Wörterbuchnetz
Wörterbuch der elsässischen Mundarten  
 
Muer bis murzig (Bd. 1, Sp. 704b bis 705b)
 
  Muer [Myər und Myar O. Barr K. Dunzenh. Ingenh. Rothb.; Myùr M.; Mŷr Ndhsn. Str. Brum. Han. Wörth; Múr Lobs. Betschd. Büst; Myərə f. Pfetterhsn.; Mýr n. Roppenzw.; Mùər Urbis Hüss.; Demin. Mierlə als Flurname JB. IX 242]

[Bd. 1, Sp. 705a]
m. 1. Morast, Sumpf, Schlamm, Gassenkot; Sumpfgegend Olti.; tiefe Stelle im Fluss Roppenzw. Do is ni guet z badeⁿ, meⁿ versinkt ganz im M. Geberschw. D versufs in dëm M.! Roppenzw. Was tapps allewil im M. (Kot) umme? Hlkr. Mr kaⁿⁿ nit durich geʰⁿ, s is alles ein M. Co. ‘wir suochen gewinn in dieffem muor’ Brant Narr. 108, 103. ‘felt ins wasser und mhr’ Frey 9. ‘Limus schleim, mr, moss’ Gol. 37. ‘Gleich wie im Mur und schleim ein Frosch’ Fisch. Garg. 9. ‘ein Mur oder gemöß’ ds. 424. ‘durch das schilff vnnd muer aller dreyer wassergräben’ Petri 416. ‘La vase der muhr’ Martin Acheminement 134. ‘Do muess merr aim verzeye, wemmerr halt us Verdruss e bissel proxt und gräxt un wie e Frosch im Muer bis in d’ Nacht nyn quäxt’ Pfm. II 5. ‘Wer dief dappt in de Muer, der blyt halt dief drinn stekke’ ebd. IV 1. Dort isch e Plätzel ohne Muer’ Hirtz Ged. 222. 2. n. Deich, Querdamm über einen Fluss od. Bach, um das Wasser für Mühlen zu stauen Beblenh. (anstatt Wuer). Zss. Muerendt Baldner, –vogel ebd., –grundel, –karpeⁿ, –lach, –loch. — Schweiz. 4, 386. Bayer. 1, 1642.

Mueras, Moras [Mỳaràs Su.; Moràs Roppenzw. Dollern] m. 1. Morast. 2. Moras Eiter eines Geschwürs Dollern. — Schweiz. 4, 380. 387.

morassig [moràsik Roppenzw.] Adj. sumpfig.

muereⁿ [mỳarə Obhergh. Horbg.] beim Baden den Schlamm aufwühlen, so dass das Wasser schmutzig wird. Muer doch nit eso, s Wasser wurd jo ganz drëckig! — Schweiz. 4, 387.

Muere, Mueri [Myərə Rädersd.; Mỳəri Ruf.] m. der sich im Kot herumwälzt, im Kot spielt.

Drëckmueri m. unsauberer Mensch Ruf.

Muerleⁿ m. Betrüger Roppenzw.

muerig, muerecht [mỳərik, mỳarik O. bis Molsh.; mùərik Urbis; myùrik M.; mŷriχ Str. Brum. Han. Wörth; myəri Z.; mŷri Str.; múriχ Lobs.; mûriχ Betschd.; mŷræχt Str.; mriχt Kindw.] Adj. schlammig, sumpfig, kotig, bes. vom Wasser; vom Boden Olti., von Wiesen Hlkr. Mr kaⁿⁿ nit aⁿ s Bächle (um zu waschen), s is m. Co. Dëʳ Bodeⁿ is ni guet zum Aⁿpflanzeⁿ, r is z m. schlammig Ingersh.

[Bd. 1, Sp. 705b]
Auch der durch Niederschläge getrübte Urin ist m. Hf. Hol mⁱr e Flasch mörichteⁿ! ital. Rotwein Kindw. ‘Ich muess uff d’ Gass erab, sey's mueri odder trucke’ Hirtz Ged. 170. ‘murricht bourbeux’ Martin Coll. 114. ‘murecht limonneux’ Mosch. Anl. 313. — Schweiz. 4, 387.

muerleⁿ [mỳarlə Horbg. Kaysersb.; myrlə Illk.; mŷrlə Str.; mýrələ Steinbr.] 1. nach Schlamm schmecken; Fische aus stehenden oder sumpfigen Gewässern m.; an einem feuchten Wiesenplatze muerlt's Steinbr. 2. durch Aufrühren des Schlammes das Wasser beschmutzen Illk. 3. betrügen, im Kartenspiel Roppenzw. Schweiz. 4, 387. Bayer. 1, 1643.

muerzeⁿ [mŷrtsə Ingw.] von Fischen, nach Schlamm schmecken.

 PfWB murzig [múrtsiχ Büst] Adj. moorig, sumpfig, von Wiesen.