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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Murkeⁿ bis Chriskindlsmärk (Bd. 1, Sp. 709b bis 710b)
 
  Murkeⁿ [Mùrikə Ingersh. Dü. Rchw. Mütt. U.; Mùrkə M. Str. Lohr Tieffenb. Lorenzen Wh.; Demin. Merkələ, Pl. –lər Umgeg. von Co.] m. 1. Brotrest; unförmliches angebissenes und dann zurückgelegtes, daher oft auch hartes Stück Brot. s is e Schand (auch e Sünd), was die Kinder Brot verderweⁿ, üwerall faʰreⁿ M. ʰerum Dü. M. macheⁿ Rchw. Z. Klein. ‘I dät als mit Murke Brod verlieb myn Lebdaa nemme, eh dass i leddi blybd’ Pfm. V 7. 2. grosses formloses Stück Brot, das ein Hungriger in aller Eile vom Laib abgeschnitten hat: Do hes awer e M., wënn de dëʳ gësseⁿ hes, bis nim nüechter Dü. Jetz nimms noch e M. Brot un s is schun elf Illk. Wi (wo) wiˡˡˢt dënn mit dëm M. Brot anneⁿ, du hes jo doch keⁱnⁿ Hunger meʰʳ Lobs.; Stück Brot, das mit der Hand vom Laib abgebrochen ist Molsh. CS. 76. ‘Wie er so ... an sim Murke naaut’ Str. Wibble Wibble = Strossburjer Wibble (von Karl Bernhard) 1. Bdch. Strassburg 1856. 63. 3. grosses, dickes Stück Holz M., das irgendwo abgebrochen ist und nicht mehr als Nutzholz verwendet werden kann Mutzig Prinzh.; grosser, unförmlicher Stein Mutzig, wo nit noch dem Winkl gewachst is Wh. Zss. [Mùrkəholts M.] n. unförmlich gespaltenes Wurzelholz. 4. dicke Person Lohr Tieffenb. Schweiz. 4, 405.

Brotmurkeⁿ K. Z., Demin. murikl Scherw. = Murkeⁿ 1.

Känstermurkeⁿ m. 1. trockenes Stück Brot, das im Wandschrank liegen geblieben ist. 2. übtr. alte Jungfer, sitzen gebliebene Jungfer Str. ‘Meinsch du, min Emma derf e Känstermurke wäre For uff de Druckemärk?’ Kettner Mais. 77. ‘Känsterle-Murken übrig gebliebener Brocken; hässliche alte Jungfer’ Klein.

Steinmurkeⁿ, s. Murkeⁿ 3.

Murket [Mùrìkət Schlettst.] f. Speise von Murkeⁿ 1. ‘Mir in der Kornhall (sin) mit alter Muriget gschpeist wore’ Schlettst. Zeit. 14. Sept. 1897.

murkeⁿ, murxeⁿ [mùrkə Ruf. M. Dü.; mùrikə Horbg. Ingersh. Dü. Mütt. Kerzf.; morksə Lutterb.; mùrksə Barr Illk. Str.; mùriksə Str. Rothb.] 1. trockenes Brot essen Ruf., hinunterwürgen Horbg., nagen, kauen M.; zwischen den Mahlzeiten essen und sich so die Esslust verderben Ingersh. Dü.; beim Essen von fester Speise den Mund so voll stopfen, dass man fast nicht

[Bd. 1, Sp. 710a]
kauen kann, bes. von kleinen Kindern: Lue nur dr Schangele, wie dëʳ wider murikt, r verwurigt schier! Dü.; essen, ohne zuvor zu kauen: Wie dëʳ siⁿ Brot awe morxt! Lutterb. Nix aˡs Brot murxeⁿ, am Tisch isst r nit! Illk. 2. mit Mühe, aber geringem Erfolg an etwas herum schneiden oder hauen Str. 3. murren Str. Rothb. ‘Retsch furt un red un murx was d’ witt’ Pfm. IV 4. — Schweiz. 4, 406. Bayer. 1, 1649.

abmurxeⁿ [àpmùrksə Katzent. Illk.; âmùriksə Hf.] 1. töten mit einem Messer Illk., auch vom Selbstmord gebräuchlich Hf. 2. (ein Stück Brot) unordentlich abschneiden Katzent. vgl. Schweiz. 4, 431.

murkig [mùrkeχ Wh.] Adj. sehr trocken, bröckelicht, vom Erdboden, Holz u. s. w. Syn. mollig. Wonn dr Grund ze trockeⁿ is, brockt r sich (oder ist er) m., un wonn r ze nass is, schnidt r sich wi e Dileⁿ.
 
