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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Maria bis Rosmarin (Bd. 1, Sp. 697b bis 699a)
 
  Maria [Màrjâ, Ausspr. der hd. Namensform für die Mutter Gottes und in bestimmten Rda. allg.; Màræjâ Su.; Màrej Hf. Zinsw.; Màrí Banzenh. Ammerschw.; Màri Str. K.; Màrí Ballersd. Betschd.; Marí Su. Ammerschw.] Koseformen: Marini, Marigi [Mariki Blotzh.], Rigi, Ruge, Migi [Miki Pfast. Geberschw. Ruf.], Mei [Mèj Ruf. Co. Dü. Rapp. Geisp.; K. Hf. (meist aber nur in protest. Orten, in kathol. Màri); Mej Dunzenh. Ingenh.] Demin. Mareieli [Màrèjəli Blotzh.], Mareile Su., Marile, Marili [Màríli Blotzh.], Marigl, Marigele [Marikələ Blotzh. Obhergh.], Rigele [Rikələ Blotzh. Geberschw.], Migele, Meil [Mèjəl Str., Mejəl Dunzenh. Z.], Meilə

[Bd. 1, Sp. 698a]
[Mèjlə Ndrmagst. Steinbr. Ammerschw. Co.], Meiele Ruf. Dunzenh. Ingenh., verächtl. Möjel(e) [Møjəl(ə) Ingenh.] ‘Mareyele’ Martin Parl. N. 775. Meist n., im N. auch f.: weibl. Vorname Maria. Neckvers wie bei Käthrin Seite 479. Die Marientage im Bauernkalender: Maria Liechtmëss (2. Febr.), Spinneⁿ vergëss, s Rädl hinder d Tʰür, s Rë(b)mësser ʰëʳfür allg., mit dem Zusatz: Un bi Tau (Tag) z Nacht ëss Mutzig, oder eⁱⁿ Mol meʰʳ ëss Ingenh. An Maria Geburt (8. Sept.) geʰn (fliejeⁿ K. Z. Betschd. Wörth) d Schwälmele furt Liebsd. Rapp. An Maria Geburt fliegeⁿ d Schwälmele furt; An Maria Verkündigung (25. März) kummeⁿ si widerum Ruf. Als. 1851, 127. An Maria Gebūrt tʰuet mëⁿ d Äpfel un d Bireⁿ uf d Hūrd Liebsd. Ballersd. Kl.-Landau. Wëⁿⁿ’s aⁿ Maria Heimsuechung (2. Juli) rëgent, sa rëgent's sechs Wucheⁿ lang Su. Jeses Maria! Ausruf der Katholiken allg. JB. IX 15. Maria hilf! Zahltag Steinbr. Eiⁿs, zwei, drei seit (sagt) das Mei Abzählvers Ruf. Mei, Mei, Suppeⁿbei! Gang mⁱr us deⁿ Boʰneⁿ; Wëⁿⁿ dr Pfetter Michel kummt, Se schlät r dⁱr eiⁿs uf d Oʰreⁿ Ruf. Gël, Mareile, du bis miⁿ, Awr nit für eigeⁿ; Ha dⁱr emol e Wischle Bireⁿ gëⁿ, Si hän nit welleⁿ teigeⁿ. Schiss iⁿ’s Käpple, zig am Zipfl, s wurd dⁱr schoⁿ verleideⁿ Kinderspruch aus Su. O Meiele, o Meiele, Stand uf un schlag e Liecht! s rumplt in dr Kuch ʰerum, Mr meint jo, s is e Dieb Ruf.; Var.: Marigele, Marigele, Stand uf un schlag e Liecht! s geʰt epper im Hus ʰerum, Iʰ mein, s is e Dieb Obhergh. Das Demin. hat bisweilen die Bed. unordentliches, ungeschicktes Mädchen: Dë (du) kaⁿⁿs nüt, dë bis e Meile! Steinbr. Verächtlich: ‘Mier könnte just so guet e Schnebbekapp ufsetze as wie diss Meyel do’ Pfm. I 3. s. auch Stöber Volksb. 121, Anm. zu 63.

Merge Maria: ‘uff einen Sabbath (das ist hütt) do hond sich uffgemacht die dry Mergen, Maria Magdelene, Maria Jacobi u. Salome’ Geiler P. III 1. Vgl. Merjeⁿtʰal Marienthal ein Wallfahrtsort bei Hagenau Geiler P. III 8. — Bayer. 1, 1637.

