| Tag [Tâk S. O. bis südl. von Co. Bühl Ndrröd.; Tâj Co. bis Bf. Scherw.; Tâ M. Str. Bühl Lobs. Ingw. Lützelstn. Lohr Wh.; T Barr Geisp. Ostwald Molsh. Mutzig K. Z. Betschd. (auch Tâ); Tj Bisch. Illk. Geud.; Tà Zinsw. Rothb.; Tâχ Lauterbg.; Tàk Wingen b. Weissenbg; abgek. zu –tik, –ti in Zss.; Gen. Sing. entspr. Tâks, Tâjs, Tâs, Ts; Pl. Ták S. O. bis südl. v. Co.; Táj Co. Dü. Rapp. U.; Tâ Str. Wh., im Dat. Tǽj u. Táùə Str.; in bestimmten Wendungen, namentl. b. voraufgehenden Grundzahlen Pl. = Sing. Roppenzw. Winzenh. Meis. Hf.; scheinbarer Gen. Pl. in Zeitbestimmungen mit folg. Grundz.: Tjər K. Z., Táùər Ingw., Târ Wh. anstatt ein Tag (od)er ...; Demin. Tájələ, Tájlə, Pl. Tájlər Dü.] m. 1. Tag, als Teil des Jahres. Rda. Dem is e gueter T. gschëʰn der arme Mensch, der sein ganzes Leben lang unglücklich war, ist durch den Tod erlöst worden Str. U. Ze armeⁿ Tageⁿ groteⁿ verarmen Olti. Sider ass s Bad offeⁿ is, frisst mich miner (Mann) ze armeⁿ Tajeⁿ Mark. s. auch schindeⁿ 1. ‘wan (sie) z armen tagen kemmen’ Geiler Narr. 135 (LXVI schar). [Bd. 2, Sp. 659a]
‘in de-n-alde Daaue’ im Alter Pfm. II 3. ‘Der firt ’s ganz Joor de lange Daa!’ er ist immer arm Str. JB. XI 112. Mini par Täjler wëren ʰerum geʰⁿ die wenigen Tage, die ich noch zu leben habe, gehen auch noch herum Dü. Di Täg is er kommeⁿ an einem der letzten Tage Wingen. Jeneⁿ Tau neulich K. Z.; alleⁿ Taj täglich Eckirch; alleⁿ Taj un alleⁿ Taj Mark. Einer, der am Kirchweihfest viel Geld ausgibt und deshalb zur Sparsamkeit gemahnt wird, sagt: Na, jetz, was hets e Sach: s is nit alleⁿ Tau Mëssti! Dunzenh. Do is jetz awr auʰ eineⁿ Tau wi alleⁿ Tau jeden Tag die nämliche verdriessliche Angelegenheit Dunzenh. Alli Tag un eiⁿ Tag tagtäglich Olti. ‘sondern auch noch (Christum) alle tag in jhren Wercken verspotten’ Mosch. I 470. ‘die rühmen sich mit offentlichen worten, wie vil sie all tag betten’ Geiler 76. Narr Kloster. Taj für Taj alle Tage Dü. Deⁿ T. durch während des Tags, im Laufe des Tages Dunzenh. Hüt acht Tau heute vor 8 Tagen Hf. ähnl. Wh. Hüt üwer acht Tau heute in 8 Tagen ebd. Uf dr Taj gerade auf den Tag Dü. Uf deⁿ Tau Allerheiljeⁿ jäʰrt siʰ’s genau am Tag Allerheiligen K. Z. Do gang iʰ d drei nëchsteⁿ Täg nimmʳ ane! da komme ich sobald nicht mehr hin Geberschw. Ähnlich: Der kommt drei heilige Täg nit meʰʳ! Su. s Tags Hi. s Tajs täglich Dü. Er verdient s Taujs 40 Su Hf. E Täuer acht ungefähr 8 Tage Ingw. Wënn d so lang worteⁿ kanns, in e Tauer vier kummt r wider hi durich Ingenh. ‘den beclagten ein tag oder acht zuevor darzue zue verkhünden’ Petri 402. ‘Min Dag mein Namens- oder Geburtstag’ Stöber Mäder 72. Rda. Morn is widr e Taj Co., ähnl. U.: Morn is widr (od. auʰ noch) e Tau, wü noch nix gemōcht is sagt man, wenn die Vollendung einer Arbeit auf den folgenden Tag verschoben wird Dunzenh. Ingenh. Grussformel: Gueteⁿ Ta! Str. Gueteⁿ Tau! Hf. ‘Guede Dagh, Herr Mändigh! Dank i Gott, Herr Zistigh! Wie geht's, Herr Mittwuch! Ganz guet, Herr Dunstigh! Herr Friddigh, saghe doch im Herr Samstigh Er soll mit ’m Herr Sunndigh geh’ z'Middagh ässe’ Sennh. Stöber Volksb. 124, ähnl. Str. JB. XIX 289. Die Wochentage werden in gerade und ungerade eingeteilt, wobei der Montag als [Bd. 2, Sp. 659b]
