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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Tag bis Bümmerlesta (Bd. 2, Sp. 658b bis 660b)
 
  Tag [Tâk S. O. bis südl. von Co. Bühl Ndrröd.; Tâj Co. bis Bf. Scherw.;M. Str. Bühl Lobs. Ingw. Lützelstn. Lohr Wh.; T Barr Geisp. Ostwald Molsh. Mutzig K. Z. Betschd. (auch Tâ); Tj Bisch. Illk. Geud.;Zinsw. Rothb.; Tâχ Lauterbg.; Tàk Wingen b. Weissenbg; abgek. zu –tik, –ti in Zss.; Gen. Sing. entspr. Tâks, Tâjs, Tâs, Ts; Pl. Ták S. O. bis südl. v. Co.; Táj Co. Dü. Rapp. U.;Str. Wh., im Dat. Tǽj u. Táùə Str.; in bestimmten Wendungen, namentl. b. voraufgehenden Grundzahlen Pl. = Sing. Roppenzw. Winzenh. Meis. Hf.; scheinbarer Gen. Pl. in Zeitbestimmungen mit folg. Grundz.: Tjər K. Z., Táùər Ingw., Târ Wh. anstatt ein Tag (od)er ...; Demin. Tájələ, Tájlə, Pl. Tájlər Dü.] m. 1. Tag, als Teil des Jahres. Rda. Dem is e gueter T. gschëʰn der arme Mensch, der sein ganzes Leben lang unglücklich war, ist durch den Tod erlöst worden Str. U. Ze armeⁿ Tageⁿ groteⁿ verarmen Olti. Sider ass s Bad offeⁿ is, frisst mich miner (Mann) ze armeⁿ Tajeⁿ Mark. s. auch schindeⁿ 1. ‘wan (sie) z armen tagen kemmen’ Geiler Narr. 135 (LXVI schar).

[Bd. 2, Sp. 659a]
‘in de-n-alde Daaue’ im Alter Pfm. II 3. ‘Der firt ’s ganz Joor de lange Daa!’ er ist immer arm Str. JB. XI 112. Mini par Täjler wëren ʰerum geʰⁿ die wenigen Tage, die ich noch zu leben habe, gehen auch noch herum Dü. Di Täg is er kommeⁿ an einem der letzten Tage Wingen. Jeneⁿ Tau neulich K. Z.; alleⁿ Taj täglich Eckirch; alleⁿ Taj un alleⁿ Taj Mark. Einer, der am Kirchweihfest viel Geld ausgibt und deshalb zur Sparsamkeit gemahnt wird, sagt: Na, jetz, was hets e Sach: s is nit alleⁿ Tau Mëssti! Dunzenh. Do is jetz awr auʰ eineⁿ Tau wi alleⁿ Tau jeden Tag die nämliche verdriessliche Angelegenheit Dunzenh. Alli Tag un eiⁿ Tag tagtäglich Olti. ‘sondern auch noch (Christum) alle tag in jhren Wercken verspotten’ Mosch. I 470. ‘die rühmen sich mit offentlichen worten, wie vil sie all tag betten’ Geiler 76. Narr Kloster. Taj für Taj alle Tage Dü. Deⁿ T. durch während des Tags, im Laufe des Tages Dunzenh. Hüt acht Tau heute vor 8 Tagen Hf. ähnl. Wh. Hüt üwer acht Tau heute in 8 Tagen ebd. Uf dr Taj gerade auf den Tag Dü. Uf deⁿ Tau Allerheiljeⁿ jäʰrt siʰ’s genau am Tag Allerheiligen K. Z. Do gang iʰ d drei nëchsteⁿ Täg nimmʳ ane! da komme ich sobald nicht mehr hin Geberschw. Ähnlich: Der kommt drei heilige Täg nit meʰʳ! Su. s Tags Hi. s Tajs täglich Dü. Er verdient s Taujs 40 Su Hf. E Täuer acht ungefähr 8 Tage Ingw. Wënn d so lang worteⁿ kanns, in e Tauer vier kummt r wider hi durich Ingenh. ‘den beclagten ein tag oder acht zuevor darzue zue verkhünden’ Petri 402. ‘Min Dag mein Namens- oder Geburtstag’ Stöber Mäder 72. Rda. Morn is widr e Taj Co., ähnl. U.: Morn is widr (od. auʰ noch) e Tau, wü noch nix gemōcht is sagt man, wenn die Vollendung einer Arbeit auf den folgenden Tag verschoben wird Dunzenh. Ingenh. Grussformel: Gueteⁿ Ta! Str. Gueteⁿ Tau! Hf. ‘Guede Dagh, Herr Mändigh! Dank i Gott, Herr Zistigh! Wie geht's, Herr Mittwuch! Ganz guet, Herr Dunstigh! Herr Friddigh, saghe doch im Herr Samstigh Er soll mit ’m Herr Sunndigh geh’ z'Middagh ässe’ Sennh. Stöber Volksb. 124, ähnl. Str. JB. XIX 289. Die Wochentage werden in gerade und ungerade eingeteilt, wobei der Montag als

