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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
schnideⁿ bis Straüschnider (Bd. 2, Sp. 493b bis 494b)
 
  PfWB  LothWB  RhWB schnideⁿ [nítə fast allg.; næìtə Ndrröd.; Part. knìtə u. knetə] 1. schneiden (vgl. haüeⁿ 2); insbes. Getreide oder Reben schneiden. Han ⁱʰr deⁿ Weisseⁿ schon aˡler gschnitteⁿ? Dunzenh. Mⁱr han dis Joʰr nix lon schnideⁿ, si han alles gemäjt Ingenh. Gschnitteⁿ Stroʰ Häcksel K. Z. ‘Geschnitten stroh’ Mosch. II 170. 2. beschneiden, die Reben kurz schneiden Orschw. Winzerregel: Wënn d Schleeheckeⁿ blüejeⁿ, soll dr (ful) Rëbmann noch e Acker z schnideⁿ han Rchw. ‘Mëʰl schnideⁿ’ ein Spiel aus der Kunkelstube JB. XI 203. 3. Schnideⁿ im Lib Bauchweh Str. Ulrich. 4. Eineⁿ s. jemanden übernehmen, ihm zu viel Geld abverlangen. 5. Rda. E Salü s. schneidig grüssen. ‘Gsichder s.’ Pfm. I 5. Roppenzw. Eini (Fratz) s. ein zorniges Gesicht machen. E Maieⁿkäfergsicht s., vgl. Maieⁿkäfer 2. 6. refl. a) sich zu seinem Nachteil verrechnen Str. Dazu die Erweiterung: Ër het sich d Nas us m Gsicht gschnitteⁿ, wo er Vorteil hätte haben können, hat er sich Schaden zugefügt Bf. b) sich unanständig aufführen, farzen Ndrröd. S. Swz. 2, 342. Schwäb. 474. Bayer. 2, 568.

in schnideⁿ 1. einen Einschnitt in etwas machen Bf. 2. in kleine Stücke schneiden, z. B. Sauerkraut, Rüben, das Brot für die Suppe. Mir lon alle Joʰr e grossi Bütte voll ingschnideⁿ Ingenh. Abendgruss: Gotte-n-Oweⁿ, welln ⁱʰr d Supp ingschnideⁿ? Dunzenh.

verschnideⁿ 1. zerschneiden. Fleisch v. Dü. Rda. So is er verschnittⁿ, so muss er vernäjt sin er ist unverbesserlich Wh. 2. schlecht schneiden. Die Rëweⁿ sin jo ganz verschnitteⁿ Dü. 3. kastrieren Steinbr. Hf. Bayer. 2, 570.

 PfWB  LothWB  LothWB  RhWB Schnid [ʿSnít Su. U. Dehli.] f. 1. scharfer Teil eines Schneidewerkzeugs. Zss. Schnidzüg. 2. übertr. Lust, Trieb, Absichten, in der Rda. Keⁱn S. han. Ich hab S. do druf bekummeⁿ od. ghet Str. Denne kann ich nit brucheⁿ, der hat mⁱr vil ze wenig S.! Dehli. [ʿSnít ùf èps h M.] — Schwäb. 474. Bayer. 2, 571.

[Bd. 2, Sp. 494a]

 PfWB  LothWB  RhWB Schnider [ʿSnítər fast allg.; ʿSnæìter N.] m. 1. Schneider. E nüechtereʳ S. ein magerer Schneider. Herusluejeⁿ wü e S. blass aussehn Z. JB. VII 194. A. Is’s kalt? — B. Jo, s sin schoⁿ zwei S. verfroreⁿ NBreis. Spottvers: Dis is dr S. von Buff, Was er näjt, geʰt wider uf Z. Aus einem Volkslied auf die verschiedenen Stände: Was macheⁿ denn die S.? Do n-e Läppele, Dört e Läppele, Git schoⁿ wider e Kinderkäppele Lutterb. Vgl. auch Amsel Seite 41. ‘Schnider, wenn de ridde wit, Ze saddel’ d'r di Gais!’ aus einem Kinderliedchen Pfirt Stöber Volksb. 28. Weitere Necksprüche auf den Schneider Rapp. JB. VII 167. Rda. Deⁿ S. uf deⁿ Aujeⁿ han das Sandmännchen kommt (zu kleinen Kindern) Betschd. Hofnamen: s Schniders Dunzenh., s Groweⁿschniders die Schneiderfamilie am Graben ebd., s Holschniders Illk., s Spitalschniders ebd. ‘uf der schnider stube’ Str. 1441 Brucker 343. Zss. Schniderspatt, –spättle. 2. Schnitter Su. 3. schwächlicher Mensch Olti. Daher die Rda. S. wëreⁿ im Kartenspiel keinen Stich machen, oder nicht über eine bestimmte Zahl (gew. 30) herauskommen Avolsh. Str. 4. ungeschichter Mensch Logelnh. 5. Stichling mit roten Kiemenseiten Co. 6. Bockkäfer mit rotem Leib und braunen, häutigen Flügeln Co.; der Weichkäfer Telephorus fuscus Horbg. 7. Heuschrecke (die grössere Art) Wh. 8. Frühlingsfliege, Perla bicaudata; meist in der Verkleinerungsform Schniderle, als Fischköder beliebt Str. 9. Wasserjumpfer, Libelle. D S. glicheⁿ deⁿ Summervögelⁿ Lutterb. 10. Regenbremse, Tabanus pluvialis. s het miʰ n-e S. gebisseⁿ Mittl.; Stechmücke: E S. het mich gstocheⁿ Münster. 11. Menstruation M. Dunzenh. Ndrröd. Schwäb. 474. Bayer. 2, 571. Pfalz.

Bachschnider m. Libelle Ensish. Lobs.

 PfWB  RhWB Fratzeⁿschnider m. Mensch, der Gesichter schneidet Co. ‘Am Verstand isch's by däm Frazzeschnyder gar wunzigg bstellt’ Pfm. II 7.

 PfWB  RhWB Krutschnider m. der Kohl zu Sauerkraut einschneidet Henfli. Bf.

Säcklerschnider m. Schneider, der aus Hirschleder Hosen verfertigte Bf.

Schmeerschnider m. reicher Mann, Pl. reiche Leute. ‘sye sammeln nit in die schüren oder kasten als die rychen

[Bd. 2, Sp. 494b]
burger unnd schmerschnyder’ Geiler P. III 81.

Straüschnider O., Stroʰschnider U. m. Strohschneider. Rda. s. Künig Seite 447; dazu ‘Merr meint, der Kinni isch sienn Strohschnieder’ er tut stolz gegen jedermann M. Als. 1851, 26. Wenn es irgendwo lustig und ausgelassen zugeht, sagt man: Mr meint, dr Herrgott wär in dëneⁿ iʰrer Straüschnider Ruf.