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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
g bis Abräderte (Bd. 2, Sp. 232b bis 233a)
 
  grad[krât fast allg.; krôt Geisp. K. Furchhsn. Ingenh.; Kompar. krǽtər Steinb. Lohr; krêtər Dü. U.] Adj. 1. gerade. Syn. strack U. E grade(r) Wëg allg.; e gradi Zilt Zeile Dü. Iron.: Grad wi e Kammesolärml, od. so grad wi e Söü brunzt krumm Str. Elfi g. siⁿ lossen Dü. Scherzh.: An deⁿ gradeⁿ Rëbstëckeⁿ wachsst nit eso vil Wiⁿ wie an deⁿ krummeⁿ. — Worum? — s git nit so vil gradi aˡs krummi! Dü. 2. geschickt im Werfen, Schiessen: [tár e àwr krât! M.] Adv. 1. gerade, in gerader Richtung: Er kaⁿⁿ gräder faʰreⁿ (pflügen) aˡs du Dü. Geʰ nur als g. furt! Str. 2. genau M. G. geroteⁿ! genau, richtig geraten Hf. G. e Dutzeⁿd! Ingenh. 3. zeitlich: von der soeben verflossenen (M.) od. der unmittelbar bevorstehenden Zeit (nicht M.): Er is g. furt Dü. M., grad do gsin Str., g. erst kummⁿ gewëˢn Dehli.; ich kumm g.! Str. Hf. Betschd. Wh.; von der Gegenwart: Jetz haw iʰ g. keⁱⁿ Gëld, suⁿst gieng iʰ mit Dü. Jetz muess der auʰ noch grod kummeⁿ wü ër (s. Seite 61) nit dªheim is! Ingenh. Einleitend: Wü iʰ grod dron dënk .. Dunzenh. Basel 145. Bayer. 51.

kerzeⁿgrad allg. Adj. u. Adv. verstärkte Bed. von grad. — Basel 53. Schwäb. 311.

ungrad [ùkràt, ùkrôt] Adj. 1. ungrade, von Zahlen. Grad odr u.? ein Spiel mit Knöpfen, wobei ein Knabe, der eine Anzahl Knöpfe (auch Bohnen, Geldstücke Dü.) in der Hand hält, jene Frage stellt; rät der Gefragte richtig, so bekommt er die Knöpfe, wenn nicht, so muss er dem Fragenden eben so viel zurückgeben Su. Die unggradeⁿ Ta, bes. Mittwoch und Freitag — vom Montag als erstem ab gerechnet — gelten als Unglückstage, an welchen mancher abergläubische Talbewohner keine wichtigen Schritte (Umzug, Hochzeit u. dgl.) unternimmt M. 2. verletzend, beleidigend Su. M. Dü. Mⁱr hän noch keⁱⁿ unggrad Wort (od. Wörtle) mit nandr vrloreⁿ Su. Er het noch keⁱⁿ u. Wörtele zue mⁱr gsait Dü. Syn. hoch U. — Basel 299.

[Bd. 2, Sp. 233a]

Gräde [Krêtə Dü. Z.; Krêti Betschd.] f. Geradheit. In dr G. wär's nit wit vuⁿ eim Dorf in's andr; awer mit dëneⁿ vileⁿ Ränk, wo dr Wëj macht, is’s doch wit Dü.Basel 145.

grädeⁿ [krêtə Roppenzw.] gerade richten. — Basel 145.
 
 
 PfWB  RhWB radikal [ràtikhâl Niffer Ruf.; ròtikhôl Su.; ràtəkhôl K. Z.; ràtəkhâl Str. Betschd. Obbr. Rothb.] Adv. vollständig, ganz und gar. D Spatzeⁿ han d Kirscheⁿ r. gfrësseⁿ Rothb. s is alles r. vrfroreⁿ Obbr.
 
 
 PfWB  LothWB  RhWB rädeⁿ [rátə Betschd. Lobs. Aschb.; Part. krátə Betschd., kərátə Lobs. Aschb.] sieben, durch das Sieb schütteln. Dr Weiseⁿ [Wásə] muss gerädeⁿ sin, es sin so vil Raddeⁿ drinneⁿ Aschb.: gehört zu rittereⁿ; doch ist dies das feinere Sieben nach Hess. 312. Bayer. 2, 57. Pfalz ræde. Eifel reden. Westerw. räten, raeden.

Mëʰlräde f. Mehlsieb Roppenh.

Abräder [Aprátər Steinbr.] m. ganz grobe Kleie.

Räderte [Rátərtə Dü.] f. Hülsen der Gerste, die gemahlen wird; übrig bleibende Hülsen des Weizens, der an den Garben von Mäusen gefressen wurde: d Müs hän awer wüest ghust do howeⁿ an dëm Weiseⁿ, s leit e ganzeʳ Wisch R. dört.

Abräderte f. grobe Kleine Obhergh. Logelnh.