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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
steʰ(n) bis in steʰ(n) (Bd. 2, Sp. 564b bis 566a)
 
  PfWB  LothWB  RhWB steʰ(n), staⁿ [tó Olti. Fisl. Roppenzw. Sier.; ‘ston’ Str. 1478 Brucker 278; té Liebsd. Sier. Henfli. O. Breitenb. Bf.; tiè M.; tén U. Lützelstn. Saarunion; tên Wh. Einzelne Formen: Ind. Präs. tó, tó, tót Roppenzw.; té té tét, té Co. Dü. Bf., Pl. tén U.; tà Fisl. Liebsd., M. tànt Sier. Mü. Obhergh. Su. Ruf., aber té tét, Pl. tén Su. Ruf.; Imper. tànt, Pl. tét Ruf., té Bf.; Conj. 1. 3. tìə, 2. tìə, Pl. tìəə Su. Dü. Bf.; tá(t) Z.; tê Lobs.; 3. Sg. tǽ M. Statt des Conj. vielfach Umschreibung mit [kát O.] und [tát U.] mit folg. Inf.; Part. ktàntə O. Breitenb. Bf. Str. Lobs.; ktàə Fisl. Liebsd. Sier. Hi. Mittl. Geisp. K. Z. Zinsw., ktà Lohr Saarunion, ktò Wh., ktnə Bisch.] 1. stehen. Ich bin so müed, ass iʰ uf keⁱⁿ Fuess meʰʳ s. kaⁿⁿ Ruf. Ër kann nimmʳ geʰn un nimmʳ s., so voll ist er Ingenh. JB. VII 191. Rda. S. wi e Vogl uf ere Zwig Geberschw., wie e Geis uf ere Leitere Gebw., wie e Katz am Dachstueʰl Habsh., wie ufm Is, wenn's am Ufgeʰⁿ is Ruf. unsicher stehen, auch bildlich. Mⁱr wäi nit blibeⁿ s. wir wollen nicht stehen bleiben Fisl. Do steʰt r wü drei un elf ratlos, unentschlossen, nachdenklich und dabei in nachlässiger, schlaffer Haltung, auch beschämt; Syn. Do steʰt r wü dr Butter in dr Sunn Z. JB. VII 196. ‘uf das man wisse, das sie glich standent’ Str. 1478 Brucker 278. ‘als in der alten und nuwen ordenunge gestanden ist’ Str. 1453 Brucker 546. 2. stille stehen. D Uʰr steʰt geht nicht Dü. U. D Kuej steʰt wird nicht gemolken Bf. Eps s. lossen schuldig bleiben: Er losst nix s. nichts übrig vom vorgesetzten Essen Dü. Rda. Alles s. un lijeⁿ lessen Bf. Ähnlich: Er het alles s. un hënkeⁿ lossen Dü. 3. unpers. Es steʰt eps in dr Zitung Dü. Was steʰt iⁿ dëm Brief? Su. Wortspiel:

[Bd. 2, Sp. 565a]
s steʰn noch zween Liter Win! als Schuldposten im Buch eingetragen. Antw. des Schuldners: Schütt sⁱe üs! Hf. Grussfrage: ‘Wie steht's? — Uf de Füesse!’ Stöber Volksb. 182. 4. mit Präp. Bi eineme Kind s. oder Gvatter s. Taufzeuge sein. Gejen eineⁿ s. als Belastungszeuge auftreten Hf. Ich will nit s. für ⁱʰne ich will nicht bürgen für ihn Bf. 5. sich stellen. Rda. I steʰ uf dr Chopf un verwundere miʰ! ablehnende Antwort Henfli. Lue, dem Maidl sini Hor s. in d Höʰ wi eps Böses Str. Rda. Dëʳ dät eiⁿm bi dr Nacht vor d Sunn s., so missgünstig ist er Gebw. 6. mit Dat. wohl anstehen. ‘D Arwet .. steht de Wueste und de Scheene’ Pfm. II 6. [tes têt net fùr teχ Wh.]. 7. trans. zum Stehen bringen. E Has, e Hueʰn s. Hf.

gstandeⁿ Part.-Adj. lange gestanden, von Dingen, die leicht durch Stehen verderben Hlkr. s gstandeⁿ Ësseⁿ is nimmʳ guet Hlkr. Bf. ‘e gstandener Mensch der in vorgerückten, reiferen Jahren steht’ St.Basel 279. Bayer. 2, 709.

ab steʰ(n) 1. abstehn, aufhören. Ër is nit abgstandeⁿ, bis r s gha het Su. Ër steʰt nit ab bittet unaufhörlich Ruf. Nachgeben: Sⁱe prozediereⁿ allwil noʰ, s will e cheⁱn absteʰⁿ Liebsd. 2. den Geschmack verlieren, schal werden. Dr Win steʰt a, s is Zit, ass er getrunkeⁿ wurd Hf. [Mər hòn Lit hé em Torf, wù t Frỳ khæn Èseχ terft hôlə, wòn sə t Rêjl hàt, ùnt têt ər àp Wh.]. 3. welk werden, von Gewächsen, abdorren; brandig werden, von Gliedern; absterben, von der Leibesfrucht Hf. Abgstandeⁿ Holz dürres Holz; a. Gras überreifes Gras Bf. Die Hërdepfl sin ogstandeⁿ abgestorben Breitenb. s Kalb is schon e par Täj abgstandeⁿ gewëˢn, öb d Kuʰ vermacht het Lobs. (s. abgsteʰn). ‘der vor Durst schier abstehet’ Martin Acheminement 242. — Basel 15. F. Schwäb. 71. Bayer. 2, 710.

