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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Drëck bis Kleinmännelesdrëck (Bd. 2, Sp. 748a bis 749a)
 
  Drëck [Trak S. O. U.; Træk Str. Roppenh. Rothb. Ingw. W.; Pl. Trakər ist nur bei einzelnen Zss. vorhanden in Bed. 2 Su. Geberschw. Katzent.; Demin. –lə Su. Hlkr., –l U., –ələ Brum.] m. 1. Dreck, Schmutz, Kot. Hüt is awer e D. uf dëneⁿ Strosseⁿ um enander! Ruf. D. macht fëtt, mr frisst alle Joʰr e Sester Z. ‘Sini Kleider stehn elein vor Dreck’ Str. JB. XI 123. Das is e alteʳ D., dëʳ hat schoⁿ fërn gstunkeⁿ das ist eine alte Geschichte Gebw. Vgl. Käs 1. Dr alt D. bruchs nimmeʳ z rüeʰreⁿ! lass das Geschehene ruhen! Liebsd. Wëⁿⁿ meⁿ im D. nüelt, se stinkt er Su. ‘Ye me man den dreck rurt, ye me er stinkt’ Geiler in Als. 1862, 159. s. Leimeⁿ. Er het D. am Stëckeⁿ er hat Unglück, Pech Dü., er ist nicht rein von Schuld, er hat kein Recht, andern etwas vorzuwerfen Str. Hf. Der findt dr D. bim Mondschin iron. er ist ein grosser Glückspilz Dü., er dünkt sich klüger als andere Ingw. ‘Mer meint, der isch üs eme andere Dreck do!’ er prahlt Str. JB. XI 121. Dëʳ het doch oʰ D. iⁿ deⁿ Aügeⁿ gha er hat doch nicht recht zugesehen Su. Ähnlich: Meⁿ meint, er heig (hätte) d Aügeⁿ mit D. iⁿgsetzt Fisl. s. Oʰrfig. D Freüd ist ihm iⁿ dr D. gheit ins Wasser gefallen Gebw. s. auch juchzeⁿ 1. Im D. uf d Wëlt chummeⁿ siⁿ eig. im Schmutz geboren sein, dann: vor dem Schmutz keinen Abscheu haben Olti. ‘Der frisst sine eiene Dreck vor ludder Gitz’ er ist sehr geizig Str. JB. XI 116. Im D. sitzeⁿ in der Klemme sein Heidw. Bis üwer d Oʰreⁿ im D. stëckeⁿ keinen Ausweg (aus Schulden usw.) mehr wissen Banzenh. ‘im D. stecke lohn Hilfe versagen’; ‘ussem D. zeije helfen’ Str. Ulrich. Mon Dieu, Seppi, wie hes du

[Bd. 2, Sp. 748b]
miʰ iⁿ dr D. gsetzt! wie hast du mich so verlassen können! Su. Das is anderlei aˡs D. am Beiⁿ! das ist etwas Schönes Gebw. Ausweichende Antwort auf die Frage nach dem Jahr: Anno 54, wo dëʳ gross D. gsiⁿ is Gebw. Er is eso ful wie D. stinkfaul Obhergh. s. auch ful. Ich habe ihn gescholten, ass dr D. ab iʰm gheieⁿ möcht Su. Du machs e Gsicht wie bräglteʳ D. du siehst bleich aus Su., ärgerlich Gebw. Spw. ‘Lüchten als ein dreck in einer laternen’ Geiler in Als. 1862, 138. 2. Eiter K. Z. s het D. gezöjeⁿ die Wunde eitert Hf. 3. etwas Schlechtes, daher: Unkraut, schlechte Ware u. dgl. Geʰ mⁱr ewëg mit dem D.! Dehli. D Wurzeleⁿ hat er ʰerus gerissⁿ, un dr D. hat er losseⁿ steʰn Wh. 4. etwas Unbedeutendes. E D.! oder Jo D.! wird absolut gebraucht als entschiedene Verneinung. Iʰ ha gmeint, er schafft, awer jo, Drëck! nix macht er! Dü. Rda. Jo Drëck! min Hërzl, friss was kummt! wieder eine Hoffnung dahin Illk. Jo, Drëck, is s woʰr! Dü. ‘D. uf din Nas!’ Wagner Km. Seite 99. Er kaⁿⁿ liejeⁿ, dr grösst Jud is e D. dergejeⁿ kann nicht gegen ihn aufkommen Dü. Was hes bekummeⁿ? Antwort E D.! oder D. im Lumpeⁿ! Z. Du versteʰs e D. vil! Su. ‘Es wird einen D. nutzen!’ Wagner Km. S. 11. Jo, du weis e braver D.! K. Z. Du hes mⁱr e D. ze sāueⁿ K. Z. Wëgeⁿ dëm D. is s mⁱr s nit dr wërt z kummen! Banzenh. Scherzh. ist die Verbind. von Bed. 1 u. 4 in: Du versteʰs dr D., du mues Hafner wëreⁿ! Horbg. In gleicher Weise wird das Demin. gebraucht. Das is e Drëckle drgegeⁿ! Su. Dem is jeds Drëckl ze viel Z. Wëjen eⁱⁿme jedeⁿ Drëckl macht der e grosseⁿ Spektakl Brum. Auch auf Personen wird D. bezogen: O du kleiner D.! o du kleiner Kerl! Roppenh. Keⁱⁿ D. ist ganz starke Verneinung: s is keⁱⁿ D. wërt; das geʰt diʰ keⁱⁿ D. aⁿ! gar nichts M. K. Z. ‘nicht eines drecks werth’ Mosch. II 153. Zss. –bäbi, –dings, –loch, –moʰr, –püppel, –saü, –spatz, –schlirgi, Schmutzfink Dü., –uedel, –ueli Mittl., -wuri. — Basel 83. Bayer. 565. Pfalz 36.