 
Märkt [Márt Pfetterhsn. Roppenzw. Hi. Dammerk. Steinbr. Mü. Eschenzw. Wittenh. Banzenh.; Mark Urbis Isenh. Su. M. NBreis.; Marik Co. und nö. davon fast allg.; Márik Rothb.; Mærik Str. Kindw. Lohr] m. 1. Markt, Marktplatz. Z M. geʰⁿ auf den Markt gehen, um Einkäufe zu machen Pfetterhsn. Su. Iʰ gang mit mim Bündl z M. sagt einer, dem man am Freitag das Fleischessen verweist = ich werde mich einst vor Gott verantworten Banzenh. Weⁿⁿ mr d Narreⁿ (Kinder NBreis.) z M. schickt, löseⁿ d Krämer Gëld man muss einen Auftrag niemand erteilen, der von der Sache nichts versteht Hi. Bf. Wëⁿⁿ mr deⁿ Esl uf deⁿ M. schickt, se löst dr Krämer s Gëld Str. Uf dr M. geʰⁿ Isenh. Su. Dü. Kumms mit uf m M.? Urbis. Hän guet M.! ruft man grüssend denen zu, die auf den M. gehen oder fahren, um ihre Waren zu verkaufen Umgeg. von Co. Als Antwort meist: Mⁱr wëˡˡn's hoffeⁿ! ‘Do hesch e Dahler! Geh uf de Märik, Kauf d'r was de wit, Nurr ohne jo un nein, nit!’ Anfang eines Spielreims Str. Stöber Volksb. 47. Hän ⁱʰr guet M. gha? grüssender Zuruf an die vom Markt Heimkehrenden Dammerk. Hüt how iʰ e gueteⁿ M. ghet K. Das siⁿ keⁱⁿ Lüt aˡs wëⁿⁿ si uf deⁿ M. geʰⁿ von Leuten, die sich nicht einer grossen Achtung erfreuen Bf. Eppis

[Bd. 1, Sp. 710b]
ab m Längener M. haⁿ stehlen, s. langeⁿ Eschenzw. Rda. Eineⁿ uf dr M. füeʰreⁿ zum besten haben Rapp. Eso eineⁿ (od. eini) find iʰ noch, wënn dr M. e Ënd het (uf is M.; verloffeⁿ is Str.) von Unverheirateten wegwerfend über eine Person des anderen Geschlechts Dü. Dr M. het bol e Ënd für e (ihn) er ist bald zu alt, um wählerisch zu sein, oder um zu heiraten Dü. s. Märkschatz. ‘hie z Strassburg uf dem merckt’ Str. 14. Jh. Brucker 203. ‘zu merckete broht’ Str. 15. Jh. ebd. 303. ‘macht er nicht lang märckt mit jhm’ Geiler 19. Narr (Kl.) 2. Akkord, Verding: Hes tschoⁿ M. gmacht? Roppenzw. Schweiz. 4, 409. Bayer. 1, 1652. Eifel.

Abeⁿdmärk [Ówə(s)mærik Str.; Nûmarik, wobei das vorgeschlagene N als Rest des best. Art. im Acc. aufzufassen ist K. Z.; Ówəmarik Brum. Geud. Betschd.; Ówətmarik Lobs. Bühl Han., –márik Rothb.; †Ôwətmǽrk Lohr Büst] m. 1. grösserer, freier Platz urspr. im Dorfe vor der Laube, jetzt vor dem Dorfe, wo an den Sonntagabenden die männliche u. weibliche Jugend über 16 Jahren zu allerhand Spiel und Kurzweil zusammenkommt; 2. diese Zusammenkunft selbst; zu gleicher Zeit halten die Alten gruppenweise A. vor den einzelnen Hofthoren Z. Han. JB. XI 156. Rathgeber ‘Die Grafschaft Hanau-Lichtenberg 167. s. auch Rinkeⁿschläpplis. ‘Actum d. 4. Aprilis 1741. Es wurde hier geredet von denen gottlosen bey hiesiger Burger-Laube gewöhnlichen Abendmärkten derer jungen Leute beederley Geschlechts, dass solche, wo immer möglich, abgestellet werden’ Pfarrarchiv von Mittelhsn.

Chriskindlsmärk m. Weihnachtsmesse, auf der Tannenbäume, Christbaumschmuck und Spielwaren feil gehalten werden; ein Hauptanziehungspunkt für jung und alt aus Stadt und Land Str. s. die drei Gedichte über den C. von C. F. Hartmann Schk. 89 ff.