[frühester Belege, wohl Mai 67] Aus d-en Höhlen 37,36 Annette Ode anZachariä 6[Gnome:] Wölben wir in d-en [düstren Var; dunklen Vs 5902] Grüften | Troglodytisch unser Haus 152,28 Faust II VarFaust I 399 ~ Urfaust 46Faust I 3274in iron Vbdg mit ‘klassisch’ zur Charakterisierung der engl Ruinenliebhaberei (als Bestandteil der heroisch-elegischen Landschaft)
1)[Klass Walpurgisnacht. Pharsal Felder. Meph zu den Sphinxen:] Sind Briten hier? Sie reisen sonst so viel, | Schlachtfeldern nachzuspüren, Wasserfällen, | Gestürzten Mauern, classisch d-en Stellen 151,1 Faust II 7120
b stickig, eng[Osterspaziergang. Faust:] sie sind selber auferstanden, | Aus niedriger Häuser d-en Gemächern Faust I 92343,370,16 Cell II 13 Sonett [Übs AWSchlegel?]
c mBez auf Atmosphärisches iSv unheildrohendaus der d-en grauen Ferne | Kündet leisewandelnd sich der Sturm an 2,73 Seefahrt 27[Polymetis:] Heraus aus euren Grüften, ihr alten Larven verborgener schwarzer Thaten .. auf! umgebt mit d-em Nebel den Thron der über Gräber aufgebaut ist 11,396,30 Elp1 II 3
3 von Licht- u Farbeindrücken: trübe[Meph in Fausts Studierzimmer:] Die bunten Fenster sind ein wenig dumpfer [?] worden [> trüber Var; Die bunten Scheiben sind, so dünkt mich, trüber Vs 6572] | Die Spinneweben haben sich vermehrt 152,40 Faust II Var
B mBez auf Seelen- od Bewußtseinszustände, Gefühlslagen, Stimmungen uä
1 in überwiegend positiver Akzentuierung
a für eine unklare, aber umfassende u intensive Empfindung, für ein Gefühl naturhafter Kraft u Fülle

