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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
zieʰe(n) bis rumer ziegeⁿ (Bd. 2, Sp. 897a bis 898a)
 
  PfWB  LothWB  RhWB zieʰe(n), ziegeⁿ [tsíə S. Bf.; tsìəkə Mü. Felleri. Su. Hlkr. Logelnh. NBreis.; tsíkə M.; tsièjə Co. Horbg. Dü.; tsíjə Ostwald; tsín Mutzig; tsèjə Str.; tsìən K.; tsiχə Brum. Geud.; tsiχə u. tsìèn Ingenh. Hf.; tsijə Dehli.; Präs. Ind. 1. Sg. tsìə Liebsd., tsièj Co. Dü., tsèj Str. Betschd., tsiχ K. Ingenh., tsi u. tsei Hf., 3. tsikt Lobs.; Konj. iχ tséχt (zöge) Lobs.; Part. tsókə Liebsd. Su., kətsó M., kətsòjə Co., tsòjə Dü., kətsjə Str. Betschd., kətsœjə K. Z., kətsœy neben kətsó Wh.] ziehen. a) intr. 1. Die Ross zieʰn guet Liebsd. Zieʰ an dëm Strick Dü. ‘von Leder z. ausreissen, entspringen’ Str. Ulrich. ‘Die misse ihr ganzes Lèwe an èhm Joch zije’ Dehli. JB. XI 58. Subst. Zieʰfëttig, –mësser. 2. gierig trinken. Er het guet zojeⁿ, d Butëll is lär Dü. 3. Do ziegt s! Su., do zicht ’s awer! K. Z. es ist Zugluft. D Sigar ziegt nit Su. s Kamin zicht auʰ wider nit, s git allewëj bal ander Wëtter Ingenh. 4. Wenn ein Pfahl rasch in den Boden oder ein Keil ins Holz eindringt, so zieʰt er guet Dü. ‘Dis Pflaster zeijt nit!’ das machst du mir nicht weis, das glaub ich nicht Str. JB. XI 120. 5. jäh bergauf gehn. Do zieʰt s! Olti. s. an zieʰe(n) 2. 6. die Wohnung wechseln Str. In d Stadt zieʰn Geud.; sich aus dem Staube machen: ‘Jetz isch Zitt, dass dü zeihscht!’ Str. JB. XI 116. ‘Dess Gottshauss eigene zinssgiltigen leuth sollen sich nit endern noch von hinan ziechen ohne eines appts vrlop’ M. 1339, Als. 1854, 80. b) refl. 7. s Holz zieʰt siʰ, meist verzieʰt siʰ Dü. ‘wann sich der Nebel über sich zeihet’ Str. 1625 JB. VII 111. c) trans. 8. ‘Wer hie karren zücht, der wird dort wagen ziehen’ Geiler in Als. 1862/67, 147. Eineⁿ durʰ d Hächleⁿ z. tadeln Liebsd. 9. Eiⁿm eini z. einen Schlag geben,

[Bd. 2, Sp. 897b]
e Carotte (frz.) z. einen Streich spielen Ostwald Str. 10. s Hälmle (Hälml U.) z. mit einem längeren und einem kürzeren Strohhalm losen Horbg. M. 11. Finger z. die gekrümmten Mittelfinger mit einem andern einhaken und ihn zu überwältigen suchen Mittl. 12. Eck z. Weberausdruck Bf. 13. Gëld, Loʰn z. ausbezahlt bekommen Hf. 14. Wasser z. Wasser absondern, von gesalzenem Rettig, Gurkensalat, gedämpftem grünem Gemüse, von einem nässenden Hautausschlag Bf. Materi z. eitern. Ein Blasenpflaster zieʰt e Huchl Hf. s. auch Molkeⁿ 1. 15. beim Wiegen: s het s schwach zojeⁿ knapp gewogen Dü. 16. erziehn. Wie mr d Kinder zieʰt, het mr si Dü. Er zieʰt sini Kinder erzieht sie gut Su. Die sin jetz awer emol schlëcht gezaujeⁿ! Ingenh. ‘nieman ziecht syn kynd mer’ 1562, Als. 1862, 82. 17. [tsùmə Mèitlə tsíkə] einem M. den Hof machen M.18. an sich nehmen. ‘indem daz er in (den hingeworfenen Handschuh) wider vffhöbet, so zichet er die gveter in gewalt’ Dahlenh. 1422, Als. 1854, 66. — Basel 325. Bayer. 2, 1105.

