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Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Morgeⁿ bis Süessmark (Bd. 1, Sp. 707b bis 709a)
 
  Morgeⁿ I[Môrkə S.; Mòrkə O. bis sü. von Co.; Mòrjə Co. u. nö. davon fast allg.; Morjə M.; Môrjə Ndrröd.; Màrjə Ndrlauterb.; Marjə Wingen b. W.; Mòəjə W.] m. Morgen, Tageszeit bis gegen 9 Uhr. Landauf landab gilt allg. als Frühgruss: Gueteⁿ M.! oder Gotte M.! K. Z. Han. Saarunion. Guteⁿ Morn! Stundw.; als Antwort allg. Dank dⁱr Gott! Dank ü(ch) Gott! selten Boschor! = frz. Bonjour Dollern. Gotte Morjeⁿ, do is besser aˡs dusseⁿ stehende Grussformel, wenn man an einem kalten Wintermorgen in eine gut geheizte Stube eintritt Z. JB. XI 143. Eim deⁿ gotteⁿ Morjeⁿ gën den Morgengruss entbieten U. A. Gueteⁿ M.! — B. Hörs? dis Lueder seit schuⁿ wider, iʰ soˡˡt verwurgeⁿ! Biesh. Z M. ësseⁿ frühstücken, den Morgenimbiss einnehmen; davon das Subst. n-e Zmorge-n-ësseⁿ Su., s Zmorje-n-ësseⁿ Dü. Z., worunter der Bauer die erste warme Hauptmahlzeit des Tages, zwischen 8 und 11 Uhr, versteht und welche Sonntags gleich nach dem Morgengottesdienst eingenommen wird K. Z. Han. ‘Grad sinn m'r ferdi g'sinn mit uns'rm Z'morje-n-esse’ Hirtz Ged. 174. ‘sobald sie aber zu morgen gessen haben’ Geiler 75. Narr (Kl.) Hait (habt) ⁱʰr tscho z M. gha? S. Hän ⁱʰr z M. gësseⁿ? Scherzhafte Antwort: Ers e Mol hüt [het] Dollern, oder: Jo, s gedënkt mⁱr bol nim (nicht mehr) Geiswasser. Ds Morjeⁿs Str. Wörth Betschd., ds Morjeⁿds und ds Moriⁿds Hf., ds Moris K. Ingenh. Prinzh. = des Morgens, morgens.

[Bd. 1, Sp. 708a]
Am M. vor Tau (Tag) in der Morgendämmerung Zinsw. Dënne M. heute morgen Co. U. Mini Mäj hat awer d. M. gehauⁿ wi dr bar Satan Altw. Hüte M. [hetə Mòrkə Dessenh., Mòrjə Co.; hit àm Mòrjə Schlettst.; hitə Mòrjə U.] heute früh, heute morgen. Moʳne M. Co., s. morn. ‘Morge-Roth, Zohwe Koth’ Mü. Mat. 4, 59. ‘fom moorgä bïs zoovä’ Landsman Lied. 118. Dr letscht Morjeⁿ der Morgen des Tages vor Weihnachten; an diesem Morgen stehen die Drescher sehr früh auf und dreschen zum letzten Male im alten Jahr Z.; auch ‘der frühe Morgen’ JB. I 87. — Schweiz. 4, 403. Bayer. 1, 1648.

 PfWB  LothWB  RhWB morn(e), morm, morgeⁿ [môrn Fisl. Pfetterhsn. Sier. Mü. Ingersh. Winzenh.; mòrn Lutterb. Bitschw. Su. Geberschw. Logelnh. Co. Dü. Bf. Osthsn. Barr Illk. Hf. Roppenh.; morn M.; mòrən Co.; mùrnə Obbruck; mòrnə Steinb. Hf. Z. Dunzenh.; môrnə Mü.; mòrjə Str. Brum. Buchsw. Hagenau Wörth Betschd. Lützelstn. Lohr; màrjə Ndrlauterb. Büst; mòrm Bisch. Mutzig Geisp. K. Säsolsh. Furchhsn. Ingenh. Dunzenh. Gimbrett; môrm Kindw.; mòr Geud.; mòn in nachlässiger Rede Hf.] Adv. morgen. Jo, kumm morn dureʰ kurze Abweisung Sier. Bitschw. Su. Geberschw. De chunns morn dureʰ un brings mⁱr für e Su gester mit Fisl., ähnl. Co. In gleicher Bed. Ja, m. bacheⁿ mⁱr Illk. Str., oder noch kürzer Ja, morjeⁿ! Str. Kumms m. durich, wënn d Stroi (Stroh) in deⁿ Hülschueʰⁿ [Helya Holzschuhen] hes Dü. Kumm iʰ hüt nit, kumm iʰ m. spottend oder scheltend zu einem, der langsam arbeitet, geht u. s. w. Ruf. Dü. Str. U. Gigl, Gigl ratze, morm kummeⁿ d Spatzeⁿ, üwrmorm d Finkeⁿ u. s. w. Kinderreim aus Dunzenh. JB. XII 114. Brüederle, morm git's Kuttleⁿ! sagt jem. in Voraussicht auf ein angenehmes Ereignis Dunzenh. Allez, allez (frz.), mach Firoweⁿ, morn is widr e Tag, wo nix draⁿ gmacht is! Ruf. ‘morn’ Chron. Altswert 49, 15. Hochz. ‘wie sie morn wolten liegen’ lügen Brant Narr. Vorr. 100. ‘morn’ Geiler Bilg. 196. Dasyp. ‘morn’ Hochz. 1687. ‘Gehn mer uf Ekkelse morn?’ Pfm. I 6. Morne Morgeⁿ Liebsd. Hlkr., morn am Morgeⁿ Geberschw., morn deⁿ Morgeⁿ Steinb., moʳn deⁿ Morjeⁿ Co., morne Morjeⁿ und morn deⁿ Morjeⁿ M. Mütt., morne Morjeⁿ Ingersh.

