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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
rateⁿ bis Fürrat (Bd. 2, Sp. 297a bis 298b)
 
  PfWB  RhWB rateⁿ [rótə fast allg.; ryotə M.; rôtə Str. Z. W.; Ind. Präs. 1. 3. rót ryot rôt, 2. rót ryot rôt ohne Uml.; Part. krótə kəryotə kərótə] 1. raten, Rat erteilen. Ich tät dⁱr gërⁿ hëlfeⁿ, awer ich kann dⁱr leider nit emol r. Lützelstn. Was soll ich dir do r.? Ingenh. Spw. Wëm (wem U.) nit z(e) r. is, dëm (dem U.) is nit z(e) hëlfeⁿ Dü. Bf., ähnl. M. JB. II 167. ‘billich und ouch geroten’ Str. 1447 Brucker 121. ‘das sie dann beduhte geroten sin’ Str. 1482 Brucker 248. 2. erraten: Rot emol, was iʰ do ha! Dü. Grad geroteⁿ! richtig geraten U. Ich hab epper angetroffeⁿ, du täts nit r. wer Str. Rda. Eiⁿm eps uf ze r. gën (mit Versetzung der Vorsilbe uf von ufgën vor r.) jem. viel zu schaffen machen, Schwierigkeiten und Verdruss bereiten U. Die Buweⁿ wëre-n-ⁱʰrem Vatter noch eps ufzeroteⁿ gën, bis ass e jeder van ⁱʰneⁿ vrsorjt is Lützelstn. Bayer. 2, 157.

 PfWB  RhWB ab rateⁿ 1. (durch Querfragen ein Geheimnis) entlocken: Ëndliʰ haw iʰ’s ⁱʰm abgeroteⁿ, wo-n-r d gstoʰleneⁿ Äpfl anneⁿ vrsteckt het Bf. ‘Einem den käss abrothen’ Geiler, Als. 1862, 147. 2. den Rat geben, etw. zu unterlassen Su. Breitenb. U.

derrateⁿ [tərrótə Hlkr.] erraten. Kaⁿⁿs dⁱes d.? — Bayer. 2, 167.

grateⁿ 1. geraten, glücken, gedeihen, gut ausfallen, gelingen. Iʰ ha eps macheⁿ welleⁿ, awer s is mir nit groteⁿ Dü. ‘jetz von diesem, bald einem anderen daran verhindert worden, biss es ihme endlichen gerathen ist’ Petri 454. Is’s geroteⁿ? näml. der Kuchen, das Backwerk:

[Bd. 2, Sp. 297b]
so fragen die Hausfrauen einander am Vorabend des Messti Z. Die Köjlhupfeⁿ sin jetz schön geroteⁿ Geud. Dr Win is geroteⁿ, d Ërdäpfl sin geroteⁿ Geisp. Dis Joʰr sin d Kirseⁿ groteⁿ, awer d Frucht grott nit Dü. Spw. Wënn dr spot Weiseⁿ grot, soll's dr Vater im Soʰn nit sajeⁿ d. h. der Weizen soll frühzeitig ausgesät werden, wenn er gut geraten soll: gerät der spät gesäte auch einmal, so darf das doch nicht zur Nachahmung empfohlen werden Horbg. Zss. Gerotjoʰr fruchtbares Jahr; Ggs. Fëʰljoʰr Z. [uf wyolkəryot aufs Geratewohl M.] 2. zutreffen, sich ereignen: s könnt g., dass r noch Schmier gepommt, od. dass r stërweⁿ tät Hf. [s khænt od. kh kəryotə] möglicherweise, vielleicht M. 3. zusammen treffen, zus. kommen mit: Iʰ bin iⁿ die Gsellschaft groteⁿ Bf. Ananandr g. Osenb. Er is an deⁿ Lëtzeⁿ geroteⁿ hat seinen Meister gefunden Z. Wie sin iʰr zwei zsämmeⁿ g.? Hlkr.

ungrateⁿ Adj. ungeraten, ungezogen, unartig. Unggroteni Kinder Dü. Bf. Das sin awer unggroteni Suikiwle! unanständige Burschen Mittl.Bayer. 2, 163.

hirateⁿ [hírótə fast allg.; híryotə M.; hírôtə Str. Z.; hæirâtə Betschd.; hèirâtə W.; Part. khírótə Sier. Ruf. Obhergh. Co., khírót Dü. Rchw. K. Z., khírôt Bf. Str., khírót u. khírótə Hf., khæìrât Betschd.] heiraten, sich verheiraten. In einen Hof heiraten, z. B. in s Stawalters h. heisst durch Heirat in den Besitz des Hofes gelangen K. Z. Du hiruwets awer beziteⁿ, Annemeiele! Sulzeren JB. V 130. ‘Das aarmä maidlä lïgt iäz doo, Vïl mä s nït hat hiirootä loo’ Landsman Lied. 118. Scherzh. Wenn de h. wiˡˡˢt, se hock uf e roteⁿ Ochs un mach: hi, Roteʳ! Obhergh. Subst. Inf. s H. is e Hüeʰnerhus, sin vil drin, si möchteⁿ drus, sin vil drus, si möchteⁿ driⁿ: Hans, iʰ rot dⁱr, ledig z bliⁿ! Ruf., ähnl. Co. Rapp. JB. VII 171. Derb-euphem. Zurückweisung: Du kaⁿⁿs miʰ h., wenn de wiˡˡˢt! Hattst. Jo, du kanns mich h.! Dunzenh., oft mit dem Zusatz: wënn d Gëld hes! Ingenh. Ich bin ghirot Co. Ich sin gheirat W. Missverständniss und Wortspiel: Ein els. Bauer trifft einen Lothringer und erkundigt sich nach einem beiden Bekannten: Ist er ghirot? Jener versteht küʰrot [khírót] und

