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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Schueʰ bis Gristschueʰ (Bd. 2, Sp. 401b bis 402b)
 
  Schueʰ, Schuech, Schuʰ, Schuck [ʿSùə, Pl. ʿSìə Urbis; ʿSỳa, ʿSỳə S. O. bis Mütt.; ʿSùə Bf. Kestenholz; ʿSj Geud.; ʿSỳè u. ʿSỳèχ, Pl. ʿSỳè, Dat. Pl. ʿSỳèyjə Hf.; ʿS K. Brum.; ʿSyəχ, Pl. ʿSyə Ingenh.; ʿSû Betschd. N.; ʿSû u. ʿSùk Tieffenb.; ʿSùk Lohr; ʿSùk, Pl.Büst Wh. Dehli.; ʿSý (jüd.) Avolsh.; Demin. ʿSìalala, ʿSìələlə O., ʿSîajla u. ʿSîajəla Dü., ʿSiəalə Breitenb., ʿSièjl Mütt., ʿSìeχl u. ʿSièjl Z., ʿSêjl K., ʿSéjl Zinsw. Lobs., ʿSîjl Str. Bühl; ʿSikl Lohr Dehli., ‘Schièlelè’ Stöber Mäder 109] m. 1. Schuh, Fussbekleidung. Putz dine Schuʰ ab, öb de in dⁱe Stub geʰs! Dehli. Zu einem, der grosse Füsse hat und kleine Schuhe trägt, sagt man: Du has e Wimmenauere Fuss un wiˡˡˢt e Pariser S. Lohr (Wimmenau ein Dorf bei Lichtenberg im Hanauer Land). Ähnl.: Strossburjer Schueʰ (Stifl) un Schilkemer Füess Str. ‘hat auch einen weissen vndt einen rothen schuoch angehabt’ Zab. Hexenprozess 1620. ‘er sol sich nut sumen untze er den andern schuch angelege vnd sol nochilen den man zu errettende’ Haslach 1581, Als. 1854, 46. Rda. Ich weiss, wo miʰ dr Schueʰ druckt zur Bezeichnung eines geheimen Kummers od. einer stillen Sorge Str. Bruchs dëne Mann gar nit uzeⁿ welleⁿ, dass er knickig (geizig) is, der weiss, wo ⁱʰne dr Schuck drückt wie (schlecht) es mit seinen Verhältnissen steht Lützelstn. ‘Es weiss niemand besser wo ihn der schuoh druckt, als wer ihn an hat’ Geiler, Als. 1862,