erster gilt. An ungeraden Tagen werden keine Hochzeiten abgehalten, dürfen die Buweⁿ ihre Geliebten zur Nachtzeit nicht aufsuchen, das tun nur die Bettbrunzer; vgl. auch Kommnacht. Wenn sich das Wetter an ungeraden Tagen wehrt, gewinnt es, d. h. die Wetterlage wird besser Betschd. Über bestimmte Tage im Jahr s. Als. 1852, 126 ff. Zss. Tagdieb, Ta des Lëbeⁿs. 2. Tag, im Ggs. zu Nacht. Jetz is s T. jetzt sieht er klar in der Sache, vielfach auch: jetzt wird er zornig Su. Er bapplt viel, wann dr Tau lang is Hf. ‘man redt viel, wenn der tag lang ist’ Geiler 41. Narr Kloster. Dr Tag verbrenneⁿ das Licht frühmorgens unnötig brennen lassen Geberschw. In unserm Hergott dr Taj abstëʰleⁿ faulenzen Dü. Deⁿ lieweⁿ langeⁿ Ta den ganzen Tag lang Str. Tag! Gruss am frühen Morgen Orschw. Gueteⁿ T.! Heidw. Krüt Kembs Hlkr. U. In Kingersh. grüsst man sich mit Ge Tag! bis 2 Uhr, von da ab Gueteⁿ Oweⁿ! Die Antwort auf den Gruss lautet Dank üch Gott! Heidw., verdreht zu Schand un Spott! guten Bekannten gegenüber Kembs. ‘Kummt Dah, kummt Ràt’ Dehli. JB. XI 54. s kummt an dr Taj ans Licht Dü. Am heiterhëlleⁿ T. allg. In dr T. ʰⁱnin luejeⁿ, schaffeⁿ, unbesorgt in die Welt schauen, drauf los arbeiten O. ‘s (Lissel) redt in de Daa nyn furt’ schwätzt unüberlegt Pfm. I 8. Dr Mon schint in dr T. ʰⁱniⁿ er steht noch am Himmel, wenn die Sonne leuchtet. Wenn dies im Frühjahr oder Herbst der Fall ist, git s gërn Rifeⁿ Dü. ‘Mer hèn e paar scheeni Daa ghet’ Str. Beliebt ist die Verbindung T. un Nacht. Das adverbiell gebrauchte Taj-e-Nacht bedeutet: in einem fort Dü. Bi deneⁿ Ziejlersfueʰreⁿ is auʰ Tauj-e-Nocht ewi die Ziegelsteine abfahrenden Fuhrwerke haben Tag und Nacht keine Ruhe Ingenh. ‘Der gunnt sich Dah un Nacht ken Ruhw’ Dehli. JB. XI 52. ‘das sie tag und nacht der burgerschafft am wachen zu hülff kommen’ Str. 1592, Als. 1858, 44. Zwischeⁿ T. un Nach bei einbrechender Dämmerung Dollern. Ähnl. Zwischeⁿ Ta un Liecht in der Dämmerung Ingw. Lobs. Wh. s is wie T. un Nacht ganz ungleich. ‘drei täge vnd drey nächte’ Mosch. II 221. Zss. Tagesliecht, Tagloch, –loʰn, –löʰner. — Basel 70. Bayer. 591.[Bd. 2, Sp. 660a]
Ta un Nachtohne Art. St. Peterskraut, Mauerkraut, Parietaria officinalis Kirschl. 2, 55. ‘Dâ unn Nâcht’ St. — Pritzel-Jessen 265. hütig(es)tags [hìtiktâks Banzenh.; hìtikəstâks Obhergh.; hetikəstâks Su.; hetikəstàks Hlkr.; hetikəstâjs Co.; hetikstâjs Dü., –tâks M.; hitistys Geisp.; hitəstâs Lützelstn.] Adv. heutzutage. Die »Alten« klagen über die Verderbnis der neuen Zeit: Hütigstajs geʰts nimmʳ wie früejer! Dü. Hütigestags is alles türer Hlkr. Hütigestajs rënnt alles im Mode noʰ wie verruckt Co. D Lüt sin hütigstajs s Schaffeⁿ nimm gwoʰnt, drgëjeⁿ wëˡˡn sie awer besser lëweⁿ aˡs früejer Dü. Mit einem Wort: Hütigestags is d Wëlt umkeʰrt Obhergh. ‘Heutigs tags’ Str. 1873 Als. 1852, 28; Fisch. Daem. Vorr. Vgl. Klopstock, Gramm. Schr. 1, 49 ‘den heutigstägigen Fortgang’. s. auch hütig. hützetag(s) [hetsətâk Su.; hitsətâs Str.] Adv. heutzutage. s. auch hüt(e) Seite 390. jemti [jémti Bf.; kæntik M.] Adv. Dat. an jenem Tage, letzthin, neulich. J. is e Handwërksburst kommeⁿ oʰne Hëmb. Vgl. frz. l'autre jour. undertags [ùərtâks Liebsd. Attenschw.; ùntərtâks Obhergh. Su.; ùntərtâjs Mark. Bf.] Adv. tagsüber. De chumms ungertags emol übereⁿ! du kommst im Lauf des Tages einmal hinüber Attenschw. Jetz (am kühlen Sommerabend) is besser aˡs undertajs Mark. †Aftermontag m. der Tag nach Montag, Dienstag Geiler Berg des schauenden Lebens 21. — F. Schwäb. 112. Bayer. 46. Alleⁿtag m. Alltag, Werktag, im Ggs. zum Sonntag Illk. Str. U. O, du liewer A.! Ausruf der Verwunderung, eigentlich ironisch da am Platz, wo etwas Alltägliches als Wunder erzählt wird Str. Auch bei einer Verstimmung gebraucht man die Wendung, etwa: noch immer die alte Leier! Illk. Antanzmëssti m. Vorkirmess, Sonntag vor dem eigentlichen Messtage K. Ingenh. Blaumäntag m. blauer Montag Altw. — Basel 33. F. Schwäb. 1182. Bayer. 1608 (danach eig. der Fastnachtmontag wegen der blauen Altarbekleidung).[Bd. 2, Sp. 660b]
Bümmerlesta [Pìmərləstâ Hag.] m. unbestimmte, ausweichende Zeitangabe für zudringliche Neugierige. — verderbt aus Nimmerlestag. | |