[Bd. 2, Sp. 1291]
(Sonderbed der Sturm-u-Drang-Spr2), belegt 1774—77)kühne Liebkosungen, die ihre Begierden vermehren, umfangen ganz ihre Seele, sie schwebt in einem d-en Bewußtseyn, in einem Vorgefühl aller Freuden AA56,31 Werth1 Iden gegenwärtigen Fassnachts Goethe, der Ihnen neulich einige d-e tiefe Gefühle vorstolperte B2,233,12 Gfin Stolbg 13.2.75[bei einem Ritt von Apolda nach Weim] wenn du auch das zu verlassen gedrungen würdest .. Es kamen mir die Trähnen in die Augen, und ich fühlte mich starck genug auch das zu tragen — Starck —! das heisst dumpf B3,88,12 ChStein 16.[7.76]Der Herzog gegen mittag von einem starcken Ritt rein und d. und wahr Tgb 8.1.77Früh aufm Schlossberg gez. Gesang des d-en Lebens [das Gedicht ‘Dem Schicksal’ (1,394), gedruckte Fassung unter dem Titel ‘Einschränkung’] Tgb 3.8.76Tgb 27.9.77
b für eine unreflektierte, vom Gefühl geleitete naive Geistesart[Faust üb Gretchen:] sie, mit kindlich d-en Sinnen Faust I 3352 ~ Urfaust 1419Helles kaltes wissensch. Streben Wagner. | D-es warmes wissensch. Streben Schüler 3) 14,287 Faust I PlpD-es Anstaunen der Phänomene durch Naturmenschen N52,235,10 FlH Urzeit Plp
2 in negativer Akzentuierung
a für einen durch Tod, Schmerz, Trauer uä hervorgerufenen Zustand der Empfindungs- u FühllosigkeitFinster ist dein Bett, o Daura! D. [deep] ist dein Schlaf in dem Grabe AA142,15 Werth1 II Ossian[Fernando:] Ein Dolchstich würde allen diesen Schmerzen den Weeg öfnen, und mich in die d-e Fühllosigkeit stürzen DjG35,100,18 Stella1 III[Stella:] Es ist ein d-er Todenblik in dem Gefühl! Nicht wieder sehn? .. O .. daß ich in d-en Schlaf .. mein Leben hingäbe! DjG35,110,12u15 Stella1 V[Beaum:] Er verräth uns! .. Hier! hier! es ist alles so d., so todt vor meiner Seele, als hätt’ ein Donnerschlag meine Sinne gelähmt 11,113,15 Clav IV151,1 Faust II 11606
b für eine betäubende Wirkung od einen Zustand der Benommenheit, der Lähmung, des RauschesGötter, ist’s in euren Händen, | Dieses d-e Zauberwerk zu enden 2,91 Lilis Park 131[Antonio:] Besinne dich! Gebiete dieser Wuth! .. [Tasso:] Laß mir das d-e Glück, damit ich nicht | Mich erst besinne, dann von Sinnen komme Tasso 3368Tief bedrängter Nationen | Lang ertragne d-e Schmach 4,172 Laßt geschaffne Ritter 6da sie [Wilh u Mariane] sich in diesen Freuden übernahmen, hatte es eine Wirkung .. als wär’ er in Bier berauscht, er ward d. und unbehaglich in seinem Sehnen 51,65,16 ThS I 17was für Begriffe .. von dem männlichen Geschlechte .. Wie d., dringend, dreist .. war ein jeder, den sie herbeireizte 52,246,6 ThS VI 10 übertr auf den Puppenzustand des Schmetterlings N6,411,13 MetamIns
c von gedrückter, düsterer Gemütsverfassungsein trübes Gemüth .. ein d-er Druck lag auf seiner Seele, die traurigen Bilder hatten sich bey ihm festgesetzt und sein Gemüth kannte keine Bewegung als von einem schmerzlichen Gedanken zum andern AA118,1 Werth2 IIHab’ oft einen d-en [Druck 1776, in der 1. Fassung von ca 74 dummen] düstern Sinn, | Ein gar so schweres Blut! 1,18 Christel 1[Hzg:] Laß eines d-en dunkeln Traumgeflechtes | Verworrne Todesnetze mich zerreißen! NatT 1713
d von Bewußtseinszuständen od intellektuellem Handeln iSv gedankenlos, verworren, unaufgeklärtAch, so viele tausend Menschen kennen, | D. sich treibend, kaum ihr eigen Herz, | Schweben zwecklos hin und her 4,97 Warum gabst du uns 10 [14.4.76 an ChStein]ich .. komme diesmal gesund, ohne Leidenschafft, ohne Verworrenheit, ohne d-es Treiben B4,50,20 CEGoethe 9.8.79Dem Vater [in Claud] würde ich mehr d-en Glauben an das Geister und Goldmacher Wesen geben B7,168,14 Kayser 23.1.86colossale, d. und tüchtig vor sich hinblickende Professoren, als rechte Pfeiler dogmatischer Schule 492,231,5 Mantegna,Triumphzug Plpdieses Bewußtsein, womit man seinen Mängeln nachsieht .. kann von der klarsten Verruchtheit bis zur d-sten Ahndung sich in mancherlei Subjecten stufenweise finden N4,103,22 FlH VISo verwirret mit d. [so im Erstdr 1796, vorher: seltnen] willkürlich verwebten Gestalten, | Höllisch und trübe gesinnt, Breughel den schwankenden Blick 1,317 Vs 215 VenEpigr 41N52,384,7 Üb:NeumannB20,73,24 August 3.6.08 pejor verschärft iSv borniert, dumm; in falschen Vorstellungen od Aberglauben befangenDiese d-en [d-e Erstdr] Pfaffenchristen 1,212 Die ersteWalpurgisnacht 50 [1799][Herold üb die nach dem Scheingeld greifende Menge:] Was soll euch Wahrheit? — D-en Wahn | Packt [< Ihr flieht hier doch absurden Wahn | Faßt] ihr an allen Zipfeln an 151,1 Faust II 5735So steh ich nun gegen die Farbenlehre .. inzwischen daß die übrigen guten Menschen [sich] d-er als dumm und die Physiko-Mathmatiker absurder als absurd dagegen verhalten B49,409,17 Boisserée 11.1.32 K28,203,21 DuW 13Gespr Kanzl Müller 6.6.247,43,21 DivNot physiogn: stumpf, geistlos Tgb 15.5.08Gespr Eckerm 26.2.24übertr auf die Sprachewie ihre Sprache schroff, d. [sourde], schwerfällig, schwer, pedantisch und eintönig ist 45,116,10 RamNeffe

