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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Luftkupper bis Kopf (Bd. 1, Sp. 458a bis 458b)
 
  PfWB Luftkupper m. 1. lungenkrankes Pferd, das immer nach Luft schnappt; 2. leichtsinniger Knabe Attenschw.

Nëstkupper m. junger Vogel, der zuletzt im Neste bleibt, wenn die andern schon flügge sind Kerzf.; vgl. Nestkütter.

kuppereⁿ die Krippe nagen (von Pferden) Lobs. Betschd.

Windkupperer m. Krippensetzer, der während des Festbeissens in die Krippe Luft einzieht: ein Hauptfehler Betschd.
 
 
kapfeⁿ [khàpfə Hi. Steinbr. Sier. Strüth Felleri. Su. Orschw. Obhergh. M.] zerhacken,

[Bd. 1, Sp. 458b]
in kleine Stücke schneiden (Fleisch, Reisig, Rüben).

Türlipskapfer [Terlepskhàpfər Su.] m. Werkzeug zum Zerhacken der Runkelrüben.
 
 
Kapfer [Khàpfər Ingersh.] m. Kosewort für Kinder. — vielleicht = Käfer?
 
 
Käpfer [‘Xápfər Roppenzw.; Khápfər Hi.; Khapfər Steinbr. Su. Türkh. Rchw. Bf.] m. 1. Querbalken im Dach, worauf die Latten genagelt werden und die Ziegel ruhn; sie kommen von beiden Seiten her auf der First zusammen Roppenzw. Hi. Steinbr. 2. aus den Mauern vorspringender Stein, worauf das Gebälk liegt Türkh. Rchw. Bf. ‘Kepfer, K-steyn Telamones, Atlantes’ Dasyp. 3. Pflastersteinklopfer Su. 4. Pechnelke, Marienrösle, Viscaria vulgaris Rapp. Kirschl. 1, 117. — Schweiz. 3, 407. Bayer. 1, 1273.
 
 
Kipf [Képf Co.] m. langer Spitzwecken. — Bayer. 1, 1273.

Kipfli, Kipfle [‘Xìpflì Fisl.;Xìpflə Olti. Roppenzw. Liebsd. Blotzh.; Khìpflə Pfetterhsn. Heidw. Steinbr. Mü. Wittenh. Ensish. Gebw. Bghz. Su.] n. 1. Mass von 5 Litern (bes. für Äpfel und Kartoffeln), ¼ Sester = 2 Masle Ruf.; e halb K. 2 Liter. 2. (spöttisch) hoher Hut. Zss. Kipflewajaschör. 3. grosser Kopf. 4. Baumgipfel Liebsd.
 
 
Kopf [‘Xòpf Fisl. Liebsd.; Khòpf O. U.; Khòp Wingen b. Weissenbg. W.; Pl. Khèpf; Khèp] m. Gen. schwach in Kopfeⁿkisseⁿ Hf. 1. Kopf als Körperteil: e K. wie e Sester ein dicker Kopf Su. Z. JB. VII 192, wie e Guller ein roter Kopf Rapp. E Kopf wü e Kitter so rot Z. JB. VII 192. E böser K Schorf Dü. Z. S het schoⁿ uf siⁿ K. gschneit er hat graue Haare Hi. Banzenh. Deⁿ K. hënkeⁿ entmutigt sein Str. Er hängt dr K. wi dr Bling (das blinde Pferd) vor dr Schmidi er ist tief niedergeschlagen Fisl. Dr K. vrrenneⁿ sich den Kopf zerbrechen, sich grämen Fisl. Uf dr K. steʰⁿ müssig gehn Steinbr. Mr möcht sich uf dr K. stelleⁿ (un siʰ mit deⁿ Füessⁿ verwundereⁿ) Ausdruck der Verwunderung, bes. der ärgerlichen Heidw. Bis uf dr K. gheit? bist du verrückt? Lutterb., dumm Su. Nit uf deⁿ K. gfalleⁿ ein verschlagener Mensch Ingw. Neweⁿ deⁿ K. kummeⁿ irrsinnig werden Altw. Gël du bis mit

