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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Stork bis umme stürmeⁿ (Bd. 2, Sp. 613a bis 614b)
 
  PfWB  LothWB  RhWB Stork, Storch [ʿStòr Ballersd. Lutterb. Illz. Str.; ʿStòriχ Ingersh.; ʿStòreχ Hag. Kindw.; ʿStork Mü. Ruf. Su. Hlkr. M. Bf.; ʿStòrik Co. Dü. Bebelnh. Mütt. NHof Str. U.; Pl. meist ohne Umlaut –ə, mit Umlaut ʿStèrk Hlkr., ʿStèrik NHof, ʿStèreχ Kindw.; Demin. ʿStèrkl, ʿStèrkələ Str.] m. (f. K. Z. Hag.) 1. Storch. Er het n-e Hals wie-n-e Stork so lang Su. ‘Umb des Peterstl fest schen die Storcken jr nest’ Fisch. Prakt. 17. ‘die Storcken fliegen umb Jacobi wider hinweg’ Str. 1625 JB. VII 113. ‘ja sie wissen noch nicht so vil als die Storcken, auf welchem

[Bd. 2, Sp. 613b]
fus sie stahn müsen’ Fisch. Bin. 86ª. ‘Dise sein gleich den Storcken’ Geiler Narr. 66 Kloster. ‘Storcken cigognes’ Martin Parl. N. 561. Der Storch ist besonders bei Kindern beliebt; es gibt mehrere Verschen mit Abarten, die sie ihm zurufen, sobald sie ihn erblicken. Storch, Storch, stipper dine Bein, Trag miʰ ufm Rückeⁿ heim; Wenn d miʰ nit kaⁿⁿs trageⁿ, So hol e langer Wageⁿ; Wenn d miʰ nit kaⁿⁿs ziegeⁿ, So loss miʰ widr fliegeⁿ! Illz., ähnl. Lutterb. Ruf. Co. Bebelnh. Rapp. JB. VII 160. ‘Stork, Stork, Stibberdibein! Dra mi uf'm Rucke heim! Kannsch mi nit erdrauje, Lai mi uf de Wauje; Kannsch mi nit erzeje, Loss mi d'heime leje! Drauje ’s Brod ins Beckehüs, Bringe-n-im Kind e Weckele drus!’ Str. Stöber Volksb. 313. Storik, Storik, stipper di Bein, Trau miʰ uf dineⁿ Flijeleⁿ heim; Wënn d miʰ nit kanns traujeⁿ, Hols deⁿ langeⁿ Waujeⁿ Un deⁿ wisseⁿ Schimml: Füeʰr mich in deⁿ Himml Ringend.; ähnl. Damb. Stöber Volksb. 314. ‘Stork, Stork, styber die Bein!’ Hirtz Ged. 205. Storik, Storik, Langbein, Tra miʰ ufm Buckl heim; Wënn dë miʰ nit kaⁿⁿs trajeⁿ, Loss miʰ liewer faʰreⁿ! Co. Storik, Storik, Langbein, Trau miʰ ufm Rückeⁿ heim! Dunzenh. Storik, Storik, dreimol ʰerum, Lei diʰ uf deⁿ Waujeⁿ, Kann dich nimmi traujeⁿ; Lei dich uf deⁿ Rückeⁿ, Kann dich nimmi drückeⁿ! Ingw. Storik, Storik, dräj dich herum, Millichsippl, Tülipa: Friss du, was du gschisseⁿ hes! Dunzenh. Abzählsprüche: Storik, Storik, dräj dich herum, Bariggl, Bariggl, s het zwei gschlaueⁿ! Str. Storch, Storch, Zipflschnabl, Kumm, iʰ will diʰ leʰreⁿ s Ësseⁿ trageⁿ Mit dr breiteⁿ Wanneⁿ Ze dr Mueter anneⁿ, Züm Vetter Lieni (Lienhard), Blëtz mⁱr mine Schüeʰli; D Katz het mⁱr s Lëdr gnummeⁿ. Wart, bis iʰ widr kumm Moʳne morgeⁿ früej, Wenn dr Haber blüejt, Wenn dr Roggeⁿ rist, Wenn dr Miller pfist, Wenn dr Beck iⁿ d Hoseⁿ schisst Ballersd. Var. ‘Storch, Storch Eini! Mit dine lange Beini, Mit dine lange Schnîbberschnäbber!’ usw. Dirlinsd. Stöber Volksb. 315, Gebw. ebd. 317. Reitliedchen für Kinder, welche auf den Knien Erwachsener geschaukelt

