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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Sack bis Düppelsack (Bd. 2, Sp. 341b bis 342b)
 
  PfWB  LothWB  RhWB Sack [Sàk allg.; Pl. Sèk; Demin. Sèklə Liebsd. M., Saklə O.; Sakl K. Z. Han.; Sækl Str.] m. 1. Sack für Getreide, Kartoffeln usw. (s. auch Stumpeⁿ). Mⁱr hän drissig Seck (voll) gmacht geerntet Dü. Ein S. voll Kartoffeln wiegt 130 Pfd. Gebw., 132 Thann Rapp., 132—140 Altk., 150 Schlettst. Barr Erstein Molsh. Bisch., 152 Str., 154 Ndrbr. Rda. s is finster wi im e S. allg. Dis Kleid hënkt am (an ihm) wü e Sack hat einen sehr schlechten Schnitt Z. JB. VII 197. Er hat s Lacheⁿ un s Hüleⁿ in eiⁿm S. Str. (Säckle Barr). E Katz im S. käufeⁿ etwas unbesehen an sich bringen, übtr. eine Jungfrau heiraten Wh. Do is dr S. deⁿ Bëndl nit wërt die ganze Sache hat keine Bedeutung Hf. ‘Der den sack uff hebt ist glich dem der in stilet’ Geiler, Als. 1862, 155. ‘Wer de Sack hebt, ist e so gut wi der wu enin schitt’ W. JB. XI 47. ‘Sack one boden, es gat oben und unten us’ Geiler, Als. 1862, 155; vgl. Hebammeⁿsack u. Pfaffeⁿsack. Spw. ‘Es sucht keiner keinen im sack, er sey dann zuvor darin gesteckt’ ebd. ‘Nuss durch ain sack beissen’ sich vergeblich um etw. bemühen Murner Schelmz. 67. Rda. Uf deⁿ S. schlät meⁿ, un den Esl meint meⁿ Bf. Scheinbarer Fluch: Heb dr S. jetz undeⁿ dief! Winzenh. b. Co., od.: Heb, dr S. is rund un undeⁿ dief! euphem. für Herrgott sacker nondedje! Co. Rda. Er is heüt [hæìt] im Narreⁿ iwer deⁿ Sack gsprungeⁿ ist nicht gut gelaunt Ndrröd. 2. die Menge von Trauben, die auf einmal gekeltert werden M. Z.; in dieser Bed. auch das Demin. Säckl bei kleiner Menge. Vgl. Satz 3. 3. Tasche in den Kleidern. Hes aüʰ e S. drin? fragt man Kinder, die zum ersten Mal die neuen Hosen anhaben. Ist es so, dann schenkt man ihnen eine Kleinigkeit hinein Dü., eine Geldmünze K. Z. Gassenhauer mit hochd. Formen: Ach, ich bin so müde, Ach, ich bin so matt; Ich ho keⁱn Gëld im Portmonnaie Un hob auʰ keⁱns im S. Dunzenh. Ditschi Seck Hosentaschen, die vorn oder hinten, mit wagerechter Öffnung,

