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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Sib bis Sibeⁿti (Bd. 2, Sp. 318a bis 318b)
 
  PfWB  LothWB  RhWB Sib [n. Sîp Hi.; Sìp Betschd. Ndrröd.; f. Sep Co. Bebelnh. Rapp., Sìp Str. Rauw.] Sieb u. zw. 1. das Küchengerät aus Blech. s. auch Sichte u. Siʰ. 2. ein aus Binsen geflochtenes Sieb zum Reinigen des Mostes bestimmt Bebelnh. Rapp., zum Reinigen des gedroschenen Getreides Betschd. Vgl. auch Riter. 3. übertr. ‘Haha, do isch guet ze bezahle, wenn merr unbeschröije durch d'Sipp geht’ Horsch Hüssjé 9. — Bayer. 2, 208. Pfalz 122.

Aʰreⁿsib [Ârəsìp Bühl Ndrröd.] n. grosses, rundes, weitmaschiges Sieb, auf welchem beim Durchsieben des Getreides die Ähren, trockene Grünfutterhalme und kleine Grundschollen liegen bleiben.

 PfWB Kërnsib n. s. Tawërk.

 PfWB  RhWB Radeⁿsib [Ràtəsìp Betschd. Ndrröd.] n. engmaschiges Sieb, durch welches die Kornrade durchfallen soll.

Saatsib [Sûtsìp Betschd.] n. engmaschiges Sieb.

 PfWB  LothWB  RhWB Staubsib [ʿStàipsîp Hi.; ʿStœypsìp Betschd.; ʿStápsìp Ndrröd.] n. Sieb mit feinen Maschen, durch welche bloss noch der Staub fällt.

 PfWB  LothWB  RhWB sibeⁿ [sìpə Ndrröd.] sieben, durch das Sieb reinigen. Ich muss di Aʰreⁿ, das Korn, noch emol s.
 
 
 PfWB  PfWB  LothWB  LothWB  RhWB  RhWB sibe(ne) [sìpə S.; sewə, präd. –ni Co. Dü. Mark. Eck.; sewana Su.; sìwə Ruf. Str. W.; sewə Bf.; sewə K. Z.; siwə Ndrröd.] sieben. Wenn einer beim Karten-od. Billardspiel od. bei einem beliebigen andern Spiele sieben zählt, indem er sagt: Iʰ ha siweⁿ! so antwortet ihm wohl ein anderer: Un am Füdle kratzt, is ni griweⁿ! Ruf. So Ratzeⁿkor ha-n-iʰ in siweⁿ Herreⁿ Ländr noʰ ni gfundeⁿ Co. Erweiterung: s. wi e Jud mit Bezug auf die dem Juden heilige Siebenzahl Str. U. Fortführende Antwort: Un acht wi e Hundsfud (die Juden selbst sagen: s. wi e Handlsmann) Hf. In einer unglücklichen Lage sagt man: ‘Do hat der Déiwel siwe gewàrf’ Dehli. JB. XI 54. Rda. Wënn alli s. Sunneⁿ schineⁿ wenn es heller Tag ist Dü. ‘s kann êhner Vatter besser siwe Kinn ernähre as siwe Kinn êhne Vatter’ Dehli. JB. XI 63. A. Wie viel Uhr ist's? B. Halwer siwene! Dü. Zei, jetz mach (beeile dich), s is bal halwer seweni Mark. Eck. Um seweni z Oweⁿ Mark. A. Wannē bis ufgstangeⁿ? B. Um siwene für Tau! d. h. sehr spät, am hellen

[Bd. 2, Sp. 318b]
lichten Tage Z. Zss. Sibeⁿhuʰn, Sibenersprung, Sibeⁿsacheⁿ, sibeⁿzehn, –zig. — Bayer. 2, 208.

 PfWB  LothWB  RhWB Sibener, Siwener m. 1. die Ziffer 7 M. K. Z. Ndrröd. 2. Riss im Kleid Tieffenb. 3. Pl. Füsse. Kalti S. Str. 4. Insbes. krumme Beine. Du strecks dini S. useⁱnandʳ, dass mr meineⁿ köⁿⁿt, si sin nit dine Molsh.

Sibeⁿter [Sewətər Betschd.] m. eine Sieben, Grundzahl 7.

Sibeⁿti, Sibente [Sîpəti f. Pfetterhsn.; Sewət m. Hf.] f. Amt für einen Verstorbenen. Morn is d S. für dr Hans Pfetterhsn. Früher wurden am 7. und 30. des Monats Totenämter und –messen gelesen. Da aber jetzt dieser Brauch zunimmt, so wird auf das Datum keine Rücksicht mehr genommen. Trotzdem aber ist der Ausdruck »der 7. und 30.« oder »der 7.« oder »der 30.« geläufig, z. B. verkündet der katholische Pfarrer von der Kanzel: »Der 7. und der 30. für die Verstorbenen N. N. werden am 4. Mai mit einem Amt und zwei hl. Messen gehalten werden« Hf.Bayer. 2, 209.