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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
risseⁿ bis um risseⁿ (Bd. 2, Sp. 287b bis 288a)
 
  PfWB  LothWB  RhWB risseⁿ [risə allg.; ræìsə N.; Ind. Präs. 1. 3. ris, 2. ri; Part. kresə O. Betschd. Bühl Hatten, kəresə U., kəres Lützelstn.] 1. wie hochd. reissen, zerren, ziehen. Riss an dër Schnuer! Ruf. Er risst draⁿ wie nit gscheit Co. Unpers. s risst mⁱr in alleⁿ Glidrⁿ, Syn. ropfeⁿ Z. Dü. Subst. Ich ha s R. in deⁿ Zäʰnⁿ Dü. Eps an eiⁿm r. etw. gewinnen von jem., der schlecht steht: ich will auʰ noch eps r. an ihm ich habe auch noch eine kleine Forderung an ihn Hf. 2. Vom prickelnden Geschmack des neuen Weins kurz nach der Gärungszeit allg. Dr neü risst Ruf. Co.; r risst schoⁿ Bebelnh. Ich trink ⁱʰne-n-am liebsteⁿ, wënn r risst Ingenh. 3. Das R am harten Gaumen sprechen Bisch. Molsh. Dunzenh. Z. Di Franzoseⁿ r. fast alli s R Bisch.; mit der Zunge anstossen Co. 4. lügen, aufschneiden, Witze machen. Rda. einr r. einen Witz machen Meis. Dis is gerisseⁿ euphem. das ist eine Lüge Hf. Rimeⁿ r. Verse machen Elsass 1897 Nr. 43. 5. ein Mädchen zu Fall bringen Ensish. 6. refl. sich ritzen, die Haut aufritzen: Hes diʰ gerisseⁿ? Dunzenh. Ingenh. Rda. sich um eps r. etw. sehr gern mögen, sich besondere Mühe geben, um einen vielseitig begehrten Gegenstand zu erlangen. Ris du dich drum dort anneⁿ ze geʰn? Str. Wënn du dëⁿ Acker leʰneⁿ wiˡˡˢt, se leʰn e, ich riss miʰ nit drum Dü. 7. zeichnen, auf dem Bauholz Striche ziehn an Stellen, wo abgesägt od. gelocht werden soll Bf. ‘welch tonne me haltet danne dirte halb omen, do sol der synner das me uf die tonne rissen und zeichen’ Str. 15. Jh. Brucker 403. — Schwäb. 304. Bayer. 2, 145.

lëtzgrisseⁿ [latskrìsə Liebsd. Fisl. Strüth Su. Co. Isenh. Orschw. Hattst. Obhergh.] Adj. unförmlich, missgestaltet,

[Bd. 2, Sp. 288a]
verkehrt, sonderbar. E lëtzgrissener Stëckeⁿ schlecht gemacht Liebsd. Ër het eso n-e lëtzgrisseneʳ Marsch Su.; e lëtzgrisseni Antwort Co. Subst. verkehrter, unordentlicher, nichtsnutziger Mensch. Du bis e Lëtzgrisseneʳ! Isenh. Do hän ⁱʰr e L.! Hattst. Mü. Stöber Mäder 97.

ab risseⁿ abreissen, unordentlich pflücken allg. Du derfs Bluemeⁿ a. so vil aˡs de wiˡˡˢt Co. ‘ab zu rissen, was der liebe gott wachssen last’ 1562, Als. 1862, 81.

derrisseⁿ [tərisə Obhergh.] ziehen: was iʰ ha mögeⁿ d. was ich ziehen konnte.

ʰerus risseⁿ ausreissen, ausraufen. Er risst siʰ schier d Hor ʰerus, od. Iʰ könnt mⁱr alˡⁱ Hor erus r. etw. bereuen Dü.

in risseⁿ einreissen, um sich greifen. Wëⁿⁿ d Lumperei emol im e Dorf iⁿ risst Bf.

ʰrab risseⁿ [rôrisə K. Z.] herunter reissen. Rda. eineⁿ r., od. e por r. aufschneiden, lügen Dunzenh. Ër het sich deⁿ Kopf schier ʰro gerisseⁿ hat sich schwere Vorwürfe gemacht, hat es bitter bereut Ingenh.

ʰrunder risseⁿ aufschneiden, etw. Unwahres in harmloser Weise zum besten geben, vgl. ʰro risseⁿ. Jetz het r widr einen herunder grisseⁿ, wü welleⁿ mⁱr deneⁿ uf hënkeⁿ? Betschd.

über risseⁿ [ìpərrisə Pfetterhsn.] überanstrengen: De bruchs cheⁱⁿ Angst haⁿ, iʰ überriss miʰ nit.

uf risseⁿ aufreissen, z. B. etwas Gestricktes, Genähtes, Verklebtes; eine Türe gewaltsam und geräuschvoll öffnen allg.

um risseⁿ niederreissen, gewaltsam zu Boden werfen allg. Dr Wind het miʰ schier gor um gerisseⁿ Ingenh.