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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Seich bis Hagseicher (Bd. 2, Sp. 320b bis 321a)
 
  PfWB  LothWB  RhWB Seich [Sai S.; Saiχ O. Str.; Sæiχ Molsh. K. Z. Hag. Betschd.; Sáìχ Ndrröd.; Sáχ Lobs. Bühl; Sǽχ Barr Geud. Hatten Wh. Dehli.] m. Urin von Tieren und (verächtlich) auch von Menschen, Jauche. Warm wi S. fehlerhaft warm, von Getränken allg. Rda. Im sibeⁿteⁿ S. ligeⁿ (s. auch Seigerte) fest schlafen allg. Gruss: Wiˡt S. füeʰreⁿ? Dunzenh. Ingenh. ‘Seych’ Geiler P. III 70. ‘der kalt seych’ Fisch. Garg. 129. Zss. Seichkasteⁿ Jauchekasten Z., -kutt, –lach, –loch. 2. obsc. cunnus Brum. Geud.Basel 247. Bayer. 2, 212. Hess. 381. Westerw. 170.

Hundsseich m. ein kleiner Waldschwamm Mü.

Tambureⁿseich f. schlechtes, abgestandenes Bier Molsh.

seicheⁿ [sæiə Olti.; saiə Roppenzw. Heidw. Liebsd. Ensish. Ruf.; saiaa Su.; saiχa Dü. Katzent. Horbg.; saiχə Co. Ndrröd.; sèiχə M.; sæiχə Ingersh. Bisch. Molsh. K. Z. Betschd.; sǽχə Barr Wh.; sáχə Lobs. Schleit.] 1. Urin lassen (meistens von Tieren gesagt). Pfü Deifl, wi stinkt's do: gël, d Katz het in d Stub gseicht? Str. ‘was ist das lang Predigen! Warzu ist es gut? die weiber seichen in die Stül, die man schlafen’ Geiler Ev. mit Ussl. 78. ‘Es wird ihm kein Hund auff das Grab seychen, Er lauffe dann eine Leyter hienauff’ Mosch. II 727, Als. 1868, 328. D Schnokeⁿ s., sagt man im Scherz, wenn es fein regnet. 2. rieseln, fein regnen Z. Im Ärger über das regnerische Wetter: Hüte seicht's dr ganz Tag! Ruf. Dr Nëwl seicht M. 3. Rda. Der krijt in deⁿ Hoseⁿsack gseicht der wird betrogen Wh. 4. s he gseicht sagt man, wenn das Zündhütchen platzt und das Gewehr versagt Dunzenh. 5. langweilig reden St. Basel 247. Bayer. 2, 212. Hess. 381. Westerw. 170.

abgseicht Adj. schlecht aussehend, mit einem Gesicht, auf dem alle Laster sich spiegeln Co. vgl. auch Seite 381.

[Bd. 2, Sp. 321a]

a(n) seicheⁿ anführen Scherw. Ndrröd.F. Schwäb. 260. Bayer. 2, 212.

verseicheⁿ 1. durch Urin beschmutzen. Sie han gelacht, ass sⁱe d Röck verseicht han so laut und erschütternd Schleit. 2. mit Ameisensäure bespritzen, so dass es juckt. D Ämeiseⁿ han ⁱʰne verseicht Brum. Ndrröd. 3. betrügen, anführen. Mir sin emol wider verseicht die Dummen gewesen Scherw. Ndrröd. 4. anzeigen, denunzieren Str.

Seicher m. 1. das männliche Glied Su. 2. der den Urin nicht halten kann Co. Drëcketer S.! zu einem Kind, das sich das Kleidchen oft verpisst Ndrröd. 3. ein störrisches Pferd, das nicht zieht, sondern stehen bleibt und harnt Lobs. 4. Schimpfwort Obhergh. Co. Bayer. 2, 212.

Bettseicher m. 1. Bettnässer allg. 2. schwächlicher, kränklicher Mensch Liebsd. 3. Löwenzahn, Leontodon taraxacum. Im Früʰjoʰr ësseⁿ vil Lüt B. ze Naʰt Dehli.; auch Zss. –salat od. Brunzbluemeⁿsalat. Vgl. Bettbrunzer. — Bayer. 2, 212.

Giftseicher m. jähzorniger Mensch. Du nundedie G.! Obhergh. Vgl. Giftschisser.

Hagseicher m. Schimpfname für Lehrer Rixh.