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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Schër bis Zunschër (Bd. 2, Sp. 426b bis 427a)
 
  Schër I[ʿSár Roppenzw. Heidw. Hi. Steinbr.] m. Maulwurf. ‘scher oder mulwerff’ Geiler P. III 45. Zss. Schërhufeⁿ, –mus, –muser, –nüeler. — Basel 250. Schwäb. 453. Bayer. 2, 453.

 PfWB  RhWB Schërer [ʿSárər Steinbr. M.] m. 1. Maulwurf M. 2. dreizinkiger Karst Steinbr.

 PfWB  LothWB  RhWB Schër II [ʿSár fast allg.; ʿSêr Lutterb.; ʿSǽr Str. W.] f. 1. Schere. Rda. Si het d S. gschliffeⁿ eine geläufige, scharfe Zunge Dü. ‘Wie lang wolt jr schleifen die schren?’ schwatzen Rasser Hochz. Soll iʰ dⁱr d S. bringeⁿ? fragt man einen Hartleibigen Dü. Dunzenh. Wo is d S.? ein Kinderspiel von der Art des bekannten »Kämmerchen vermieten«. Die Kinder

[Bd. 2, Sp. 427a]
stehen im Umkreis an Bäumen, eines in der Mitte. Es fragt: Wo is d S.? Das gefragte antwortet: Dort undeⁿ lauft sⁱe lër! Während dem wechseln 2 Nachbarn ihre Plätze. Der Fragende sucht rasch einen leeren Platz einzunehmen. Wer zu spät kommt, muss weiter fragen U. Lützelstn. ‘Druf wurd Blindmysels gspielt, wo lauft d’ Scher’ Pfm. I 6. In Co. heisst die Frage: Fraü Bas, wo is d S.? in Lutterb. die Bitte: Herr, leʰⁿ mⁱr diⁿ S.! Zss. Schëreⁿschlifer. 2. zwei Rebschösslinge auf einjährigem Holz. Wenn s vil Holz het, macht meⁿ vil Schëreⁿ Geberschw. 3. Doppeldeichsel an Einspännern U. Heb d S., dass ich s Ross anspanneⁿ kann Rothb. Syn. Diselbackeⁿ Hi. Zss. Schëreⁿwägel. 4. Rda. übtr. Eiⁿm d S. druckeⁿ jem. die Hand drücken Illk. Bayer. 2, 446.

Baumschër f. Baumschere. Hol d B., mⁱr wëˡˡn die Rüppeⁿnester abe holeⁿ! Sier.

Huchelschër [Hyχlár Su. Dunzenh. Ingenh.; –ǽr Str. Wh.] f. Schere, womit die Büglerin die Hals- oder die Kappenkrause fältelt.

Kälberschër f. gebogene Schere, die dem Bauer zum Scheren des Kuh- oder Kälberschwanzes dient.

 PfWB Liechtbutzschër [Lîχtpùtsǽr Str.; Lìèχpùtár K. Z.] f. Lichtschere; s. Liechtbutz. ‘Namlich inn ain Buzschär sie steckten zwen Brüder’ (Flöhe) Fisch. Flöhh. 1771.

 PfWB Rëbschër f. Rebschere, zum Beschneiden des Rebstocks Steinbr. Hlkr. K. Z.

Stëchschër, s. Stëchschor.

Trottschër f. Kelterschere, ein Scherzwort. Beim Weinkeltern schickt man einen dummen Menschen, den man necken will, zu einem entfernt wohnenden Freund mit dem Auftrag, die T. zu holen. Dieser versteht den Auftrag und packt dem Armen einen Korb voll schwerer Steine auf. Letzterer kommt schweisstriefend zurück und hat neben dem Schaden noch den Spott obendrein Mutzig Flexbg. JB. III 140. Vgl. Hebgschirr 4.

Zunschër f. Zaunschere. Rda. ‘Einen nach der zaun scheren schicken’ unnötige Gänge machen lassen, um sich über ihn lustig zu machen Geiler, Als. 1862, 162.