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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Stutzer bis Straü (Bd. 2, Sp. 621a bis 621b)
 
  PfWB  RhWB Stutzer [ʿStùtsər Banzenh. Obhergh. Co. Dü.; ʿStytsər Hag. Zinsw.] m. 1. = Haumësser Banzenh. 2. Stumpen, Stummel. Er het nur noch drei Finger an dr Hand un zweeⁿ Stutzer Dü. 3. Knebelbart Co. 4. kurze Flinte, Stutzen Zinsw. 5. Mensch mit kurzgeschnittenem Haar Obhergh.; Hund mit gestutzten Ohren (diese selbst sind auch Stutzer s. Bed. 2) Dü. 6. Spottn. für einen kleinen Menschen Zinsw. 7. † junger Mann, der nach feinen Manieren strebt: ‘die Stutzer panadous’ Martin Parl. N. 294. 8. Stoss mit den Hörnern Hag. Schwäb. 518.

stutzereⁿ [tùtsərə Hüss.; tùtsrè Urbis] stutzen. Iʰ han im Vogl d Fëdreⁿ gstutzert Urbis.

[Bd. 2, Sp. 621b]

 PfWB  LothWB  RhWB stutzig [tùtsik Bf.; tytsi K. Z.] Adj. 1. stutzig. Si hon iʰⁿ halt doch ëndliʰ s. gemocht z. B. über das Treiben seiner Frau Geud. 2. störrig, trotzig. Worum bis eso s. hüt? Antw. Iʰ dörf nit uf d Kilb! Bf. ‘Das Weib soll jhrem Mann nicht sttzig widersprechen’ Mosch. II 345.
 
 
 PfWB  RhWB Stütz(e) [ʿStìtsə Hi. Mü.; ʿStetsə Steinbr. Heidolsh. Strüth; ʿStìts Obhergh. Bf. Str. Zinsw. Lobs.; ʿStets Su. Hlkr. Logelnh. Horbg. Ingersh. M. Dü. Rapp. Bisch. Mutzig K. Z. Han. Wh.; Pl. –ə] f. 1. Stütze, insbes. die Stange mit gabelförmigem Ende zum Unterstützen des Waschseiles Hi. Steinbr. Dr Bam wërd gstippert mit Stützeⁿ Wh. 2. Küferkübel, zugleich Hohlmass für Wein, mit verschiedenem Rauminhalt, in der Regel 10 l, aber auch 12-15. Die Liter sind gekennzeichnet durch eingetriebene Nägel oder Pflöcke. Ër suft so n-e S. voll Wiⁿ wie nix Horbg. Vgl. ält. Spr. ‘vnd tzwein (sol man geben) einen stösse rots wines’ Metzeral Anfang 15. Jh., Als. 1854, 75. 3. Zylinderhut Ingersh. Schwäb. 518. Bayer. 2, 802.

Armstützle [Àrmtetslə Co.] n. wollener Pulswärmer. Vgl. Stössle. — Vgl. Schwäb. 518. Bayer. 2, 802.

Plunderstütze f. Stütze, die beim Wäschetrocknen gebraucht wird Strüth.

Schnapsstütz f. Kübel, beim Schnapsbrennen gebraucht Lobs.

 PfWB  RhWB stützeⁿ [tetsə Su.] stützen, wörtlich und übtr. Iʰ stütz miʰ uf miⁿ Soʰn verlasse mich auf meinen Sohn. — Bayer. 2, 802.

iⁿ stützeⁿHolz zum Dörren in den heissen Ofen legen Su.

gäʰstützig [kátìtsi Betschd.; kêtìtsiχ Lobs.] Adj. jähzornig. Mit dem Menscheⁿ kummt keⁱn Teüfl üs, der is so g. aˡs nur eps! Lobs. Vgl. ‘an der Fluh, die sich gähstotzig absenkt in die Tiefe’ Wilh. Tell IV 1. s. gäʰschützig Seite 197.
 
 
 PfWB  LothWB  RhWB Straü, Stroü, Stroʰ [ʿStrày Olti. Lutterb.; ʿStrài Hi. Hirzfn. Mü. NBreis. Obhergh. Ruf. Su. Bf.; ʿStròi Gebw. Co. Horbg.; ʿStroi Hlkr. Winzenh. M. Dü.; ʿStrœy Damb.; ʿStrûì Ndhsn. Meis.; ʿStró Str. Hf. W.; ʿStrû K. Z. Rothb.; ganz vereinzelt steht das Demin. ʿStraiələ Dü.] n. Stroh. Gi mⁱr e Wëll S. für im Viʰ ze

[Bd. 2, Sp. 622a]
sträüeⁿ Damb. Das is n-e nëtteʳ Boseⁿ Straü ein schönes Gebund Hirzfn. Do git s nit vil Garbeⁿ, das is [tà] klein Sträüele Dü. ‘’s stekt mer im Kraaue wie Hamfle gschnidde Stroh’ Pfm. III 1. Rda. Er het, glaüw ich, Stroü im Hirn ist dumm Dü. Er hat keⁱⁿ Straü im Kopf ist klug Geberschw. Lër Stroʰ drescheⁿ Avolsh. ‘Drescht leer Strau’ Mü. Mat. 4, 44. ‘Lär strow tröschen’ Geiler in Als. 1862, 158. Uf s Stroʰ leieⁿ oder bringeⁿ jem. unter den Boden bringen, auch bildlich, z. B. hereinlegen beim Kartenspiel. Er lijt uf m S. ist tot Hf. Der luejt ʰrus wü us ere Wëll Stroʰ, sagt man von einem schmutzigen, ungewaschenen Menschen Z. ‘I kann jo zu mie'm Heu Stroh sauje’ Als. 1850, 29. ‘Botz stroh!’ für ‘gott strôff mich!’ Bergmann 15 u. 26 Anm. 20. ‘Do ist alles durchenanner wie Hèj un Stroh’ Dehli. JB. XI 54. Straü, Straü, alti Husfraü! rufen die Burschen, welche am Fastnachtssonntag Holz und Stroh für das Fasnachtsfür sammeln Hi. ‘habern, haw, straw’ Str. 1592 in Als. 1858, 26. Der böse Geist habe ‘ihr. sodann Geld gegeben, das, wie gewöhnlich, nur strauw vnd laub gewesen’ Hagenb. Hexenproz. 1614, Als. 1856, 299. ‘das Beht vndt Strau angezindt’ Mü. 1663 in Als. 1868, 306. Zss. Straü- bezw. Stroʰband, –bluem, –dach, –halmeⁿ, –huet Bf., –mann Vogelscheuche Bf., –mësser, –sack, –seil, –stueʰl, –wëlle, –win, –wisch. — Basel 280. Schwäb. 513. Bayer. 2, 802.