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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Stoss bis ab stosseⁿ (Bd. 2, Sp. 616a bis 617a)
 
  PfWB  LothWB  RhWB Stoss [ʿStós Rimb. Str. Hf. Betschd. Wh.; ʿStôs Sewen Bf.; ʿStûs Horbg. Dü. Breitenb. Molsh. K. Z.; ʿStyos M.; Pl. ʿStés Dü. Breitenb. Molsh. K. Z., ʿStês Str.] m. 1. Stoss. Gib ihm e S., dass er ufwacht! Str. Zss. Stosskarreⁿ, –vogel. 2. Scherz, dummer Streich. Er het e S. losgeloˢˢn Str. ‘mer weiss jo, dass der

[Bd. 2, Sp. 616b]
knifflisch Schül (frz. Jules) allewiel sini Schtees loos muess lonn’ Str. JB. VIII 196. Dëm sini Stöss kënneⁿ mir uns kann er nichts vor machen Str. Wënn de noch e par so Stöss machs, wurd mr dich bal schasseⁿ Molsh. 3. Unglück. Wënn mⁱr numme der S. nit passiert, dass ich min Gëld verlier! Str. Das is iʰm e S. das ist ein Unglück für ihn Str. 4. Mal, Moment. Iʰr kumme aˡs so e Stoss ʰering, nu (danach) geʰn ⁱʰr aˡs wider los Ottersw. 4. Teil einer Wiese zwischen zwei Furchen M. 5. aufgeschichtete Menge. E S. Holz Bf. U. — Basel 280. Bayer. 2, 788.

Anstoss m. 1. Stelle, wo etwas anstösst oder angestossen hat, der Rand einer Speckseite Breitenb., beim Brot die Stelle, wo es im Backofen mit einem andern zusammentraf Dü. U. Ich ëss gërn Aⁿstoss Bf. Vgl. Anschutz. In der älteren Spr. Stoss: ‘also das die stösse clein sint und nit z breyt’ Str. 1467 Brucker 99. 2. abnehmbare Verlängerung der Tischplatte Str. 3. ‘Anstoss der Felder confinium collimitium’ Dasyp. 4. Stocken. Er kaⁿⁿ siⁿ Sach oʰne A. Dü.

Baräckelstoss [Pàrakltós Rimb.] m. Schweinestall.

 PfWB Gegeⁿstoss m. der Ort, wo die Schmalseiten zweier Äcker zusammenstossen. Am G. gsiʰt mr keⁱn Scheid meʰʳ Horbg. Vgl. dazu Sëch.

Gerackelstoss [Khàràkltôs Sewen] m. Picke, Karst. Vgl. rakleⁿ?

Immeⁿstoss m. Bienenschwarm Hf.

Judeⁿstoss m. hinterlistiger, betrügerischer Streich Dü. Str. Der erste J. erfolgte, als Jakob dem Esau sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht abkaufte Str.

Ufstoss [Ùftós, Pl. –tésər Hi.] m. Ende eines Ackers, der auf die Längsseite eines andern Feldstückes, einen sog. Aⁿwander, stösst Hi.Bayer. 2, 788.

Voranestoss [Fòrânətôs Sewen] m. Stosskarren.

 PfWB  LothWB  RhWB stosseⁿ [tósə fast allg.; tôsə Ingersh. Bf. Str.; tyosə M.; tòsə Dehli.; Ind. Pr. 2. tò, tô, tyo, 3. tóst usw. ohne Uml.; Part. któsə, ktôsə, aber któst W.] I. mit haben. 1. stossen, einen Stoss geben. Si hän enander iⁿs Wasser gstosseⁿ. Dr Bock stosst gërn Bf. Do han ich mich doch gstosst, dass

[Bd. 2, Sp. 617a]
es mir weʰ am Herz getan hat Dehli. 2. zerstossen. Trüwl s. Dü. Türlips s. Bf. Ähnl. Butter s. Wh. 3. anstossen. Ein Hus stosst aⁿs ander Bf. 4. sprossen, treiben, von Pflanzen M. s. auch Laub 2. 5. schwärmen, von Bienen. D Immeⁿ s. allg. ‘Jez stosse ’s Judde-n-Imme’ Pfm. III 4. 6. (in die Tasche) stecken S. ‘Ein Bott von Lutzern hatte etliche Brieff brocht, die er wieder in ein ledern Sackh gestossen’ 1587 Mieg 2, 152. 7. refl. sich irren. Dr Krämer het sich um e Taler gstosseⁿ Bf. ‘Wie stosse sie sich alle z’àmme’ Lustig I 196. Nundedriwele, jetz haw iʰ miʰ awr gstosseⁿ! Str. Rda. ‘Der hat sich gstosst wie der Stohf (Christoph) in der Apethék’ Dehli. JB. XI 56. ‘Sich mit aim stose’ sich mit ihm entzweien Str. CS. 105. 8. sich an eps s. Anstoss nehmen Su. U. Zu einem, der Bedenken trägt, ein reiches, aber nicht gerade gut beleumundetes Mädchen zu heiraten, sagt ein anderer: Do dät iʰ miʰ nit dron s.! Dunzenh. ‘Wer nun sich an diese drey puncten nicht stost’ Geiler Narr. 43 Kloster. ‘Dann es sein etliche einfeltige, wenn sie sehen, das man so viel vnd grosz gut dargibt in religions sachen, stossen sie sich darob’ ebd. 49. ‘darumb daz sich andere daran stossen’ ders. H K. LXXXIIIª. ‘so werden sich villeicht andere daran stossen’ ein Beispiel daran nehmen Str. 1547 JB. III 97. II. mit sin. 9. schnell laufen. Wü wellen iʰr dënn jetz anne stosseⁿ! Hf. Str. Basel 280. Bayer. 2, 789. Pfalz.

ab stosseⁿ 1. wie hochd. Deʳ Gluxer het mⁱr s Hërz schier ogstosseⁿ Ingenh. ‘es hät mer's Herz aagstose, wenn i mit nus hät müe'n’ Pfm. I 2. Eiⁿm s Bein a. abnehmen, amputieren Ruf. 2. Gegenstoss bilden S. Ist ein Grundstück innerhalb einer Gewann getrummt, so sagt man: das Stück stosst ab. — Basel 15. F. Schwäb. 73. Bayer. 2, 790.