[Bd. 2, Sp. 298a]
antwortet: Nä, r is koʰlschwarz! Scherzh. Si siⁿ ghirot wie d Spatzeⁿ, od. Si siⁿ ghirot, awer nit kupliert sie leben in wilder Ehe Dü. Bf. Si sin gh. uf deⁿ Parisser Mode od. wi d Parisser mit ders. Bed. K. Z. Er het d Kätʰriⁿ ghiroteⁿ Obhergh. Maidl du, Maidl, hirot nur keⁱnⁿ Bureⁿbue; hirot eineⁿ us dr Stadt, der gewichsti Schueʰ an hat Obbr. Rda. Mit dëm bin iʰ nit ghiroteⁿ von diesem (Meister, Ort uä.) kann ich mich trennen Gebw. ‘ein Mandat, laut welchem die Geistlichen sich heirathen sollten’ Mieg Chronol. Auszüge über Mülhausen 23. ‘D’ Ghyrode-n-awer lon elain enander zawwle’ Pfm. I 5. ‘Heirates’ ein Spiel aus der Kunkelstube JB. VIII 80. s. auch heiraspleⁿ. — Basel 174. Bayer. 1025. 2, 165.

verhiroteⁿ in die Ehe geben Bf.Bayer. 1025.

verrateⁿ 1. verraten, zur Anzeige bringen allg. Er het miʰ v. Fisl. Die Kinder v. enander zeigen einander beim Lehrer an Su. Dër hat mich verrotⁿ Wh. 2. nix v. nichts davon verstehn und daher auch nichts darüber erzählen, davon sprechen können: ‘So e Dochtermann wo .. redt in fremde Sproche, dass unser ains ... nix dervon verroth’ Pfm. III 2. Do verrots nix dªrvon! Z. 3. durch unüberlegtes Reden od. Handeln kund tun: ‘also verratht der Narr auch sein heimligkeit mit schwetzen’ Geiler 39. Narr. 4. erraten: Wër's verrott, het gewunneⁿ Bf. s. ver- 10 Seite 128. 5. angeben, mitteilen, bes. von Geheimnissen: Ich will dⁱr e gueteⁿ Tee v. Hf. Dr Dokter hat mⁱr's verrotⁿ Wh. Bayer. 2, 169.

zu rateⁿ [tsýrôtə Ingenh.] zu etw. raten. Mach was de wiˡˡˢt; awer ich tät dⁱr nit z.

 PfWB  LothWB  LothWB  RhWB Rat [Rót fast allg.; Ryot M.; Rôt Bf. Str. Z. Betschd. — die Trübung des Vok. auch in den Zss.] m. 1. Rat, Ratschlag. Iʰ weiss dⁱr n-e gueteⁿ R. Hirzfn. ‘Suech umme dumm e guete Roth’ Franois Husm. 1886. 13. E schlëchteʳ R. allg. Rda. Guet zam R. siⁿ gut raten: Iʰ bin dⁱr guet zam R. Ingersh. Wenn iʰ dⁱr guet z R. bin, se blib do! Su. Ich ha mⁱr fast keⁱn R. gewüsst ich wusste mir beinahe nicht zu helfen Ingenh. Ich hab mⁱr keⁱn Rots meʰʳ gewüsst Hf. Rda. Sich Rots holeⁿ sich Rat erbitten Hf. ‘vnnd

[Bd. 2, Sp. 298b]
ob er schon ander leuth vmb raths fraget’ Geiler 8. Narr. ‘in rotslahens wise’ Str. 1469 Brucker 353. ‘Vnd folget alter Weiber roht’ Brant Narr. 38 Kloster Spw. Für deⁿ Tod is keⁱⁿ R. Bf. Dr guet R. is tür [tír], od. gueteʳ R. is tür Logelnh., od. do is gueter R. tür mit Anspielung auf dr Rot = der Rotwein; mit derselben scherzh. Nebenbed. wird oft die Grussformel aufgefasst: Hai-t-ⁱʰr gueteⁿ R.? zu zweien od. mehreren, die mit einander sprechen Olti. Pfetterhsn. Hait-t-ⁱʰr e gueteⁿ R.? Uffh. Is dr R. guet? Antw. Jo, dr wiss (der Weisswein) gät's oiʰ tüeⁿ! Dü. Han ⁱʰr guteⁿ R.? Antw. Mⁱr täteⁿ wisseⁿ trinkeⁿ! Betschd., od. [tər kút rôt e taijər] Bühl. 2. Ratsversammlung (ält. Spr.). ‘rat der merer und grösser’ Geiler LK. 60 in Strassburg; er wurde 1482 durch den sog. Schwörbrief bestimmt und festgestellt und bestand aus 30 Senatoren nebst dem regierenden Ammeister, 10 Adeligen und 20 Bürgern; er hatte die obere Gerichtsbarkeit. ‘rat der minder’ ebd. der kleine Rat in Strassburg. Er bestand aus dem abtretenden Ammeister, 6 adeligen Assessoren und 16 Schöppen (früher nur 12); letztere hiessen Zumänner. Dieser Rat entschied bei weniger bedeutenden Dingen und führte die niedere bürgerliche Gerichtsbarkeit. ‘wer derselben deheinen ... leidigte oder smehte mit worten oder wercken .. die sol meister und rot strofen’ Str. 1435 Brucker 353. ‘die gewesnen bischövliche Räth zu Zabern und den Roht daselbst’ Str. 1592, Als. 1858, 13. — Bayer. 2, 163 ff.

Fürrat [Fîrrót Obhergh.] m. Überfluss. Hes e Buech im F.?