[Bd. 1, Sp. 459a]
em K. zerst ªs Bett ʰera du bist nicht bei klarem Verstand Rauw. Iʰ weiss nimm, wo mⁱr dr K. steʰt ich bin ganz verwirrt Su. Üwer Hals un K. ze tʰueⁿ haⁿ vollauf, überaus viel zu arbeiten haben Dü., ü. H. u. K. läugleⁿ durchaus leugnen Su. Iʰ setz dⁱr dr K. zwischeⁿ d Oʰreⁿ scherzh. Drohung gegen Kinder Hi. Str. U. ‘Ihr werdet mir gewiss den Kopf zwischen zwey Ohren setzen = vous me mettrez la teste entre deux espaules’ werdet mir nichts thun Martin Parl. N. 470. Scherzh. Drohung gegen Kinder: Wart, iʰ dräj dⁱr dr Kopf um! Ruf. Meiⁿ, wenn dr Mann kummt, wo dr K. under m Arm het un s Füdle im Schnappsack! Geberschw. Wënn dr K. eⁿwëg is, het s Loch Firoweⁿ Bf. Z. ‘K. un Loch mit ⁱnandʳ sin innig vertraut sein Ulrich. 2. Kopf als Sitz des Verstandes und Willens: e gueter K. lernfähig, e verschlauener K. verschmitzt Rauw.; e herter K. unfähig Bf. Z. Er het dr K. gsetzt ist halsstarrig Banzenh. ‘die jhren kopff nimmer aufsez’ Fisch. Ehez. 249, 22. ‘Awer do hawi dir dinne Kopf welle lonn’ Horsch Hüssjé 9. Er het s im K. ist stolz Su. Er het s gross im K. un nix im Sack AEckend. Er het meʰʳ im K. aˡs im Sack bildet sich viel ein Bitschw. Er het vil im Kopf, aber wenig im Sack er ist nicht so reich wie er sich ausgibt Schlierb. Wenn er eppes im K. het, se het er s nit im Arsch er ist eigensinnig Su. Ruf. [Wàs mr net em Khop hàt, hàt mr en tə Fés Zilli.] JB. V 139. Eiⁿm dr K. voll macheⁿ, bloseⁿ jemand aufstiften Ruf. U. Eiⁿm dr K. wäscheⁿ Vorwürfe machen. Er is siⁿs Kopfs eigensinnig (wi s Goldschmids Junger, oder wi dr Riedsëlzer Beck, der bacht nur, wënn er Mëʰl het Betschd.) So vil Köpp, so vil Sinn Dehli. Das het keⁱⁿ K. un keⁱⁿ Loch ist sinnlos Liebsd. Su. U. An deⁿ K. stosseⁿ kränken, zuwiderhandeln Str.; us em K. selbst erdacht, nicht copiert (von Kunstarbeiten) Str. 3. Spitze (z. B. des Nagels) Dü. ‘Dis heisst de Naujel uf de Kopf (das Richtige) treffe’ Rathgeber 34. Eingang eines Schreibens Banzenh. 4. Kopfseite der Münze: K. oder Münz? Vielleicht daher uf deⁿ K. genau (bei Zahlwörtern) Hf. 5. Feldstück von etwa 1 Ar, das entstand, als die Allmend (Markgenossenschaft)

[Bd. 1, Sp. 459b]
nach »Köpfen« verteilt wurde Jebsh. Rapp. 6. Krautkopf. Rätsel: ‘Es isch e Kopf Ohne Zopf, Het's Herz Mittle-n-im Kopf! — E Krutkopf!’ Ndrbr. Stöber Volksb. 416. 7. vielf. in Bergnamen: [Hèrnləskhopf, Risàkərkhopf] M. s. auch Zss. Kopftrëtters altes Knabenspiel Str. Pfm. III 1. 8. † Schale, Becher. ‘Joseph liess ein güldinen kopff in seinen sack stossen und verknüpffen’ Geiler S. M. 16.

Demin.