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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
rüefeⁿ bis rageⁿ (Bd. 2, Sp. 239b bis 240b)
 
  PfWB  LothWB  RhWB rüefeⁿ, ruefeⁿ, rufeⁿ [rìafə S. O. Bf. K.; rìèfə Geisp. Z.; rỳèfə Hf.; riefə M.; rŷfə Str.; rêfə Rupr.; rûfə Betschd. Lohr Wh.; Part. krỳafə O., kərỳafə Bf., kərỳèfə Hf., kərìaft K., kərìèft Z., kərieft M., kerŷfə Str., krûfə Betschd., kərûft Lohr

[Bd. 2, Sp. 240a]
Wh.] 1. rufen: r. geʰn in der Nacht vor das Fenster der Mädchen gehn und diese herausrufen Geisp. An imand rufeⁿ einem rufen: r hat an mich geruft Wh. Üwer eineⁿ r. laut nach jem. rufen K. Z. Man sagt eiⁿm u. eineⁿ ruefeⁿ Hf.; nur mit Dat. M. ‘Und liess reffen’ Fisch. Flöhh. 460. ‘zue sich rüeffen lassen’ Petri 491. Rda. Im Uelriʰ r. s. Ulrich Seite 33. 2. bei einer öffentlichen Versteigerung: bieten, ein Angebot tun. (Bis in die 60er Jahre des 19. Jh. war es Sitte, dass die Juden bezw. die Interessierten den Bauern Gutscheine für Wein, Würste, Cigarren usw. unentgeltlich verteilten, damit sie bei den Versteigerungen besser ‘rufen’ konnten) Hf. Basel 242. Bayer. 2, 68.

an rüefeⁿ im Vorbeigehn oder –fahren bei jem. vorsprechen, ihn heraus- od. an's Fenster rufen Z. Wann ⁱʰr heimfaʰre, ze (so) könne-n-ⁱʰr bim Pfarreʳ anruefeⁿ, ich geʰ noch e bissl zue ⁱʰm Hf.

ufeⁿ rüefeⁿhinauf rufen Su. [nùf r.: sə hąi mr nùf kərieft M.] .

 PfWB  RhWB unberuefeⁿ Adv. unberufen; Syn. unbschröueⁿ Hf.

ungeruefeⁿ [ùkrỳafə Su. Dü. Bf.] ohne gerufen zu sein. Zue deⁿ grosseⁿ Herreⁿ derf meⁿ nit u. kummeⁿ Bf.

usrüefeⁿ, usruefeⁿ 1. wie hochd. Wenn zwei heiraten wollen, werden sie zuerst in der Kirche usgruefeⁿ Su. Mⁱr (od. si) sin schon usgeruefeⁿ Str. Dër is zvorders gsiⁿ, wo d Naseⁿ us gruefeⁿ sin wordeⁿ von einem, der eine grosse Nase hat, z hinders od. zletst usw. von einem, der eine kleine Nase hat Gebwt. Rda. deⁿ Husrot u. von zwei Personen, die sich im Streite gegenseitig recht derbe Grobheiten sagen: Si refe-n-enandr deⁿ Husrot us Rupr. Vgl. Sunntignameⁿ. 2. verkünden, dass etw. feil geboten wird: Säüle u. Su.

 PfWB  RhWB verruefeⁿ 1. etw. öffentlich widerrufen: Dr Joʰrmärk is vrruefeⁿ woreⁿ laut öffentlicher Bekanntmachung ist der Jahrmarkt verlegt worden Bf. 2. Part. als Adj. vrruefeⁿ in schlechtem Rufe stehend Su. Hlkr. Obhergh. Vrruefeⁿ Gëld ausser Kurs gesetztes Geld Su. Bayer. 2, 68.

 PfWB  LothWB  RhWB Ruef m. wie hochd. Ër steʰt im e gueteⁿ R. Logelnh.Bayer. 2, 68.

Geruff m. Ruf, Name, guter od. böser Geiler P. II 2.

[Bd. 2, Sp. 240b]

 PfWB  RhWB Verruef m. wie hochd. Dië Familje is in V. kummeⁿ Obhergh.Basel 111.
 
 
rageⁿ in gerageⁿ [kərâkə M.] starr werden (von dem erkaltenden Leichnam). ‘wenn die seel von dem leib got, so ist der leib kalt und geraget’ Geiler Brös. 2, 33ª. — Bayer. 2, 69.