[Bd. 2, Sp. 659b]
erster gilt. An ungeraden Tagen werden keine Hochzeiten abgehalten, dürfen die Buweⁿ ihre Geliebten zur Nachtzeit nicht aufsuchen, das tun nur die Bettbrunzer; vgl. auch Kommnacht. Wenn sich das Wetter an ungeraden Tagen wehrt, gewinnt es, d. h. die Wetterlage wird besser Betschd. Über bestimmte Tage im Jahr s. Als. 1852, 126 ff. Zss. Tagdieb, Ta des Lëbeⁿs. 2. Tag, im Ggs. zu Nacht. Jetz is s T. jetzt sieht er klar in der Sache, vielfach auch: jetzt wird er zornig Su. Er bapplt viel, wann dr Tau lang is Hf. ‘man redt viel, wenn der tag lang ist’ Geiler 41. Narr Kloster. Dr Tag verbrenneⁿ das Licht frühmorgens unnötig brennen lassen Geberschw. In unserm Hergott dr Taj abstëʰleⁿ faulenzen Dü. Deⁿ lieweⁿ langeⁿ Ta den ganzen Tag lang Str. Tag! Gruss am frühen Morgen Orschw. Gueteⁿ T.! Heidw. Krüt Kembs Hlkr. U. In Kingersh. grüsst man sich mit Ge Tag! bis 2 Uhr, von da ab Gueteⁿ Oweⁿ! Die Antwort auf den Gruss lautet Dank üch Gott! Heidw., verdreht zu Schand un Spott! guten Bekannten gegenüber Kembs. ‘Kummt Dah, kummt Ràt’ Dehli. JB. XI 54. s kummt an dr Taj ans Licht Dü. Am heiterhëlleⁿ T. allg. In dr T. ʰⁱnin luejeⁿ, schaffeⁿ, unbesorgt in die Welt schauen, drauf los arbeiten O. ‘s (Lissel) redt in de Daa nyn furt’ schwätzt unüberlegt Pfm. I 8. Dr Mon schint in dr T. ʰⁱniⁿ er steht noch am Himmel, wenn die Sonne leuchtet. Wenn dies im Frühjahr oder Herbst der Fall ist, git s gërn Rifeⁿ Dü. ‘Mer hèn e paar scheeni Daa ghet’ Str. Beliebt ist die Verbindung T. un Nacht. Das adverbiell gebrauchte Taj-e-Nacht bedeutet: in einem fort Dü. Bi deneⁿ Ziejlersfueʰreⁿ is auʰ Tauj-e-Nocht ewi die Ziegelsteine abfahrenden Fuhrwerke haben Tag und Nacht keine Ruhe Ingenh. ‘Der gunnt sich Dah un Nacht ken Ruhw’ Dehli. JB. XI 52. ‘das sie tag und nacht der burgerschafft am wachen zu hülff kommen’ Str. 1592, Als. 1858, 44. Zwischeⁿ T. un Nach bei einbrechender Dämmerung Dollern. Ähnl. Zwischeⁿ Ta un Liecht in der Dämmerung Ingw. Lobs. Wh. s is wie T. un Nacht ganz ungleich. ‘drei täge vnd drey nächte’ Mosch. II 221. Zss. Tagesliecht, Tagloch, –loʰn, –löʰner. — Basel 70. Bayer. 591.

[Bd. 2, Sp. 660a]

Ta un Nachtohne Art. St. Peterskraut, Mauerkraut, Parietaria officinalis Kirschl. 2, 55. ‘Dâ unn Nâcht’ St.Pritzel-Jessen 265.

hütig(es)tags [hìtiktâks Banzenh.; hìtikəstâks Obhergh.; hetikəstâks Su.; hetikəstàks Hlkr.; hetikəstâjs Co.; hetikstâjs Dü., –tâks M.; hitistys Geisp.; hitəstâs Lützelstn.] Adv. heutzutage. Die »Alten« klagen über die Verderbnis der neuen Zeit: Hütigstajs geʰts nimmʳ wie früejer! Dü. Hütigestags is alles türer Hlkr. Hütigestajs rënnt alles im Mode noʰ wie verruckt Co. D Lüt sin hütigstajs s Schaffeⁿ nimm gwoʰnt, drgëjeⁿ wëˡˡn sie awer besser lëweⁿ aˡs früejer Dü. Mit einem Wort: Hütigestags is d Wëlt umkeʰrt Obhergh. ‘Heutigs tags’ Str. 1873 Als. 1852, 28; Fisch. Daem. Vorr. Vgl. Klopstock, Gramm. Schr. 1, 49 ‘den heutigstägigen Fortgang’. s. auch hütig.

hützetag(s) [hetsətâk Su.; hitsətâs Str.] Adv. heutzutage. s. auch hüt(e) Seite 390.

jemti [jémti Bf.; kæntik M.] Adv. Dat. an jenem Tage, letzthin, neulich. J. is e Handwërksburst kommeⁿ oʰne Hëmb. Vgl. frz. l'autre jour.

undertags [ùərtâks Liebsd. Attenschw.; ùntərtâks Obhergh. Su.; ùntərtâjs Mark. Bf.] Adv. tagsüber. De chumms ungertags emol übereⁿ! du kommst im Lauf des Tages einmal hinüber Attenschw. Jetz (am kühlen Sommerabend) is besser aˡs undertajs Mark.

Aftermontag m. der Tag nach Montag, Dienstag Geiler Berg des schauenden Lebens 21. — F. Schwäb. 112. Bayer. 46.

Alleⁿtag m. Alltag, Werktag, im Ggs. zum Sonntag Illk. Str. U. O, du liewer A.! Ausruf der Verwunderung, eigentlich ironisch da am Platz, wo etwas Alltägliches als Wunder erzählt wird Str. Auch bei einer Verstimmung gebraucht man die Wendung, etwa: noch immer die alte Leier! Illk.

Antanzmëssti m. Vorkirmess, Sonntag vor dem eigentlichen Messtage K. Ingenh.

Blaumäntag m. blauer Montag Altw.Basel 33. F. Schwäb. 1182. Bayer. 1608 (danach eig. der Fastnachtmontag wegen der blauen Altarbekleidung).

[Bd. 2, Sp. 660b]

Bümmerlesta [Pìmərləstâ Hag.] m. unbestimmte, ausweichende Zeitangabe für zudringliche Neugierige. — verderbt aus Nimmerlestag.