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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Vich bis Fuchs (Bd. 1, Sp. 90b bis 91b)
 
  Vich, Vieʰ [Fìa Liebsd.; Fìə Lutterb.;allg.; Fíχ N.] n. Vieh. 1. das unvernünftige Geschöpf, doch vorzugsweise nur das Nutz- oder Stallvieh, Rindvieh: Hes s Vieʰ schon getränkt Hast du das Rindvieh schon getränkt? Z. Die Form [Fé] ist im Z. und meist auch sonst ledigl. Sammelname; im einzelnen setzt man streng scheidend e Kuʰ, e Kalb, e Kälwl u. s. w., oder man stellt das Wort Stück davor: dis is e schön s Stückl V., so auch im Pl.: Mir han zehn Stück Ringvieh. V. is keⁱⁿ V., Fueter is V. nicht die Rasse, sondern das Futter ist die Hauptsache Bf. 2. übertr. auf Menschen: starker, flegelhafter Kerl Lutterb.; meist vergleichend od. scheltend:

[Bd. 1, Sp. 91a]
s V. macheⁿ Dummheiten machen allg. frz. faire la bête; mit derselbeu Bedeutung s V. ablossen und s V. verkündeⁿ Su. Macheⁿ wië s V. unbändig, wild thun, lärmen. Als Schelte bisw. im Pl. Die Vieʰ han keⁱⁿ Rueʰ gha, bis alles verdeifelt gsiⁿ is Dü. Allgemein gebräuchlich als derbe Schelte ist Stück Vieh: Loss doch die Kinder geʰⁿ, du St. V.! Dü. Bis e rëchts Stück Vich dumm wie das Vieh Wingen b. W. Zss.  PfWB  LothWB  RhWB Vieʰdokter m. Tierarzt Hi. U. — Schweiz. 1, 647. Bayer. 1, 836.

 PfWB  LothWB  RhWB Fëderviʰ n. Federvieh. Wenn e Bur verdërbeⁿ will un weiss nit wie, so halt er rëcht vil F. Hi.Schweiz. 1, 648.

Gustvieʰ n. Vieh, welches keine Milch gibt, z. B. Kälber, Ochsen, oder trächtige Kühe in den letzten Wochen vor dem Kalben Roppenzw.Schweiz. 1, 648.

Hornvieʰ n. nur als Schelte für einen dummen oder einen ganz groben Menschen Su. Geberschw. Du bis e H. erster Klass Geberschw.Schweiz. 1, 649.

Hoseⁿvieʰ werden scherzh. Männer und Jünglinge genannt Su.

Murervieʰ n. Spitzname der Maurer O.

 PfWB  LothWB  RhWB Rindvieʰ [Rentsfé Su.; Rènfé Bisch.; Refé K.; Rentfé und Refé Z.; Rentfé Str. Betschd. Wörth W.] n. 1. Rindvieh als Nutzvieh. 2. übertr. Schelte für einen dummen Menschen.

Vieʰheit [Fìəhait Sier.; Féhait Su.; Féhèit M.; Féhæit Z.; Féhǽt Barr K.; Féhait Str.; Fîhait Rothb.] meist als Pl. –eⁿ gebräuchlich: Dummheiten, Roheiten. Voⁿ dir kaⁿⁿ meⁿ niʰtˢ angers erwarteⁿ aˡs V. Sier. Mach keⁱⁿ V.! Su.

vieʰmässig [fîamêsik Liebsd.; fémásik Hi. Su. Co. Dü.; fémási Bisch. K. Z. Han.; fémǽsiχ Str.; fémásiχ Wörth Betschd.] Adj. und Adv. 1. viehisch, roh, grob, unvernünftig: E vieʰmässiger Mensch Liebsd. Er is gar v. in alleⁿ Sacheⁿ; wënn r kaⁿⁿ macheⁿ, ass eineⁿ eps gheit, het r sini grösst Plaⁱsier Dü. Mach nit so v.! Brum. 2. Adv. der Steigerung, ausserordentlich. V. rich, stark, dumm allg. Er is v. voll gewëˢn Z. Er het v. geblueteⁿ Hf. Er het v. brüel t! s schint, ass r guet drescht

[Bd. 1, Sp. 91b]
(gedroschen = geschlagen) is woreⁿ Dü.
 
 
Fuchs [Fùks allg.; Pl. Fìks, Feks; Demin. Fìkslə O.; Fìksl, Feksl U. W.] m. 1. das Raubtier. Der F. ist der Typus der Schlauheit, List, Verschlagenheit, Unzuverlässigkeit: Gschlaü, listig wie e F. Dü. Schmeck, F., Rüeweⁿsupp! (Ruebsupp Ruf.) indirekte od. verblümte Rüge Su. od. Schm. F., s is e Saumageⁿ [Symáùwə Str.] Schmeck's Füchsl, s is e Ruewesüppl sagte der Schulmeister und hielt der Schuljugend einen Stecken unter die Nase Str. Dem F. bichteⁿ beichten, wenn einer anvertraute Geheimnisse weiter erzählt Su. Will man den F. fangen, so beisst er grimmig um sich, vgl. fuchswild Hi. Str. Beim Kinderspiel F. us d r Höʰl stieben die Kinder wild auseinander, sobald der F. aus seinem Versteck herauskommt. Vermutlich hängt mit diesem Spiel zus. die Frage: Wie schmeckt dr F.? indem damit ein Schlag gemeint ist Hagedorn Wack. LB. 2, 699, 25. Der zannt wie e hülzerner F. Dehli. Trotz seiner Schlauheit wird er oft geprellt: s geht dⁱr grad wie um F.; wie der uf's Birⁿblatt gsprungⁿ is un hat gemeⁱnt, s is e Birⁿ, hat r gsat: Ich hätt dich doch nit gfrëssⁿ un wenn de e Birⁿ gewënn wärs Dehli. Auf seine rote Farbe spielt die Rda. an: Wënn mr Rüeweⁿ kocht, soll dr F. dr Wadel drüwer schleifeⁿ d. h. die Rüben sollen nicht mehr weiss sein, sondern durch ganz leichtes Anbrennen gelblich werden Dü. 2. rotes oder braunrotes Pferd allg. ‘Do muesch no mol absitzen unn wirst ä Fuchs atreffe’ Oblarg Als. 1852, 92. 3. übertr. Mensch mit rotem Haupthaar, pleonastisch e roteʳ F. Gebw. 4. Goldstück: Der het Füchsle ist ein reicher Mann Molsh. Str. K. Z. 5. ausgenutzter Acker Roppenzw. 6. ein nicht beabsichtigter Treffer beim Billardspiel allg. 7. zum Schnellsprechen: s laüft e blutteʳ F. der Bërg ufe Ohhergh. 8. häufig als Spitzname von Ortschaften mit Waldungen od. Steinbrüchen. 9. der F. als böser Geist in dem Ensisheimer Malefiz-Protokoll vom 15. März 1616 Als. 1850, 45 f. — Schweiz. 1, 655. Bayer. 1, 886.