a(n) steʰ(n) 1. auf ein Hindernis stossen. D Uʰr geʰt nit, dr Pardickel steʰt am Gwicht aⁿ Bf. Dört stäng mr aⁿ, wëⁿⁿ mr sëll woˡˡt macheⁿ M. 2. in Verlegenheit sein. Wann de-n-an eps ansteʰs, ze kumms zue mir, ich hilf dⁱr Hf. 3. warten, verziehen. Iʰ biⁿ lang aⁿgstandeⁿ, öw iʰ iʰm miⁿ Maidl will

[Bd. 2, Sp. 565b]
gëⁿ oder nit Bf.; unpers. s is nit lang aⁿgstandeⁿ, het er mⁱr de Hüssje gschickt Bf. Eps a. lossen aufschieben. So eps losst mr awer nit ansteʰn, do geʰt mr in dr Zit zuem Dokter Hf. 4. auf dem Anstand stehen, vom Jäger. Won-iʰ so n-e bitzele bi sëllem Baüm aⁿgstandeⁿ ha, is e grosse Wildsaü chummen Liebsd. 5. bi epper a. um etwas bitten. Ër is bi mⁱr um hundert Mark aⁿgstangeⁿ Liebsd. 6. mit Dat. a) stehen, passen. Dër hundsmässig lang Geisbart steʰt dⁱr emol nit aⁿ Bf. s stäng iʰm schön aⁿ, wann er den armeⁿ Lüten auʰ eps gën dät Hf. Rda. s steʰt iʰm aⁿ wie ⁱnere Kueʰ d Sackuʰr Geberschw. [Wàs mr net kh, tièt èim s lièrə wyol  M.] Dis steʰt dⁱr jetz emol schön on, wü im Bëttlmann e Frack Z. JB. VII 198. s. auch Ross 1; b) gefallen: ‘e Murrwaddel .. dem gar nix an will stehn’ Pfm. III 3. ‘Si stehn uns au recht an’ ebd. I 4. — Basel 18. F. Schwäb. 267. Bayer. 2, 710.

bsteʰ(n) [pté(n) O. U.; ptiè M.] 1. bestehen, am Leben bleiben. Übertrieben: Die Muckeⁿ düen [tìən] so arig, mr kaⁿⁿ schier nit b. vor iʰneⁿ Dü. 2. auskommen, einen Vorteil haben, in seinem Erwerb verdienen. Iʰ kaⁿⁿ jo eso nit b., wënn iʰ e Sach wölfⁱler soll verkaüfeⁿ, aˡs iʰ s kaüft ha! Dü. Mⁱr sin (guet) bstangeⁿ wir haben vorteilhaft gekauft Hf. Do bstang ich güut M. [Tyo ptiemər n] sagte einer zum anderen, als sie aus dem schmutzigen Weg auf die daneben liegende Wiese übertraten M. 3. mit eiⁿm b. sich mit jem. vertragen Dü. K. Z. Bayer. 2, 711.

bstandeⁿ Part.-Adj. 1. in vorgerückterem Alter, 30—40 Jahre alt. E bstangeⁿ Mensch eine Frau in diesem Alter Hi. 2. erprobt, bewährt Bf. Basel 44. Schwäb. 506.

bi steʰ(n) beistehen Winzenh.

füre steʰ(n) [fìrə té Obhergh.; férə tén K. Z.] 1. hervorragen. Dëʳ Balkeⁿ steʰt ganz underm Dach füre Obhergh. 2. sich nach vornehin stellen. Steʰ doch witter füre, du dummer Bue, ass d meʰ sieʰs! Ingenh. Bayer. 2, 713.

gsteʰ(n) 1. gerinnen, von Milch, Gallerte, Blut, Fett usw. U. s Unschlitt gsteʰt iⁿ dr Kälte Bf. 2. gestehen, bekennen Hf. ‘i gshtand där s ïn s gsïcht’

[Bd. 2, Sp. 566a]
Landsman Lied. 69. ‘Ich gestehe es je l'avoue’ Martin Parl. N. 433. ‘sein diener widersprach im alle mal vnd gstnd im der rach nit’ Geiler Narr. 120. Häufige Verbindung: Ich gsteʰ s un sau s ... Z. Pfm. III 1. 2. — Bayer. 2, 713.

ab gsteʰ(n) abstehen, absterben, von Bluemeⁿ Sier., Grumbeereⁿ Ingenh.

in steʰ(n) 1. einen Dienst antreten. Iʰ bin am letsteⁿ Jänner iⁿgstandeⁿ Bf. 2. stellvertretend einspringen. Früejer sin nit alli Saldat woreⁿ, s het einer für den andereⁿ könneⁿ iⁿsteʰⁿ ebd. 3. † im Gleichgewicht sein. Vgl. ‘sacoma einstehend gewicht, vollkommen gewicht’ Gol. 459. ‘wenn die Stimmen einstanden, gab er den Ausschlag’ Mieg Chron.