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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
schindeⁿ bis Schund (Bd. 2, Sp. 419b bis 420b)
 
  PfWB  LothWB  RhWB schindeⁿ [ìə S.; ìntə Hüss.; ìntə, entə O. Bf. Scherw. Rapp. Illk. Str. Betschd.; æə M.; eə K. Z. Dehli; Part. kùntə, kùə] 1. intr. O. oder refl. U. mit aller Kraft arbeiten, sich abarbeiten. Rda. S. wie n-e Hund Su. Verbindg.: S. un cheibeⁿ mit äusserster Anstrengung sich abmühen S. Wenn dr Bur gnue gschungeⁿ un gcheibt het, het er am Ënd vom Joʰr doch nit Liebsd. Ebenso s. un schaffeⁿ M. Scherw. Vgl. schureⁿ. Ër schindet, ass ⁱʰm s Bluet under deⁿ Nägelⁿ füre laüft od. ass er d Finger nimm grad kaⁿⁿ streckeⁿ Ruf. Ër weisst nix aˡs vum Schindeⁿ er kennt nur harte Anstrengung ebd. Lueg, dëʳ schindet, mr meint, ër will dr Bërg zsammeⁿ risseⁿ! ebd. ‘Un so dumm isch'r nit un bleed (einfältig) Un hett sich länger gschunne’ Lauterbg. Erw.2 XI 138. ‘Der thut sich Dah un Nacht schinge’ Dehli. JB. XI 52. Rda. Zue armeⁿ Tajⁿ schindeⁿ arbeiten, dass man kraftlos wird Winzenh. E gschundeneʳ Mann ein Mann, der mit Arbeit überhäuft ist Su. Pfm. II 5. Zss. Schindhans einer, der schwer arbeitet od. sich plagt Ruf. JB. XII 98 (s. auch Seite 358). 2. im Kartenspiel eine Karte »herausschneiden« Hf. 3. tr. jem. quälen, plagen. Mr muess keⁱⁿ Tier s. Hüss. Dr Bock s. (Turnspr.) den Felgaufzug machen Mittl. 4. einem Baum die Rinde abziehen Roppenzw., den Rasen vom Erdboden abheben M. D Hut schingt siʰ löst sich ab Pfetterhsn. ‘es seind etlich, die sein also unzüchtig in dem brot schneiden,

[Bd. 2, Sp. 420a]
das sie dasselbig schinden und machen ein bartholomey darauss, indem sie die rinden darvon schneiden und essen, und lassen die brosam also allein’ Geiler 16. Narr Kloster.

ab schindeⁿ refl. abmühen bei harter Arbeit Dü.

überschindeⁿ refl. zu viel arbeiten Osenb.

verschindeⁿ 1. refl. sich abmühen. 2. verletzen. Dr Rasierer het miʰ ganz verschundeⁿ Obhergh. Wëⁿⁿ mr mit Dörnʳⁿ umgeʰt, verschindt mr sich d Händ Dü. Ër is grod so an dr Wand ʰⁱno gerütscht un het siʰ s ganz Gsicht verschungeⁿ Ingenh. ‘un hädde d Barble nit sin Gsicht eso verschunde’ Pfm. V 7. ‘Drei Pfenni! Ier verschinde mer d'Hutt vom Lyb eraa’ ebd. II 1. 3. den Laib Brot unordentlich schneiden, so dass er ganz unansehnlich wird Dunzenh.

 PfWB  LothWB  RhWB Schinder [ʿSìər S.; ʿSìntər, ʿSentər O. Bf. Str.; ʿSæər Bed. 1—4 u. ʿSæntər Bed. 6 M.; ʿSeər Geisp. K. Z., aber ʿSentər in Bed. 6 wohl aus der Kirchenspr. übernommen] m. 1. einer, der Mensch und Tier quält. Alle (frz.), du S., loss miʰ geʰⁿ! Mütt.; Metzger, der sein Handwerk nicht versteht Su. 2. einer, der beständig streng arbeitet Tagolsh. 3. altes Pferd Bebelnh. 4. Abdecker allg.; Leimsieder Mütt. Wënn dr S. s Ross holt, soll er deⁿ Sattl aüʰ nëʰmeⁿ Bf.; Hundefänger Str. ‘Ze Riede (Riedheim bei Buchsw.) wohnt d'r Schinder’ aus einem Anzählvers Ingw. Stöber Volksb. 67. 5. Henker Str. 6. euphem. für Teufel. Dr S. aʰ! zum Teufel auch! M. ‘Der Schinder! I hät, by Gosch, so gloibt är het ä ganz Huus voll (Kinder)’ Pfm. II 6. Dich soll dr S. holeⁿ! Z. ‘hol's der Schinder!’ Bergmann 90. ‘Lüè, was d'r Schinder düet! diss isch âü noch am brunnè!’ ebd. 40. Geʰ zuem S.! Dunzenh. Ingenh. Zuem S. noch emol! Su. Pfi dr S.! pfuï Teufel! Münster. Do kommt dr S. nit drus! da wird kein Mensch klug draus Str. Pfm. I 2. 7. † Bezeichnung der Armagnaken od. armen Gecken, welche nach der Schlacht zu St. Jakob an der Birs 1444 das Elsass plünderten u. verwüsteten Stöber Sagen I 50. Zss. Schinderkarch [ʿSæərkhàrìχ M.] zweiräderiger Karren, der auf Gebirgswegen

[Bd. 2, Sp. 420b]
von zwei Personen mühsam gezogen wird.

Lütschinder m. Geizhals, Wucherer. Er is e rëchter Litschinder, er schindt d Lus um deⁿ Balg Str.

Rossschinder [Ròsentər Geberschw. Dü.; –ìər Zinsw.] m. ein rauher Nordod. Nordostwind im Winter. Dr R. is gwöʰnlich drei Tag aⁿ hält 3 Tage an Geberschw. ‘Schind den Hengst Aquilo Boreas’ Dasyp.

Viʰschinder m. Tierquäler Logelnh. Dü. Bf.

Vögelschinder [Fèjlìntər Ndrröd.] m. Wenn einer noch unbefiederte Vögel ausnimmt, so nennt man ihn blutt e blinde Vöjlschinder.

 PfWB  LothWB  RhWB Schinderei O. Str., Schingerei K. Z. f. 1. Quälerei. ‘schinderey’ Gelderpressung Geiler S. P. 4. 2. Teufelei. Er het alli Schindereieⁿ im Hirn Su.
 
 
Schund [ʿSûnt Ndhsn.] m. menschliche Exkremente. Pass uf, du tritts dene S. us! —  DWB DWB. 9, 2001.