Anne Mari Illz. Ruf. NBreis., Anne Marei [Ànəmàrèj Liebsd. Ingersh. Rothb.], Ammerei [Àmərèj Sier. bis Co.], Annemei

[Bd. 1, Sp. 698b]
[Ànəmei M.; Ànəmèj Hlkr. Bf. Pfulgriesh.], Ammei [Àmej Dü. Betschd. Lobs.]; Demin. Annemareile, Ammereile, Annemarinele, Annemeieli, Annemeiel, Nannel, Nannele weibl. Vorname Anna Maria. ‘I hoo-n-a Schoz, ’s heisst Onnemey’ Pfm. V 8. Anne Mari het d Mëʰlsupp verbrënnt, Is mit m Kochlöffel d Stëg awe grënnt Ruf. Anne Mari het keⁱner Mann, Anne Mari is Schuld daran; Anne Mari het alles verklopft, Dr Underrock mit sammt m Kaffeetopf Ruf. Anne Mari, Loss d Hüener niⁿ u. s. w. Illz. NBreis. ‘Amarei, Amarei, wär het dä Hafedeckel verheit? D'r Klaus! d'r Klaus!’ Katzengeschrei in der Mda. von Co. Als. 1853, 169. Du bis e bravi Annemei ein braves Mädchen Zinsw. Annemarinele heiss iʰ, Voⁿ keiⁿm Vater nix weiss iʰ; D Mueter het miʰ in e Körwele gleit Un het miʰ do anne treit Illz. Ammereile, Suppeⁿseile u. s. w. (etwa wie Mei, Mei Suppeⁿbrei u. s. w.) Ballersd. s. auch Stöber Volksb. 121, Anm. zu 63. ‘Ammareïele, gück, gück, gück! Los mi zue d'r îne! u. s. w. Rapp. Stöber Volksb. 64.

Bampelmei [Pàmplmèi Bf.] f. nachlässige Weibsperson.

 PfWB Bureⁿmeiel [Pýrəmèjl, Pl. –mèjlə Str.] n. 1. Bauernmädchen, im guten Sinne. Ich bin bi zwei Bureⁿmeile gsësseⁿ. 2. verächtl. für ein unbeholfenes Dienstmädchen.

Türkeⁿmeiel Scheltwort: ungeschickte Weibsperson Scherw.

 PfWB  LothWB  RhWB Mariann [Màrjàn Steinb. Lutterb. Ruf. Su. K. Säsolsh. Wilwish. Hf.] weibl. Vorname (bes. kath.) Maria Anna. Demin. Mariannl, Nannl. Wenn einer im Spielen einen Fehler gemacht hat, sagt er scherzhaft: o lëtz Mariann! Eine Behauptung oder ein Begehren abzuweisen: Jo kaⁿⁿs s dⁱr iⁿbildeⁿ, Mariannel! Stöber Volksb. 10. JB. VII 158. Kinderlied: Anne Mariannle heiss iʰ, Schön bin iʰ, das weiss iʰ; Roti Schüejele trag iʰ, Taüsig Tʰaler vermag iʰ; Taüsig Tʰaler is noʰ nit gnue Un (Noch Illz.) e schöner Bue (Knab Illz.) drzue Ruf. (auch als Schaukellied, in einer etwas verlängerten Form). Anemeiele M. JB. XII 112. Bauf Mariann, Heb diʰ an dr Wand! Zuruf an ein Kind (auch ein Erwachsenes), das fällt oder geschlagen oder gestossen wird Ruf. JB. XII 85. ‘Marianele, mi Kind, Wie

[Bd. 1, Sp. 699a]
sin dini Bäckeler so lind; Hesch Aeugler wie Kralle, Drum duesch m'r so g'falle!’ Ndrenzen Co. Stöber Volksb. 25. — Bayer. 1, 1637.

Marlis [Màrles Bütten] Maria Elisabeth.
 
 
Mariasch(e) [Mariáə Olti. Steinbr.; Màriá Co.; Màrjâ Str. K. Z.] f. 1. Heirat. ‘I mach ne ’s Kumblemend mit Fraide for Iere Marjasch do’ Pfm. V 6. 2. Art Kartenspiel, König und Dame. — Schweiz. 4, 351. Bayer. 1, 1637.
 
 
Marin [Màrin K. Z.; Màrín Han.] m. Rosmarin, Rosmarinzweig. Gi mⁱr auʰ e M.! Ingenh.

 PfWB  LothWB  RhWB Rosmarin [Rósməri Henfli.; Rósəmàrí Dü.; Ryosəmàr M.; Ròsmàrín Wörth Han.; Ròsmàrin Betschd.; Ròsəmàrin Lohr; Ròsəmàræi Bühl] m. Rosmarin, Salvia verticillata Kirschl. 1, 628, im Han. ausserordentlich beliebt wegen seines feinen Duftes; s. Rathgeber ‘Die Grafschaft Hanau-Lichtenberg’ 1876, 165; Kassel JB. XI 175. 179. 180. 185. 190; JB. III 136. R. wurde von Alters her und wird noch jetzt häufig in den Bauerngärten gepflanzt und in Sträusse gebunden bei Hochzeiten, Kindtaufen, Prozessionen. Bei Begräbnissen erhalten Pfarrer und Lehrer vor dem Leichenhaus einen Rosmarinzweig; auch jeder Träger kaut an einem solchen Wh. Im kalten Winter 1709 verloren die Bürger in Thann ein Kapital von 1500 Pf. nur an Rosmarin: Kl. Thanner Chr. 57 St. Zss. E Roseⁿmareiⁿstock Rosmarinstaude Bühl.