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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Nagel bis Grät(e)nagel (Bd. 1, Sp. 760b bis 761b)
 
  PfWB  LothWB  RhWB Nagel [Nâkl S. bis Hlkr. M. Dü. Heidolsh.; Nàkl M.; Nâjl Co. Dü. Bf.; Nàjl Sulzern; Náùwl Str. Han. Obbr. W.; Njl K. Z. Betschd. Zinsw.; Nàχl Dollern; Nâχl Bühl]; Pl. Nägl [Nékl S. bis Hlkr.; Nákl Heidolsh.; Nakl M.; Nêkl Dü.; Nêjl Dü. Bf. u. nö. davon fast allg.; Nájl K.; Nǽjlə Dehli.; Nèχl Dollern; Nêχl Bühl] m. 1. Nagel; Fingernagel: d Näjl abhaüeⁿ [àphòjə Co.] abschneiden. Aberglaube: Meⁿ söll deⁿ Kinderⁿ vor ⁱⁿeme Joʰr d Nägl nit abhaüeⁿ Hi. Schaffeⁿ, dass eim s Bluet undr deⁿ Näjln heʳfür laüft Bf., ass s Bluet under dëⁿ Nägl füreⁿspritzt Geberschw. ‘dargegen aber

[Bd. 1, Sp. 761a]
manicher armer dürfftiger mensch wercken vnd arbeiten musz, das jhm das blut zu den neglen herausz möchte lauffen’ Geiler 93. Narr (Kl.) s ist ihm uf m Nägele gstangeⁿ, ass r us sim Platz gjagt wordeⁿ is fast wäre er aus der Stelle gejagt worden Hi. Rda. Was uf me N. hebt sehr wenig Geberschw. Umschreibung für ‘nichts’: Nit was under dr N. geʰt, uf m N. hebt, Platz hat Gebw., ähnl. Su. Ër het mⁱr ni gëⁿ, was uf eme N. hebt Bf. Hüt haw iʰ noch nit Naujls gross gësseⁿ Hf. In eim d Nägl stutzeⁿ einem die Gelegenheit zum Stehlen nehmen: Er is mⁱr alleⁿ Taj hinder d Äpfl groteⁿ, awer iʰ habe ihm d Nägl gstutzt: iʰ ha zuebschlosseⁿ Dü. Mit derselben Bed.: Meⁿ muess ⁱʰm d Nägl schabeⁿ Roppenzw. Volksglaube: Wëⁿⁿ mën eim Näjlschawet (geschabte Fingernägel) iⁿ s Trinkeⁿ git, vergift mën eineⁿ Bf. s. auch Fingernagl. Säuglingen soll man die Fingernägel abbeissen, nicht abschneiden Hf. ‘zletst het er im Herr Magister e Fratz uff de Naauel gemolt, wo er d’ Hand uffem Disch het leje ghet’ Schk. 393. 2. Kralle: Dëʳ Rolli (Kater) het langi Nägl Hirzfn. 3. eiserner, hölzerner Nagel. Rda. deⁿ N. uf deⁿ Kopf trëffeⁿ das Richtige treffen allg. Rda. Nägl uf sich spitzeⁿ lossen sich alles gefallen lassen Geberschw. D Hushaltung an deⁿ N. hënkeⁿ vernachlässigen U. ‘vnd laszt sein Haushaltung am nagel hangen’ Geiler 77. Narr (Kl.) Anzählvers beim Spiel: s künnt e Mann mit Ross ün Wageⁿ, Hätt gërn siⁿ Ross beschlageⁿ, Wie vⁱel Nägl müess r haⁿ? Lutterb.; Variante: s het e Schmitt e Ross beschlaⁿ, Wie vil Nägl muess r haⁿ? derjenige, auf welchen das letzte Wort fällt, gibt eine beliebige Zahl an, z. B. zeʰni; nun wird in der Runde abgezählt bis auf 10: wen diese Zahl trifft, der muss die anderen fangen Obhergh. Nägele bisseⁿ ein Spiel mit Messerwerfen, wobei der Verlierende einen von den Gewinnenden in die Erde getriebenen hölzernen Nagel mit den Zähnen herausziehen muss Hi. Ropp (rupfe) mⁱr dëneⁿ N. us dr Bank, jetzt han ich mineⁿ Rock dran vʳrissⁿ Lützelstn. Drohung zu einem weinenden Kinde: Sei still, dr Mann schlat dⁱr sunst e N. in deⁿ Kopp! Dehli. Spw. ‘Einen nagel schlägt man mit dem andern us’ Geiler, s. Als. 1862/67, 152. S is

[Bd. 1, Sp. 761b]
mⁱr e N. am Toteⁿbaum ein schwerer Verdruss Str. Sargnägel abergläubig verwendet zum Diebszwang Banzenh. Ingersh. JB. VIII 179. 180. Zss. Nagelboʰrer, –iseⁿ, nagelneu. — Schweiz. 4, 692. Bayer. 1, 1732.

Basnäjele [Pànêjələ Katzent.] n. kleines, stahlblaues, etwa 1 cm langes Nägelchen mit breitem Köpfchen, bes. bei Polsterarbeiten gebraucht.

Diʰslnagel [Tislnâkl Heidolsh.] m. dicker Nagel, mit dem man die Deichsel an dem Wagen befestigt. — Schweiz. 4, 690.

Fasteⁿnägele Pl. kleine gelbe Rüben, welche über Winter in der Erde sind Mü. St.

 PfWB  LothWB  RhWB Fingernagel [Feərnjl K. Z.] m. Fingernagel: Krätz nit mit deⁿ Fingernäjlⁿ, s is Gift! Ingenh.Schweiz. 4, 687.

Fürnagel [Fírnâkl, Fírnâjl; Pl. Fírnêkl, –nêjl Dü.] m. Feuernagel, meist nur scherzhaft: Was wiˡˡˢt us dëm Stückle Holz macheⁿ? Antw.: Das git Fürnägl Brennholz. Wënn's mⁱr nit grott, mach iʰ Fürnägl drus.

 PfWB  RhWB Galgeⁿnagel, meist Pl. –nägl [Kàljənêjl Bf. Str. Hf.] scherzh. Bezeichnung der gelben Rüben, Möhren; vgl. Fëldhüeʰnle = Pellkartoffeln Str.Schweiz. 4, 687.

Griffnagel m. Hufeisennagel mit scharfkantigem Kopf gegen Glatteis U. Syn. Isnagl.

Kapfernagel m. langer, starker Nagel zum Festnageln der Balken eines Dachgerüstes Felleri. Syn. Leistnagl U.

Krangelnagel m. langer Nagel, der alle Teile des Pfluges an der Achse desselben zusammenhält Steinb.

Grät(e)nagel [Krátənâkl Steinbr.; Krátnâkl Steinb.; Krátnjl Betschd.] m. dicker Nagel, durch welchen das hintere Radpaar des Wagens auf der Langwiede festgehalten wird.