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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Wandel bis Gewënd (Bd. 2, Sp. 834a bis 835b)
 
  PfWB  RhWB Wandel [Wàntl Mü. Str. Z. Han. Betschd. W.] m. Spielraum, Lockerung, Bewegung, Veränderung, besonders von Gegenständen, die sonst fest gefügt zu sein pflegen: ein in der Handwerkerspr. viel gebrauchtes Wort. Halt, so geʰt ’s nit, der Flijl muess meʰʳ W. han! Ingenh. Dis Ding het ze viel W. von einem wackeligen Apparat, einer lockeren Schraube, einem schlecht angelegten Gypsverband Hf. Einer Person oder Sache muss man W. lassen AEckend. Dëm will ich W. losseⁿ

[Bd. 2, Sp. 834b]
das will ich dahin gestellt sein lassen Wh. Eine Rechnung will W. haben, muss abgeändert werden Mü. D Küeʰ hon meʰʳ W., wonn si in dem Kumme zeiʰeⁿ aˡs im Joch Wh. s. auch Wankel. — Bayer. 2, 937. Pfalz 149.

 PfWB  RhWB wandleⁿ [wàntlə fast allg.; wtlə M.; wâtlə Sulzern] 1. umziehen, aus einer Wohnung in eine andere ziehen; bei grösseren Entfernungen geschieht dies oft mit dem Wandelwajeⁿ (s. d.) O. Düen ⁱʰr schoⁿ wider w.? Lutterb. Sin iʰr bol ferig mit W.? Antw.: Jo, mⁱr hän nur noch e Wischle Grümpldings z w., s Meⁱste häⁿ mⁱr schuⁿ gwandlt Dü. Dreimol gewandlt is so guet wi abgebrënnt Illk. ‘Ich dank, denn ’s Wandle isch fir mich kei Freid’ Lustig II 6. Spielreim: Morn geʰⁿ mⁱr geʰⁿ w. Vuⁿ einer Stadt zer andreⁿ, Ziwwelewitt, Uf d ander Sit! zwei Kinder halten sich mit gekreuzten Armen, bei den letzten Worten wenden sie sich schnell um Ruf. 2. in ein anderes Dienstverhältnis treten, von Dienstboten M. ‘der knecht wandlet vnd kam in ein ander Stat’ Pauli 335. 3. mit den Kühen auf die Berge oder von da nach Hause ziehen M. 4. sich ändern, umschlagen. s Wëtter wandlt Hf. D Kranket wandlt ze viel ebd. — Bayer. 2, 935.

 PfWB  LothWB  RhWB Wandlung f. Wandlung, Transsubstantiation. Volksglaube: Wenn die Stunde voll schlägt, während es W. lüttet, so stirbt jemand Su.Bayer. 2, 936.
 
 
 PfWB  LothWB  RhWB Wanderschaft [Wàntəràft Steinbr. Z.; Wnəràft Bisch.] f. Wanderschaft, Wanderung. s is uf dr W. wenn ein Gegenstand ausgeliehen ist und lange nicht zurückgebracht wird Steinbr. Z.
 
 
 PfWB  LothWB Wëndel(e) [Wantələ S. bis Obhergh. Ingersh.; Wantl Hlkr. und nö. davon fast allg.; Wtlə M.; Waitlə Sulzern; Wainl Geisp. Ostwald; Wntl Geud.; Pl. –ə; vereinzelt Wàntlys f., Pl. –lís Dunzenh. Ingenh.] f. Roppenzw. Sier. Attenschw. Pfast. Hattst. Su. Obhergh. Hlkr. Logelnh. Co. Horbg. Dü. Mütt. Molsh. Ndhsn. Str. Brum. Hf. Hag.; n. Pfetterhsn. Heidw. Steinbr. Wittenh. Ensish. Bghz. Hirzfn. Ingersh. Kerzf. Barr Geud. 1. Wanze, Bettwanze, Acanthia lectularia. Nächt han iʰ d ganz Nacht nit schlofeⁿ könneⁿ, d Wëndeleⁿ haⁿ mich gedümlt gequält Ruf. D ganzi Nacht het's miʰ bisseⁿ, ich haⁿ

