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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
tue(n) bis dur(e) tuen (Bd. 2, Sp. 639a bis 640b)
 
  tue(n), tüe(n) [tỳə S. O.; t M.; tyən Illk. K. Z. Han.; tŷn Str.; tûn Betschd. N. W.; tìə Bf. Geisp. — Einzelne Formen: Ind. Präs. tyə, –, –t, tyən u. tìən Lutterb. Ruf.; tyə, -, –t, tyən Co., Pl. tìən Dü.; tùə, –, –t, älter tìə, –, –t, Pl. nur tìə Bf.; tŷ, –, –t, –n Str.; tû, –, –t, –n Betschd. N. W. — Konj. tát Lutterb. Ruf. O. K. Z., tǽt Str. W., têt Roppenzw. Betschd.; wofür kát = würde als Hülfsztw. bei der Konjugation O. s. Seite 243. — Imper. tyə, Pl. tìən Co. — Part. kətó S. O. (vielf. ohne Vorsilbe), kətôn Str., kətûn K. Z., kətûn und unter jüd. Einfluss kətyən Hf. Altes Gerundium tìənt als Inf.: Wàs hait ər ópə ts tìənt? Fisl.] tun. 1. als Hilfszeitw. ‘D’ Wàschwiwer, die thien sich verthüe’ Lustig I 82. ‘Dis dut mì verdriesse’ Str. Dis dät iʰ jetz an diⁿm Platz nit duen! K. Z. Zur

[Bd. 2, Sp. 639b]
Umschreibung des Präs. od. Fut. (selten): Iʰ mach ⁱʰm e Frëüd, wënn iʰ iʰm eps bringeⁿ due Dü. ‘als ob einer im wasser schwimmen thäte’ Mosch. I 306. 2. arbeiten. Hes nix z d.? Dü. Üwer Hals un Kopf ʰⁱnus ze d. haⁿ Bf. ‘Der hat sin Lewe nàch nix gedān’ Dehli. JB. XI 46. 3. sich geberden. Er het arig doⁿ, wo sini Fraü gstorweⁿ is Dü. Das is awer doch gedoⁿ! das heisst aber im Schmerz zu weit gegangen Katzent. ‘Er het hoch gedon un het mer gsait ganz trukke, dass er ganz anderst denkt’ Pfm. IV 6. Ër diet wie-n-e Narr gebärdet sich wie verrückt Bf. ‘S (Klärel) zeiht dene Monet noch e-n-andre Herr ins Nez mit sym manierli Duen’ Pfm. III 2. ‘Heer, verschon mi mit dym schandli Duen’ Schimpfen ebd. IV 4. ‘Er duet jo stoltz ass wie e Pfo’ ebd. IV 6. D Muckeⁿ düen die Fliegen umschwärmen einen und quälen Mensch und Vieh, ein Vorbote des Regens Obhergh. Bf. D Kinder düen um die par Pflumeⁿ weiss wie sind erpicht darauf Dü. Das dut awer! der Wind braust aber! Wingen. 4. mit Obj. Due mⁱr dr Gfalleⁿ! Geisp. Ich du's nit! nein, ich gehe nicht drauf ein! Wingen. [ər tût s net òntər] ist sonst nicht zufrieden Wh. ‘Ich kann ihm nicht thun Je ne saurois qu'y faire’ Mart. Parl. N. 1637. 642. 5. unpers. genügen, reichen. Do hes e Stückle Bëndl, hes gnue? O ja, s duet's! Dü. s dut's nit! es langt nicht Wingen. Grussfrage an ruhig stehende oder sitzende Personen: Duet's s? behagt es Euch so? Antw.: Jo, jo! Hüttenh. Jo, jo, e wenig (e bissle)! Dü. Im Scherz: Neiⁿ, mr muess es sëlbst d. Markolsh. Neiⁿ, mⁱr düen s sëlwer! Geiswasser. s diet's nit! es reicht nicht aus oder: es passt nicht, schickt sich nicht Bf. Beim Versteckspiel ruft das zum Suchen bestimmte Kind, welches mit dem Kopf an die Mauer lehnt, während die anderen sich verbergen: Is gedon? Nach einer Weile antworten die anderen: Gü! s is gedon! Dunzenh. 6. ält. Spr. ausmachen. ‘Das allein das macherlon me dann zwœlff gulden hatt gethon’ Murner Mühle 1119. — Basel 89. Schwäb. 147. Bayer. 574. Pfalz 37.

