Wörterbuchnetz
Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
schleisseⁿ bis uf bschliesseⁿ (Bd. 2, Sp. 473b bis 474a)
 
  PfWB  LothWB  RhWB schleisseⁿ, schleizeⁿ [laisə Dü. Bf.; læìsə Dachstn. Illk. K. Z.; látsə Lobs.; Part. klaist, klæìst] abziehen, wegstreifen, insbes. 1. den Bast vom Hanfstengel. Ich will e Stëngl Honf s. für mⁱr e Tribschnuer ze pflëchleⁿ eine Peitschenschnur zu drehen Illk. 2. Korbweiden entbasten Dü. Geud. Lobs. 3. Kuttleⁿ s. den innern Teil eines Darmes abstreifen K. Z. 4. Fëdereⁿ s. die Fähnchen der Federn von den Rippen streifen Z. 5. Fürnleⁿ s. s. Furn Str. 6. ält. Part. ‘vnnd die vestung geschlissen worden’ Petri 351. — S. Swz. 2, 327. Schwäb. 466. Bayer. 2, 594. Pfalz. Hess. 355.

Schliss Im. lebenslängliche Nutzniessung an Geld und Naturalien Hi.S. Swz. 2, 327. Basel 256.

Schliss II[ʿSlis Olti. Orschw. Co. Horbg. M. Bf. Bisch. Molsh. Geisp. Str. Hf. Rothb. Wh.] m. (Brum. n.) 1. kleine Federfähnchen, die sich an die Kleider setzen. Mini Hoseⁿ hënkeⁿ schon wider ganz voll S. Rothb. Iⁿ deⁿ Spinnereieⁿ un Wewereieⁿ lijt alles voll S. Bf. 2. zerzupfte Leinwand, Charpie. S. zupfeⁿ Bf., zopfeⁿ K. Z. Leinwand zerzupfen. Mⁱr müessen S. macheⁿ für d blëssierteⁿ Soldateⁿ Bf. Zss. Schlisszäpfel. ‘Carwey = Schleiss Charpie’ Martin Parl. N. 257.

Schliss(e) [ʿSlisə Hi.; ’Slísə Mü.; ʿSlis, gew. Pl. ʿSlisə Pfast. (Bed. 3) Mittl.; ʿSlis K. Ingenh. Rauw.; Demin. ʿSlislə Eschenzw.] f. 1. Federfähnchen. Strëʰl dich, de has S. in deⁿ Horⁿ! Rauw. 2. zerzupfte Leinwand. De kaⁿⁿs Schlisseⁿ uf s Ghaüene (die Wunde) macheⁿ! Mittl. 3. Dër hat Schlisseⁿ hinder deⁿ Oʰreⁿ od. im Kopf er ist ein Witzbold Pfast. ‘etlich Centner Lumpen für ermelten Spittal, Schlüssen zu Wundten drauss zu machen’ Müller 37. Basel 256. Bayer. 2, 535.

 PfWB  RhWB schlissig Adj. 1. mit Federfähnchen bedeckt Horbg. Molsh. Setz diʰ nit uf s Bett, schuns wurs s.! Brum. 2. empfänglich für die Aufnahme der Fähnchen.

[Bd. 2, Sp. 474a]
So kauf iʰ awer keⁱn Kleid meʰ: dis is jetz emol schlissis Dings! Ingenh. 3. zerrissen, zerlumpt Wh. S. Swz. 327. Bayer. 2, 535.
 
 
 PfWB  LothWB  RhWB Schliess(e) [ʿSlìəsə Steinbr., ʿSlìəs NBreis. Logelnh. Co. Dü.] f. 1. Schleuse im Bach. 2. [ʿSlés Wh.] Quernagel im Eisennagel. — Pfalz.

Schliesseⁿ [ʿSlìəsə Logelnh. Ingersh. Dü. Bebelnh. Scherw. Barr K. Wörth; ʿSlysə Mutzig; ʿSlìèsə Z.; ʿSlîsə Str.] m. 1. Schleuse. D Schliesseⁿ sin gstellt, drum is so weni Wasser im Bach Barr. Zss. Schliesseⁿmeister. 2. Holzkeil als Fassunterlage Logelnh. 3. Querbalken als Schlussriegel am Fasstürchen Ingersh. Scherw. 4. überh. ein Keil, der einen Gegenstand in bestimmter Lage erhalten soll, z. B. wird eine Säge, die geschärft werden soll, in eine Rinne gestellt und darin durch Schliesseⁿ festgehalten Dü.

 PfWB  LothWB  RhWB schliesseⁿ [lìəsə S. O.; lîsə Str.; lìèsə Z.; lésə Wh.; Part. klòsə] schliessen mit einem Schlüssel. D Tür is gschlossⁿ Wh.Bayer. 2, 535. Häufiger:

bschliesseⁿ 1. zuschliessen allg. Er het d Tüer zue gemacht (eingeklinkt) un glich bschlosseⁿ Hf. D Tür is bschlosseⁿ Co. Henry. ‘Ein jeglich trnhüter sol sweren sine gefengnsse und sine gefangene getruwelich und sicherlichen z behtend und z beschliessend’ Str. 15. Jh. Brucker 490. ‘die Speisskammer versperren und fürter besser beschliessen’ Bock Kräut. JB. XIX 307. ‘der Herr hat Macht, denselben (den Rain) bey den Thoren zu beschliessen und ihn selbst zu nutzen’ Hlkr. 1509, Als. 1862, 191. Vgl. ‘besliezet mir die tür’ Gudr. 1330, 1. ‘denen willest du deine hand nich gegen jnen beschlyessen’ 1562, Als. 1862, 92. ‘Und bslüszt all rigel, tor vnd tür’ Brant Narr. 32, 8. s. auch gspliesseⁿ. 2. einen Beschluss fassen Winzenh. Su. Basel 44.

in bschliesseⁿ unter Verschluss bringen. D Mueter het deⁿ Kinderⁿ s Brot iⁿ bschlosseⁿ Bf. ‘Milldedié, die bschliesseⁿ mich jo in!’ Horsch Hussjé 22.

uf bschliesseⁿ aufschliessen. Mit eme gueteⁿ Pass-partu kaⁿⁿ meⁿ alli Türeⁿ u. b. Bf. Eine Türe, die nur ins

[Bd. 2, Sp. 474b]
Schloss gefallen war, öffnen (dieses fehlt), heisst: uf macheⁿ Hf.