[Bd. 1, Sp. 708b]
Barr K. Z., auch morjeⁿ Morjeⁿ Bisch. Z., mone Morjeⁿ Illk., morne Morne Hf., morne Morn, morjeⁿ ds Morjeⁿds ebd. ‘und söllent die zwey morndes nit us dem turn gelossen werden’ Str. 1471 Brucker 460. ‘morndes so der tag härbricht’ Geiler P. III 81. — Schweiz. 4, 419. Hess. 272 môr morgen.

 PfWB  LothWB  RhWB übermorn, übermorm, übermorgeⁿ [ìwərmòrn Mü.; ewərmòrm K. Z.; ewərmòrjə Str. Betschd. Lohr; iwəmòəjə Wh.] Adv. übermorgen. s. Fink I Seite 122. ‘Bis iwermorn bisch wieder do’ Mü. JB. II 172. — Schweiz. 4, 420.

mornderig [mòrntərik Geberschw.; môrntrik Horbg.; mòrntrik Mütt.; mòntərik Bf.] 1. Adj. auf morgen fallend. Dr m. Taj Horbg. M. Mütt. E morndrigi Arwet Geberschw. Mornderigs am folgenden Morgen Mü. Geberschw. ‘mornderig crastinus’ Dasyp. 2. Adv. des andern Morgens ‘mornderigs’ Petri 266. ‘mornderigen tags’ ders. 347. — Schweiz. 4, 420. Schwäb. 372. 390 mondrigs.

morgig, mornig [môrkik Liebsd.; mòrkik Katzent.] Adj. morgig, von morgen. Wenn de d morgige Zitiⁿg glëseⁿ hes, brings mⁱr sⁱe Liebsd. Morgigi Milich Milch vom Vormittag Katzent. ‘du bist des mornigen tags kein herr’ Fisch. Garg. 142. — Schweiz. 4, 404. Schwäb. 390.

Morgeⁿ IIm. Mass für Bodenflächen, welches nach den einzelnen Gegenden verschieden ist, z. B. 30 a NBreis., 26 bis 35 a Dü., 32 a Ndrlauterb., 7 a Tieffenb. Im Han. findet sich dieses Mass vielfach in den General-Banns-Renovations-Protokollen aus der 2. Hälfte des 17. Jh. Bei Einführung des frz. Feldmasses, 1721, fängt M. an zu verschwinden Hf. Drei halwi M. sin e Irt Dü. Demin. Mörjele [Mèrjələ]: e klein halb M. Dü.
 
 
Mark I, March [Mâr Pfetterhsn.; Mârk Hi. Banzenh.; Màrk Ruf. Su. Bf.; Mòrik Dachstn. K. Dunzenh. Ingenh. Gimbrett; Màrik M. Str. Hf. Wörth Betschd.] n. Mark. Ein gellender Schrei geʰt eim durch M. e Bei(n) allg. ‘Es geht eim gar durchs bein vnd Marck’ Fisch. Flöhh. 1619. s is eso kalt, dass eim s M. in deⁿ Knocheⁿ verfriert Bf. Zss. Morikbein Markknochen Ingenh. Moriknöpfle Markklöse ebd. — Schweiz. 4, 400. Bayer. 1, 1647.

[Bd. 1, Sp. 709a]

Habermark m. gemeiner Wiesenbocksbart, Tragopogon pratensis Kirschl. 1, 430. H. macht d Bueweⁿ stark; Ägerling macht d Maidle gring Banzenh. Der Stengel wird von Kindern gegessen Osenb. Bf. Molsh. H. macht d Bueweⁿ stark, Gänsedrëck macht d Maidle nëtt sagen die Knaben in Obhergh. NBreis.Schweiz. 4, 393. Bayer. 1, 1034.  DWB DWB. 4, 84.

Hammelemark n. Bed. wie Habermark Mittl.

Rückgrateⁿmark n. Rückenmark.

Süessmark Wiesenbocksbart, Tragopogon pratensis Ruf. Co.