Wörterbuchnetz
Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Überfall bis Musfall(e) (Bd. 1, Sp. 104b bis 105b)
 
  PfWB  LothWB  RhWB Überfall [Îpərfàl Liebsd.; Ewərfàl AEckend.; Iwərfàl Wh.] m. 1. Obst, das über die Grenze auf das Grundstück des

[Bd. 1, Sp. 105a]
Nachbars fällt und diesem zukommt, weil er durch den Schatten des Baumes auch Schaden hat. In Liebsd. wird ein Ueberfall von Steinobst nicht anerkannt, sondern nur von Nüssen, und hier wird derselbe in gleiche Teile geteilt zwischen dem Eigentümer und dem Nachbar. 2. übtr. Er bekommt Üwerfall, wenn jemand unversehens von Wasser, Schmutz und dergl. von irgendwoher betroffen wird AEckend. ‘Böm vnd vber fal belangend .. sol was vber iedes guott langtt demselben verbliben’ Wattw. 16. Jh. JB. III 62. — Schweiz. 1, 737.

 PfWB  RhWB Wasserfall m. 1. Wasserfall, wie im Nhd. allg. 2. die nach aussen hin abgeschrägte obere Fläche des Grundquaders eines steinernen Fenstergerüsts Su. Schweiz. 1, 744.

Windfall allg., Pl. Windfäll [Wìntfèl Dollern; Wentfal und Wentfál Dü.; Wìntfal Bf.] m. 1. grössere Aeste, die der Wind abgerissen, oder auch Bäume, die der Sturm entwurzelt hat, bes. im Wald. 2. Obst, das vor der Reife vom Sturm abgeweht wird und so verloren geht; im weiteren Sinne dann überh. von Abgang und Verlust gebräuchl.: s git allewil W. meinte ein Bauer, als er in Bezug auf Ferkelzucht von dem Verlust durch Krepieren einzelner Tiere sprechen wollte AEckend. Schweiz. 1, 744.

 PfWB  LothWB Fallet [Fàlət Str.] f. Epilepsie, eig. Part. Praes. vgl. d falleⁿd Krankʰeⁱt unter falleⁿ. ‘Het d’ Falletkrankheit schun kuriert’ FrançoisikHusm. 28.

alleⁿfalls Adv. beispielsweise, möglicherweise, je: wënn iʰ a. kommeⁿ könnt. Wënn r a. nit wārteⁿ will Dü.Schweiz. 1, 745.

 PfWB  RhWB glichfalls [klæiəχfàls Su.; kliχfàls Str.] ebenso, ebenfalls, als Antwort bei Glückwünschen, bes. auch beim Abschied. Guete-n-Appetit! — Merci, gl.! Su. (der Vocal der 1. Silbe beweist für Su. Einführung aus dem Hochd.) — Schweiz. 1, 745.

Fall(e) [Fàlə S. O. bis Banzenh. Katzent.; Fàl sonst allg.] f. Demin. Fällele. 1. Thürklinke, allg. D Tʰür is nit in dr F. nicht geschlossen, nur angelehnt Rapp. 2. beweglicher Hemm- und Verschlussteil an verschiedenen Gerätschaften, so z. B. der Haken, der in das Zahnrad einer Winde eingreift, oder in die eiserne

[Bd. 1, Sp. 105b]
Zahnstange an einer Kanalschleuse, der Abzug eines Gewehrschlosses: zich am Fällele! Z.; an einer Uhr der Einfallhebel beim Vollschlag. s Schnüerli zogeⁿ, s Fälleli glüpft, dëʳ un dëʳ is usegwitscht (use pfüpft Hi.) Anzählspruch bei Kinderspielen Banzenh. s Fällele lüpfeⁿ einen Wind lassen O. 3. selbstthätige Vorrichtung zum Fangen von Tieren. E F. stelleⁿ allg. auch in bildl. Sinne = einen auf die Probe stellen, in Versuchung führen Rapp. 4. ein baufälliges Haus. In dⁱˢëm Hus woˡˡt iʰ nit wuʰneⁿ, s is e alti F.; iʰ hätt Angst, s gheit emol zsämmeⁿ Dü. 5. Einsenkung eines Weges, Thalsenke. In dër Falle het s mⁱr dr Wageⁿ verschlageⁿ ist mir der Wagen zu Grunde gegangen Roppenzw. 6. betrübtes Gesicht: dëʳ macht e F.! Hi. Schweiz. 1, 747. Bayer. 1, 705 Fallen, 706 Fälle.

Lotterfall(e) f. baufälliges Gebäude, altes verlottertes Gerät, überhaupt ein alter mit der Zeit lose und unbrauchbar gewordener Gegenstand, Wagen, Kutsche u. s. w. Su. Obhergh. Logelnh. ‘die alte Lotterfalle (en Ühre)’ Lustig I 289. — Schweiz. 1, 748.

 PfWB  RhWB Marderfall [Màrtərfàl M. Bf.; Mòrtərsfàl K. Z.] f. Marderfalle.

Mulwëlfersfall f. eine cylinderförmige etwa 30 cm lange Holzröhre ohne Ausgang, an deren Eingang sich eine nach innen öffnende Blechklappe befindet; diese M. wird in den unterirdischen Gang des Maulwurfs gelegt. Solche Fallen, die jeder leicht selber herstellen konnte, werden neuerdings durch zangenartige eiserne verdrängt K. Z.

 PfWB  RhWB Musfall(e) f. Mausfalle allg. — Schweiz. 1, 746.