[Bd. 2, Sp. 342a]
nicht auf der Seite (nicht mit schrägem Schlitz) angebracht sind. Iʰ fing dr S. nit; iʰ kumm nit in S. mit m Elleⁿbogeⁿ ich habe kein Geld Steinb. Ich kann (od. kumm) mit m Elleⁿbaujeⁿ nit in deⁿ S. sagt ein Geiziger K. Z. Einⁿ im S. han sich jem. durch Vorschüsse gänzlich verpflichtet und zu willen gemacht haben Dü. In dr S. steckeⁿ überlisten: Dëne könnt mr zeʰⁿmol in dr S. steckeⁿ, er gät nix merikeⁿ Co. ‘Der ist in kèn Sack se bringeⁿ’ ist schlau W. JB. XI 43. Er het s Mul im S. schweigt sich aus Gebw. Ruf. Str. Zss. Sackgëld, –tuech, –uʰr. 4. grosser Bauch Heidolsh. 5. Gebärmutter des Viehes. 6. Hodensack. Er is uf dr S. gheit Eschenzw. Schlëck mⁱr deⁿ S.! Schmeck mⁱr in dr S. lass mich in Ruhe! Fisl. 7. Regenwolken. D Sunn is in deⁿ S. gschlupft, morn git s Rëjeⁿ Z. s hat e S. gejeⁿ Dehlingeⁿ nach D. zu ist's finster am Himmel Wh. 8. †Hure; Bsp. CS. Hist. Wb. Das Demin. ist von der Bed. 1. gebräuchlich. Iʰ ha miⁿ Säckele usgelërt gebeichtet Kaysersbg. Eine-n-im Säckl han a) einen ärgern: Hit häⁿ mⁱr dr L. im S. ghet, mⁱr hän iʰⁿ eso verzürnt, ass er bal furtgeloffeⁿ wär Str.; b) über einen Abwesenden sich lustig machen, durchhecheln Str. ‘Ja s isch merkwürdig was d Litt for e Pläsier henn, wenn sie eine e bissel in's Seckel könne nemme durchhecheln’ Elsass 1894, Nr. 38, S. 2, Sp. 3. Demin. im Kinderscherz s. Floch. ‘schme dich nicht das Sckle selber vnter dem Mantel zu nemmen’ Mosch. II 809. — Basel 247. Bayer. 2, 220. Hess. 335.

Anhënksack m. Tasche, die um den Leib gebunden wird, von Holzmachern gebraucht Felleri., von alten Weibern Mittl. Horbg.

Bëttelsack m. Betteltasche U. Rda. s. Söu. ‘rger (vmbgegangen) als ein Saw mit einem Bettelsack’ Mosch. I 483.

Brësteⁿsack m. Mensch, der viele Umstände macht Ruf.; eigensinniges Kind M.

Briefsack m., Briefsäckel n. 1. Anhängetasche, worin der Briefträger die Briefe mit sich führt. 2. Demin. Briefumschlag, Kuvert K. Z. Hag. s. Briefscheid(e). — Basel 40.

Brotsack m. 1. die Tasche zum Mitnehmen des Essens aufs Feld Dü. 2. das Essen selbst Logelnh.

[Bd. 2, Sp. 342b]

Brusttüʰsäckel [Prùtisakl K. Z.] n. Westentasche. Syn. Schilesäckel.

 PfWB Bueseⁿsack m. innere Tasche im Rock Pfast.

 PfWB  RhWB Dicksack m. dicker, plumper, unbeholfener Mensch U. Dër D. frisst alles für sich, un Fraü un d Kin sëʰn us wi d Heüschin wie das Getreide auf magerem Boden Illk. ‘Geht di Wagle knickknack, Schlof, du kleiner Dicksack’ aus einem Wiegenliedchen Stöber Volksb. 8.

Dudelsack [Týtlsàk allg.] m. 1. Dudelsackpfeife. 2. Glimpfwort für Gott. ‘Du grosser Dudelsack! Was isch diss for e Gyz’ Pfm. II 2. 3. scherzh. dicker Bauch. Dr D. is lër ich bin hungrig Ruf. 4. dicker Mensch Hattst., dazu langsam Gebw. 5. Betrunkener Dollern. Rda. Er is voll wie-n-e D. betrunken Schlierb. 6. Schweinemagen, gefüllt mit Fleisch, Kastanien, Gewürz, Tunke usw. Ruf.

Düppelsack Rda. ‘wer mer ausgibt, denn er magk, den schlag ich mit dem D.’ erkläre ihn für einen Narren Murner Mühle 1463 f. vgl. 1084, 1093, 1128 und 1230. ‘vber den D. der felt’ ebd. 1160. — vgl. den Düppel bohren = den Esel bohren  DWB DWB. 2, 1567. Ist Dobel lolium temulentum ebd. 1197 hierherzuziehn?