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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
sufer bis Säubering (Bd. 2, Sp. 331a bis 332a)
 
  PfWB  LothWB  RhWB sufer, suber [súfər Urbis; sýfər O. U.; saùfər Bühl Ndrröd.; saùwər Wörth; sýwər W.] Adj. Adv. 1. rein, reinlich allg. S. macheⁿ rein machen. Gruss beim Abwaschen des Kohls: Wëˡˡn ⁱʰr s. macheⁿ? Hüttenh. Ruf. — Jo, r is drëckig gnue! Ruf.; beim Hausputz: Mache-n-ⁱʰr s.? — Jo, ass dr andr (näml. Drëck) widr Platz het! ebd. Si han s. ufgësseⁿ die Teller leer gemacht Dü. ‘ein gweschne hant, die ist vil besser und sufrer dan ein messer licht’ Brant Narr. 110ª, 178—79. ‘ire zapffen vnd Puncten (Spunde) sauffer zumachen vnd beheb’ Su. 16./17. Jh., Als. 1868, 180. Ich schrib deⁿ Wäschereⁿ keⁱn Zit vor, awer ich will süwer gewäscht han Lützelstn. Spw. Am e russigeⁿ Kessl kaⁿⁿ mr sich nit süwer riweⁿ Tieffenb., ähnl. Geud. Horbg. Mit drëckig Wasser kaⁿⁿ mr eineⁿ nit sufer wäscheⁿ M. JB. II 167. Süfer drescheⁿ gut dreschen, dass keine Körner mehr im Stroh bleiben Dü. K. Z. Ich halt mⁱr do s Mul s. ich rede nichts da hinein Geud. ‘Der halt sich de Buckel suwer’ W. JB. XI 44. s is nit s. an deⁿ Wändⁿ es droht zu regnen, der Himmel ist bewölkt Dü. 2. sauber, nett, ordentlich. E süfreʳ Kërl, e süfreʳ Burst Henry Co. s is e süwer Mädeⁿ Wh. Die Büreⁿmeidleⁿ hän suferi Gsichtle’ Str. ‘Wohr isch's, ’s isch frisch un wyss un het e suufers Gsicht’ Pfm. I 7. ‘Der Gläsler gfallt mer guet, er isch e suufrer Mann’ ebd. V 7. E suferi

[Bd. 2, Sp. 331b]
Fräu is eps wërt U. Wo ich noch süwerer gewën sin Wh. E saufers Mensch schönes Mädchen Ndrröd. Dëʳ macht suferi Arweⁱt O. Iron. Das is e süferi Wirtschaft Str., e süfri unerquickliche Gschicht Dü. Du bis mⁱr jetz e süferer Kamerad! Hf. ‘ein sauberer Gesell’ Klein. E Sufereʳ ein rechter Schlingel Su. Demin. ‘Suferle Schuft’ Schk. 510. Verächtlich ‘s wird ebbes Süfers g'si si!’ Stöber Mäder 40. 3. vertrauenswürdig, offen, ehrlich. Der is nit s. dem ist nicht zu trauen Z., Rauw. setzt doppelsinnig hinzu: un wann er frisch gewäscht is. Do ist es nit s. da ist's nicht geheuer Hf. Übtr. Er is nit s. am Kittl händelsüchtig Obsteinbr. ‘nit süfer am G'hàng’ Stöber Mäder 114; s. auch Ghënk. ‘suber’ Geiler J. Sch. 3. ‘suffer reynigen’ Murner Bad. 3, 55. 4. vollständig. Er het s. nix rein gar nichts Su. ‘In disem iahr (1507) an Sanctae Margarethae abendt verbrandte das Benedictiner Closter zu Sanct Valentin in Ruffach sambt allen kleinodien, silber, documenten und mobilien, man brachte gar sauber nichts mehr davon’ Joh. v. Schlumberger: Die Gebweiler Chronik d. Dominikaners Seraphin Dietler, Gebw. 1898, 82. ‘die abgötterey .. suber auss tylcken’ 1562, Als. 1862, 75. — Basel 284. S. Swz. 418. Bayer. 2, 207.

gottsufer Adv. haarklein. Mⁱr häi alles g. usgësseⁿ Mittl. — verderbt aus ganz s.?

 PfWB mulsufer [mylsýfər K. Z.] Adj. maulsauber; Rda. s. kostfrei. Zeʰrfrei un m. Brum. Kumms zue mir, iʰ halt diʰ kostfrei un m. scherzh. iron. für: ich will dir Beschäftigung geben Dü.

unsufer Adj. 1. unrein, von der Frucht, wenn Unkraut darunter ist Dü. 2. = nit sufer. 3. s is e unsüfereʳ Kërl, s is iʰm nit ze tröüeⁿ ebd. s is e unsüferer Kamerad Str. Bayer. 2, 207.

Sufere f. 1. freier Platz, unbewachsene Stelle. 2. bebautes Acker- und Wiesenland M. Ggs. Wüeste.

 PfWB  RhWB süfereⁿ, sübereⁿ [sífərə Olti. Roppenzw.; sífəra Hi.; sífarə Steinbr.; sífəra Dü. Su.; sífrə Logelnh. Kaysersbg.; sífərə U.; síwərə W.; sæìfərə Bühl; sæìwərə Ndrröd.] 1. säubern, rein machen. Mⁱr welleⁿ hüt s., wil morn Sonntauj is Barr. Du mus di Kleider besser siwereⁿ, s is jo e Schand! Dehli. ‘wer eins andern

[Bd. 2, Sp. 332a]
Kleid mit fliss süfert’ Brant Narr. 58, 18. ‘sü sol die bette, küssen, pfulwen, lilachen wider rein machen und süfern’ Str. 15 Jh. Brucker 62. ‘also das die wasser und graben davon gesüfert werdent’ Str. 1450 Brucker 515. 2. leer machen. Er het d Schüssl gsüfert Dü. ‘Der Hansel eine zahme Elster isch myn Fraid finf Johr lang gsin ... un het mer gsyfert ’s Huus von Schwowe-n-un von Spinne’ Pfm. II 5. 3. spez. die Wiesen im Frühjahr reinigen Hi. Iʰ ha im Wald gsüfert ausgeputzt Kaysersbg. 4. refl. die Nachgeburt von sich geben, von der Kuh gesagt Olti. Steinbr. M. Dⁱ Kuʰ hat sich gseifert Bühl. — Basel 284. Bayer. 2, 207.

versüfereⁿ refl. die Nachgeburt (s. Trag) auswerfen, von der Kuh gesagt Hi. Heidw.S. Swz. 2, 418. Schwäb. 447.

Versüfereⁿ [Fərsífərə Hi.] f. Nachgeburt bei Tieren.

süferlich Adj. säuberlich, reinlich. Das is [tà] e süferligi Fraü, s is allwil proper bi-n-iʰre Dü. s is e seiferlicher Bu Ndrröd. Adv. Er is gor s. mit umgangeⁿ Ingenh. ‘suferlich gang uf dem Dach’ Brant Narr. 80, 7. — Basel 284. Bayer. 2, 207.

unsüferlich Adj. unreinlich Dü.

 PfWB Säubering [Sæìwərì Ndrröd.] f. Nachgeburt der Kuh. — S. Swz. 2, 418.