Horst Umbach


 
  dumpf-gleichgültig zu B 2 a[genaue Charakterisierung der hinter dem Totengott Charon schwebenden Alten auf Leybolds Preiszeichnung] bittend und flehend, dumpf-gleichgültig und kümmerlich-müde 491,372,2 Üb:Zeichngn zu Charon [G/Meyer]
GWB klanglos-dumpfvgl zu A dunkel düster zu A 2 a modrig zu A 2 b eng zu A 3 blind trübe trübgedämpft trüblich zu B 1 a dunkel zu B 2 a dunkel düster fühllos gefühllos obskur stumpf verworren zu B 2 b dumm lähmen(l-d) verworren zu B 2 c beklommen dunkel düster melancholisch trübsinnig zu B 2 d beschränken(beschränkt) bewußtlos blind borniert dämmerig dumm dunkel düster stumpf trübsinnig verworren
1) Vielleicht auch zu beziehen auf die Atmosphäre dieser blutgetränkten Schlachtfelder, vgl Erichto .. welche den untilgbaren Modergeruch dieser Felder begierig einzieht 152,203 Helena Plp
2) Der gruppensprachl Gebrauch des Wortes in dieser positiven Bed wird ua belegt durch die Verwendung bei CarlAug: “Die Geister der Wesen durchschweben mich heut | Geben mir dumpfes, doch süßes Geleit” (G-s Br an ChStein, ed JFränkel, 1, 21960,40) u das ‘Alphabet der Liebe’ von Emilie vWerthern, 1783 im 39. St des Journal von Tiefurt, mit dem Stichwort ‘Dumpfheit’: “Haben blos gescheute Menschen, sonst ist’s Dummheit. Es ist die Qualität aller Künstler und aller Liebenden, es ist der schöne zauberische Schleyer, der Natur und Wahrheit in ein heimlicheres Licht stellt.” (SchrGG7,305).
3) WBinder, DVjs42, 1968,68, entnimmt Boucke die Auffassung, daß einer positiven Bed in der Spr des jg G eine negative Bed in der Spr der klass Zeit folge u versteht folgerecht diesen um 1800 dat Beleg iSv B 2 d als “verworren und unklar”.

Horst Umbach


 
  dumpfgedrückt als Pathosform motiviertes Kopulativkompos nahezu tautolog Glieder

[Bd. 2, Sp. 1292]
[Eine Flüchtende:] Durchglühter Schutz stürzt, Flammenrauchstaub kraus’t empor, | Und unten krachend, schwerbelastet, d., | Verkohlt so vieler Menschenjahre werther Fleiß, | Und Grabesruhe waltet über Trümmern 131,27 Vorsp EröffnWeimTheat 1807 Vs 46

Horst Umbach


 
  Dumpfheit
1 positiv; zu dumpf B 1 a (zw 1776/78)Du hast .. | In reine D. uns gehüllt, | Dass wir, von Lebenskrafft erfüllt, | In holder Gegenwart der lieben Zukunft hoffen 1,394 Dem Schicksal [> Einschränkung] 13 [3.8.76][üb den Musiker EWWolf] wohl ein Virtuos nie aber ein Componist .. Die garstige Selbstgefälligkeit ohne Drang und Fülle und D. B3,140,7 Lavater 10.3.77mach ich manches in der D. das wohl oft das beste ist B3,215,4 Merck 18.3.78 mit stärkerer Betonung von Befangenheit u Beschränktheit iGz Klarheit u Bewußtheit (vgl dumpf B 1 b)in unserer D., da wir nicht wissen woher wir kommen noch wohin wir gehen 19,205,25 BrSchweiz ISie [die Natur] hüllt den Menschen in D. ein, und spornt ihn ewig zum Lichte N11,7,27 Natur [Tobler?]Lebens Genuß der Person .. in der D. Leidenschaft 1. Theil .. Genuss mit Bewußtseyn Schönheit zweyter Theil 14,287 Faust Plp38,60 EwJude 1462,259 Stoßseufzer 3
2 negativ
a zu dumpf B 2 b: Lähmung, AbgestumpftheitIch erinnerte mich .. der Thränen, der D. des Sinnes, der Herzensangst, die ich in dem Loche [Schulstube] ausgestanden hatte AA88,3 Werth II
b zu dumpf B 2 cVergebne Hoffnung. Regenwetter. D. Tgb 17.6.76Im Garten in collegialischer D. Tgb 21.6.76
c zu dumpf B 2 d pejor iSv Borniertheit, DummheitDie Welt ist voll Thorheit, D., Inconsequenz und Ungerechtigkeit B5,164,25 CarlAug 5.7.81Pfaffen .. D., die sie verbreiten T2,134,23 v 16.9.97B15,6,8 Jacobi 2.1.00
GWB Liebesdumpfheitvgl zu 2 a Betäubung zu 2 b Düsterheit Melancholie Trübnis Trübsinn zu 2 c Beschränktheit Borniertheit Obskurantismus Stumpfheit zu 2 d Bewußtlosigkeit Dunkelheit Trübe

Horst Umbach


 
 
dumpfigeinmal (wohl durch Diktat) geändert in -icht AA20,11 Werth2 I
a zu dumpf A 2 adie abfallenden Blätter machen ihr den Hof unrein und d. AA99,6 Werth II32,326,20 ItR
b zu dumpf A 2 b[Gretchen:] Es ist so schwül, so d. hie Faust I 2753
c zu dumpf A 2 cwegen eines Gewitters, das sich in weisgrauen d-en [dumpfichten Werth2] Wölkchen rings am Horizonte zusammen zu ziehen schien AA20,11 Werth1 I

Horst Umbach