[Bd. 2, Sp. 835a]
grad gmeint, s wäreⁿ Wëndeleⁿ Sier. Wënn dis ni guet für d W. is, se (ze Z.) weiss iʰ nit, was besser is Bf.: so soll ein Mann gesagt haben, der sein Häuschen in Brand steckte, um die Wanzen darin zu vertilgen. Püⁱ Deifl, wi stinkeⁿ die W.! Brum. ‘wenteln’ Geiler Häsl. d II. Rda. Eim gëⁿ für d Wëndeleⁿ tüchtig durchprügeln Ensish. Dëʳ het für d W. (Syn. d Muckeⁿ) Su. s het für d W.! von einem Mädchen, das schwanger ist Geud. Eine Wohnung, in der viele W. hausen, nennt man verächtlich eine Wëndelbütik: Dis is e Wëndelbütik! do frësseⁿ diʰ d W., do dät iʰ nit anneⁿ woʰneⁿ Illk. Von einer unsauberen Person: Liis un Flöʰ un Wëndeleⁿ Gën eⁱnander s Händele Ruf. Filzliis un Wëndele, Rëbliis un Flöʰ, Die gën eⁱnander s Händele, Das Huereⁿkeiweⁿviʰ! Rapp. JB. VII 162. ‘Wendel Wandlauss Cimex’ Dasyp. ‘Cimex wantluss wentel’ Gol. 328. ‘Kein Wandslauss noch kein Floh nit bleibt’ Fisch. Flöhh. 2082. ‘flöch leiss meuss vnd wenteln und ander unfasel’ Geiler Häsl. d ija. ‘ein wüst ellendt Bett, das louft vol Flöhe, Lüss und Wendeln’ ders. Bilg. 213ª. ‘Wendel oder Wandlauss’ Baldner. 2. Mauerwanze, eine geflügelte Wanzenart, die sich häufig an Trauben oder an Obst aufhält und einen widerlichen Geruch an denselben hinterlässt Dü. Syn. Leid Ingenh. 3. schwarze Johannisbeere, bei deren Genuss man deutlich an den widerlichen Wanzengeruch erinnert wird Attenschw. Ruf. Westhalten Hattst. Obhergh. Im Z. nennt man die betr. Frucht zwar nicht so, aber wenn man sie isst, sagt man etwa: Die schmackeⁿ grod wi Wandlüs! Ingenh. Eine Hecke dieser Frucht heisst Wëndelestock oder auch Wëndelehurst Ruf. 4. Waldweg Hirzfn. Basel 309 Wäntele. Bayer. 2, 962 Wentel.
 
 
 PfWB  LothWB  RhWB wëndeⁿ [wantə Steinb. Su. Bf. Ndhsn. Betschd.; wæntə Str.; waə Mittl. K. Z. Kindw. Zinsw.; wánə Bisch.; wáinlə Hindish.; wæə Wh. Dehli.; Part. kəwantə Steinb., kəwat Mittl. K. Z. Kindw. Zinsw., kəwant Bf. Ndhsn., kəwáinlt Hindish.] wenden, umdrehen, u. zw. Gras zum Dörren, die innere Seite éines Kleidungsstückes nach aussen, und auch übtr. Sin iʰr am W.? grüssender Zuruf an die mit dem Graswenden Beschäftigten allg. s Oʰmtgras

[Bd. 2, Sp. 835b]
wëngeⁿ K. Z. Höu w. Heugras wenden mit der Wënggawel Hf.; s. auch Menges Volksmda. 92. s Blättle wurd sich oʰ-n-emol wëndeⁿ das Glück wird sich auch einmal wieder einstellen Su. s Blättl het siʰ gewëndt die Sache hat jetzt eine andere Wendung genommen Bf. Ich gsiʰ schun lang, was wëngt was los ist, wo's hinaus will Wh.Basel 309. Bayer. 2, 944.

an wëndeⁿ [ânwæntə Str.; ônwaə K. Ingenh.; ânwantə Hf. Betschd.] anwenden. Kraft oder Kräfte a. sich anstrengen U. ‘s Lob isch güet a'gwende’ Lustig I 538. — F. Schwäb. 284.

in wëndeⁿ Einwendungen machen Bf. Str. K. Z.

verwëndeⁿ [fərwantə Dü. Bf.; fərwæntə Str.; fərwaə K. Z.; fərwæə Wh.] 1. verwenden = umkehren, meist nur in der Rda. deⁿ Ruckeⁿ (od. Rückeⁿ) v. sich auf einen kurzen Augenblick entfernen. Wü mr deⁿ Rückeⁿ verwëngt, schaffeⁿ sⁱe nix meʰʳ Ingenh. Er verwëndt keⁱⁿ Oig dªrab Dü. 2. entwenden. Sⁱe hon uʰm nix vrwëngt Wh.

Wënde [Wantə, Pl. ebs., Demin. Wantələ S.] f. Bewässerungsgraben auf Wiesen. Chumm, mⁱr wai geʰⁿ d Wëndeⁿ abstelleⁿ! Syn. Schlitzgräwl Dunzenh.; Schleuse bei Wiesenberieselungen Hi.

Gewënd [Kwant Geberschw. Su.; Kəwant Meis. Weiler; Kəwa Mutzig] f. Geberschw., sonst n. 1. Schutzvorrichtung durch Pfähle, Flechtwerk, Hecken und Steine an Windungen von Wasserläufen, um das Fortschwemmen der Ufererde zu verhindern Geberschw.; Schleusenvorrichtung Weiler, oder einfach ein Erdaufwurf in einem fliessenden Wasser zum Stauen desselben, wie es beim Bewässern der Wiesen geschieht Mutzig; das gestaute Wasser vor einer solchen Schleuse: Kumm, mⁱr badeⁿ im G. Meis. 2. Demin. Gwëndle Seitenstück eines Fensters oder einer Tür Su. Zu 2 s. Basel 157.