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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
wischeⁿ bis Flättwisch (Bd. 2, Sp. 873b bis 874b)
 
  PfWB  RhWB wischeⁿ [wìə u. weə allg.] 1. wischen, leicht schnell hin- und herfahren mit od. an etwas, besonders mit der Hand Su. Dü. U.; mit dem Besen kehren, fegen Liebsd. Heidw. Lutterb. Obbruck Katzent. ‘Neie Bäse wische gut’ Mü. Mat. 4, 59. ‘Ein sollich wüschen vnd auch keren’ Fisch. Flöhh. 121; (den Stubenboden) mit Bürste und Wasser reinigen, scheuern Steinb.; die mit Kreide gezogenen Schriftzeichen tilgen, löschen Bf., namentl. beim Kartenspiel die einzelnen, im ganzen 5 zählenden Teile des sog. Andreas- oder Schrägkreuzes gemäss der Anzahl der Stiche auswischen: Wisch im Hans zwei, r het e Marsch gemocht Ingenh.; Syn. butzeⁿ. Zss. ab-, uf-, us-, durch Wischen entfernen allg. Allitt. Formel: gwischt un gwäscheⁿ von etwas frei, los, fertig, bereit zu etw. Osenb. Ruf. (Menges Volksmda. 72) Logelnh. Vor dem Zeugenverhör: Ich sag, ich weiss nix, dªrnoʰ bin iʰ g. u. g. Osenb. ‘Dernàh ist mer gewischt un gewäscht’ Dehli. JB. XI 57. 2. schlagen, bes. eine Ohrfeige geben allg. In eim eini (auch eins) w., Syn. butzeⁿ 4, steckeⁿ, langeⁿ. Iʰ will dⁱr eiⁿs w.! Hi. Pass uf, ich wisch dⁱr glich eins! Ingenh. s. uswischeⁿ. — Basel wüsche. Bayer. 2, 1041.

 PfWB  RhWB erwischeⁿ [ərweə M.] und verwischeⁿ, s. verwitscheⁿ.

uf wischeⁿ 1. (etw. Verschüttetes) durch Wischen entfernen U. 2. intr. ‘aufwischen zu Diensten sein, bes. schnell bedienen. ‘Ich kann dem Herrn nicht auf w. (niedrig)’ Klein. [só wèitli kh iχ tér net ùf weə M.] — Bayer. 2, 1041.

us wischeⁿ 1. auslöschen K. Z. 2. beohrfeigen. ‘Nimm di in aacht, sunst wisch i dier ains us’ Pfm. IV 3.

G(e)wisch n. fortwährendes Wischen allg.

 PfWB  PfWB  LothWB  LothWB  RhWB  RhWB Wisch, Wusch [Wì und We allg., letzteres vorwiegend U.; Wù Rauw. Oermi.; Pl. Wì u. We; Demin. Wìlə O., Wìl, Wel U. W.] m. 1. Gerät, Lappen oder überh. etwas Zusammengewickeltes zum Abwischen, bes. des Staubes; Staubbesen Hattst. ‘jhm den Athem mit einem wsch flamment-rauchenden Cass

