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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Freier bis Mischelfrucht (Bd. 1, Sp. 177a bis 178a)
 
 Freier [Frèiər Str. Wh.; Freiər K. Z.; Pl. Frèiərə Wh., sonst wie Sing.] m. 1. Freier, der Geliebte, Schatz eines Mädchens. 2. Kerl, Mensch, ein viel gebrauchter Ausdruck. Was is dis fur e Fr.? Str. Dis is e gspässiger Fr.! ebd.

[Bd. 1, Sp. 177b]

Zuckerwasserfreier m. Bezeichnung für einen eitlen Menschen, der den Stolzen und Vornehmen spielt, ohne dazu berechtigt zu sein, der gleichsam im Wirtshaus Zuckerwasser bestellt und sich dabei doch so anspruchsvoll benimmt, als wäre er der Gast, der am meisten verzehrt Str. Vgl. das Gedicht E Zuckerwasserfreier von Frœlich Holzh. = Jules Froelich, Strosburjer Holzhauerfawle .. Nancy 1885. 31.

Freierei [Frèiərèi Ndhsn. Str. Zinsw. Wh.; Freiərei K. Z.] f. Liebeswerbung. Syn. Buʰlschaft Schönenb.Hess. 109.

 PfWB frilich, freilich [frílik Roppenzw. Lutterb. Obhergh. Hlkr. Su. Dü. Rapp.; fríli Olti. Heidw. M. Co.; frili Bf. Ndhsn. K. Z. Betschd.; frèiliχ Str.] Adv. freilich, allerdings, gewisslich, sicherlich. — Ausdruck lebhafter Bejahung, meist mit vorangehendem ja U. s is fr. wi-n-iʰ sag Hlkr. Han ⁱʰr's dënn nit gewüsst? — Ja fr.! Hf.Schweiz. 1, 1268.
 
 
froʰ [frô Mü. Banzenh. Su.; frû Dü. Str. K. Z.; froi Bf.; fryo M., fruwə Sulzeren; frœi Damb. Griesh.; Komp. frûnər, frûər, frénər nur in der Kinderspr. Dü.] prädik. Adj. froh, freudig bewegt. Du dörfs (kanns K. Z.) fr. sin dass du nicht dabei warst. Trotz nit so, trotz nit so, Es kummt e Zit (Zeit Z.) bis wider(um) fr. Anfang eines bekannten Volksreimes allg. Er is fr., dass r s Lëweⁿ het Str.Schweiz. 1, 1270. Bayer. 1, 805.
 
 
frëch [fraχ O. K. Z.; fræχ Str. Rothb. Lohr] Adj. Adv. 1. frech, herzhaft, aufdringlich, rücksichtslos. Fr. wi e Lus Steinbr. Str., wi e Hutlus Hautlaus, e Kleiderlus Str., wi e Fleischmuck, e Schmeissmuck Gebw., wi e Spatz Rapp. Str., wi e Roʰrspatz Mütt. Rothb. Frëchi Soü, frëches Tier für Mädchen Gebweilert. E frëcher Keib unverschämter Mensch Rapp.; e frëchs Lueder freches Weib ebd. Ich bin so fr. bei der Annahme eines Anerbietens AEckend. 2. üppig treibend, saftig wachsend, von Pflanzen und Sträuchern Bisch. Ingenh. AEckend. 3. in grellem Gegensatze zu einander stehend, von der Farbenzusammenstellung in einem Kleiderstoff Mütt. Schweiz. 1, 1271. Schwäb. 201. Bayer. 1, 806.

befrëcheⁿ refl. sich erfrechen, erkühnen Orschw.Schweiz. 1, 1271.
 
 
 PfWB Fricht [Fréχt K. Z.] f. Feld von 30 Ar Flächenmaass. s. auch das folg. W. und Frichtvierzel. — vgl. Schweiz. 1,

[Bd. 1, Sp. 178a]
1272 Frecht Abgabe an Getreide (vermutlich von einem bestimmten Ackermaass)

Halfricht f. Feld von 15 Ar Flächenmaass K. Z.
 
 
Frucht [Frùχt O. Str. Z. Betschd. Wörth W.; Frûχt M. Bisch. K.; Frût Geisp.; Demin. Freχtl Str. Hf.] f. Getreide, sowohl auf dem Feld stehend als gedroschen und bereits aufgespeichert; im engeren S. Roggen M., Weizen Hf., Gerste Betschd. Wënn d Fr. under dr Sichl ufschlät, schlät si noʰ Ërn wider ab Dü. Im Mai soll mr d Fr. mit der Rütthau sucheⁿ die im Frühjahr gesäte Gerste soll vor Mai nicht zu sehn sein Betschd. Das Demin. hat die Bed. Taugenichts in Verbind. mit verschiedenen Adj.: e nëtts, e glatts, e sufers Früchtl. Für Baumfrüchte gebr. man allg. das Wort Obs. — Schweiz. 1, 1272. Bayer. 1, 806.

Mischelfrucht f. Mischung von Weizen und Roggen O. Syn. Molzer K. Z. M. wird nicht verkauft, sondern zum Brot für den Hausbedarf verwendet. Im Gegens. zu urig Weiseⁿ Klein-Landau. — Schweiz. 1, 1273.