 PfWB  RhWB Bäreⁿdrëck m. Lakritze, eingekochter Süssholzstoff allg. D Kinder hän dr B. gërn Co. ‘Hab Zuckerbabier als un Bäredreck gschlutzt’ Schk. 99. ‘s geht

[Bd. 2, Sp. 749a]
jetz .. zuem Idaliäner grad um Bäredreck ze kaufe’ ebd. 187. Zss. –bölleleⁿ Pl. überzuckerte Lakritzkügelchen Hf.; –stang, –wasser.

Flöʰdrëck K. Z., Flöʰdrëcker Pl. Katzent. m. Flohexkremente. Dëm siⁿ Hem is ganz voll Flöʰdrëcker Katzent.

Gänsdrëck Ruf. Bf. Str., Gänseⁿdrëck Su. Dü. Rothb., Gängsdrëck K. Z. m. Gänsemist. Rda. ‘Dumm si-n-er as wie Gänsedràck’ Lustig I 227. Ër is dümmer aˡs G. Ruf. Su. Üwer deⁿ G. füeʰreⁿ übertölpeln Rothb. Dü. Meⁿ kann e aˡse nüechtereⁿ üwer deⁿ G. füeʰreⁿ er ist so dumm, dass man ihn auch überlisten kann, wenn er nicht betrunken ist Bf. ‘einen über den Gänsdrëck führen betrügen’ Klein.Basel 130. Schwäb. 219.

Hafeⁿdrëck m. Topfschmutz; Kleinigkeit, in der Rda. Du bis bös wëjeⁿ jedem H. Co.

Haidedrëck m. harte Knollen in lehmigem Ackerboden; solche Äcker erfordern viel Dünger und sind trotzdem wenig erträglich. Dis is nix aˡs laufender Leimeⁿ un H., dis kann dr Ziejler nit brucheⁿ Betschd.

 PfWB  RhWB Hüʰenerdrëck m. Hühnermist allg. Jungen Bürschchen empfiehlt man H. un Honig als Bartmittel Steinbr.; den Honi schmiert man aussen auf die Lippe, weil er zücht [tsiχt], H. innen, weil er treibt K. Z. Was git s zu essen? Antwort: Krut un Spëck un Hüeʰnerdrëck! Mittl. Rda. Merd de Pul (frz. merde de poule) is H.! es soll nicht sein Pfast. Su.Basel 172.

Hundsdrëck M. 1. Schimpfw. Er is e H.! Str. 2. Jo H.! als verneinender Ausruf Hf. = Jo Drëck! Hf.

Katzeⁿdrëck m. Katzenmist U. Will man einem Gespräch ein Ende machen, so sagt man zu den Streitenden: Dr ganz Prozëss het e Ënd, ich wünsch eich alleⁿ zsämmeⁿ n-e K. in d Händ! O. s. auch –trödele.

Kirchhofdrëck m. der Schmutz in dem Grübchen unter dem sog. Adamsapfel. Wäsch diⁿ K. ewëg, du Soühund! Geberschw.

Kleinmännelesdrëck m. 1. Spottname für einen verhältnismässig noch unentwickelten Menschen. Eks, Kleiⁿmännelesdrëck!

[Bd. 2, Sp. 749b]
Kl.! Kl.! rufen die Kinder ihm nach Osenb. 2. Honig Henfli.