[Bd. 2, Sp. 874a]
gestopffet’ Mosch. I 389. ‘die Register der Hausshaltung zeigen uns den wüsch im Haffen’ Bock Kräut. JB. XIX 307. 2. flaches, rundes gepolstertes Kissen zur Unterlage einer Last, die man auf dem Kopfe trägt allg.; ‘Ring von Tuch’ Klein. Die einzelnen, nach dem Mittelpunkt hin sich verjüngenden Felder des Überzugs sind bisweilen in bezug auf Farben recht kunstvoll zusammengestellt und am äusseren Rand mit Frangen oder Zacken besetzt. Daher und mit Beziehung auf Bed. 3 das Rätsel: Ringsrum, Zäckele drum, Für vier Sü git ’s e ganze W. Su., Anzählvers beim Fangspiel der Kinder Bettw. Zss. –kapp. 3. grosse Menge, Haufe, grosse Anzahl, Masse. E W. Fueter, Gras, Blätter allg.; e W. Plunder viel Wäsche Osenb., e W. Büecher Obhergh. Er het e W. Acker gha Dü. ‘e ganze Wisch Päckle Str. Wibble Wibble = Strossburjer Wibble (von Karl Bernhard) 1. Bdch. Strassburg 1856. 43. E W. Dings viele Sachen, namentl. Ausstattungsgegenstände einer Braut K. Z. Han. Dëm siⁿ Fraü het ⁱʰm e schöneⁿ W. brōcht Banzenh., gebrocht Katzent. E W. Lüt, Kinder allg. s. Hërd. Verstärkt e ganze(r) W. sehr viel Mü.: e g. W. Saldateⁿ Illk. ‘i bin sicher, dass er mir e ganzer Wisch Dings mit bringt’ Horsch JB. X 166. Was is dis für e Kutsch? — Ich weiss nit, s sitzt e ganzer Wisch Wibslit dinneⁿ Ingenh. ‘s gitt jo e ganze wisch so mariages mixtes schun hie’ Kettner Mais. 61. ‘ein ganzer Wisch eine Menge’ Klein. ‘Do fahrt e ganze Wisch von beese Gaistre-n-als uss de Kamminre nuss’ Pfm. IV 5. ‘Mer sinn e ganze Wisch Verdriesslichkaide do los worre’ ebd. V 2. Er het ⁱʰm e g. W. Hor usgerisseⁿ Str. U. ‘in der lincken (Hand hatte er) auch einen Wsch Haar’ Mosch. II 343. ‘un us em Schmitzel wurd ’s hintrenander halt e ganzer Wisch’ Froelich Holzh. 69. Ebenso e meineidiger W. sehr grosse Menge Ingenh. Spez. hat W. die Bed. Schicht, Lage Heu, Ohmd, Gerste; beim Verladen in der Erntezeit wird der W. auf den vier Ecken des Wagens ‘gedreht’, und dazwischen wird dann gleichmässig hoch ausgefüllt; ein Wagen mit vier W. gilt für eine bedeutende Ladung, und wer einen solchen tadellos laden kann, steht bei den anderen in gutem Ansehen K. Z. Bisweilen, namentl. wenn ironisch gebraucht,

[Bd. 2, Sp. 874b]
hat W. auch die Bed. von kleiner, geringer Menge: Wiˡˡˢt schoⁿ geʰⁿ mit dëm W.? Katzent. Do hes awer jetz e W.! zu der mit wenig Futter heimkehrenden Person, Syn. Büt Ingenh. Demin. E Wischle, Wischel: a) soviel man etwa mit einer Hand fassen kann: Lang mⁱr e W. Straü! ein Büschel Stroh Dollern. Iʰ ha-n-e schön Wischle Sündeⁿ z bichteⁿ Osenb. Hän ⁱʰr e Wischle? Begegnungsgruss an Futterholende Katzent. ‘mit einem Wischlein grass’ Zab. Hexenprozess 1620. Do hän ⁱʰr e nëtt Wischle Kinder Dü. E Wischle Herreⁿ einige Herren M. JB. IV 75. E Wischl Mensch schwächliche Person Bisch. b) Richtscheit am Wagen Mutzig. — Basel 320. Bayer. 2, 1041.

 PfWB  RhWB Arschwisch m. unbedeutende Sache, bald im Scherz, bald im Ärger gebrauchter Ausdruck Kindern gegenüber Dü. Syn. Füdlebutzer, Lochbutzer K. Z., Lochwisch. — F. Schwäb 330. Bayer. 2, 1041.

Bodeⁿwisch m. Handbesen, Staubbesen Mü. Lustig I 250. Barr Str.; übtr. kleiner Mensch Barr.

 PfWB Fëderwisch [Fætərwì Str.] m. Weihwedel, Sprengwedel.

Fëgwisch m. Strohwisch, mit dem man Gerätschaften reinigt Steinbr.

 PfWB Flättwisch [Flætwì Str. W.; Flatwe Brum. Hf. Geud. Betschd. Lobs. Wörth Rothb.; Flètwe Ndrröd.] m. 1. Flügel, namentl. der gefiederten Haustiere. D F. lappeⁿ lon von einer Gans, der die Tragfedern unter dem Flügel ausgerupft sind, auch übtr. den Mut sinken lassen Ndrröd., ähnl. d F. hënkeⁿ lon Wörth. Ein zum Abwischen hergerichteter Gansflügel Str. Ingw. 2. Weihwedel Str. — Vgl. Flättig.