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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Boseⁿ bis Bossel (Bd. 2, Sp. 102b bis 103a)
 
  Boseⁿ [Pósə fast allg.; Pyosə M.; Pùwəsə Sulzern; Pûsə Günsb., auch mit kurzem Vokal, wenn der Hauptton auf dem folg. Subst.

[Bd. 2, Sp. 103a]
‘Stró liegt, Pòsə Kerzf.; Posə Str.; Pl. meist ebenso; Demin. Pésli Banzenh., Pièslə M.] m. 1. Bund glatten Weizenstrohes. Us drei Garweⁿ mach e B.! Ndhsn. Dënket emol, dr B. Straü kostet sëchzëʰⁿ Su! Sier. (sonst ist der Preis 16—20 Pfennige); auch Weißeⁿboseⁿ Bf. ‘Ein Bosen Stroh’ Klein. Zss. Boseⁿstroʰ. 2. Flachsbündel, Bündel Weiden u. dgl. M. Schweiz. 4, 1729. Bayer. 294.

 PfWB Kornboseⁿ m. Bund Roggenstroh Dunzenh. Z.

Weißeⁿboseⁿ m. Bund Weizenstroh Bf.

 PfWB Wurzboseⁿ m. Wurzelstock eines Baumes mit allen Verzweigungen: Dr Wind het deneⁿ Bäum mit zamt em W. zum Boddeⁿ rus gerisseⁿ Lobs.

boseⁿ [pósə allg.] 1. die Garben mit dem Flegel dreschen, ohne sie aufzulösen. Mⁱr müeˢˢn b., dënn mⁱr han keⁱn Frucht meʰʳ un awer äuʰ nit dⁱe Zit ze drescheⁿ Lobs. ‘(sie) iltent mit dröschen und bossende das in gar vil Korns wart’ Königshofen 758 (St.) = Chron. 685, 22. 2. Hanf b. den Bast zu Zöpfen flechten Hi. mhd.  Lexer bôZenklopfen?Schweiz. 4, 1728. Bayer. 294.

 PfWB  LothWB ab boseⁿ den Boseⁿ ‘abdreschen’ allg.
 
 
 PfWB  LothWB  RhWB Bosseⁿ [Pòsə Ingenh.] m. schlechter Streich, Schabernack. Eiⁿm e B. spieleⁿ. f. Pl. Co. Henry. 197. ‘boß, homo facetus’ Geiler P. 1, 30. ‘Das wer ein boß, das wer gt leben’ Fisch. Prakt. 32. — Schweiz. 4, 1730. Bayer. 410. Eigentlich kleiner Kerl.

Guckelbossen Pl. Schwindeleien. ‘Er hat geringe G. gespielt’ Merklen 2, 129. Syn. Gauklereieⁿ Seite 205. — vgl. Schweiz. 4, 1733.

Narreⁿbössle Narrenspossen: ‘mit so Narrebeßle wänn m'r is d’ Zit nitt verdriwe’ Stöber Mäder 24.

 PfWB  LothWB  RhWB bossig [pòsik Lutterb. Pfast. Steinb. Ensish. Co. Mutzig; pòsi Ndhsn.; poseχ Wh.; posiχ Dehli.] Adj. 1. possierlich, drollig Co. Mutzig. ‘possig närrisch’ Klein. 2. seltsam, wunderlich. Das is b. mit dër Gschicht Steinb. Dis kummt mⁱr b. vor Wh. 3. unbehaglich, unwohl. s is mⁱr ganz b. voⁿ gesterⁿ Ndhsn. Schwäb. 88.
 
 
Bossel, Bosel [Pûsl Fisl. Liebsd. Hi.; Pùsl Obhergh.; Pòsl Sier. Ruf. Mütt. U.

[Bd. 2, Sp. 103b]
Lützelstn.] m. 1. Person, die alle niedrigen, unangenehmen Dienste verrichtet, Kalfakter. Du müeßts dumm sin, fur dëneⁿ deⁿ B. ze macheⁿ; dis sin jo richi Lüt, di solleⁿ sich e Mad dingeⁿ Lützelstn. Meins, iʰ spil dⁱr all dr B.? Hlkr. ‘B. ein gemeiner Arbeiter, Knecht, der zum Packen, Ausschicken und geringen Arbeiten gebraucht wird, bes. in Kaufmannshäusern’ Klein. ‘Der Bossel vom Fischkal, der Nazi, het mer ’s gstekt’ Pfm. III 2. ‘ein gut gesell und ein guter bossel’ Geiler Post. 1, 30 a. Er is als wie dr B. angsëʰn wird gering geachtet Str. Zss. Bosslarweit unbedeutende, nicht anstrengende Hausarbeit Str. K. Z.; Flickarbeit St. ‘Dete sölliche posselarbeit ie’ solche niedrige Arbeit Murner Bad. 6, 56. ‘zur wunderlichen Bosselarbeyt’ Fisch. 216, 11 (H 3 b). Zss. Bosslmagd, B.-rock. 2. unreinliche Weibsperson Fisl. 3. Tölpel, Gesellschaftsnarr. Mit eiⁿm dr B. macheⁿ Zinsw. Ruf. Hf. Schweiz. 4, 1734. Pössel. Bayer. 410.