[Bd. 2, Sp. 402a]
157. ‘Dà wird in schöne Schüeh jetz stecke’ arg in Verlegenheit sein Lustig I 113. Dër dät eiⁿm dⁱe Schüʰ us zieʰⁿ, dass mr barfuss müsst geʰn der würde einen um Hab und Gut bringen Avolsh. (jüd.). Spw. Eⁱn alteʳ S. is alsfort ze flickeⁿ das Alter bringt nichts wie Krankheiten ebd. D Schueʰ schmiereⁿ davonlaufen, sich aus dem Staub machen Hf. D Schueʰ an eiⁿm ab butzeⁿ einen zum Sündenbock machen wollen Dü. Iʰ möcht nit in sineⁿ Schueʰⁿ steʰⁿ (stëckeⁿ Dü.) Liebsd. In dëneⁿ Schueʰⁿ bin iʰ aüʰ gstandeⁿ das habe ich auch durchmachen müssen Ruf. Du kaⁿⁿs mⁱr in dr Schueʰ bloseⁿ! ablehnende Antwort Gebw. Vgl. blaseⁿ 4 u. Hobel Seite 298. Sineⁿ Wiⁿ nit in d Schueʰ schütteⁿ = a) gern trinken Hf. Ruf.; b) sein Licht nicht unter den Scheffel stellen Hf. Wenn ein Mädchen im Scherz die Absicht ausspricht: Ich geʰ ins Kloster, so erhält es zur nicht minder scherzhaften Antwort: In dis, wo d zweierlei Schueʰ under dr Bettlad steʰn Str. Von einem Mann, der die Polizei fortwährend mit Angebereien oder Bittgesuchen überläuft, heisst es mit bitterem Hohn: Wënn der d Schueʰ vor d Tür stellt, se findeⁿ si dr Wëj ellein für uf d Polizei ebd. Kindervers: Seppele, miⁿ Bue, mach mⁱr e par Schueʰ, Mach mⁱr e par Stöllele draⁿ, dass ich rëcht tänzleⁿ kaⁿⁿ Mütt. s. auch Stolleⁿ 2. Demin. Schüejls spieleⁿ ein altes Kinderspiel Str. ‘Druf wurd Blindmysels gspielt ... un Schüejels’ Pfm. I 6. Zss. Schueʰbürst, –knippeⁿ, –leffel, –lumpeⁿ, –macher, –nagel, –putzbürst. 2. Huf, von Pferden usw. Im Ross d Schueʰ butzeⁿ lossen dem Pferde die Hufe beschneiden lassen Dü. Dr Kuʰ d Schuʰ macheⁿ (jüd.) Avolsh. 3. Mass = Fuss, ⅓ Meter, wird von älteren Leuten noch vielfach den Angaben nach Metern vorgezogen. Dr Rëbstëckeⁿ is nün Fuss oder nün Schuʰ hoch Tieffenb. ‘Der ist nàch nihn Schuh ärjer as de annere’ Dehli. JB. XI 62. Im Schnellkugelspiel gilt es, die Kugel nahe an das Spielviereck heranzubringen: Iʰ ha dr Schueʰ ich bin auf Fussweite heran Co. ‘vier oder fünff schuech dickh’ Petri 462. — Basel 264. Bayer. 2, 390. Pfalz 129.

Schüechle [ʿSieχlə M.] n. in der Rda. Iⁿ epper s S. stüosseⁿ jem. das

[Bd. 2, Sp. 402b]
Spiel verderben durch Angeberei bei den Vorgesetzten. Vgl. das zu Holzschueʰ angeführte Spiel.

Ackerschueʰ m. Pl. Schuhe für die Feldarbeit Obhergh.

Ambosschueʰ m. eiserner Leisten des Schusters, dient zum Umschlagen innen vorstehender Nägel Rapp.

Bëchschueʰ m. Pechschuh, grober, unbeholfener Schnürschuh der Bauern Bf.

Bickelschueʰ m. grosser Holzschuh Obbruck.

Buebeⁿschueʰ m. Pl. Knabenschuhe Rda. D B. us ziejeⁿ gesetzt, verständig werden Dü. Er het d B. noʰ nit us geloffeⁿ (us gezöjeⁿ Hf.) er macht noch rechte Kindereien, oder auch: er ist trotz seines Alters ein Schürzenjäger Str. Spw. Wer d B. nit verlauft, verlauft d Mannsschueʰ ebd. ‘Er het doch d’ Bueweschue nonnit verloffe-n-als’ Pfm. IV 7.

Bundschuʰ m. starker, grober mit Riemen gebundener Schuh der Bauern. Spw. ‘Affen fahet man mit den grossen buntschuohen’ Geiler, Als. 1862, 134. Beteuerungsformel: ‘In Unser frawen rosenkrantz, in Unser frawen mantel, und in aller heiligen bundtschuh!’ ebd. 141.

Bureⁿschueʰ m. Bauernschuh. Rda. s kummt mⁱr nit uf e B. an es kommt mir beim Messen od. Wiegen nicht so genau darauf an Str.Bayer. 2, 391.

Endschueʰ m. Pantoffeln von wollenen Streifen, Randabschnitten Mü.; Syn. ‘Salwentschuèh’ Str. Stöber Mäder 77; Lustig I 81. — Bayer. 100.

Gristschueʰ [Krìtûə Felleri. Urbis] m. Pl. grosse, unbeholfene Holzschuhe, die den Fuss bis über den Knöchel umschliessen.