abe tueⁿ herabsetzen, ausschelten Hi.Basel 2.

acht tun acht geben Wh.

an tuen 1. anziehen. s is so heiss,

[Bd. 2, Sp. 640a]
un ich bin auʰ noch so dick ongedon! Ingenh. Ich bli dªheim, ich hab nix anzeduen Illk. ‘Mit Rosenfarb schn angethon’ Fisch. Flöhh. 472. Refl. sich anziehen U. Scherzhaft: Sich guet oder innewënni an d. tüchtig essen Hf. Vgl. an legeⁿ O. 2. erweisen. Eʰr oder Schand a. Str. Eiⁿm eppis aⁿdueⁿ ihn verhexen Hi. Siʰ e Leids a. Selbstmord begehen. Hätts s im Vater nit sölle-n-a.! Hf. Sich Müej a. sich Mühe geben K. Z. Mⁱr han üⁿs alli Müej ongedon, awr s is nit dr wërt Ingenh. Basel 4. Schwäb. 147. Hess. 14.

and tun Betschd. W., an tueⁿ Co. Dü. s. and Seite 48. s het mⁱr so aⁿ getoⁿ, wo-n-iʰ das Dings ghört ha, ass iʰ s eüch nit kann sajeⁿ! Co. Dr Schaki is furt geʰⁿ Säldat siⁿ; awr s het ⁱʰm arig aⁿtoⁿ; ër het ghült wi e kleiⁿ Kind Dü.Schwäb. 20. Bayer. 575.

anne tueⁿ 1. hinstellen Katzent. 2. unterbringen, im Gedächtnis. Iʰ han ihne schoⁿ gsëʰⁿ, awer iʰ weiss ⁱʰne nieneⁿ anne z dueⁿ Su. Ich kënn ⁱʰne woʰl, awer ich weiss ⁱʰne nierigs onne ze duen Ingenh. Basel 11.

bi tun zum Feuer setzen. Ich hon Ërbseⁿ bigeton Wh.

derfür tue(n) (eig. den Riegel vorschieben) abstellen, machen, dass etwas nicht oder nicht mehr geschieht M. Dü. U. Er het mⁱr Gëld gnummeⁿ us dr Schuflad, awer iʰ will iʰm drfür dueⁿ! indem ich ihn durch Strafe abschrecke oder indem ich die Schublade verschliesse Dü. Jetz däteⁿ sⁱe dis Fässl voll Win in vierzeʰn Taujeⁿ mit ⁱnand lër suffeⁿ; awer ich hob ihneⁿ deʳfür gedon! ich habe den Keller verschlossen Dunzenh.Basel 74. Schwäb. 147. Bayer. 575.

derglich tuen Bebelnh., drglicheⁿ tuen Hi. Sier. Su. Horbg. Bf. Str. sich entsprechend halten, sich verstellen. Spw. Derglichen getoⁿ is nit küechlet Hi. Bruchs nit derglicheⁿ z dueⁿ, aˡs woˡˡts in d Kirche goʰⁿ: ich gsiʰ s woʰl, ass s nit so is! Sier. ‘Bisch au von dene zarde-n-un spreede Jümferle, wo nit derglyche duen’ Pfm. I 5. — Basel 74.

 PfWB derzue tuen 1. hinzu tun Su. 2. dafür Sorge tragen M. Wëⁿⁿ mr eps gspürt, muess mr in dr Zit drzue dueⁿ muss man bald zum Arzt gehen Dü. ‘s

[Bd. 2, Sp. 640b]
isch nurr dass, wenn sich's dät erzaye, dass es de-n-andre meecht, so muesst merr in der Zyt derzue duen’ Pfm. III 3. In diesem Sinn betont man das Ztw. Z. Bayer. 575.

dur(e) tuen 1. hindurchstecken. Due dëⁿ Schlüssl dure! Obhergh. 2. durchstreichen. Hän iʰr d Sach durdoⁿ? habt ihr die Schuld durchgestrichen? Banzenh. 3. abstreichen. Si hän iʰm e Fünftl voⁿ siⁿm Ghalt duredoⁿ Obhergh. 4. bestreiten. Er duet iʰm alles dur Banzenh. Basel 91. Bayer. 577.