ab zieʰ(n) wie hochd. a) intr. Um d Siwene wurd abzogeⁿ aufgehört mit Tanzen und fortgezogen Osenb. b) trans. 1. d Kapp ab z. für iemeⁿ jemand grüssen Hf. ‘Mist’ un fahr’, ’s ist gut; awer ziej ah ab de Hut!’ Dehli. JB. XI 52. Deⁿ Belz a z. z. B. einem Hasen; auch e Has a z. Hf. D Hoseⁿ ab ziegeⁿ einem Frosch die Haut abziehn Mittl. Eps am Gëld ab z. Str. 2. wetzen. Zieʰ die Mäj zerst o! Geud. c) refl. 3. sich ab z. sich entkleiden. Spw. Meⁿ söll siʰ nit ganz ab z., eb meⁿ in s Bett geʰt sein Vermögen den Kindern nicht bei Lebzeiten überlassen Rixh. Basel 15. F. Schwäb. 86. Bayer. 2, 1107.

a(n) zieʰ(n) a) intr. 1. zu ziehn anfangen, vom Zugvieh; 2. stark steigen, vom Weg: s ziʰt aⁿ M. 3. im Preise steigen: d Frucht ziʰt an; 4. feucht werden: der Hanf im Keller; auch das Wetter zieht an; 5. wirken: ich hab ihn geprügelt, dis het angezöjeⁿ Hf. b) refl. 6. sich ankleiden Ensish. (öfter an duen K. Z.). c) trans. 7. anlocken Geisp. s Bett zieʰt an: wenn man sich legt, wird man erst recht krank Dü. 8. erwähnen, auf jemand oder etwas anspielen Hf. Wh. Basel 19. Schwäb. 287. Bayer. 2, 1107.

[Bd. 2, Sp. 898a]

beziehen 1. Weinstöcke vor Winter auf den Boden niederlegen und bedecken’ Stoltz 87. 2. einholen M.

derziegeⁿ Obhergh., (d)erzieʰ(n) Bf. weg ziehn (den Wagen); meist mit Verneinung: Si könneⁿ s schier gor nit drzieʰn! Ingenh.

durch zieʰ(n) 1. Wäsche durch das blaue (kalte Ingenh.) Wasser ziehn Katzent. 2. bösartig besprechen. 3. e durchgezojener ausgelassener Mensch M. (?) — Basel 92.

in zieʰ(n) a) intr. in ein Haus ziehn; b) trans. eineⁿ i. in eigennütziger Absicht zu sich locken Liebsd. M. K. Z. Gëld, d Brandstür Versicherungsprämie iⁿ z. Dü. Deⁿ Bachofeⁿzins iⁿ zieʰⁿ betteln gehn Liebsd. E Gschirr iⁿ z. Weberausdruck Bf. Deⁿ Wadl iⁿ z. sich aus einem Streit zurückziehn Heidw. Er is so iⁿ gezojeⁿ sittsam Bf. Basel 180. Bayer. 2, 1107.

 PfWB  RhWB los zieʰ(n) schelten: Die sin üwer ⁱʰne loszogeⁿ Su. ‘Merr soll nit iwwer ali Lyt im e ganze Land loszeye’ Pfm. II 6.

 PfWB na(ch) zieʰ(n) 1. ein Kalb aufziehn, damit eine ältere Kuh verkauft werden kann Su. U. 2. nachstreichen, den Mädchen Bf. Auch umgekehrt: Uf alleⁿ Tänzeⁿ is s ⁱʰm nochgezaujeⁿ, biz ass es ihne he ghett Ingenh. ‘den Französsischen khriegen nachzüechen’ Petri 395.

nider ziegeⁿ die Reben biegen und anbinden. Dazu dienen die Niderzieʰwidler, kleine, feine, ausgesuchte Art von Weidengerten Dü.

rumer ziegeⁿ bes. auf Liebschaft ausziehn M.