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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Wind bis Kaltwind (Bd. 2, Sp. 836b bis 837a)
 
  PfWB  LothWB  RhWB Wind [Wì S.; Wìnt u. Went O. Bf. Str. Z. Betschd.; Wįt M.; Wéint Hindish.; Wént K. Dunzenh.; Wint Mittelhsn. Gimbrett; Pl. ebs., aber Wein M.] m. 1. Wind, Luftströmung. Dr W. geʰt weht allg. s. auch Haberstupfleⁿ. Vergëlt's Gott, wenn ’s dr W. nit nimmt! ruft ein Bettler einer vornehmen Frau zu, die ihm eine dünne Scheibe Brot aus dem Fenster zuwirft Gebwt. Um das Strassburger Münster herum ist es bekanntlich sehr zugig, namentlich vor dem Haupteingang, daher die folgenden Reime: Üwer deⁿ Münsterplatz oʰne Wind, Durch d Kurweⁿgass (Korduangasse) oʰne Kind, Durch ’s Spittelgässl oʰne Spott Is e grossi Gnad vun Gott St. 1859. Über den Wind auf dem Strassburger Münsterplatz s. Stöber Sagen II 231, 255. Das is grad wie wëⁿⁿ meⁿ iⁿ dr W. redt Su. ‘in de W. schlaaue’ unbeachtet lassen Pfm. III 4. Bi dem W. batt keⁱn Kleid der Wind ist so durchdringend, dass einen im wärmsten Kleide friert Ingenh. Allitt. Bi allem Wind un Wëtter ʰⁱnuˢschickeⁿ Z. JB. VII 189. [Pi Wein-ə-Watər] M. JB. VIII 139 Anm. 6. s. auch Hagel. Rda. Gschwind wie dr W. sehr flink allg. D Sunn ziejt W. als Vorzeichen des guten Wetters am folgenden Tage Bf.; vgl. Strämeⁿ 3. ‘Diri diri Disel, Wer zopft m'r an mi'm Hisel? D'r Wind, d'r Wind, Diss himmlischi Kind!’ Buchsw. Stöber Volksb. 271. ‘Wer allzeit auff all wind will sehen, Der würd nicht syen oder mhen’ Fisch. Prakt. 30. Übertragen: W. vu(n) epp(i)s beku(mmeⁿ) etwas erfahren allg. Pfift dr W. do hëre? ist es so gemeint? Str. ‘Aha, blàst der Wind doher?’ Dehli. JB. XI 63. Rda. W. macheⁿ prahlen, sich brüsten, sich stolz geberden. Er macht W. für e Fünfer neckend von den Bewohnern Ingenheims gesagt Dunzenh. ‘Der hat Wind im Lé-ib’ er ist leichtsinnig Dehli. JB. XI 50. Zss. –focht f. Fächer Str., –fochtel, –macher, –müʰl. 2. Luft in den Eingeweiden, entweichende Gase aus den Eingeweiden. D W. geʰn Hf. D Wind geʰn nit ab bi ⁱʰm Bf. D W. plojeⁿ miʰ bei Magenblähungen Dü. ‘Hat böse Wind in

[Bd. 2, Sp. 837a]
de Ripp’ von einer boshaften Person Mü. Mat. 4, 48; vgl. Ripp(e) 1. Pl. Winde nur in dem Wirtschaftsschild D vier W. Str. Basel 316. Bayer. 2, 950.

Baslerwind m. Südwind Obburnhaupt.

Bërgwind [Parkwìnt Ruf.] m. Westwind. — Bayer. 2, 950.

Dütschwind [Titwì Liebsd.; getrennt tər tit Wìnt Zinsw.] m. Ostwind. Wenn dr Ditschwing chunnt, git ’s schön Wëtter Liebsd.

Ërbseⁿwind m. Erbsenwind; W., der die auf dem Acker liegenden Erbsenstauden über die Felder dahinjagt Ingenh.

Haslªʰerwind [Hôslərwìnt Bisch.] m. Westwind: Haslach liegt westlich von Bischofsheim. H. bringt Rëjeⁿ.

Heerwind m. starker, brausender Wind. Wenn man unartigen Kindern Schrecken einjagen will, so droht man ihnen: Wart, ich hol deⁿ H. (ursprünglich offenbar das Brausen des wütenden Heeres in den Lüften).

 PfWB Herbstwind m. wie hochd. ‘Im rüche Herbstwind kunnsch ku fliege’ Lustig II 550.

Hinderwind [Hæərwt M.] m. Hinterwind, weil er im Tale von hinten, d. h. der durch die Vogesen geschlossenen Talseite her weht, Westwind. — Bayer. 2, 950.

Hundsrückerwind m. sehr rauher und kalter NNW.-Wind im Spätjahr Betschd.

Kaltwind m. Nordwind Lohr Wh.