[Bd. 2, Sp. 614a]
werden: Storikeⁿ, Storikeⁿ, Schniweschnawl, Setz dich uf de-n-Isereⁿgawl, Setz dich uf deⁿ langeⁿ, langeⁿ Waujeⁿ; Dr Waujeⁿ kann diʰ traujeⁿ, Treit dich üwr s Beckeⁿ Hus, Wirft dⁱr drei Wecke-n-ʰerus, Wirft sⁱe hinger d Tüer: Un unser klein Schorschele (od. anderer Kindername) holt sⁱe widr ʰerfür Hf. Beim Anblick eines Storches rufen die Kinder zuweilen auch: ‘Stork, Stork, di Hîsele brennt! Vadder un Mueder sin d'Hèll awe g'rennt!’ Mü. Stöber Volksb. 316. Storik, Storik, s Nest brënnt, D Jungeⁿ sin schun lang verbrënnt Hf. Vgl. Ramm(e). Die Vorstellung, dass der Storch die kleinen Kinder bringt, ist nicht volkstümlich und wenig verbreitet und scheint erst in jüngerer Zeit Eingang gefunden zu haben. Storik, Storik, stipper din Bein, Bring mⁱr morje-n-e Buppele heim! Hf. (erst seit 1893); Var. Bring mⁱr e Buppele heim! Ingw. Zss. Storikeⁿschnabel. 2. aufgeschossener, langhalsiger Mensch. Dër Storik het üwerall sini Nas drin Dü. Lueg, d Storkeⁿ fliege-n-us! dort geht ein langer Mensch Ruf. 3. Dr blöue Storkeⁿ eine Art Singtanz, der anfangs dem langsamen, gravitätischen Menuett ähnlich ist; jetzt ausser Gebrauch K. Han. Aug. Stöber Der Kochersberg 48, wo auch der Anfang des Storchenlieds mitgeteilt ist. ‘einem den storcken machen’ drehen, durch Gebärden äffen, ausspotten Geiler S. M. 35. 4. Demin. Pl. Sterkeleⁿ übtr. Hypothek. Rda. ‘Sterkele-n-uff em Dach han Hypotheken auf dem Haus’ Str. CS. 105; e Storikeⁿnest uf m Hus han dass. Str. Ulrich. Basel 250. Bayer. 2, 781.
 
 
 PfWB  LothWB  RhWB Sturm [ʿStûrm Liebsd. Mü.; ʿStùrm Olti. Hi. Co. Str. U.] m. 1. Sturm Olti. Mü. Zss. Sturmwëtter. 2. Rausch Str. 3. Hutkrämpe. Du hes e breiter S. am Huet Liebsd. Hi. Basel 284. Bayer. 2, 782.

Nabelsturm m. Bauchweh Olti.

Sturmi m. Stürmer, stürmischer Mensch Olti.

Gstürm(s) [Ktìrm Katzent.; Kterm Su.; Kterms Dü. K. Z.] n. 1. Hin- und Herrennen Katzent.; Lauferei Dü. 2. schlechtes Läuten Su.; Sturmläuten K. Z.

Himmelstürm [Hìmltìrm Felleri.] n. Gebrumme, dumpfes Geräusch.

[Bd. 2, Sp. 614b]

Stürmel [ʿSterml Hi. Kerzf.] m. Mensch mit bösem Gesicht Kerzf.; planlos und unüberlegt redender und handelnder Mensch Hi. Vgl. Sürmel.

 PfWB  RhWB stürmeⁿ [tîrmə Fisl. Liebsd.; tìrmə Olti.; tìrmə u. termə fast allg.] 1. Sturm läuten. Wo brennt s? meⁿ hört s.! Liebsd. s het mit alleⁿ Glockeⁿ gstürmt K. Z. ‘es were dann das ein für uszginge und das man mit den glocken uf dem münster stürmen wurde’ Str. 15. Jh. Brucker 26. ‘man soll die Glockenseil aufziehen, damit man nicht stürmen mög’ 1525, Als. 1854, 136. ‘Hierauf hat man gestürmt mit allen Glocken’ 1525 Rapp. ebd. 164. 2. schlecht läuten Liebsd. 3. ungestüm rennen. Stürm nit so! Ndrröd. 4. schwärmen, von Fluginsekten Dü. Basel 284. Bayer. 2, 783.

ʰerum stürmeⁿ herumschwärmen. Uf eiⁿmol siⁿ mⁱr e Hufeⁿ Wëspleⁿ um dr Kopf ʰerum gstürmt Dü.

 PfWB in stürmeⁿ mit Gewalt oder Ungestüm erstürmen Ruf. Bi-n-eso Ziteⁿ, Kilb oder Patronstäj, stürmen eiⁿm d Bëttler s Hus fast iⁿ! Bf. Mr is s Lëweⁿs nimmʳ sicher gewëˢn, si han eiⁿm s Hus schier inggstürmt Ingenh.

umme stürmeⁿ umherlaufen Fisl.